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Jüdisches Volksblatt · 1899-03-03 · 3 (3.3.1899) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
3 (3.3.1899)
Date
1899-03-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 Wie», Freitag Jüdisches Yolksblatt 3. Mär/ 1899 Seite 3 Inland. Eine jüdische Uolkspartei in Ungarn. Budapest, 22. Februar 1899. Es ist nicht unsere Absicht, an dieser Stelle das Programm der jüdischen Volkspartei in Oesterreich per longum et latum zu analysieren und in seine Details zu zerlegen. Das haben berufenere Federn bereits in der ersten Nummer des neugegründeten Organes der Partei gethan und werden im weiteren Verlaufe noch wiederholt Gelegenheit haben, dies zu thun. Wir möchten in Nachfolgendem den Versuch machen, zu erörteren, ob überhaupt, und in welcher Form und Weise sich das Programm der ö st e r r e i ch i s ch e n jüdischen Volkspartei den ungarischen Verhältnissen anpassen ließe, inwieferne sie auf diese Anwendung finden könnte. Aus den Verhältnissen, den politischen sowohl, wie den socialen, ist die Gründung der jüdischen Volkspartei in Oesterreich als eine naturgemäße Consequenz hervorgegangen. Wir müssen daher vor allem die Verhältnisse m Ungarn ins Auge fassen und uns fragen: sind die socialen und politischen Verhältnisse in Ungarn, ist die Lage respective die Stellung der Juden in Ungarn heute eine solche, dass hier der Boden und das Material für Gründung einer jüdischen Vollspartei gegeben ist, dass eine Agitation in diesem Sinne und in derselben Richtung hin auf Grund desselben Programmes, wie es die jüdische Volkspartei in Oesterreich aufgestellt hat, von Nutzen oder gar nothwendig und von Erfolg wäre. Man sollte auf den ersten Blick glauben, dass mir aus diese Frage mit einem absoluten „Nein" zu antworten in der Lage sind. Das aber scheint nur so, und wenn wir die Sache eingehender prüfen und untersuchen, so werden wir zu dem Resultate kommen, dass wir von dem Programm der jüdischen Volkspartei in Oesterreich, wenn auch nicht alles, so doch vieles, auch für uns verwenden, unseren Verhältnissen anzupassen vermögen, dass wir also das Programm derselben, wenn auch nicht in seiner Gänze, so doch den bei uns obwaltenden herrschenden Verhältnissen^ entsprechend geändert, zum großen Theil acceptieren und durchführen könnten. Diese anders gearteten Verhältnisse bei uns geben uns aber zu bedenken, ob wir das erwähnte Programm auch oder jetzt schon durchführen sollen. Die Lage der Juden in Oesterreich ist eine andere, wie die der Juden in Ungarn. Der Jude in Oesterreich, wenn er überhaupt noch etwas gelten soll, m u s s n a t i o n a l j ü d i s ch - n a t i o n a l je in. Die sogenannten „Assimilanten", jene Juden, die in Deutsch-Böhmen Deutsche, in dem - rein czechischen Böhmen Czechen, in Niederösterreich Deutsche, in Krain vielleicht gar Slovenen und in den Küstenländern Italiener sein wollen, sind ein Nonsens. Das gienge vielleicht noch in Ländern und bei Nationen, welche die Juden in sich, in ihre Nationalität aufzunehmen gewillt sind. Die „Assi? milanten" aber täuschen sich, wenn sie glauben, dass mn ihrem Anschluss an diese oder jene Nationalität aufhören würde, was unter der Marke „Antisemitismus" seit Jahren zum Fluche der Juden geworden ist. Die Herren irren sehr bedeutend, wenn sie glauben, dass Czechen, Slovenen oder Schlachzizen sie als ihre Brüder umarmen werden, wenn sie czechisch oder slovenisch oder polnisch sich gehoben, sprechen und zu fühlen vorgeben. Der deutsche Jude