Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 6 (24.3.1899)
- Date
- 1899-03-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Wien, Freilag Jüdisches Volksldatt 2!-. März 1800 Seite 3 verborgenen Anhänger im ärztlichen Stande selbst wurde die Hetze gegen die jüdischen Aerzte betrieben, auch die geheime Agitation rastete nicht, und von der neuestens im politischen Kampfe so oft missbrauchten Kanzel herab wurden den Andächtigen Worte nicht eben christlicher Nächstenliebe zugerufen und von dieser Stelle aus der Bevölkerung nachdrücklichst gepredigt, bei keinem jüdischen Arzte Hilfe zu suchen, da die jüdischen Aerzte der niedrigsten Sinnlichkeit huldigen! Es wird auch keinen Kenner der Wiener Communal-Verhältnisse überraschen, dass, gleichwie die jüdischen Lehrer, auch die jüdischen Aerzte, die sich im Dienste der Commune befinden, bei Vorrückungen stets übergangen und ihnen Personen vorgezogen werden, denen die gesetzlichen Vorbedingungen gänzlich mangeln. Wenn auf diese gleich verlogene, wie verbrecherische Weise die Juden in einem Berufe geschädigt werden, welcher seit Jahrhunderten ihnen frei zugänglich war und in welchem sie Bedeutendes geleistet haben, wenn ihre Existenz hier untergraben, ja in vielen Füllen zugrunde gerichtet wird, so ist es die Pflicht aller Juden, dieser drohenden Gefahr einmülhig sich entgegenzustellen. Hüten wir uns, die Hetze wieder mit Hetze zu beantworten. Wenn die jüdischen Aerzte selbst in der Zeit des finstersten Judenhasses sich behaupten konnten und das Vertrauen der Bevölkerung und der Mächtigen sich erwarben, so hatten sie dies jenen Eigenschaften zu verdanken, welche zu den schätzenswertesten Qualitäten des Arztes gehören: peinlichste Gewissenhaftigkeit und Menschenliebe ohne Unterschied der Classen und Nassen, sittlicher Ernst und wissenschaftliche Bildung. Die Cultivierung dieser Eigenschaften ist für die jüdischen Aerzte sicherlich die beste Waffe im Kampfe um das Dasein, das beste Gegenmittel gegen das Gift der Verleumdung. Ob dieser Gewissheit aber dürfen wir doch niemals die Pflichten der jüdischen Gesammtbevölkernng gegenüber den jüdischen Aerzten vergessen. Der schwerste Fehler war eine Unterschätzung der Gefahren des Antisemitismus, und die beste Taktik, demselben zu begegnen ist, ihm womöglich zuvorzukommen. Das jüdische Volk hat die Aufgabe, durch eine stramme Organisatwn, durch zielbewusste Hebung und Weckung seiner Kräfte, durch planmäßige und zweckentsprechende Vertheilung derselben, den wirtschaftlichen Gefahren, mit denen uns der Antisemitismus bedroht, kräftigst Widerstand zu leisten. Wenn wir auch getrost sagen können, dass die jüdischen Aerzte, je höher ihr sittlicher Wert, je größer ihr Wissen und Können, durch eigene Tüchtigkeit alle Anschläge auf ihre Existenz abwehren werden, so halten wir es doch für sehr wahrscheinlich, dass dieHetze der Antisemiten, wenn sie in ihren Folgen jüdischerseits unterschätzt wird,, temporär großen Schaden stiften kann. Wir müssen Sorge tragen, dass den jüdischen Aerzten. deren Existenz unterbunden worden ist, Gelegenheit zur Bethätigung auf großen Arbeitsgebieten und zur Cultivierung aller jener Eigenschaften, die sie bisher auszeichneten, gesichert werde. Die jüdische Wohlthätigkeit möge nicht nur im Auge behalten. Armen und Kranken zu helfen, sondern auch im eigenen Volke jene Personen wirtschaftlich unabhängig zu stellen, die ihr Leben den erhabenen Aufgaben der Humanität, der Jugenderziehung und der Krankenpflege gewidmet haben. Inland. Zur mährisch-jüdischen Kueger-Affaire. Brünn. Die unerhört schimpfliche Beleidigung, die einige Herren des mährisch-jüdischen Landesmassafonds den Juden ganz Oesterreichs zugefügt, ist