Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 5 (17.3.1899)
- Date
- 1899-03-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seift Wien, FreiUig Jüdisches Volksblatt 7. März 1899 Nr. 5 um Bernulassmrg weiterer Schritte. Der Untersuchungsrichter, ein noch junger Antisemit, erklärte dem Beschädigten, er könne als Untersuchungsrichter nur die Zustellung einer Borladung zur Einvernahme an die Tochter verfügen, behufs ihrer Verhaftung wies er aber denselben an den Vormundschaftsrichter (?) und wollte keinen Auftrag an die Gendarmerie ertheilen. Als der mit dem Beschädigten erschienene Sollicitator einer hiesigen Advocatnrskanzlei, der auch Jude ist, den Untersuchungsrichter ersuchte, wenn möglich, doch einen Auftrag an die k. k. Gendarmerie zu erlassen, wurde vom Richter mit den Worten: ..Jak mi sie Pan bedsiesz miszcl \v sprawabh karnycb, to ja sie do Pana inaczej wezme“, d. h.: „Wenn Sie sich mir in Strassachen mischen werden, so werde ich gegen Sie anders zuwerke gehen", angefahren. Der Herr Untersuchungsrichter scheint den Paragraph 82 der Geschäftsordnung der Gerichte nicht zu kennen, sonst wüsste er jedenfalls, dass jedermann, ja sogar ein Jude!! das Recht habe, ein anständiges, ruhiges und höfliches Benehmen von den Herren k. k. Beamten zu verlangen. Erst als der Sollicitator die Kanzlei verlassen hatte, ließ sich der Untersuchungsrichter doch herbei, einen Auftrag an die k. k. Gendarmerie zu ertheilen. Pest. (Eine jüdische M i t t e l s ch u l e.j Wie man ans Budapest berichtet, hat der jüngst Heimgegangene?(. Wahrmann unter den verschiedenen Legaten auch ein solches mit der Summe von 300.000 fl. zur Gründung einer speciell israelitischen Mittelschule bestimmt. Dass eine solche jüdische Mittelschule nicht nur eine große Lücke im Judenthnm ansfüllt, sondern zu den sehnlichsten pii desiderii der gestimmten jüdischen Nation gehört, wird jeder Jude, der es mit dem Judenthnm ernst meint, zngeben. Es bleibt nur zu wünschen, dass assimilatorische Hände sich nicht in die Gründung einmengen und anstatt einer jüdischen eine magyarische Mittelschule daraus machen. Denn es ist lange nicht genug, dass man dem Judenthnm die Concession macht, Samstag die Schule geschlossen zu halten und am Sonntag zu unterrichten. Der Schwerpunkt der jüdischen Mittelschule liegt darin, dass durch den Unterricht der jüdische Nationalgeist, das jüdische Selbstbewusstsein, die Erkenntnis des hohen Wertes der jüdischen Geschichte und Geistescultnr geweckt und ausgebildet werde. Dies kann nur dadurch erzielt werden, dass in den Lesebüchern den jüdischen Größen, d. h. den Helden und Geistesheroen des Jndenthums aller Zeiten ein hervorragender Raum angewiesen wird. Man kann ein aufrichtiger ungarischer Patriot sein, sich für die großen Geister und Charaktere der magyarischen Nation entflammen und dennoch mit Stolz auf die eigenen Männer zurückblicken, welche sich den magyarischen Größen ungescheut an die Seite stellen können. jüdischen Schulen lehrten alle Sprachen, vor allem aber ihre eigene Sprache, so dass man auf den Straßen Jerusalems neben dem jüdischen Deutsch und dem Französisch auch Hebräisch hören kann. Man müsse den Inden in Palästina anch eine große und kluge Geschäftstüchtigkeit nachrühmen." Wir Inden dürfen in der That auf dieses Urtheil des sachkundigen, mit Land und Leuten vertranten Geistlichen stolz sein. Sehr interessant war in dieser Generalversammlung auch der Jahres bericht des Vereins, aus