Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 5 (17.3.1899)
- Date
- 1899-03-17
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 17. März 1899 Nr. 5 l Brünner Citlkitsgemeinde, bereit Sitzungen er — der Präsident — schon seit Jahren fernbleibt, ebenso sehr am Herzen, wie das Wohl und Wehe der österreichischen Judenheit, die er im Herrenhanse zu vertreten vorgibt. Aus seinen Thaten können wir daher Herrn Gomperz keinen Vorwurf schmieden: eher ans seinen Unterlassungen. Und das werden wir ein andermal gründlich besorgen; heute wollen wir nns mit seinen umso rührigeren Statthaltern im Laudesmassafonds beschäftigen. Wir haben mit unseren Worten in seelische Niederungen hinabgelenchtet, die uns, die wir ein regeneriertes Judenthnm erkämpfen wollen, mit beklemmendem Schrecken erfüllt haben. Und doch hatten wir nicht aus den Grund geschaut: es sollte noch viel schlimmer kommen. Nicht ins Jnguisitenspital, wie ein Wiener Montagsblatt schrieb, gehören die Vertreter des Laudesmassafonds: Sie sittd reif und würdig, eine Besserungsanstalt zu zieren. Sie, die wir aus ihren lichtscheuen Winkeln aufgescheitcht haben, schlagen sich nicht reuig an die Brust und sagen: „Brüder, wir haben gesündigt": nein, sie bereuen, aber nur das eine, dass sie nicht n o ch m e h r gesündigt haben. Der Secretär des Fonds wird von einem Delegierten, dem die Entrüstung die Stimme zuschnürt, interpelliert und rechtfertigt sein Vorgehen, bei welchem der Vieepräsident Herr kaiserlicher Rath Mandl zu Gevatter saß, mit den Worten: „Es ist heutzutage sehr schwer, die Gelder sicher zu placieren; wir haben darum die Wiener Gasanleihe als sehr (?) rentabel gewählt. Und ich bedauere nur, dass wir nur 10.000 fl. und nicht das Vier- und Fünffache in diesent Papier angelegt haben." Diese unerhörte Frivolität übersteigt die Grenzen jedes Ehr- und Schamgefühles. Glaubt Herr Dr. Oppenheim denn wirklich, dass die mährische Judenschaft keine Bewegung der Abwehr für diesen Schlag ins Gesicht haben werde, wenn auch ihre zumeist unberufenen Vertreter ihn ruhig eingesteckt haben? Wir werden in dieser Sache das jüdische Volk von Mähren anrufen. — Und doch wäre es Herrn Oppenheim so leicht gewesen, uns — allerdings durch eilte Lüge — zu desavouieren: Er hätte ja sagen können, dass das Papier an Zahlnngsstatt oder durch eine Erbschaft in den Besitz des Fonds gekommen sei. Doch wahrheitsliebend, wie Herr Doctor Oppenheim nun einmal ist, bedient er sich dieser Nothlüge in seiner Nothlage nicht, ja, er hat sogar die Dreistigkeit, mit jenem gewissen Freimuth, den von der Unverfrorenheit nur ein — Tritt scheidet, einzugestehen, dass die Actien nicht angekauft, sondern sogar noch vor der Emission gezeichnet tvurden! Der ehemalige Rabbiner hat für das Geld, mit dem unsere Väter sich das Recht erkauften, die heiligen Gebräuche unserer Bibel zn beobachten, keine andere Verwendung, als es in Lu eger - Actien — anzubanen. Und wie leitete Herr Oppenheim seine Verantwortung ein? Mit wüsten Beschimpfungen unseres Blattes, welches fürs Judenthum ins Leben tritt, ohne — und das merke sich Herr Oppenheim besonders — vom Indenthume leben zu wollen. „Ein Wiener jüdisches „Schmutzblatt" habe ans Grund falscher Informationen die Verwaltung des Fonds angegriffen!" Wir haben freiwillig und nur ans ethischen Gründen die Aufgabe auf uns genommen, aus jüdischen Gemeindemiststnben jüdische Gemeindestuben zu machen, indem wir ohne