gestern in Brünn öffentlich zur Sprache gekommen. Der »Jüdische Bolksverein" hatte für gestern eine öffentliche jüdische BolksversaM mlun g in Brünn veranlasst, um der dortigen Judenschaft Gelegenheit zu geben, gegen diese ehrlose That Stellung zu nehmen. Die Voraussetzung, mitder nun an die Einberufung dieser Versammlung gegangen wurde, hat sich erfüllt. Der Verlauf des Abends hat nicht mir gezeigt, dass die Brünner Judenschaft keineswegs gewillt ist, sich mit den j ü d i s ch e n A n t i s e m i t e n, die für die Verwaltung des Landesmassafonds maßgebend sind, solidarisch zu erklären, er hat sich auch zu einem glänzenden Erfolge für die Ideen der jüdischen Volkspartei gestaltet. Der Saal, in dem die Versammlung stattfand, erwies sich als viel zu klein; dicht gedrängt saßen und standen die Leute im Saale, die Thüren mussten geöffnet und die Benützung der Garderobe als zweites Versammlungslocal gestattet werden, selbst die Stiegen tragische Schuld auf sich geladen, welche nur mit dem Leben gesühnt werden kann, dann muss eben die dramatische Katastrophe in sinngemäßer Entwicklung, ohne verschlungene Seitenalleen und ohne den Ballast lästigen Beiwerkes eintreten, will das ohnehin spärliche Wässerchen der Handlung nicht gänzlich in dem Sandboden abgebrauchter Phrasen einsickern. Auch in diesem Stücke morgenländischer Häuslichkeit thaten die Schauspieler ihr Bestes. Mit warmem Pathos, nur vielleicht zu gedehnt nnd breitspurig, sprach Herr S o n n e n t h a l die stellenweise klangvollen Verse, und Fräulein Medelsky lieh der Sobe'lde die gewinnende Innigkeit und Grazie ihrer künstlerischen Individualität, Doch auch alles Können dieser hervorragenden Kräfte unserer Hosbühne war nicht imstande, dem Werke widerspruchslose Anerkennung zu erringen, zumal die übrigen Rollen nicht die glücklichste Besetzung aufwiesen. Hölzern, beinahe mit Unbehagen, polterte Herr D e v r i e n t über die Bretter, und auch Herr G i m n i g ließ manches feine Detail in der mimischen Behandlung seines Parts verbissen. Die lebens- und liebenslustige Witwe gab Frau K a l l i n a, ein Wesen, welches selbst im alten Persien mehr Glut und bestrickenden Reiz entfaltet haben müsste, um die aufflammende Begeisterung zweier Generationen begreiflich erscheinen zu lassen. Emil Gross. waren beseht. Trotzdem mussten noch gegen zweihundert Personen wegen Raummangels unverrichteter Dinge abziehen. Selbstverständlich waren sämmtliche Mitglieder des Cnratoriums nnd alle Delegierten, sowie die Vorstände der Brünner Cultusgemeinde mittelst rccommandierten Schreiben geladen worden. Mit Ausnahme einiger Provinzdelegierter war ebenso selbstverständlich niemand erschienen. Diese Leute, die sich eines solch erbärmlichen Vorgehens schuldig gemacht hatten und bei verschlossenen Thüren sich dessen spöttisch rühmten, waren zu feige, für ihr ruhmvolles Werk selbst einzustehen. Vielleicht ist es so besser; es ist nur ein Schritt mehr zu ihrem Grabe. Die Empörung der Brünner Judenschaft, die mit elementarer Gewalt losbrach, die Begeisterung, mit der sie die Ideen der jüdischen Volkspartei aufnahm, lassen uns hoffen, dass die nächsten Schritte gegen die Vergewaltiger der jüdischen Ehre ebenso unterstützt werden dürften, wie dieser erste. Nachstehend der Bericht der Versammlung. Namens der Einberufer eröffnete Herr Munk die Versammlung mit einigen einleitenden Worten und schritt sodann zur Wahl des Bureaus.Gewählt wurden zum I.Vorsitzenden Herr Dr. Löw enstein, zum zweiten Herr Hcckl, zum Schriftführer Herr Z i z m a n n. Sodann ertheilt der Vorsitzende dem Referenten, Parteigenossen Richard Rappaport das. Wort. Referent citiert einen Satz aus einem Briefe Henrik Ibsens an