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Jüdisches Volksblatt · 1899-03-17 · 5 (17.3.1899) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
5 (17.3.1899)
Date
1899-03-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5 Wien, Freitag Jüdisches Volksblalt 17. März 1899 Seite 3 Die Gemeinde-Wahlreform ist gestern erledigt worden — in zwei Tagen. Wahrhaftig, wenn es jemals eines Beweises für die Richtigkeit unserer Ansicht bedurft hätte, dass es lächerlich und unnütz sei, seine Kraft in einem Kampfe gegen diesen Antisemitismus, in „Abwehrpolitik", zu vergeuden, so hat ihn die gestrige Sitzung geliefert. Für diese Leute gibt es nur ein Mittel: sie austoben lassen. Sie werden so am raschesten zugrunde gehen. Bei allem, was sie thun, sieht man nur immer dieselbe Alternative: Es ist dumm oder gemein. Der vernünftige Antrag des Gemeinderathes Sonntag, kleine Wahlhpzirke mit je einem Mandate einzurichten, wurde abgelehnt, von dem Proportional-Wahlrechte gar nicht zu sprechen. <Lie lehnen immer und alles ab. Das gehört auch zum Geschäfte. Aber schließlich ist das alles ja gleichgiltig, weil es wohlbekannt und bei dieser „christlich-socialen" Gesellschaft selbstverständlich ist. Aus diesem unsäglich ekelhaften Mischmasch von Dummheit und Roheit, muss eines hervorgehobeu werden: Rücksichtlich des S o n n t a g'schen Antrages sagte Dr. Lueger in der Debatte: Der Antrag Sonntag hat einen Kern in sich, der wirklich einer Beachtung würdig ist, und gerade weil ich rrrich seiner Anschauung nicht ganz verschließe, habe ich den 8 ■’ dahin abgeändert, dass die Abänderung der einzelnen Bezirksgrenzen sowie die Abtheilung der Bezirke vom Gemeindernthe mit Zustimmung des Statthalters durchgeführt werden kann. Eine vollständige Eintheilung nach den einzelnen Gemeinderäthen ist rein unmöglich, und wenn Sie es machen, wie ich vorschlage, dürfen Sie wenigstens theilweise zur Realisierung Ihrer Anschauungen gelangen. Ich bitte die Anträge abzulehnen. Es ist möglich, dass Herr Dr. Lueger im Falle der Durchführung der Vorlage dieses halbe Versprechen aus taktischen Gründen hält. Für uns Juden ist das von größter Bedeutung. Wir werden unsere Augen offen halten und zu gelegener Zeit für unser gutes Recht, das in dieser Aenderung und in diesem Versprechen liegt, zu kämpfen wissen — allerdings mit anderen Waffen als bisher. Bor dem Bezirksgerichte stand diese Woche ein Taglöhner, um sich wegen eines Trnnkenheits-Excesses zu verantworten. Der Mann leugnete seine Vorbestrafung mit der ruhig abgegebenen Motivierung, er habe „nur so einen Sanjuden ordentlich verhaut." Der Mann konnte nicht begreifen, warum der Richter seine Ausdrucksweise rügte. Natürlich! Warum denn soll, was den Herren Schneider, Strvbach, Gregorig, Pnrscht, Schreiner und Tomola gestattet ist, ihrem Gesinnungsgenossen, dein Trunkenbolde, verboten sein? Wir leben doch in einem Staate mit Gleichberechtigung!? Brünn. (Generalversammlung d e s m ä h r i - scheu L a n d e s m a s s a f o n d s.) Der mährisch-jüdische Landesmassafonds hielt am 13. d. M. unter Vorsitz des Vicepräsidenten kais. Rath Mandl seine diesjährige Generalversammlung ab. Secretär Dr. Oppenheim erstattete den Rechenschaftsbericht pro 1898. An diesen knüpfte sich eine stellenweise sehr erregte Debatte, an kvelcher sich namentlich die Delegierten von Boskowitz, Auspitz, Kanitz, sowie der Secretär des Fonds betheiligte. Der Delegierte von Bvskowitz stellte den Antrag, die im Besitze des Fonds befindlichen Actien der Wiener Gasanleihe zu verkaufen. Die Abstimmung