Rücksicht jeden Unrath vor aller Welt aufdecken, und werden nicht einen Augenblick zögern, auch jene Leute mitauszumisten, welche mit ihm zn fest und zu unlöslich verpickt und verquickt sind. Unsere Hände sollen und werden dabei rein bleiben. — Wie schlecht wir aber informiert sind, davon wollen wir Herrn Oppenheim eine kleine Kostprobe geben, die ihm wohl bekommen mag: „Wenn ich", äußerte sich dieser Herr privatim, „in den Jahresbericht statt „10.000 fl. Wiener Gasanleihe" „10.000 fl. Wiener stehen sich gegenüber und bilden gleichsam die Grund-. pfeiler der Erzählung, um die sich alles andere rankt. — [ „David Leb Magdeburger", ein schlauer Handelsjude, weiß sich durch eine rasche und tüchtige Geschäftsabwicklung in die Gunst der damaligen Oberstburggräfin Lazansky und damit auch in die ihres Gemahls zu setzen. Der Oberstburggraf von Prag macht ihn sozusagen zu seinem „Hausjuden". Magdeburger hält den Zeitpunkt für gekommen, durch den Willen Lazanskys eine bessere Stellung in der Prager Judengemeinde zu erlangen, Nach vielen Irrungen und Hindernissen erreicht er das Ziel seines langersehnten Wunsches — er wird Kassier u. v. a. Lazansky empfiehlt ihn den Aristokraten Böhmens. Der Magdeburger freut sich seines und zwar langen Lebens. Ein echter, biederer, lauterer Charakter, von wahrer Frömmigkeit erfüllt, blickt uns aus dieser Geschichte des Ghetto entgegen. In neuerer und neuester Zeit sind in Herzberg- Fränkel, Max Grünfeld, Sacher-Masoch, Manuel Schnitzler und Jakob Wassermann („Die Juden von Zirndorf") Ghettoschilderer von bedeutendem Talente auf den Plan getreten, deren Schriften wegen ihres tief-ernsten Inhaltes und der schlicht-ergreifenden Darstellung es durchaus verdienen, in jüdisch-völkischen Kreisen gekannt und gelesen zu werden. Das äußere Ghetto, das durch Mauern und Wachen abgegrenzte Judenviertel stand im letzten Smnisüculum auf dem Aussterbeetat, wenigstens in Westeuropa. Allmählich verschwand die „Gasse" mit ihren träumerisch-stillen Häusern. Mit den morschen Balken, den abbröckelnden Ziegeln trug man den mysteriös-anheimelnden Geist auch unter die Trümmer .... Bald wird uns das alte „Ghetto" mit seinen Gestalten und Stätten wie eine ferne Erinnerung vergangener Jahrhunderte anmuthen, zumal wir europäische Juden im „neuen Ghetto", im socialen und politischen Ghetto leben. März 1890. Max Benur-Nhenseld. Commmialailleihe vom Jahre 1898" gedruckt hätte, so wäre man über die ganze Angelegenheit ruhig hinweggegangen." Die Thatsache selbst lässt ihn also ganz kalt, nur der Scandal geniert ihn ein wenig. — Nun, Herr Oppenheim, sind wir schlecht informiert? Auch der Vieepräsident des Cnrratorinms, Herr Mandl, der zweite in diesem pur nobile trat rum, verdient einige Aufmerksamkeit, die wir ihm nicht vorenthalten wollen. Herr Mandl scheint nicht nur, tute wir gezeigt haben, an den finanziellen Praktiken des Dr. Lueger Freude zn empfinden, er hat auch mit dem namentlich den Assimilationsjuden eigenen Cvpiertalente die präsidialen Allüren des Chefs der Gasanleihe zu den seinen gemacht: Ein Delegierter stellt den Antrag, die ominösen Actien mit größtmöglichster Beschleunigung zu verkaufen, und während darüber in einer Weise debattiert wird, die uns im Geiste in den Wiener Gemeinderath versetzt, lässt Herr Mandl den Gegenantrag stellen und über diesen rasch abstimmen. Einer langjährig geübten Gewohnheit zuliebe erhebt der größte Theil der Delegirten