den uns rasseverwandten Georg Brandes, in welchem Ibsen die Juden die Aristokratie der Menschheit nennt, weil sie es verstanden hätten, trotz der Unterdrückung von außen nach innen fick immer eine autonome, freigewählle Verwaltung zu sichern. Dies seien die Cultusgemeinden mit ihrem Vorstand an der Spitze. Redner erörtert die Bedeutung der Cultusvorstände-Jnstitution für die gesammte Judenschaft und geht sodann aus die Landesorganisationen, insbesondere auf den mährisch-jüdischen Landesmassafonds, über. Die Bedeutung dieses Fonds für die gesammte, zunml für die mährische Judenschaft sei klar. Bislang aber sei der Fonds in den Diensten der deutschliberalen Partei geradezu nussbraucht worden. So habe die Verwaltung dieses Fonds die jüdischen Gemeinden Mährens durch die Drohung der Subventionsentziehung gezwungen, für die deutschliberale Partei zu stimmen. Doch alles dies sei geradezu nichts gegen die unerhörte Frevelthat, welche die Verwaltung im letzten Jahre begangen. Redner schildert eindringlichst das Treiben der antisemitischen Partei Wiens, und diese habe der jüdische Massafonds Mährens unterstützt, indem derselbe für 10.000 fl. Lueger-Actien im vorhin eins ubscribierte. (Stürmische Entrüstungsrufe). Welchen Grund konnten die Herren, respective der allmächtige Secrerär Dr. Oppenheim haben, die Ehre des jüdischen Volkes so in den Koth zu zerren, dass nunmehr schon wieder aus antisemitischer Seite der Ruf laut werde: „Der Jude ist für Geld zu allem zu haben?" Weun die Herren stichhältige Gründe für eine so unqualificierbare That hatten, so mögen sie aufstehen und sich rechtfertigen. Allein sie sind nicht einmal hier erschienen. So liegt dieVermuthungnahe, dass sie aus privatenGründen sich zu einer niedrigen Handlung erkaufen ließen. Redner erklärt sodann, dass derartige Dinge nur deshalb Vorkommen könnten, weil es den Juden an einer Organisation, ähnlich wie sie andere Parteien und Völker besitzen, mangle, und schließt mit den Worten: Organisieren wir uns zu unserem Heile, wie zu dem des Gesammtjudenthums! Hinweg mit diesen unberufenen Vertretern. Es lebe das jüdische Volk! (Brausender Beifall.) Als zweiter Redner spricht Herr Dr. Werner, Redncteur der „Welt", der mit warmen Worten der Versammlung nahelegt, die praktischen Consequenzen aus dem Referate zu ziehen und sich thatsächlich zu organisieren. Mit Hilfe der Organisation könne auch jene Gefahr beseitigt werden, die uns stets von Osten her droht, es könne der Ueberschuss des jüdischen Proletariats aus Galizien, Russland und Rumänien emigriert werden. Redner ersucht um einstimmige Annahme der von Hr.M u n k vorgeschlagenen Resolution, die nach einer ganz kurzen Debatte unter dröhnendem Beffall der Versammlung gegen eine Stimme, die dem Freunde des Sohnes Dr. Oppenheims angehört, angenommen wird. Die Resolution lautet: Die am 23. März d. I. im Engelmann- Saal des Deutschen Hauses, versammelten jüdischen Bürger sprechen ihre tiefste Entrüstung undihr größtesBedauernüber das Vorgehen des mährisch-jüdischen Landesmassafonds aus und fordern denselben aufs energischeste ausi die angekaufte Wiener- Gas a n l e i h e s ch l e u n i g st z u verkaufen. Die Affaire selbst, sowie diese Resolution sind von solcher Wichtigkeit, dass wir nicht an ihrer Würdigung von Seite aller gesinnungsverwandten Blätter und Organisationen zweifeln. Zu Auskünften ist die Redaction gerne bereit. Horn. (Fried Hofs sch ändung.) Beispiellose Roh? heiten des Antisemitismus gehören hier nicht zu den Seltenheiten. Vor einigen Tagen haben unbekannte Bursche die Hohe Mauer des hiesigen israelitischen Friedhofes erstiegen und daselbst durch Umwerfen von zwölf Grabsteinen und sonstigen Unfug an den