hierüber gieng unter sehr turbulenten Scenen vor sich. Der Antrag wurde durch Annahme eines Gegenantrages abgelehnt. Hierauf knurde dem Cnratorium das Vertrauen votiert. Prag. sA n die A d r e s s e d e r L i b e r a l e n i n Böhmens wendet sich ein Artikel im hiesigen „Deutschen waren. Die Mischna (Taharoth) erwähnt zwar der Haspel, auf welcher das Garn gewunden wurde; gleichwie wir aber von ihr über die Hechsel nichts mehr erfahren, als dass sie mehrere Reihen von Zähnen besessen hat, so sagt sie uns auch nicht, welche besondere Einrichtung jene gehabt und zu welcher Zeit sie dieselbe erhalten hat. Doch dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach eine bloße Handwinde üblich gewesen sein, auf welcher man einen langen hölzernen Stiel, an dessen beiden Enden kürzere Querhölzer kreuzweise angebracht waren, mit der Hand umdrehte und die abgewickelten Fäden zählte. Dass die Hebräerinnen die Kunst, zwei oder mehrere Fäden zu einem zusammenzudrehen, sehr früh geübt haben, lässt sich aus zahlreichen Stellen, in denen von gezwirntem Brffsus und gezwirnten Schnüren die Rede ist, ebenso folgerecht schließen, als wir all der Hand deS Blich es der Richter (16, 9) und des Vilches Jesaja (1, 31), in denen wir den Werg genannt finden, annehmen müssen, dass sie die Hechel zur Bearbeitung des Flachses zu handhaben gewusst haben. Wir dürfen nllch voraussetzen, dass sie die Spindel zilln Zwirnen verwendet haben. Ob sie indes dabei so verfahren sind, wie dies in unseren Tagen gang und gäbe ist, wo man die beiden Enden der im Wasser liegenden Knäule durch einen eingeschraubten Ring zieht, an der Spindel anbiudet, ein wenig aufdreht, aus ihnen eine Schlinge macht, dann mit der rechten Hand die Spindel von der Seite wegschnellt, lnit der linken aber das Garn fasst und möglichst hoch hält, damit die Spindel sich frei beivege, entzieht sich unserem Urtheile. Immerhin kamt diese, in ein so frühes Zeitalter fallende Thatsache an sich wegen ihrer wichtigen Folgen für die Entwicklung der weiblichen Kunslferligkeitett nicht genug gewürdigt werden Nachdem das gehörig zubereitete Garn auf Spulen oder, rvie die Mischnah (Taharoth) sie nennt, auf Röhren, in welche eilt Nagel gesteckt wurde, zur Kette unb zum Einschlagen gewickelt ivorden war, wltrdeu die vorher gekreuztell Fäden so lang imb so breit, als es das zu Volksboten", der sich mit den im „Jüdischen Volksblatt" erschienenen Aufsätzen „die Juden in Böhmen" beschäftigt und das Entstehen einer jüdischen Volkspartei bespricht. Das deutschnationale Organ knüpft hieran witzig sein sollende Bemerkungen, um sich über die unangenehmen Gedanken hinwegzutättschen, dass, da und dort vielleicht ein Mandat verloren gehen dürfte. Wenn sich nur soviel „ehrliche" Inden finden, dass die vom Blatte ausgesprochene Folge Antritt, dann sind tvir zufrieden. Eger. (Wahlen in die B e z i r k s k r a n k e nc a s s e. 1 Die Wahlen in die hiesige Bezirkskrankencasse geben den hiesigen Völkischen Gelegenheit, ihren Terrorismus geltend zu machen und die „deutschen" Arbeiter vor der „verjndeten" Socialdencokratie zu warnen. In dem Ausrufe, der diesbezüglich erschienen ist, kommt imter anderen auch die Phrase vor, dass „der Jude und die Arbeit zwei Begriffe sind, die in scharfem Gegensätze zu einander stehen." Das sagen dieselben Leute, die sich von dem Millionär Schönerer aushalten lassen und auf Ansichtskarten „für den Wehrfonds" schnorren lassen. M. Neichenberg. sZeitungssti m m e it.