Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 4 (10.3.1899)
- Date
- 1899-03-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. \ Wien, Freitag Jüdisches VolksblaU 10. Mär/, 1 899 Seite semitische Hanptorgan schon heute ein, indem es wohl einsieht, dass ein wirklich »mgesetzlicher Zustand beseitigt werden muss, wenn ihn auch jahrzehntelange Gewohuheit gleichsam sauctivniert habe. Aber dass es „gerade ein Jude war", der bis zur letzte« Instanz hartnäckig auf der Wahrung des Gesetzes bestand, uruss der Bevölkerung eindringlichst gesagt werden. Der Bicrkrrccht von Noserran, genannt Georg 3 ch ö n e r c r, hat seinen Mund aufgethan und das Entstehen unseres Blattes glossiert. Merkmal: Fuseldnft; Diagnose: dclirium lieniens. Das Erbe Dr. Prombers und die mährischen Inden. Langsam aber sicher wickelt sich der schon seit Jahrzehuteu währende AbbrvckeluugsproeesS ab, dessen Endziel der Zusammenbruch des politischen Kunstbaues der deutschen Vorherrschaft in Mähren ist. Unaufhaltsam schreitet die rastlos und systematisch betriebene Ezechisierungsarbeit vorwärts, der ein gemischtsprachiger Ort, ein gemischtsprachiger Bezirk nach dem anderen znftillt. Die unnatürliche, künstlich genährte Hegemonie der Deutschen Mährens wird und muss über kurz oder lang einem natürlichen politischen Uebergewichte der Czecheu Platz machen, weil dieses mit der Bevölkerungsziffer des czechischen Volksstainmes in Mähren in Einklang steht. Es ist nur mehr eine Zeitfrage, wann die Czecheu die Majorität in der Laudstube erringen, und nur die ganz eigenartige Wahlgeometrie hat es verhindert, dass dieses Ereignis sich noch nicht vollzogen hat. Die Eintheilung in nahezn allen gemischtsprachigen Wahlbezirken ist so getroffen, dass die Stimmen der Juden ausschlaggebend sind, und deshalb sind es die Juden, welche durch ihre Haltung im Wahlkampfe für die eine oder andere nationale Partei die Entscheidung herbeifnhren konnten. Bisher haben die Inden fast immer zugunsten der Deutschen entschieden. Die Versprechungen, die ihnen von dieser Seite gemacht wurden, sind aber nie verwirklicht worden. Das System des Pseudo-Liberalismus entwickelte sich in Mähren immer mehr. Eifrig wurde darüber gewacht, dass die jüdischen Stimmen gesichert blieben. Die Parteigrößen der deutschliberalen Partei wussten durch persönliche Beziehungen die jüdischen Provinzgrößen zu bestimmen, ihren Einfluss bei den Glaubensgenossen anfzubieten, um diese zur Bethätigung deutscher Politik zu bestimmen. Der geistige Vater dieser „Jndenpolitik" war Dr. Promber, der jüngst verstorbene Führer der Deutschen in Mähren. Diese Politik hinterließ er als Innen tarstnck der politischen Erbschaft seiner Partei. Er wusste, indem er die Fäden liberaler Politik in. seinen Händen vereinigte, die mährischen Juden zu den treuefteu Anhängern, zur festesten Stütze der liberalen Partei zu machen. In seiner Person verkörperte sich das Zeitlebens meisterhaft prakticierte System, liberale Pttneipien zu verleugnen und demoralisierend auf die Juden zu wirken, ihnen politische Unehrlichkeit uiib Corruption förmlich anzuerziehen. Unter dem Einflüsse seiner Partei lernten die mährischen Juoen ihre nationale Selbstverleugnung bis zur Lächerlichkeit zu treiben. Sie ließen es sich ruhig bieten, wenn hinter ihrem Nucken unwürdiger Schacher mit