Gräbern Verwüstungen angerichtet. Die Fälle von Grabschändungen ereignen sich in letzter Zeit öfters, doch ist es bisher noch nicht gelungen, der Thäter habhaft zu werden. Hradisch. (Ein neues s l a v i s ch e s Blatt.) Seit einigen Monaten :rscheint hier ein böhmisches Wochenblatt, das sich als fortschrittliches gibt, übrigens aber nicht so unpraktisch ist, diesen Liberalismus auch auf uns Juden auszudehnen. In einigen Artikeln lässt sich zwar eine gewisie Objectivität und höhere Auffassung nicht verkennen, indem in denselben auf die Schwierigkeit eines wirtschaftlichen Kampfes gegen jüdische Concurrenz, sowohl auf dem commerciellen als auf manchen anderen Gebieten, hingewiesen und als Ursache derselben die Regsamkeit und Tüchtigkeit des jüdischen Kaufmannes einerseits und das Vertrauen der bäuerlichen Bevölkerung andererseits bezeichnet wird. Diesen Artikeln stehen jedoch einige' andere gegenüber, in denen der Jude als das verderbliche Element geschildert wird, das sich auf Kosten der übrigen Bevölkerung bereichern will nnd hierbei keinerlei Mittel und Wege scheut, kurz, das alte Märchen von den jüdischen Ausbeutern. Nebenbei bemerkt, lassen uns solche Anwürfe der Herren ziemlich kalt, schon aus dem Grunde, weil diese Beschuldigungen, wie überall, so ganz besonders in unserer Gegend, völlig grundlos sind. 30 bis 40 Jahre lebt mancher Jude auf n dem Dorfe, ohne, wenn er von seinem Geschäftchen in eis besseres Jenseits abberufen wird, mehr als eben diese Geschäftchen zu hinterlassen, und was die städtischen Kaufleute betrifft, so ist es hinlänglich bekannt, auf welch minimalen Nutzen namentlich die Mehlnnd Specereiwarenhändler angewiesen sind. Die beste Widerlegung finden jene Anwürfe aber jedenfalls in dem großeir und durch all die Hetzblätter nicht zu erschütternden Vertrauen, welches die Bauern zu den Inden haben, nnd wenn man bedenkt, wie misstrauisch die Bauern meistens sind, so wird man wohl schließen dürfen, dass wir uns dieses Vertrauen nicht durch Hinterlist und Uebelwolleu, sondern durch Theilnahme und Redlichkeit erworben haben und dieses Vertrauen auch verdienen. Prag. (Ein Attentat ans die Taschen der armen Inden) verüben vier jüdische Großselcher, von denen so ziemlich alle Hausbesitzer sein dürften, dadurch, dass sie, die sie sich aus Coucurrenzueid bis in die jüngste Zeit befehdet haben, cartellieren, um die im Verhältnisse zur christlichen bereits genügend thenrere jüdische Selchware noch weiter zu erhöhen. Diese vier Monopolisierten berufen sich hierbei auf die Erhöhung der Fleischwaren, womit sie jedoch nichts begründen, umsomehr, als es die christlichen Selcher noch nicht unternommen haben, ihre christlichen Mitbürger in gleich perfider Weise ausznbeuten. Nachdem nur die frommen Inden den Ritus streng einhalten und unter denselben sich viele Arme befinden, so gehört es eben nicht zu den Werken jüdischer Nächstenliebe, auf diese Weise aus den armen Leuten noch Capital zu schlagen. Horardiowitz.(Ein ca ssi er t er A ns w e isungsbefehl.) Ein ganz eigeuthümlicher Fall von Unduldsamkeit und Verfolgungswuth trug sich kürzlich in unserer Stadt zu, dessen schlimme Folgen nur durch Gerichtsbeschluss von dem Betroffenen abgewendet wurden. Der Fall ist der folgende: Der Glaser Abraham Schwarzkopf ans Langendorf, Vater von 9 unversorgten Kindern, begieng in Schüttenhofen, wo derselbe ansässig war, ein Vergehen (Beleidigung der katholischen Kirche und deren Institutionen), um dessentwillen er vom Kreisgerichte Pisek am 5. Jänner 1898 zu dreiwöchentlichem Arreste vernrtheilt wurde, einer Strafe, die er auch thatsächlich abgebüßt. Hierauf übersiedelte er mit seiner Familie nach Horazdiowitz. Das Verordneten-Collegium