wird von den Deutschen, ob er sich jetzt christlichsocial oder deutsch-national oder selbst fortschrittlich-liberal nennt, gerade so gehasst und zurückgestoßen, wie der czechische Jude von den Czechen, der polnische Jude von den Polen, und es wäre Täuschung, zu glauben, dass sie ihn je in sich aufnehmen werden. Braucht man den Juden, wie man ihn bisher gebraucht hat — ja Bauer das ist was anderes. Pflichten haben sie für den Juden stets vorräthig, aber Rechte — niemals! Deshalb war und ist es nothwendig geworden, dass die Juden Oesterreichs sich sich aneinander schließen, dass sie sich zu einem starken, großen, einheitlichen Ganzen zusammenfügen, dass sie die Kraft zum Fortbestehen aus sich selbst schöpfen, denn nur so können sie den Beweis erbringen, dass auch sie ein Factor sind, mit dem der Staat rechnen muss, zumindest wird rechnen müssen. So liegen die Verhältnisse in Oesterreich. Ganz anders aber in Ungarn. — Hier unterscheiden sich die Juden nur in religiöser Beziehung einigermaßen voneinander. Alle aber, ob sie nun sich zu der religiös-orthodoxen Richtung bekennen, ob sie sich Neologen nennen, oder die goldene Mittelstraße zwischen diesen beiden wandeln und sich als Anhänger des status quo, wie der technische Ausdruck lautet, zusammengethan, so beziehen sich diese Unterschiede nur auf die Anwendung und Ausübung der religiösen Satzungen und Vorschriften, auf den Ritus. Alle Juden in Ungarn aber, ob liberal oder statns quo-Jude oder streng orthodox, alle sind, was ihr praktisches Glaubensbekenntnis betrifft — streng national, aber— ungarisch-national, mit einem Worte Ungarn. Auch in Ungarn haben wir andere Nationalitäten und nicht in geringer Zahl, hier sind Slaven, Rumänen, Serben, und die unter ihnen lebenden Juden, ob sie jetzt einzeln und zerstreut oder in Gruppen und Massen mit ihnen Vorkommen, sie sind alle — Ungarn, sie hängen mit Leib und Seele au ihrem Vaterlande, sind die eifrigsten Verfechter und Vertreter der ungarischen Staatsidee/ der ungarische Staatsgedanke geht ihnen über alles, in diesem Sinne wirken und schaffen sie,. in diesem Sinne erziehen sie ihre Kinder. Sie bilden einen wichtigen integrierenden Theil der ungarischen Nation, ohne deshalb in österreichischen Sinne „Assimilanten" zu sein. Sie drängen sich nicht auf, sie haben sich der ungarischen Nation niemals aufgedrängt. Sie gehören zu ihr. Das ist im Laufe der Jahrhunderte so geworden, der ungarische Jude hat für dieses sein Vaterland gekämpft und geblutet, als er noch lange nicht im Besitze der Gleichberechtigung war, als er noch gar nicht daran dachte, dieselbe je zu erringen. Und als sie dann kam, fand man es so selbstverständlich und natürlich, dass es so kam, und wunderte sich nur, dass es nicht schon früher so gekommen. Unter solchen Verhältnissen ist — man sollte es wenigstens glauben — die Propaganda für Jnslebenrufeu einer jüdischen Volkspartei in Ungarn — überflüssig. Sie ist es auch, und sie wird es auch bleiben, solange die Verhältnisse bleiben werden, wie wir sie eben geschildert. Wer aber bürgt uns dafür, dass sie es bleiben werden? Es nützt nichts, wenn wir eine „Vogel Strauß- Politik" befolgen und uns gewissen, seit einiger Zeit sich bemerkbar machenden Symptomen verschließen. Und diese Symptome deuten darauf hin, dass die Seuche Antisemitismus. die bereits alle Welt beleckt, nun auch auf Ungarn sich erstreckt, zu mindesten sich tzu erstrecken beginnt. Es nützt nichts, wenn wir uns dieser Einsicht verschließen. Auch in Deutschland und in