die Hände: Der Gegenantrag, der dahin lautet, der Fonds möge die Actien ruhig weiter behalten, erscheint angenommen. Als das Resultat der Abstimmung enunciert wurde, kam es nun zu erregten Sceneu. Viele der Anwesenden hatten in dein herrschenden Trubel keine Ahnung gehabt, um >vas es sich handle. Alles drängt zum Präsidium und verlangt nochmalige Abstimmung; dieses jedoch bleibt unerbittlich — es weiß, warum. Und dann erhebt sich ein Barriörestock des Vorsitzenden und stammelt die eingelernten Worte herunter, man möge dem Cnratorinin das Vertrauen ansdrücken — den Dank begehrte es nicht. Damit schloss diese denkwürdige Versammlung. Wir haben Gelegenheit genommen, nach der Sitzung mit einigen Delegierten zn sprechen, und da kam es uns zu klarem Bewusstsein, dass es fürs Judenthnm höchste Zeit sei, sich nach anderen Vertretern umzusehen. Denselben Mangel an Scham und Ehre, der uns an der Leitung so tief erschreckt hat, mussten wir mit Betrübnis auch an vielen Delegierten constatieren. Einer dieser Ehrenmänner suchte unsere Entrüstung mit dem nicht einmal üblen Bonmot fortzuwitzeln: „Früher legten die Prälaten und Bischöfe ihr Geld in Banken an, die in Händen von Juden waren; jetzt bringen die Juden ihr Geld in Unternehmungen unter, an deren Spitze Lueger steht." Auf diesen Act nobler Wiedervergeltnng stolz zn sein, hat der Herr Delegierte vollen Grund. Der Rabbiner Oppenheim dürfte zn seiner Rechtfertigung sofort mit dem biblischen „Auge um Auge" bei der Hand sein. — Doch sei es hier mit Genngthnnng bemerkt, dass eine Anzahl Delegierter — und keine unbeträchtliche — gegen das Vertrauensvotum stimmte. Das gibt uns wieder frischen Muth, denn — mit Erlaubnis des Herrn Oppenheim wollen wir die Bibel auch einmal für uns reclamieren — „ein Frommer wiegt mehr denn hundert Sünder." Allerdings büßte noch am selben Tage eine mährische Gemeinde die Opposition ihres Vertreters: Das Curatorium kürzte die ihr bis dahin gewährte Subvention um ein Drittheil: Sapienti sat! Kommen wir zum Schluffe. Wir wiederholen, was wir in unserer letzten Nummer sagten: „Der mährisch-jüdische Landesmassafonds hat sich nicht entblvdet, den Geschäftsträger Herrn Dr. Luegers im kleinen und im Principe abzugeben und hat damit allen Principien jüdischen Gemeingeistes, jüdischen Znsammenhalteus mit verächtlicher Brutalität ins Gesicht geschlagen." Was aber diesen Vorfall zu einem der tieftraurigsten in der Geschichte der mährischen Juden stempelt, ist das eine, dass die moralische Degeneration, die sittliche Fäulnis schon soweit um sich gefress eit hat. dass den Urhebern dieses Stückchens jüdischer Selbstschändnng das Gefühl für das Ungeheuerliche in ihrem Thun Ein Blick in das Arbeitszimmer der alten Hebräerinnen. Wie im Alterthuine den Frauen die Pflicht oblag, für sich und ihre Familie die nöthigen Kleider selbst herzustellen, so hantierten auch die Hebräerinnen mit Flachs¬ und Wolle. Spinnrocken und Webestuhl waren ihre Domäne. Es ist bekannt, dass Hanna dem jungen Samuel alljährlich einen kleinen Oberrock machte, welchen sie ihm mitbrachte, wenn sie mit ihrem Gatten Elkana nach Siloah reiste, um das jährliche Opfer darzubringeu. Im letzten Capitel der Proverbien wird ein reizendes Bild von einer biederen Frau entworfen, welche mit geschäftiger Eile die Finger an dem ausgezogenen Faden herauf- und herabgleiten lässt, die schnurrende Spindel in munteren Kreisen herumdreht. Und wie sie selbst