dem hervorgeht, dass die Einnahmen 198.737 Mark betragen und die Ausgaben 131.397 Mark, und dass für die Errichtung einer Kirche auf dein den deutschen Katholiken vom Kaiser geschenkten Platze Dormician bereits 200.000 Mark eingegangen sind. Wie geringfügig nimmt sich diesen Summen gegenüber aus, was die deutschen Inden für ihre Glaubensgenossen im Heiligen Lande leisten. (Berlin.) Die lex Heintze hat dem Staatssecretär v. Nieder ding Ursache gegeben, über die Vermehrung der Unsittlichkeit an der Hand der Ziffern Klage zu führen. Er konnte feststellen, dass dieselben feit 1882 um beinahe die Hälfte gestiegen sind, wenn man die Steigerung der Bevölkerung mit in Anrechnung bringt in absoluter Ziffer sogar um noch mehr. Wir wollen nicht unter lassen, daraus hinzuweisen, dass wir Juden gerade bei diesen schweren Delicten überaus günstig stehen, wie aus folgender Tabelle hervorgeht. Die Ziffern sind der amtlichen Publi'cation der deutschen Criminalstatistik entnommen und können dort nach geprüft werden. 10a 10b 10c lOd lOo 10g 10h günstiger. Die Zahl der jüdischen Bauern in New-England ist bis auf 000 angewachsen, und in Woodbine gehöreit dem Comite nur noch 00 Häuser, gegen 99 im Besitze von Privatpersonen. Jahr übhpt.Jud. übhpt. Jud. übhpt.Jud übhpt .Jud übhpt. Jud. übhpt. Jud. übhpt.Jud. 1882 38 — 314 — 67 1 329 1 2852 39 1404 26 100 — 1883 44 1 330 1 34 1 269 3 2738 30 1277 23 127 2 1884 53 1 323 3 42 — 345 1 2756 38 1403 18 121 _ 1885 60 — 288 — 34 — 391 4 2864 33 1514 23 113 _ 1886 -54 — 338 1 34 — 373 2 3188 32 1465 16 159 4 1887 76 — 347 — 38 — 418 — 3134 28 1472 30 167 1 1888 59 — 312 — 46 — 353 3 3044 31 1377 18 203 2 188!) 57 — 326 — 43 — 367 2 3171 34 1404 22 172 3 1890 51 — 310 — 39 1 412 — 3254;) 1554 32 172 — 1891 61 — 404 1 39 — 446 1 3295 33 1689 34 195 3 1892 68 375 1 40 — 459 3452 23 1644 28 193 ■) 18:M 77 1 401 I 57 — 524 — 3761 40 1756 32 183 3 1891 81 — 415 2 51 — 529 2 4060 37 1871 20 246 8 1895 SO I 484 2 65 — 481 3 4116 43 2384 24 273 5 1896 75 I 462 — 62 — 53 5 0 4445 36 1905 24 319 2 Ausland (München.) Hier sind soeben die officiellen Statistiken erschienen, aus denen Sie so manches Detail interessieren dürfte. Die Zahl der Mischehen überhaupt beläuft sich aus 929, gegen 838 im Vorjahre, darunter 14 jüdische Mischehen, gegen 23 im Vorjahre. Für eine Stadt wie München mit circa 27.000 jüdischen Seelen ist dies im Hinblicke auf Berlin, wo täglich die jüdischen Mischehen mehr und mehr überhaud nehmen, bemerkenswert. — Dem schulstatistischen Ausweise ist zu entnehmen, dass von 7291 Volks- und Bürgerschulen im Königreiche Bayern 89 israelitische, von 24.815 Lehrern und Lehrerinnen 104 jüdische Lehrer und 10 Lehrerinnen sind. Hierbei sind Gymnasial- und Universitäts- Professoren nicht mitgerechnet. Die Volksschulen wurden von 5443 jüdischen Kindern Knaben und Mädchen, frequentiert. Als Illustration hierzu möge angeführt sein, dass in München bloß 2 antisemitische Blätter erscheinen, welche an Schwindsucht laborieren. (Frankfurt a. M.) Durch alle antisemitischen Zeitungen geht wieder einmal eine gleichlautende Notiz, in der die Erfolge der jüdischen Colonien in Palästina als ganz geringfügige möglichst in den Staub gezerrt werden. Im erfreulichen Gegensätze dazu steht die Behandlung, welche derselbe Gegenstand bei der Generalversammlung des deutschen Vereins „vom Heiligen Lande" gefunden hat, die am 6. März in unserer Stadt tagte. Pater Schmidt ans Jerusalem, der seinerzeit