Oesterreich kam diese Seuche nicht plötzlich. Nach und nach wurde Stadt und Land von ihr inficirt, bis dann die Eiterbeule platzte und mit ihrem Gifte ganze Länder überflutete. Es ist ja möglich, und wir wollen es hoffen, dass es bei uns nicht so schlimm würde, ebenso, dass der traurige, gefürchtete Zustand erst in unabsehbarer Zeit eintreten werde. Der Ungar ist nicht antisemitisch angelegt, auch ist er viel zu chevaleresk, als dass er an dem Schwächeren sein Müthchen kühlen sollte. Deshalb haben wir wohl vorderhand Nichts zu befürchten. Allein werden wir immer die Schwächeren sein?. Oder wird man uns immer für die Schwächeren halten? Schon jetzt machen sich bald hier, bald dort Stimmen laut, der Jude wage sich zu weit vor, schon jetzt kommen Fälle vor, dass die Religion der Juden diesen bei Erlangung von selbst unbedeutenden Dingen hinderlich ist. Und da schweben uns nicht jene großen wichtigen Aemter und Stellen vor. Es macht sich allenthalben so eine Art latenten Antisemitismus bereits bemerkbar, und wer bürgt uns dafür, dass wir nicht auch — wir können nicht sagen wann — aber doch einmal in die Lage kommen, uns auch in Ungarn aneinanderschließen zu müssen. Tritt diese Nothwendigkeit nicht ein — umso besser. Für alle Fälle wäre es angezeigt, vorbereitet zu sein, und das können wir, wenn wir schon heute damit anfangen, die Gründung einer jüdischen Volkspartei in Ungarn z u m i n d e st v o r z u b e r e i t e n. Nicht erschrecken wollen wir unsere jüdischen Landsleute, nur einen Wink möchten wir ihnen mit Obigem gegeben haben, und deshalb lenken wir vor allem ihre Aufmerksamkeit auf die Gründung der jüdischen Volkspartei in Österreich. 8. E. .Aus Debreczin wird gemeldet: Am vorigen Samstag brachte das hiesige Tagblatt „Debreczen" einen hasserfüllten antisemitischen Artikel aus der Feder seines Hauptmitarbeiters. Die dadurch entstandene Aufregung unter der jüdischen Bewohnerschaft zwang den Herausgeber des Blattes, den Verfasser des Schmähartikels aus dem Verbände seines Blattes zu entfernen. Leipuik. (L a n d t a g s w a h l.) Durch den Tod des Landtags- und Reichsraths-Abgeordueten Dr. Ad. Promber wird in der von ihm vertretenen Städtegruppe Mähr.-Weißkirchen, Leipnik und Bodenstadt eine Ersatzwahl stattfinden. Ans diesem Grunde wurde vom deutschen Bezirks-Wahlcomite der Bürgermeister der Stadt Mähr.-Weißkirchen, Advocat Dr. F. Plachky, als Candidat vorgeschlagen. Derselbe nahm die Candidatur an und hielt Mittwoch den 22. Februar in Leipnik vor der fast vollzählig erschienenen deutschen Wählerschaft seine Candidatenrede. Auch die jüdischen Wähler hatten sich eingesilnden. Der Candidat entwickelte sein Programm in dentschfortschrittlichem Sinne und erklärte insbesondere, ein Gegner des A n t is e mitismus zu sein. Weiters versprach der Redner, sich der nmteriell so schlecht gestellten Lehrer Mährens annehmen zu wollen und deren berechtigte Forderung nach Besserstellung nachdrücklich im Landtage zu unterstützen. Aus der weiteren Rede ist noch hervorzuheben, das- Dr. Plachky als Mittel zur Hebung des Wohlstandes in Mähren die Herstellung des Donau- Oder-Canales, dieser nicht nur für Mähren, sondern für ganz Oesterreich so wichtigen Wasserstraße, bezeichnete, weshalb er der Verwirklichung dieses Planes seine ganze Kraft zu widmen versprach, umsomehr, als der Canal auch die von ihm zu vertretenden Orte berühren sott. Nach einigen Interpellationen, welche schlagfertig und zur Zufriedenheit der Interpellanten beantwortet wurden, erhob sich