emsig und unverdrossen in dem Heiligthume ihres Hauses waltete, so unterwies sie auch frühzeitig die Töchter in den ihren späteren Wirkungskreis ausfüllenden Beschäftigungen, und sie fühlte sich sehr geschmeichelt, wenn sie den zukünftigen Schwiegersöhnen geschickte, gewandte Arbeiterinnen zuführen konnte, welche, frei von thörichten Grillen, hurtig die Spindel drehten und das Webeschisfchen durch die gekreuzten Fäden warfen. Die Nachbarschaft der betriebsamen Phönicier, welche glänzende Aussichten auf einen bedeutenden Gewinn eröffnete, begünstigte den hohen Aufschwung der Webekunst bei den Hebräerinnen. Dem Dichter der Proverbien schweben jene unternehmungslustigen, die Meere mit ihren Schiffen bevölkernden und durchfurchenden Kaufleute und vielleicht auch die Aegypter vor, wenn er in sinniger Weise die musterhafte Hausfrau schildert, welche gleich einem Kauffahrteischiffe aus der Ferne ihren Unterhalt bringt. Sie verfertigt die kostbarsten Gewänder, Schleier und Gürtel durch ihrer Hände Fleiß und erzielt durch den Verkauf derselben so große Vortheile, dass sie nicht nur ihre Sophas mit den feinsten Teppichen schmückt und ihre ganze Familie mit den prachtvollsten Kleidern gänzlich abhanden gekommen ist. Es wird den Juden Brünns und Mährens baldigst Gelegenheit gegeben sein, sich darüber anszilsprecheit, vb sie sich mit ihren Vertretern ideittificieren. Der Wiener Stadtrath aber wird hoffentlich nicht verabsäumen, den Platzhaltern des Herrn Gomperz, den Herren Mandl und Oppenheim, für ihre hervorragenden Verdienste auf dem Gebiete des städtischen Finanzwesens die doppeltgroße goldene Salvatormedaille zu verleihen. Unter den Gratulanten werden wir nicht fehlen. Brünn, am >5. März. Vom Tage. Der Prinz Liechtenstein hat vor wenigen Tagen in einer Versaiitmluitg den bekannten Bescheid des Verwaltungsgerichtshofes benützt, mit, tvas ja voraitsznsehen war, die Hetze gegen die „Christen- und religionsfeindlichen" Inden einzuleiten. Die Hetze mag man dem Herrn Prinzen zugute halten. Das ist sein Geschäft, davon lebt er politisch und moralisch. Aber es ist nothwendig, zur Anfklärnng einiges zu bemerken, um den Herren den Korb etwas niedriger zn hängen. Es ist ganz einfach unrichtig, dass der Gemeinderath Lncian B r u it it c r mit seiner Beschwerde an den Verwaltmtgsgerichtshof im Namen der Judenschaft gehandelt habe. Die überwiegende Majorität der Inden steht der Errichtnng von Gotteshäusern alles eher als feindlich gegenüber. Selbst unser ärgster Gegner, der die Schwierigkeiten kennt, mit denen die Inden in den Bezirken ohne Hilfe sich ihre Tempel errichteten und errichten, wird das zngeben inüssen. Die Majorität der Inden ist einerseits wohl erfreut, dass endlich auch ein Jude Math und Charakterstärke genug besaß, sein vermeintliches Recht unter allen Umständen zu suchen, aber sie empffndet andererseits den Schritt des Gemeinderathes Br nun er als einen schweren moralischen und Politischen Fehler. Sie hätte erwartet, dass man im Gemeinderathe den Antrag gestellt hätte, auch einigen jüdischen Tempelvereinen, die nur unter den größten Schwierigkeiten sich erhalten, eine verhältnismäßige Siibvention znerkannt werde, und erst nach einer eventuellen Ablehnnng dieses Antrages wäre sie mit dem Schritte des Herrn Brunner einverstanden gewesen. Nur das eine macht der Jndenschaft den Fehler leichter, dass sie weiß und ungescheut es ansspricht: Der „allmenschliche" Herr