der letzteren Stadt beschloss in der Sitzung vom 1. Juni 1898 einstimmig, den Genannten sammt seiner Familie anszuweisen, da er abgestraft sei. Schwarzkopf recnrrierte gegen diesen Bescheid an die Bezirkshauptmannschaft Strakonitz, und diese cassierte unter dem 25. Jänner d. I. den Ausweisungsbefehl mit folgenden Gründen: Es ist durchaus nichl sichergestellt, dass Abraham Schwarzkopf der öffentlichen Wohlthätigkeit zur Last fiele, ebensowenig, dass er einen unmoralischen Lebenswandel führe. Der Umstand, dass der Genannte abgestraft sei, habe mit seinem jetzigen Wohnorte nichts zu schaffen, da er das bewusste Vergehen in einer anderen Stadt, nämlich in Schüttenhofen, begangen. Ausland (Paris.) Am Sonntag den 19. März fand hier eine Sitzung der im Centralcomite der „Choveve Zion" vereinigten Colonisations - Gesellschaften statt, in der wichtige Beschlüsse gefasst wurden. Der Bericht über Kastineh (Beer Tobiah) war sehr vielversprechend, denn es konnte mitgetheilt werden, dass die Einnahmen allein ans dem Verkaufe von Weizen mehr als 2000 Francs pro Familie antreffen nnd außerdem noch jedem Colonisten für seinen Hausbedarf genug verblieben ist. Außerdem hat noch jede Familie hübsche Einnahmen aus der Geflügelzucht, dem Anbau von Sesam, Gerste rc, erzielt, wogegen freilich das Biehfntter theilweise zugekauft werden musste. Die Colonisten erhalten schon seit einem Jahre keine Unterstützung mehr und sind jetzt vollkommen in der Lage, sich selbst zu erhalten. Im nächsten Jahre, d. h. von der kommenden Ernte an, werden die Colonisten mit den Abzahlungen beginnen, die natürlich auf eine längere Reihe von Jahren vertheilt sind. Es ist als ein großer Erfolg zu bezeichnen, dass in dieser erst dreijährigen Colonie die jüdische«: Bauern schon sich vollkommen selbstständig^erhalten können, und ist der Hauptfactor so schöner Resultate jedenfalls in dem Getreidebau zu suchen, der schnellere Resultate liefert, als die Wein- oder Oel-Pflanzungen. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung ist die neue Colonie Machnaim, über die Dr. Salz aus Tarnow berichtet. Ein weiterer Bericht liegt von Margulies-Kalvansky vor. Es geht aus den Mittheilungen hervor, dass 12 galizische Juden und 4 Jerusalemer Familien auf der Colonie sind, dass die Galizianer vorläufig ohne ihre Familien gekommen sind und dass die Bestellungsarbeiten auf einem Terrain von ca. 4000 Dunam begonnen sind. Zur Aufnahme der Colonisten ist bis zum definitiven Hänserbau eine große Baracke errichtet. Die Galizianer haben sich eine Milchwirtschaft eingerichtet, für deren Products die nahegelegene Stadt Safed genügenden Absatz bietet. Zur Oberleitung dieser Colonie setzt das Centralcomite eine kleine Behörde ein, bestehend aus Herrn Bromberg ans Tarnow, der in Macknaim weilt, Margulies-Kalvansky, dem Administrator der „Jewisl: Colonisation Association" in Mischmar Hajarden und Wormser, dem Administrator von Rosch Pinah; zur Leitung der gärtnerischen Arbeiten ist ein ausgelernter Schüler von Mikweh Israel berufen worden. Sehr rühmend wird das Entgegenkommen der Administrationen anerkannt, die den Colonisten Arzt, Apotheke, Schule, Mikweh rc. frei zur Verfügung stellen, während leider die Haltung der Colonisten von Rosch Pinah recht unfreundlich gegen ihre neuen Colonisten ist. Das Centralcomite beschließt, dieser Colonie Machnaim eine Subvention vou 40.000 Francs, zu der die angeschlvssenen Vereine nach ihren Kräften beisteuert: werden, zu gewähren. Allgemein erkannte man rühmend die Thätigkeit des Vereines »Chawass Zion" an, der in zwei Jahren 40.000 Francs nur in Galizien gesammelt hat, und hob hervor, dass diese erste Regung zur Selbsthilfe in Galizien wärmste