anch der k. k. Notar in Leipnik, Dr. Noketnitz, und verlangte im Namen der jüdischen Wähler, man möge denselben die Gewähr leisten, dass für ihre Betheiligung an der Landtagswahl, die für sie oft mit großen materiellen Opfern verbunden ist (Boycott seitens der czechischen Bevölkerung), bei der später stattfindenden Reichsrathswahl kein antisemitischer Candidat zngelassen werde. Dr. Plachky gab das bindende Versprechen, er werde nicht einmal die Candidatur eines Anrüchigen zulassen, trotzdem bei der Reichsrathswahl die Gruppierung der Städte eine andere ist und einige notorisch bekannte antisemitische Orte mitzmvählen haben. Nach Beendigung seiner beifällig aufgenommenen Ausführungen wurde Dr. Plachky von der Versammlung einstimmig als Candidat angenommen. (Radnitz.) Unser Correspondent schreibt uns: In hiesiger Stadt, wo die deutsche Schule längst aufgelöst ist und unsere Kinder die allgemeine böhmische Volksschule besuchen, bildete sich anfangs dieses Monates ein christlich-socialer Bildungsverein — unter der Patronanz der hiesigen Geistlichkeit, der schon am ersten Tage 180 Mitglieder zählte. Pfarrer nnd der zweite Caplan — ein junger Mann der neuesten Schule — beriefen zuerst die Pfarrkinder, insbesondere jene, die von der Pfarre ein Verdienst haben, zu sich, setzte ihnen die Wichtigkeit eines solchen Vereines auseinander um dann schließlich bei der Hauptversammlung — Los von den Jllden! Los von den jüdischen Kindern! zu predigen. Hat das auch die jüdisch-deusche Schule verschuldet? Bemerkt muss werden, dass bisher in hiesiger Stadt zwischen ihren Bewohnern — Jud und Christ — ein ziemliches Einvernehmen bestand, bis es dem neuen Pfarrer und dessen detto neuen Caplau gelang, die Spaltung ans Tageslicht '.zu zerren. Ich könnte noch eine große Zahl von Dörfern und Städten anführen, wo der Jude, weil Jude — von allen Vereinen, Unterhaltungen u. s. w. einfach ausgeschlossen wird. Soll sich sogar ein Pfarrer den in die böhmische Schule eintretenden jüdischen Schülern gegenüber geäußert haben: Wir haben hier keinen Raum für Euch, bleibet in Eurer jüdischen Schule! Dass die jüdischen Volksschulen in Böhmen die strengste Kritik des k. k. Bezirks-Schnlinspcctors vertragen und die Leistungen derselben den Schulgesetzen vollkommen entsprechen, beweist, dass viele dieser Lehrer Belvbungsdecrete der Schulbehörden erhalten. Sie leisten nicht nur das vorgeschriebene, gesetzliche Ziel; sie gehen oft viel weiter über dasselbe hinaus. Wenn aber die confessionelle Schule gegründet werden soll, dann hat der Staat, das Land und die Gemeinde die Pflicht, diese Schulen aus dem allgemeinen Staatssäckel der Steuerzahler zu erhalten, da doch die Juden stets zu den allgemeinen Schullasten ihren Beitrag, ihre Schulsteuer zahlen müssen und auch zahlen. Das wäre eine gerechte und billige Forderung, dcckür sollten sich unsere Vertreter einsetzen. Wir haben die confessionelle Volksschule nicht zu fürchten. X. Mail schreibt uns aus Westböhmen: ' Die Erfahrung lehrt, dass ein Schlag, der von Feindeshand geführt wird, nie so schmerzt, wie eine Wunde, die durch Bruderhand entstanden. j Da ist uns Juden in Böhmen in Gestalt eines „czechischjüdischen Vereines" ein Feind erstanden, der, vielleicht unbewusst, die Gefahr heraufbeschwört, das Judenthum daselbst völlig zu zerschlagen. Es werden Apostel ausgeschickt, um die Heilslehre zu verkünden: Abschaffung alles Deutschen, Auflösung der bestehenden jüdischen Schulen, wo noch deutsch unterrichtet wird, vollständiger Anschluss