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Jüdisches Volksblatt · 1899-02-18 · 1 (18.2.1899) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
1 (18.2.1899)
Date
1899-02-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seit« S Wien, Samstag Jüdisches Volksblatt ISr. 4 18 Februar 1899 Die Juden in Böhmen. [9en einem Deutschböhmen.l I. Während ringsumher, in allen Ländern, wo Juden wohnen, die nationale Bewegung im Judenthum merkliche Fortschritte jp verzeichnen hat, herrscht in Böhmen noch völlige Ruhe. Nichts rührt sich. Die aus der Reichshauptstadt kommenden Nachrichten per die jüdische Bewegung werden mit Interesse verfolgt, zum Theile anerkannt, zum Theile belächelt, auf ein Zeichen der Oeactio« aber wartet man vergebens. Wie kommt das? Kein Theil der Judenschaft im ganzen Oesterreich ist so intelligent in seinem DurchschuittSmcche, wie Äen die Juden Böhmens. Dass sie kein Verständnis hätten für d»e Noth ihrer Brüder im Osten, für die Freiheitsbestrebungen her im harten Joche schmachtenden Märtyrer des Rassenhasses, Aas ist nicht anzunehmen. Dass es ihnen so wohl gienge, dass He darüber das Ungemach ihrer Stammesgenossen nicht /«»pfänden oder doch verständen, kann man nicht sagen. Die Aational-christlich-social- und liberal-antisemitische Propaganda Her letzten Jahre hat dafür gesorgt, dass die Juden allüberall, -jyo sic wohnen, zur Erkenntnis ihrer wahren Lage gekommen U'd. Woran also liegt es, dass überall und nur in Böhmen igvrt» ein kleiner Anfang sich zeigt in der nationalen Er- MMnung und Selbstorganisation der Juden? Dass gerade in WWllen die Juden der Sache ihres Volkes fremd oder doch chciluahmslos gegenüberstehen? Das ist nicht leicht gesagt. Die Verhältnisse in Böhmen find in ihrer nationalen und den damit eng verknüpften wirtschaftlichen Beziehungen so eigenartige, dass sie dem außerhalb Böhmens stehenden Beobachter geradezu unbegreiflich erscheinen. Ker z. B. in Galizien würde es verstehen, wenn man ihm sagen würde, die Juden Böhmens schließen sich aus Furcht Nor den A n t i s e m i t e n der jüdischen Bewegung nicht an —? Und doch ist es so. Die Furcht und die Eitelkeit, das sind die Heiden Hindernisse, die sich der Betheiligung der Juden am jüdisch-nationalen Leben entgegenstellen. Die Furcht vor den Antisemiten ist zum Theile begründet. Die Juden in den Provinzstädten sind fast durchaus in ihrer wirtschaftlichen Existenz auf die christliche Umgebung angewiesen. Jedes Hervortreten wird da bitter gerächt. Stimmt er z. B. bei Wahlen in gemischtsprachigen Gegenden mit den Deutschen, wird er von den Czechen gespießt: stimmt er mit den Czechen, fressen ihn die Deutschen. Und — was das Merkwürdigste ist — stimmt er gar nicht, greifen ihn beide Nationen an. An der letzten Erscheinung tragen die Juden Böhmens allerdings selbst hie Schuld. Sie waren in den letzten Jahrzehnten viel zu Politisch. Ihr Temperament und die natürliche Ambitton, welche das rege Geistesleben der Juden in sich schließt, drängte sie zur Bechätigung ihrer politischen Rechte; ihre Intelligenz und .ihre Qualification für die Agitatton schob viele von ihnen nach kurzer Zeit auf führende Posten. Nun nahm man zwar seit jeher die rege Arbeit jüdischer Parteimännner gerne mit in den Kauf: von dem Momente aber, wo diese Arbeit ihren Lohn beanspruchte, oder auch nur freiwillig erhielt, trat der tüchtige Mitarbeiter und Agitator zurück und der „Jude" in den Vordergrund. Bon da ab war die Abneigung gegen die Juden stärker, als das Bedürfnis nach seiner Arbeit. Wie Friedjung z. B. bei Ausarbeitung des Linzer Programmes, war ein jüdischer Advocat in Prag der geistige Mittelpunkt des ehedem so mächtigen „Prager Casinos". Er war Schmeykals rechte Hand, der eigentliche Führer der Deutschen in Böhmen, der Schmeykal nur nach außenhin war. So lange dieser Mann selbstlos und bescheiden seine Arbeit leistete, war er der „beliebte Parteigenosse"; als er es sich einmal einfallen ließ, eine Würdenstelle im Casiuo-Ausschusse einnehmen zu wollen, die seine Person auch nach außenhin in ein helleres Licht gestellt hätte, war es mit seiner „Beliebtheit aus. Ein ähnliches Liedlein weiß ein Perrath um Geld, Judenverfolgung, Jungfrauenschändung und heldenmüthigem