die deutschen Katholiken bei dem Besuche des Kaisers in Palästina vertreten hat, theilte über die Juden in Palästina folgendes mit: „Ueberall findet man blühende Colonien, in denen fleißig Ackerbau, Viehzucht und andere nützliche Arbeiten von den Inden betrieben würden. Die elften Jahrhundert Zeugnis ab, und ihre Beständigkeit im römischen Reiche wird uns durch die Berichte des Plinius und Artemidorus aus dem zweiten und des Grammatikers Servius aus dem fünften Jahrhundert verbürgt. Bei dieser Gelegenheit sei noch hervorgehoben, dass die Hebräerinnen über zwei Mittel verfügten, welche den Kleidern die blendende Weiße des Schnees, die Lieblingssarbe des jüdischen Alterthums, verliehen. Das eine war das von den Propheten Jeremia (2, 22) und Maleacht (3,2) im Munde geführte Borith, unter welchen wir ein Surrogat der Seife, die erst seit den Zeiten des Plinius und Galenus geschichtlich erwähnt wird, oder bestimmter nach der bis auf die Septuaginta zurückgehenden Ueberlieferung eine seifenartige Pflanze zu verstehen haben. Das andere war das von Jeremia (a. a. O.) erwähnte Resser, welches mit unserem Natron identisch ist. Es war schon von den ältesten Zeiten her ein bedeutender Handelsgegenstand und wurde besonders in Aegypten in zwei an der Westseite des Nil befindlichen Seen, von denen der größere in der nitrischen Wüste (Wüste von Scete), der kleinere nahe beim Mareotissee gelegen ist, in großen Mengen gewonnen. Dr. I. B. Prödlitz. Mau sieht, wenn man die Summe zieht, dass 1882 die Ziffer der jüdischen Verbrecher 67 betrug, dagegen 1801 nur 05. Dieselben sind also nicht nur nicht gestiegen, sondern sogar relativ zurückgegangen. Nur ein Verbrechen, 101, macht eine Ausnahme. Hier stieg die Zahl der jüdischen Verbrecher ebenso wie die der christlichen in diesen 15 Jahren auf mehr als das Doppelte, allein gerade bei diesem Verbrechen hat die Negierung anerkannt, dass die Rechtsprechung zu hart ist, indem sie die Strafgesetze in der neuen Vorlage milderte. Wir Juden sind also erfreulicherweise von der steigenden Unsittlichkeits-Epidemie nicht betroffen. (Paris.) Die Antisemiten in Algier haben einen neuen Schlag erlitten. Die Wahl Thomsons in Bone, die ans ihr Betreiben angefochten worden war, ist nach eingehender Untersllchung durch eine parlanrentarische Commission für giltig erklärt worden. Bei dieser Gelegenheit kam zur Sprache, dass Morinaud, einer der Hauptschreier der Antisemiten und durch sie zum Abgeordneten gewählt, noch 1892 sich als einer der heftigsten Gegner des Antisemitismus aufgespielt hat. Morinaud hat dies selbst zugegeben und als Begründung nur angeführt, dass die Juden der radicalen Partei untreu geworden und Opportunisten geworden seien. Dieser Vorgang wirft ein charakteristisches Streiflicht auf die inneren Gründe der antisemitischen Bewegung in Algier. (Algier.) Am 26. Februar fand hier ein großes Wohlthätigkeitsfest zum Besten der jüdischen Armen statt, die in dem Verlaufe des letzten Jahres so furchtbar zahlreich geworden sind. Das Fest, das einen sehr hübschen und ertragreichen Verlauf nahm, wurde in der zur Berflignng gestellten schönen Villa Nataf gefeiert mit Kirmess, Tombola, Tanz ic. Das Hauptverdienst um den schönen Verlauf des Festes hat sich diesmal Madame Bloch, die Frau unseres Oberrabbiners, erworben. (London.) Die Monatsversammlung der Anglo .Jewish Association fand am 5. März im Gread Western- Hotei statt. Dem Berichte entnehmen wir, dass das Lehrlingswerk in