Gemeinderath Brunner ist nicht der berufene Vertreter der Inden im Wiener Geineinderathe. Im volklichen Blätterwalde Böhmens wiederhallt es von Entrüstnng gegen nns. Vom Drucker bis zur Redaction bilden wir den lebendigen Beweis dafür, wie recht die Antisemiten hatten, als sie schon vor Jahren hehaupteten, die Inden gehörten nicht zum deutschen Volke. Da der Drucker unseres Blattes behauptet, von den Eselstritten höchlichst ergötzt zu sein, bleibt uns nichts übrig, als dessen völlige Schuldlosigkeit bei der Redaction unseres Blattes selbst zn constatieren und da die volklichen Blätter das Zutreffende unserer ausgestellten Grundsätze eifrigst bestätigen, können wir deren putznäsige Ausfälle leicht verschmerzen. Bemerkenswert ist somit nur ein Artikel eines Herrn Dr. Adolf Abeles in Gablonz, der in einem dortigen Blatte mit lobenswertem Eifer den Satz vertritt: „Die Antisemiten können den deutschen Inden die deutsche Gesinnung absprechen, aber nicht rauben; noch weniger aber dürfen Juden selbst sich finden, welche den Juden das Deutschthum entziehen." Dieser Herr Doctor wird wahrscheinlich in nicht zn langer Zeit dem bekannten Hausierer aus den „Fliegenden Blättern" nachahmen, der auf der untersten Treppenstufe stöhnt: „Mer scheint, man will mich nix enein lassen." Diese Species wird zwar nicht anssterben, aber mutter seltener werden. Dafür durch rücksichtslose Aufklärung zu wirken, werden wir nicht verabsäumen. für den Sommer und Winter ausstattet, sondern sogar Aecker erwirbt und Weinberge anlegt. Rasch holt sie Wolle und Linnen herbei, und alles, was sie unternimmt, gelingt ihr vortrefflich. Vor dem Grauen des Morgens verlässt sie ihr Lager und weist dem Gesinde sein Tagewerk zu. Nachdem sie die Aufgaben vertheilt, begibt sie sich heiter und frohgemuth zu ihrer lohnenden Arbeit und leuchtet durch das bewegliche Spiel ihrer kunstfertigen Finger allen ihren Untergebenen als herrliches Beispiel voran. Betrachten wir nun die einzelnen Werkzeuge, deren sich die Hebräerinnen bei der Arbeit bedienten. Des Spinnrockens ist nur einmal in der Bibel, nämlich in dem Schlusscapitel der Proverbien, aber auch hier ohne eine detaillierte Beschreibung, Erwähnung gethan. Das hierfür gebrauchte Wort „Chischor" scheint indes theils einen geraden Stock, theils ein reich umlegtes Wockenholz zu bezeichnen. Die aus diesem dicken Wocken von Flachs oder Wolle mit den Fingern der linken Hand ausgezogenen Fäden wurden mit der rechten Hand um ein langes spitziges Stäbchen schnell gesponnen. Ob die Spindel, welchen ihren hebräischen Namen von ihrer kreisförmigen Bewegung führt, und nach dem Mischna-Ausspruche: „Wenn jemand Sie Pikah, d. h. den metallenen Ring,. berührt, solange das Gespinst nicht von ihm entfernt ist, wird er unrein" (Taharoth), au der unteren Spitze mit einem metallenen Ringe befestigt tvar, um sie gemächlicher kräuseln zu können, aus der gelben Distel, wie dies im Alterthum gewöhnlich zu geschehen pflegte, oder aus einer anderen Holzart verfertigt wltrde, kann nicht mehr bestimmt werden. Nurso viel schöpfen wir aus der Mischna (Moäd), dass sie ein spitz gedrehtes, langes Stäbchen gewesen ist, weil man sich ihrer nach einer dort vorkommenden Stelle zum Aufstecken von Früchten, wie Maulbeeren, bediente. In völliger Unkenntnis befinden wir uns rücksichtlich der Werkzeuge, mittelst welcher die Hebräerinnen das gesponnene wollene oder leinene Garn zu haspeln gewohnt L F'-*