ihren vitalsten Interessen getrieben wurde, auf Grund dessen dem nationalen Antisemitismus Concessionen aller Art gemacht wurden. Sie lernten alle politischen Ehrbegriffe gewaltsam zu ersticken und degradierten sich damit selber zum gefügigen Stimmvieh und willenlosen Objecte politischer Geschäfte. Dabei aber giengen sie in dem Jdealgedanken „deutscher Gomeinbürgschaft" vollständig mit einer Begeisterung auf, die beinahe an Parvxysmns grenzte. So enthusiasmiert war gewiss Herr Promber nie, er, der so ganz den Typus des psendoliberalen Jndencandidaten verkörperte; zur Zeit der Wahl voll nberströniender Jndenfreundlichkeit, nach der Wahl voll gleichgiltiger Lässigkeit antisemitischen Anstrich zur Schau tragend. zählungen aus. Diese Eigenthümlichkeit macht sie den Dorfgeschichten mancher gegenwärtige»! Berühmtheiten auf dem deutscheu Parnass ebenbürtig/ Der „Kunstenmacher" ist ein verkanntes Malgenie, das in der Gemeinde den» Spott und Hohn aller Mitglieder ausgesetzt ist. Eilt Wiener Maler, der in dem Orte kurze Zeit beschäftigt ist, »nacht den kleinen, gern malenden Ephraim auf die knnstfrenndliche Kaiserstadt auflnerksan» und rälh ihn», diese zu besuchen. Der „Kunsten»nacher" folgt diesen» Vorschlag. Was er in dieser Stadt sieht und hört, das Leben und Treiben, veranlasst ihr» zu de»n charakteristischen Ausrufe: „Wer Hütte dort in der „Gasse", in diesen beengten und beschränkten Zuständen, etlvas für »»»ich thun können?^ Mein Verlangen, etrvas zu schaffen, diente ihnen z»»rn Spott. Was habe ich bis vor kurzer Zeit von der ganzen Wett verstanden? Ich habe diese Woche »»»ehr gelebt als »nein ganzes bisheriges Leben hindurch." — Streiflichter ans die socialen Verhältnisse wirft Knlka in „Er hat Fisch gegessen". Aron, der Accise- Pächter, eine mehr »vegen seiner rohe»» Nücksichtslosigkeit als »vegen seiner Stellung gefürchtete Persönlichkeit, lebt »nt »nanchen Gemeindemitgliederu in fortlvährender Fehde. Es rvar nämlich früher Vorschrift, für Gänse, Fische und Hühner bei den» Aceisepächter, der die Finanzbehörde in» Dorfe repräsentierte, ein Verzehruugsbillet zn lösen. Würde jemand von der Coillmission, die »»»eist Freitag abends sich ist den Häuser»» der Juden sich einfaild, bei»»» unversteuerten Genüsse von Fleischspeisen überrascht, so harrte seiner eine empfindliche Strafe. De»» Jacob Glaser ergieng's "»mal so. Eine laiigwierigc tlntersuchung folgte seiner von Aron evunvl'k'i» Verhastnng. Nach Jahren erst »vnrde er »nieder auf freien Fuß gesetzt. Bald darnach stellte sich heraus, dass der Aceisepächter selbst sich betrügerischer Geldgebari'.ng schuldig gernacht halte. Er »vnrde den» Ge- Ans dein bisherigen volitischen Verhalten der Inden hatten »tut* diejenige»» gewissenlosen jüdische»» Führer einen Portheil, die etlva in einem Wahlausschüsse oder nationalen Vereine eine Ansschussstelle ergatterten; der wirtschaftliche Bvycott, der gegen die (triiteit und ärmsten Inden gepredigt »vnrde, ließ sie ruhig schlafen, »venngleich er den jüdischen Kleingewerbetreibende» bis zur Vernichtung traf. Wirtschaftlicher Niedergang und moralischer Nachtheil »varen die Krebsschäden jener selbstmörderische»» Politik. N»ln endlich kommen die mährischen Inden zur Eiilsicht, dass die Opfer, »velche sie für die liberale Partei gebracht haben, in gar keine»»» Verhältnisse