an die Czechen. Nun ist aber die Situation für den Juden ganz anders: der Nichtjude findet überall sein Brot, sein Auskommen mit der einen oder anderen Sprache. Im allerschlimmsten Falle versorgt ihn seine politische Gemeinde; denn dieser stehen ja ein ganzes Heer von Beamten- und Communylstellen zur Verfügung. Der. Jude aber, dem es schon früher schwer fiel, in irgendein Aemtchen oder Amt einzurücken, er sehnt sich heute vergebens nach den Fleischtöpfen einer öffentlichen Stellung. Der Jude, der seinem Erwerbe n a ch g e h f n und uachfahreu muss, für den es nur weite Erwerbszonen gibt, dessen Verbindungen sich weithin erstrecken m ü s s e n, uni sich zu ernähren, zu erhalten, der kann und darf nicht sagen: Ich beschränke mich auf diese oder jene Sprache allein; beide Landessprachen sind für ihn Lebeysprincip. Die vollständige Assimilation an die Czechen bedeutet für den Juden das Unterbinden seines Lebensnervs, das Aufgeben seiner Existenz, das Vernichten seiner und seiner Nachkommen Zukunft. Man hält uns vor: Warum sind die Juden in Deutschland — Deutsche, in Frankreich — Franzosen, in England — Engländer, in Russland — Russen, in Italien — Italiener, in der Türkei — Türken? Das sind Fragen eines Nichtdenkers an einen Nichtdenkenden. Was ist der Jude in Oesterreich? — Oesterreicher. Wir leben aber in Böhmen? Ja, das ist eben zweisprachig, beide Sprachen sind landesüblsch und darum können wir Juden — die doch von keiner der beiden Nationen anerkannt werden — namentlich in gemischtsprachigen Bezirken uns nicht mit einer Sprache behelfsn, müssen ebenso deutsch verstehen, deutsch sprechen. Das sind Argumente, die keines weiteren Beweises bedürfen. Nnd — so fragen wir weiter: Was hat den Juden in den meisten früher erwähnten Ländern ihre Assimilation geholfen? Wir wollen die Wunden, die unseren Brüdern dort geschlagen wurden und heute ebenso heftig bluten wie einst, nicht weiter aufreißen. Die Tagesblätter wissen so manches hierüber zu erzählen. Das Schönste an der Sache aber ist das: Trotz allsss Feuereifers für die Sache werden die Mitglieder dieses Vereines nicht als vollwichtige Czechen angesehen, denn die arischen Czechen glauben nicht und werden nie an die Aufrichtigkeit der Gesinnung glauben; man nennt sie eben nur böhmische Jude n, sowie man andererseits wieder von deutschen Juden spricht: I u d bleibt I u d, und der Jude wird verbrannt. Tiefe Wunden haben die israelitischen czechischen Vereine dem Jndenthume geschlagen: blühende C.°G. zerrüttet, dm religiösen Fortschritt gehemmt, Existenzen zerstört, Zwiespalt heranfbeschworen, den Bruderzwist entfacht.- Freilich! Und das muss betont werden: Es wäre nie soweit gekonnnen, wenn der Antisemitismus unter beit Deutschen nicht so furchtbar überhand nähme. Wohin wir blicken, überall bald offener, bald versteckter Antisemitismus. Und der Jude in Böhmen weiß nicht, wohin er sich retteü soll, überall wird er zurückgestoßen, verfolgt, misshandelt — bis er sich selbst finden wird. Das Lemberger statistische Bureau veröffentlicht die Zahl derjenigen, welche in dieser Stadt im Jahre 1868 vom Judenzum Christenthume übertraten. Die Zahl beläuft sich auf 36 Personen, von denen 28 (11 Männer und 0 Frauen) zur römisch-katholischen, 1 zur griechisch-kathvk« lischen, 7 (5 Männer und 2 Frauen) zur evangelischen Kirche übergiengen. Der Wenn man den statistischen Ausführungen des Professor P i l a t in Lemberg Glauben beimessen dürfte, läge der Grund

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