| Unser Correspondent schreibt: Ihr Blatt scheint iu den deutschen Bezirken Böhmens in ein Wespennest gestochen zu haben. Allerorten rührt ititb regt es sich, und Zeitungsnotizen flattern .auf, welche die ungewohnte Kunde unter den Lesern verbreiten wollen, dass auch die Juden endlich gelernt haben, frei und offen sich als solche zu bekennen. Das „Trautenauer Wochenblatt" — Wolf-Schönerer-Richtung — weiß nicht recht, was es mit dem „Bolksblatte" aufaugen soll. Bald will es jauchzen vor Freude, dass endlich Klarheit zwischen uns und den Antisemiten geschaffen werde, bald greift es in bekannter Art an, und wenn es schließlich gar keinen Rath mehr weiß, so will es Sie an die Seite der czechischen „Politik" stellen, weil das Blatt in deutscher Sprache erscheint. Diesen Artikel benützte die „Gablonzer Zeitung", das Organ der Deutsch-Fortschrittlichen, um auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die dem Dentschthnm und Fortschritt drohen, wenn wir Juden nicht treu zu den wackeren Kämpen P f e r s ch e. Per gelt, Bladel und wie sie alle heißen mögen, halten. In einem Leitartikel von 4 Spalten sucht die Zeitung einen Unterschied zwischen privater und öffentlicher Ehre und Vertheidigung derselben herauszuklügeln, und begehrt den Anschluss der Juden an die Deutsch-Fortschrittlichen — von wegen der öffentlichen'Moral, weil sonst diese Partei ans Deutschböhmen verschwinden könnte. Aber es gieug bem Verfasser dieses Artikels wie einstens Bileam: Er zog aus, um zu fluchen, und musste seinen Feind segnen. Auf der einen Seite wird unser Thun geradezu ein verbrecherisches genannt, auf der anderen Seite wird der Satz hingestellt: Wer sich jahraus jahrein verurtheilt sieht, kann unmöglich ruhig bleiben — oder: Der Angegriffene müsste ein ehrloser Lump oder ein Heiliger sein. Aber wir Inden sollen nach der Meinung des Blattes — sagen wir — Heilige sein. Mit dem Sprichworte: „Besser Unrecht leiden, als Unrecht thnu", wird uns der alte Kaiser Wilhelm und Bisnrarck als Muster und nachahmenswertes Beispiel hingestellt, welche mit Rücksicht auf die Allgemeinheit vergeben und vergessen hatten. Bismarck, der große unversöhnliche Hasser, ein Beispiel für Duldung! Man kann nur mit Lächeln über solches Gewäsche hinweggehen. Aber es ist nichts so ungeschickt geschrieben, da^s es nicht Auklang und einen Nachbeter fände. Und so prangte in der Sonntagsnummer der „Gablonzer Zeitung" ein Aufsatz eines jüdischen A d v o c a t e n, dessen Um und Auf in dem Satze gipfelte: Die deutschen Juden werden an ihrem Deutschthum treu und unerschütterlich festhalten, mag es in Zukunft kommen, wie es will, weil auch für sie Bismarck das stolze Wort gesprochen: „Wir „Deutsche" fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt". Wir enthalten uns jeder Kritik. Die Richtung Ihres Blattes, webende Gewand erforderte, auf dem hochschaftigen Webstuhle senkrecht ausgespannt. Dass die Durchkreuzungen an verschiedenen Stellen unterbunden und hierauf in einen Knoten geschürzt wurden, um sie an dem äußerstechPslocke zu befestigen, erhellt aus dem Buche der Richter Fl6,3), wo Simson der Delila mittheilt: „Wenn Du die sieben Flechten meines Hauptes mit meinen übrigen, wie Kettenfäden gekreuzten Haaren verwebet! und (wie aus detn folgenden Satze zu ergänzen ist) mit einem Nagel zusammenschürzen tvirst, wird alle Kraft von mir weichen." Der Webebanm, um welchen die Kettenfäden gewunden wurden und mit tvelchem in der Bibel häufig der Schaft eines großen Spießes verglichen wird, hatte eine von den nnserigen verschiedene Lage, weil die angezettelten Fäden in einer senkrechten Richtung fortliefen. Um das obere