Heroismus ist viel die Rede; der Sinn der vielen Reden und Sänge ist nicht zu erfassen. Und doch weht unter diesem Mischmasch von historischen Brocken und romantischer Gefühlsduselei der starke Athem einer glühenden Volksseele. Auch wenn uns der diensteifrige Capellmeister, der die vornehmen Herrschaften der ersten Parquettreihe mit unverhohlenem Erstaunen betrachtet, nicht gesagt hätte, dass die Schauspieler da oben von einer Tagesgage von circa 1 Dollar pro Kopf leben müssen; man würde es den ärmliche»», wit schäbigern Flitter behangenen Gestalten ansehen, dass ihr Beruf keinen goldenen Boden hat. Und doch diese Hingebung, dieser Schwung, dieses Aufgehen in ihrer, offenbar mit ganzer Glut eines vollblütigen Temperaments erfassten Aufgabe! Das Orchester, vom Capellineister frei aus dem Gedächtnisse, nach dem Textbuche geführt, spielt auch ohne Roten. Die Musiker scheinen sich lediglich den musikalischen Empfindungen der Sänger onzuschmiegen. Und diese Em- .psindungen strömen breit und naturgewaltig hervor, im urwüchsigen Geiste einer längstverschollenen Zeit. Bald sind es jene weichen, klagenden Klänge, die Max Bruch;in seinem berühmten „Kol nidrei" so meisterhaft fest- > schalten verstand, bald die stimmgewaltigen Klagelaute .tiefen Schmerzes, wie sie an den höchsten Festtagen des JudenthumS nur mehr an den Gebetstätten der orthodoxen ^Gemeinden zu hören sind. In erschütternder Gewalt ertönen .diese Klänge aus der breiten Brust eines „illustren" Gastes — . kaiserlicher Opernsänger Korostascheosky nennt er sich — voll dramatischen Ausdrucks sind feine Klagen um die Noth Israels, seine Bitten um Erlösung aus der Macht des unheilvollen Verhängnisses. Wie der klagende Ton der Sigeunergeige von dem Wehe und Leid eines heimatlosem itammes erzählt und singt, so spricht hier au» ungeregelten bekannter Prager Schriftsteller und Aesthetiker zu singen, Dr. Klar. Er arbeitete seit Jahren an den Parteigeschäften mit. Fast alle schwungvollen Aufrufe Schmeykals an dadeutsche Volk in Böhmen waren sein Werk. Als er aber in der liberalen Epoche der siebenziger und achtziger Jahre ein Reichsrathsmandat anstrebte, da bedauerte der liberale Dr. Schmeykal .lebhaft", dass so etwas unmöglich sei, weil man dem „unseligen" Zuge der Zeit Rechnung tragen müsse. Nebenbei bemerkt »var gerade damals der „unselige Zug der Zeit" lange nicht so stark, »vie die Prager Parteileitung; sie hätte auch einen Barrierestock, geschweige denn einen Juden durchgebracht. Aber die geriebensten Antisemiten waren ja imrner die Liberalen; sie betonten ihren Antisemitismus »»icht, aber sie übten ihn aus. Leider ohne Gefabr. Dem» die Juden blieben, auch wenn man sie kaltstellte, die willfährigen Pndel der Partei. Der obengenannte Literat, der wahrlich auch ohne die Partei seine Bedeuttmg hat und jene für sein Prestige absolut nicht braucht, ist, so unglaublich es klingt, heute noch ein geistiger Macher der liberalen Partei, die allerdings nur mehr als „fortschrittliche" dem Namen nach existiert; er verfasst he»lte noch Nllfruse und Manifeste und Progrannne, trotzde»n ilini nicht einmal die Ehre »vird, der eigentlichen Parteileitung anzugehören — „. .. um dem „unseligen Zuge der Zeit" Rechnung zu tragen . ..." Trotzdein also die J»lden — ich spreche vorläufig von den deutschen — »vie dieser eine, so alle anderen, für treue Dienste mit Undank belohnt »verden, andererseits seitens der nationalen Gegner den heftigsten Angriffen ausgesetzt sind, treibt sie die Furcht vor den Antisemiten nach wie vor zu jenen Parteien, die sich liberal nennen. Ob facto sind die Antisemiten den Juden tveniger gefährlich als die Liberalen, oder doch »venigstens nicht gefährlicher. Denn während die Liberalen unter der Maske des Liberalismus das Judenthum nur da kennen, wo sie es brauchen und ansonst jede Freundschaft oder Gemeinschaft mit ihm eifrigst ablehnen — also versteckt ebenso praktische Antisemiten sind, »vie Wolf und Schönerer — treiben diese als offene und rücksichtslose Gegner zur Organisation und z»»r gemeinschaftlichen Abwehr. Der Liberalismus hat in Böhmen das Judenthum entnervt, hat die jüdische Nation für seine Zwecke ausgenützt, ohne ihr auch nur das Geringste dafür zu bieten. Der Antisemitismus