zu den Früchten stehen. Allinählich ziehen sie sich auf den Posten des unbetheiligten, neutralen Beobachters zilrück. Diejenigen Jude»», die aus der politischen Geschichte der letzten Jahre die richtigen Schlüsse zu ziehen vermögen, »verden dem derltschen Regime ebensolvenig heiße Thränen nachlveinen, »vie sie den kommenden czechischen Machthabern entgegenjmlchzen. Mag die bisherige deutsche Majorität z»»r einflusslosen Minorität z»»samme»lschrnillpfen, »nögen die Czecheu die Herren des Landes iverde»», diesen» Roltenlvechsel dürfen »vir nativnalgesinnte J»lden getrost mit apathischer Ruhe zusehen. Es kann »»ns gleichgillig bleiben, ob Deutsche oder Czecheu das Heft in der Hand habe»», es kann uns nicht schmerzlich berühren, nicht hoffnnngsfrendig stinilnen. Ganz besonders mögen diejenigen Jitden dies ertvägen, »velche in dem Städtebezirk Mähr.-Weißkirchen — Leipnik — Bodenstadt am 16. März den Nachfolger Dr. Proinbers »vählen sollen. Der Wahlrns der liberalen Parteien »»»ahnt z»»r Einigkeit, »veil es „die Ehre des deutschen Volkes gebieterisch fordert". Wie oft schon haben die Inden „für die Ehre des deutschen Volkes" zu leiden gehabt! Die J»»den »nögen bedenken, die de»»tschen Siegesnr»d Lobeshymnen wurden auf czechischer Seite stets rnit klirrenden Fensterscheiben der „dentsche»»" Juden beantlvortet. Das czechische ..Övuj k sveniu“ heißt ans deutsch: „Kauft nicht bei Inden!" An die Adresse einer hohen Regiernng. (Wie mau jüdische Arbeiter behandelt.) Als der „Jüdische Volksverein" an die Verwirklichung eines langersehnten Wunsches schritt und das „Jüdische Volksblntt" schuf, da schrvebte es ihn» vor Augen, ein Organ zu besitze»», das rücksichtslos, doch »vürdig gegen unsere inneren und äußere»» Feinde auftrete. Ein öffentliches Form»» sollte geschaffen werden, in welchen» es jede m Inder», dern irgendei»» Unrecht geschehe»», freistünde, in seiner eigenen Sache frei u n d unbehindert das Wort zu führen. Der unstreitbare Erfolg, den »vir bis jetzt zu verzeichnen habe»», die vielfachen Zuschriften ans allen Gegenden der Monarchie, berveifen, dass das , Jüdische Volksblatt" einer»» thatsächlichen Bedürfnisse entspricht, dass die jüdische Bevölkerung allerorten bereits mit dern Blatte mitzuleben, mit de »»»selb er» sich eins zn fühlen beginnt. Wir können nur die Versicherung geben, dass das Vertrauen, rvelches das jüdische Volk uns entgegenbringt, nicht getäuscht »verden soll, dass »vir unentwegt eintreten »verden vor alle»»» für jene breiten Schichten unseres Volkes, die unter der Verfolgungswuth des Antisemitismus an» schlversten zu leiden staben.-— In den» im Osten Galiziens gelegenen Marktflecken Jagielnica mit einer jüdische»» Bevölkerung von nahezu 1850 Seelen bestehe»» seit langer Zeit sehr bedeutende ärarische Tabhkfabriks-Anlagen, in denen mehrere Jahrzehnte hindurch gegen 70 jüdische Arbeiterinnen bei der Cigarrenerzeugung regelmäßige Beschäftigung gefunden haben. Diese Arbeiterinnen erwiesen sich, wie arntlich richte überstellt und büßte eine schivere Kerkerstrafe ab. Kulke »vill uns hier das sichere Eintreffen der Nemesis, das deutsche Sprichwort: „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein" in» poetischen Gervande der novellistischen Form vorführen. — Dass ganz einfache „Dorfjrrden" »nitunter Psychologen, scharfsichtige