Bagdad erfreulich fortschreitet. Gegenwärtig sind 15 Lehrlinge nntergebracht: ein Schuster, ein Schneider, drei Kupferschmiede, vier Zimmerlente, zwei Gelbgießer und ein Drucker. Auch die Mädchenschule in Bagdad' wird allmählich populär, obwohl auch jetzt noch die Zahl der Schülerinnen viel zu gering ist im Verhältnis zu der großen Zahl der Juden in dieser Stadt. Die jüdische Schule in Chios hat 40 Schüler, darunter 17 Mohammedaner, ebenso günstige Resultate werden ans Haifa berichtet. In Jerusalem hat Adelmann den Posten eines Jnspectvrs der Eveline de Rothschild-Schule angenommen. Die Anglo Jewish Association bewilligte für die Schule in Bagdad, Mädchenschule, 640 Mark, Lehrlingswerk 040 Mark, Haifa Knabenschule 700 Mark, in Philippvpel 800 Mark, in Saloniki 3500 Mark, in Chios 900 Mark als Halbjahrsrate, 200 Mark für die Knabenschule in Haifa extra als Deckung des Deficits und 200 Mark für die Mädchenschule in Mogadvr zum Ankäufe von Medicin und Büchern. Erfreulicherweise hat die Anglo Jewish Association einen großen Erfolg zu verzeichnen, indem es gelungen ist, einen Zweigverein unter den Studenten der Universität Cambridge zu gründen. Man hofft, dass diese Studenten das Interesse für die Anglo Jewish Association in weitere Kreise tragen werden. (New-Avrk.) Auch in Baltimore hat sich ein jüdischer Club gebildet, der nach dem Muster der englischen „Maccabäans" und der hiesigen „Judäans" eine Sammelstätte der jüdischen Gesellschaft sein soll. Erfreulicherweise sind in diesem Vereine, der auch Damen als Mitglieder aufnimmt, Orthodoxe und Reformer in recht ehrlicher Freundschaft zusammen. Die „Judäans" gaben am 31. Jänner dem Dr. Cyrus Adler ein Diner, bei dem Mr. Albert Ulmaun über „Die Geschichte der Inden in der Stadt New-^ork in der holländischen Periode" und Dr. Kvwler über die Geschichte der Inden in der Colvnialperiode sprachen. .- Die Berichte aus den amerikanisch-jüdischen Colonien laufen wieder etwas Schulfragen. Jüdischer Unterricht in den Wiener Schulen. Wir stehen unmittelbar vor dem Passahfeste, dem Feste, von welchem wiederholt an unsere Väter der Befehl ergangen ist, den Kindern zu „erzählen", zu erzählen die Urgeschichte unseres Volkes, ihnen zu erzählen, dass sie Inden sind und durchaus keinen Grund haben, darob zu erröthen. Nach unserer alttestamentarischen Gesetzgebung ist die Erziehung der Kinder in erster Linie den Vätern auf die Seele gebunden. In unserer Thora heißt es, „Wenn dein Sohn Dich befragen wird, so hast Du die Pflicht, es ihm zu erzählen" — ja, erzählen, wenn er nur selbst was wüßte, ja die gute Zeit ist längst vorüber. Die Erziehung der Kinder besorgt jetzt statt des Vaters die Schule, und für die Schulen sorgt nicht mehr der einzelne, sondern die ganze Gemeinde, nunmehr obliegt den jüdischen Cultusvorstehern die Pflicht, für die jüdische, sagen wir religiöse Erziehung unserer Kinder zu sorgen. Die Pflicht haben sie wohl, aber wie erfüllen sie diese? Ein Fachmann, der seit vielen Jahren als Religionslehrer an den hiesigen Schulen thätig ist, schildert uns die kläglichen Zustände, die dazu führen, dass jüdische Ettern gezwungen sind, mit dem größten Weh im Herzen, ihre eigenen Kinder zur Taufe zu führen, oder mindestens dieselben confessionslos zu erklären, um sie von der, nur durch das Unverständnis des Unterricht ertheilenden Neligionslehrers als unerträgliche Last empfundenen Bürde des Unterrichtes zu befreien. Noch mehr! Der Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde hat, anstatt das Lehrermateriale zu verbessern und den Unterricht so einznrichten, dass die Schüler an ihm eine Freude haben, den ingeniösen Plan gefasst, das Hebräische ganz aus den Schulen zu eliminieren, d. h. den Kranken zu tödten, um die Curkosten zu ersparen. Bibelschulen wollten sie einrichten, aber es blieb nur beim Willen. In der Leopoltstadt z. B. wurde wirklich eine einzige Bibelschule eröffnet, doch war man so schlau, sie in das Tempelgebäude zu verlegen, wo es unmöglich war, eine bestimmte Stunde für den Unterricht festzusetzen. Nun ist d i ese Wirtschaft wohl zu Ende. Dafür hat sich an der Schlechte des Systems noch nichts geändert. Ans die Uebelstände der jetzigen Unterrichtsmethode werden wir noch zurückkommen, für jetzt wollen wir nur einige allgemeine Bemerkungen vorausschicken, die zur Erklärung der folgenden Forderungen nothwendig sind. Die jüdische Religion unterscheidet sich wesentlich von der christlichen. Sie ist in erster Reihe nicht dogmatisch, sie ist traditionell, geschichtlich und national. Sie ist mit der jüdischen Nation und deren Geschichte so eng verbunden, ie fußt so stark auf unserem nationalen Ursprünge und Volksleben, dass kein Gebot oder Verbot, kein Gesetz oder Verordnung, kein Festes- oder Trauertag vorhanden ist, dessen Ursprung nicht auf die Geschichte der Juden zurückzuführen wäre. Alle unsere Gesetze haben den Nachsatz: Gedenke, d a s s D u S c l a v e w a r st in Aegypten. Sogar die heilige Sabathruhe ist unter dieser Erinnerung dictiert worden. Noch eins. Wir haben in unserer Religion deinen Heiligen, jeder Personencultns ist bei uns strengstens verpönt. Dennoch spielen unsere Geistesheroen die erste Rollein unserer Religionsgeschichte, stehen da alsTräger der jüdischen Idee, als die Personisication des Volksideals, als Muster der Erziehung unserer Jugend. Wie ist nun das Verhältnis des jüdischen Religionsunterrichtes in unseren Schulen zu all diesen obcitierten Traditionen? Haben die Religionsbücher, die unsere Lehrer und Schüler in die Hände bekommen, etwas von diesem Geiste in sich ausgenommen? Hat die Jnspection, die vom Cultusvorstande geübt wird, diese Punkte beachtet und den Lehrern die diesbezüglich nothwendigen Informationen ertheilt'? Oder müssen die Herren etwa von der Schul- 'ection selbst studieren, um zu verstehen, was nothwendig st, anzuordnen? Traurig, leider sehr traurig klingt die Antwort auf diese Fragen! Auf sämmtlichen Lehrerconferenzen ertönt die schon tereotype Klage, die Schüler schenken dem Unterricht 'eine Aufmerksamkeit, sie lernen den Gegenstand ungern oder gar nicht. Ist schon einmal die Frage umgekehrt worden, dass vielleicht gar die Lehrer den Gegenstand ungerne lehren? Vielleicht liegt die Schuld des Misserfolges gar an der Unterrichtsmethode und an dem Inhalte der Lehrbücher? Unser Gewährsmann antwortet darauf: Ja, die Lehrer haben gebundene Marschroute seitens des Cultusvorstandes. Da liegt der wunde Bunkt. Unsere Cultusvorstänoe wollen keinen Religionsunterricht im nationalen Sinne, wollen es nicht zugeben, dass unsere Kinder als Kinder des jüdischen Volkes erzogen werden, wollen von den selbsttrügerischen Rollen noch immer als bloße Anhänger mosaischer C o nf e s s i o n zu gelten, nicht lassen, und wollen den jüdischen Religionsunterricht nur als mosaisch - c o n f e s s i onellen Unterricht unseren Kindern beibringen, darum stoßen sie auf alle diese Schwierigkeiten, darum der Gegen-