Querholz wurde der Zettel oder der Auszug, um das untere das vollendete Getvebe gewunden. Sodann wurden die Kettenfäden durch die einzelnen Rohrstäbe oder Rohrzähne eines viereckigen Kammes oder Blattes geleitet oder vielmehr getrennt unb unten durch angehängte Gewichte befestigt. Nach diesen Vorbereitungen wurden die Fäden des Einschlages von den Spulett mit dem Webeschiffchen oder der Schütze durch die gespaltene Kette geworfen und das Weck begonnen, oder, tun mit der Mischna (Taharoth und Mo öd) zu sprechen, die durchgeschossenen Fäden fiengen an, sich mit dem Gewebe, nue die Seele mit detn.Körper, zur inttigsten Verbindung zu vertttählen. Das Webeschiffchen scheint die Gestalt eines kleinen, an den beiden Enden spitz zulaufenden Kahnes gehabt zu haben, da die Mischna (Rioöd) verbietet, mit diese»! Werkzeuge Früchte aufzuspießen. Ihr etttnehmen wir auch, dass man das Ende desselben mit Glas schabte. —- Dass die Schütze ans einem festen Holze verfertigt wurde, wozu das Pflanzenreich in Palästina so vielfache Gelegenheit darbot, lässt sich mit Sicherheit voraussetzen, da gerade die Glätte derselben das Durchschießen durch beide Fächer der Kette sehr erleichtert; ob aber dazu Buchsbaum, tvie dies int Alterthnnte Brauch die Thatsachen, die Sie veröffentlichen, die vielen Artikel, die Sie bringen, sind die beste Entgegnung hierauf. Mit Genngthuung aber sagen wir jüdischen Inden nns, wenn Ihr Blatt noch tticht bestände, es hätte geschaffen werden müssen, um diesen nnbegreiflichen, allen geschichtlichen uitb den vorhandenen Verhältnissen hvhnsprechenden Idealismus, der uns entmannt und zu Schtvächlingen macht, ausznrotten. Wir bedanertt mtr, dass alle diese Zeitnngsstimmen augenscheinlich gegen Windmühletk kämpfen, da die Verfasser derselben sich nicht einmal die Mühe genommen haben, auch nur eine Nnmmer Ihres Blattes zu lesen, um dessen Tendenzeik kennen zu lernen. Vielleicht, dass die bessere Vernunft über den schlecht unterrichteten Sinn gesiegt hätte. T.ftrlih. (A n t i s e m i t i s ch e s ans eine m „deutschen" Turn verein.) Der unter der Patronanz des jüdischett Glasfabrikanten Herrn Shermann Niethof stehende Turnverein in K o st e n hielt dieser Tage seine Hanptversammlung ab, in der mit überwiegender Mehrheit die Satzungen iu dem Sinne geändert wurden, dass künftig nur Deutsche arische r A b k u n f t Mitglieder des Vereines werden können. Dieses Resultat wurde dadurch erzielt, dass einerseits viele eitiheiinische, freiheitlich gesinnte Turner unter detn Hochdrucke der antisemitischen Betvegnng der Versammlung fernblieben, andererseits in beu letzten Tagen eine große Anzahl auswärtigen Turnvereinen Angehörige als Mitglieder dem Kostener Turnverein beitraten, um den Radicalnationalen zum Siege zu verhelfen. Der genannte Turnverein stand noch bis vor kurzer Zeit tlnter dem Protectorate des Fabrikanten Shermann Niethof, welcher die Stelle eines Sprechwartes bekleidete und dem Vereitle ttamhafte materielle Unterstützungen gewährte. Bemerkenswert ist, dass der größte Theil der nunmehr im antisetnitischen Fahrwasser segelnden Turnvereins- Mitglieder in der Glasfabrik des Herrn Shermann Riethof beschäftigt ist, und dass derselbe, bezüglich der von den dortigen Czecheik schon seit einer Reihe vott Jahren vergeblich angestrebten Uebernahme ihrer czechischen Privatschule in den Besitz der Gemeinde, ein gewichtiger Factor ist und in der Frage der czechischen Schule der Getneinde seine Unterstützung sicherte. Herr Riethof übte seinen ganzen Einfluss aus, die Uebernahme der czechischen