Menschenkenner und kluge Diplomaten sein können, ist der Grnndaccord, das Milieu des „Schnorrerkindes". Wie Juden mit Andersgläubigen in Eintracht und Friede»», Vertrauen n»»d Liebe zu einander leben, rvohnen »ind »virken können, trotzden» in derselben Geineinde der Rassenhass, und gerade bei behördlichen Autoritäten, in nicht zu verkennender Weise platzgegriffen hat, schildert Kulke in der »vahrhaft rührenden, mit inniger Wärme und Hingebung geschriebenen Erzählung „Der Zigeunerhanns". Der bedeutendste unter den noch lebenden »nid rüstig schaffenden Ghettoschilderern ist uiistreitbar Salomo»» .K o h n, dern nächst Leopold K o in p e r t die Palme der jüdischer» Volkspoesie gebürt. Kohn »vnrde an» 8. März 18L5 in Prag geboren, besuchte daselbst die Mittelschule und erivarb sich ans autodidaktische»»» Wege Universitätsbildnng. 1858 erschien sein „Gabriel", rvelches Werk bei feinem ersten Erschein»!» geringen Erfolg zn verzeichnen hatte. In» Verlaufe »veniger Jahre nahin das Interesse für den „Gabriel" einen ungeahnten Ansfchwnng. Diesem Erfolge — Kohl» »vnrde nunmehr nnr »nit dein Beisatze: der Verfasser des „Gabriel" genannt verdanken »vir die „Prager Ghettobilder", neuestens einen Noman „David Speier" und viele kleinere Novellen. Martin Maack eitiert iit seinem lexikalischen BIerke „Die Novelle" Kohiis Wahlspruch (nach eigener Angabe); „Gott verehren, Gutes üben, Edle Menschen nie betrüben. Stets das Höchste aiiznyreben, Das heißt zweckerkennend leben." hervorgehoben »vird, »nährend ihrer Arbeit, ungeachtet der »nit der Cigarrenfabrication verbundenen Gefahren der Lungentnbercnlose, als stets f l e i ß i g e, g e h o rff a m e und in» Betragen mit den Arbeitern als streng sittliche Individuen, sodass seitens der Fabriks-Direction gegen dieselben eine Rüge n i e »» a l s vorkarn. Bei den» bekannten Sparsinne der jüdischen Bevölkerung überhaupt, insbesondere noch ans dein flachen Lande, konnten es die Arbeiterinnen trotz des kargen W o ch e n l o h n e s von höchstens 5 fl., geivöhntich ltuv L st. bis fl. 50 kr., mitunter zn einigen» Wohlstände bringen, n»»d einige unter ihnen vermochten sogar ver- »nöge ihres Fleißes einen eigenen Herd zn gründen. Die männlichen jüdischen Arbeiter konnten dagegen »vegen Vordringens ihrer christlichen Mitlverber zu keiner Stellung daselbst gelangen. Den Anlass „zufälligen" Wegbleibens einiger jüdischen Arbeilerinrren, die. sich „zufällig" verheirateten, benützte die frühere Fabriksleiturrg vor »nehreren Jahren, uin s ä»»»»»»t l i ch e jüdis ch e »r Arbeiterinnen von den Arbeiten in den Fabriken voll st ä n D i g a »t s z u s ch l ieße n, beziehungsrveise abzuweisen. Seit jenen» verhängnisvollen Zeitpunkte findet auch k eine ei u ,z i g e j ü d i s ch e Seele irgendrvelche Beschäftigung tu den bezeichneten Fabriken. Das »var vor circa 9 Jahren. Die Errverbsguellen der jüdischen Einrvohner bestanden und bestehen hauptsächlich in Gelnischtivaren-Kräinereien uub _ in» _ Schankgewerbe. Waren schon zur damaligen Zeit die Juden der Stadt dnrchgeherrds, bis ans einen einzelnen, notorisch bedürftige, so sind sie seit darnals, innerhalb welcher Zeit die erwähnten Getverbe, immer mehr verarmt. Im vorigen Jahr »vüthete in der Stadt ein großer Brand, der die Jllden — »vie es amtlich - g l a u b i g t ist — einfach zu B e t t l e r n »nachte. In dieser höchsten Noth wandte sich der Cnltusvorstand bittlich an die k. k. Tabakfabrik (ded.elo 10. Februar 1899), mn »venigstens einigen Arbeiterinnen, die doch schon früher zur vollsten Zufriedenheit gearbeitet hatten, einen Erwerb zn verschaffen. Auf dieses Ersuchen erhielt der Ctlttnsoorstand nachstehende Antwort; Nr. 572. A n den geehrten israelitischen Cultus - G e m e i n d e v v r st a n d in Jagielnica. „In der Beantwortung der geehrten Zuschrift vorn 10. Februar 1899, Nr. 57, »vird höflichst niitgetheitt, dass, nachde»»» im Jahre 1898 der Tabak nicht gerathen ist, von den Arbeiter»», die bereits einige Jahre im Magazine gearbeitet habe»», über 100 Köpfe aus Mangel an Beschäftigung zuhause bleiben mussten. Ir» der Cigarrenfabrication sind hingegen alle hohenorts bewilligten Plätze besetzt." K. k. Tabakfabrik Jagielnica, 18. Februar 1899. Golczewski n>. p. Jaklinski m. p. Wir überlassen die Beurtheilung dieses Schriftstückes getrost der Beurtheilung jedes rechtlich benfenben Menschen. Vor uns liegt eine amtliche Zuschrift der C»lttnsge»r»einde Jagielnica, in der es-cheißt, dass „das Elend unter den Inden den Culminationspunkt erreicht hat, so dass sie ihre Zuflucht zum Wanderstabe nehmen und ausrvandern »voller», rvozi» ihnen aber die Mittel fehlen . . . So sieht es mit dem „Reichthu»»»" der J»»den ans, so mit dern Vorwurfe, dass sie nicht arbeiten »vollen. Jüdische Arbeiter bitten um eine Arbeit, bei der sie sich sozusagen dem Tode »veihen — die bei der Cigarrenfabrication beschäftigten Arbeiterinnen sind nahezu durchwegs tnbercnlos -- sie bitte»! um einen Hungerlohn von L—fl. die W o ch e — und »verden einfach abgewiesen. Kohn bringt diese seine, von idealistischem Geiste durchhanchte Lebensdevise in seinen Schriften zu voller und reinster Geltung. Der „Gabriel" scheint uns deshalb bei seinen» Debüt auf den» Bücherinarkte »licht gefallen, nicht (Stimm»»»"' gemacht zn haben, »veil er sich in seiner Technik und seinen» Gedankengange von fast allen anderen Ghettoerzühlnngen mit wohlthnender Befriedigung abhebt. Kohn dünkt uns darin in mancher Beziehung „Seceffionist". Im „Gabriel" »verden nämlich inoralische und socialpolitische Probleme »nit historischen Ereignissen verquickt, in denen überall das religiöse Moment stark betont, augenfällig hervorgehoben »vird, und das ist unserer Meinung nach die Äbweichnug von der sonst gepflegten Schilderungstveise. Uebrigens erwähnt Kohn selbst diesbezügliches in» Vorworte: „Es hat sich nämlich, namentlich in neuerer Zeit, die Thatsache festgestellt, dass Erzählungen aus dem jüdischen Leben, so trefflich sie auch in allen andere»' Beziehungen fein mochten, denn doch die Eigenthümlichkeit darboten, dass nnr die politische und sociale Seite desselben ins Auge gefasst, das religiöse Moment aber nicht beachtet oder nicht selten verunglimpft wurden. Es sollte nun der Versuch gemacht »verden, in einer Erzählung. deren Schwerpunkt »licht in den äußeren Verhältnissen des jüdischen Lebens, sondern in dein innerer» Wesen dessetberi lag, das Interesse des Lesers zu spannen." Wie intensiv der „Gabriel" das Interesse zn fesseln, »velche »»»»bedingte, zivingeilde Aufmerksamkeit diese Erzählung sich zi» sichern vermag, erhellt daraus, dass dramatische Scenen fast ineinandergreisen. (Schluss folgt.)