Schule zu hintertreiben und erntete nunmehr solchen Dank was allerdings kaum verwunderlich ist. Tyezyn bei Rzeszow. (Zum C a p i t e l: I n d e n b e h a n d l u n g.) Die Bauern des unweit Tyczyn gelegenen Dorfes Kakolowska haben sich es zur Aufgabe gemacht, junge jüdische Kinder von der Religion ihrer Väter abwendig zu machen und dem Schoße der Kirche znzuführen. Zum drittenmale seit einigen Jahren ereignete sich folgender Fall: Vor circa zwei Monaten wurde ein 16jähriges jüdisches Mädchen 48 Stunden vor ihrem Hochzeitstage von einer gut organisierten Bauernbande in der Nacht den Eltern entführt. Die im Hause dienende christliche Magd half dem Kinde, Barschaft, Kleider rc. mitzunehmen. Das Mädchen war sammt der Magd seit der Zeit spurlos verschwunden. Der arme, unglückliche Vater versuchte sämmtliche, ihm zu Gebote stehenden Mittel, um seine Tochter ausfindig zu machen, und als alles Bittetr und Suchen in der Gemeinde nichts half, erstattete er endlich gegen Tochter und Dienstmagd die Strafanzeige wegen Diebstahl. Bei der Untersuchung wurde von den Mithelfern dieser That bestätigt, dass sie bei der Entführten Barschaft, Juwelen, Kleider rc.tc. gesehen haben. Den Aufenthaltsort wollte aber die Bande nicht verrathen und konnte darüber nichts zutage gefördert werden. Schließlich kam der Vater auf die Spur unb erfuhr den Aufenthalt seiner Tochter. Um ganz sicher zu gehen, begab er sich zum Untersuchungsrichter, zeigte ihm den Aufenthalt der — Diebin und ihrer Mithelferin an und bat als Beschädigter, respective Bestohlener war, genommen wurde, lässt sich gegenwärtig nicht mehr ermitteln. War das Webeschiffchen, dessen zischenden Laut griechische Denker mit dem geschwätzigen Morgengesange der Schwalben vergleichen, geworfen, so schlug die Weberin mit der sogenannten Spatel, welche die Stelle unserer Webelade vertrat, das Gewebe zu einem dichten Ganzen, worauf sie das fertige Kleid zusammenwickelte, abrollte und von den herabhängenden Enden der Kettenfäden abschnitt. Wollte sie ein neues Gewebe in Angriff nehmen, so brauchte sie nur unt diesen Ueberrest die neuen Kettenfäden zu schlingen, wodurch sie sich eine große Mühe ersparte. Je mehr oder weniger Ketten- und Einschlagsfäden das bereitete Getvand in sich vereinigte, desto gröber oder feiner war es. Die mit reichlichen Einschlagsfäden stark durchwehten Gewänder bestimmte inan zum Schutze gegen die Kälte, und die durchsichtigeren, leichteren Gewebe sparte man als angenehme Kühlung für die drückend heißen Monate des Jahres auf. Sollte ein gestreiftes, buntes Getvand hergestellt tverden, so wurden Fäden von verschiedener Farbe zusatntttengespnlt und durch die getrennten einfärbigen.Kettenfäden als Einschlag durchgeschlängelt. Vielleicht wurden auch noch einem Muster, welches man nachzuahmen strebte, die Fäden noch ihren besonderen Farben sortiert und zu einer Kette künstlich geordnet. Während bei uns die Kette wagerecht über dem Brust- und Kettenbamne aufgespannt liegt, daher man die Arbeit sitzend verrichtet, war sie bei den Hebräerinnen, wie schon angedeutet worden, senkrecht aufgezogen, sie stand gleichsam, so dass die Weberinnen sich bemüssigt sahen, stehend von unten nach oben zu weben. Diese Sitte, welche übrigens noch zutn Theile iu unseren Tagen bei mehreren südlichen Völkern Amerikas, Indiens uttd einiger anderer Länder heimisch ist, herrschte fast durch das ganze Alterthum. Von der langen Fortdauer derselben in Palästina legen Isidor int siebenten und Theophylact im

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