hat das Judenthum gekräftigt, hat es »virtschaftlich u»»d politisch selbständiger gemacht. (Ei»» »veiterer Aufsatz folgt.) Das galizische Jndenelend. Von Dr. D. Neumark. Sie wollen gleich in der ersten Nummer einen Arttkel über die Lage der Juden in Galizien bringen. Das ist beim Organe einer Partei, welche „die Organisation aller Juden unseres Vaterlandes" bezweckt, „um durch Selbsthilfe auf socialem, culturellern und wirtschaftlichem Gebiete dem inneren Zerfall des Judenthums zn begegnen", leicht begreiflich. Sie wünschen aber noch mehr: alles auf statt st »scher Grundlage! Diesen Wunsch erfüllen hieße nichts lveniger, als der „Jüdischen Bvlkspartei" eine ihrer »vichtigsten und e r st e n Aufgaben vorwegnehmen; die Schaffung einer jüdischen B crufsftatistik! Und nicht nur die „Jüdische Volkspartei", sondern jede jüdische Bereinigung, die Hilfsactionen für die galizischen Juden unternehmen »vill, »nüsste es als ihre erste Aufgabe ansehen, die Berufs- Verhältnisse der Juden in Galizien statistisch festzustellen. Und zwar genügt es nicht, wie es in der Artikelserie in der „Osterr. Wochenschr." gefordert wurde, die Rubrik „Confeffion" in den officiellen Volkszählungs-Tabellen zu bearbeiten, sondern es muss einfach vom A angefangen werden. Wer einrnal Gelegenheit hatte, einer Volkszählung in Galizien beizuwohnen, der weiß, was auf die officielle Bernssstatistik, speciell soweit und doch harmonischem Gesa»»ge der Geist einer starken originellen V)lksseele. Der große Sä»»ger reißt die kleinen mir; oh»»e Noten, ohne Studium einer musikalischen Lehre stim»nt der Chor ein, tönen die Klagegesänge zusammen und es ist dem musikalischen Hörer, als vernähme er süße, wilde Weisen auf unbekannter, vom Sturm gepeitschter Heide. Ein Bild des Volkes, das hier singt und sich selbst spielt, erschütternd in seiner dem civilisierten Ohr ungewohnten, zum Theil abstoßenden Form.jj Die Musik, die Herr Goldfaden selbst dazu gespendet hat, ist ziemlich naiv; lustige Bachanals, die an Offenbach gemahnen, zum Theil auch Osfenbach sind, ein Pole »rißle moderner Operettentakte. Aber die alten Weisen, die er, vielleicht »»»bewusst, festgehalten hat, und die der gewa»»dte Sänger variirt in den erschütternd klagenden Accorde»», die sich von den Mauern Jerusalems fortgepsianzt bis in die neueste Zeit, die wären es »ve rt, von Meisterhand festgehalten zu werden, als wertvolle Ueberlieferung einer alten, eigenartigen Kunst. Allerdings sind das Genüsse von nur kurzer Dauer. Das seltsame Publicum hat eigenartige Kunstansichten. Seine Beifallsbezeugungen, bestehend aus grellen Pfiffen, Füßetrampeln und johlenden Zurufen, gelten nur den heiteren Stellen. De»n traurigen Humor, den ein kurzsichtiger Secretär vertritt, der überall anstößt, und mit seinen dummdreisten Späßen an das Urbild des „Hans- »vurst" erinnert, an den im alten Judeirthume auferstandenen „Lozelochmacher", der in dem Spassmacher der französischen und deutschen Bühne feine vernewerte Auflage fand. Nimmt man dazu den unverfälscht jüdisch-deutschen Jargon, denn hier Rabbi wie Ritter, König, wie „Schames" sprechen, die ganze typische Umgebung, die rauschenden, fremdländischen Klänge, so hat man den Eindruck eines fetten interessanten Schauspieles, dem auch dir abstoßende die Judefl in Betracht kommen, zu halten ist. Da soll «an die Berlegmcheit sehen, in die so ein galizischer „Luft-Sochae" gebracht wird,, wyn er die Rubrik „Beruf" au-zufülle« hat. Was soll er dann da schreiben? „Handelsmann?" Nun ja, das ist er ja eigentlich, er ist ja ein „Kaufmann". Aber womit? Wovon? Schließlich doch mit all und jedem, das ihm zur Hand kommt. Und so entschließt er sich zuletzt für das Abstractum, für den „Handelsmann" oder „Kaufmann" schlechthin. Im besten Falle greift er einen der verschiedensten Handelsartikel, der ihm gerade ins Auge fällt oder in den Sinn kommt, und so kommt ein „X-händler" oder „A-Händler" heraus. (Sine solche Statistik mag für ai»tisemitische »der vielleicht auch „Abwehr"-Zwecke gut genug sein, als Grundlage einer HilfSaction hingegen wird sie nimmer zu verwenden sein. Denn abgesehen davon, dass die Berufsangabe in den Cvnscriptioi»sbvgen ohne amtliche, verlässliche Controle geschieht, sagt uns ja eine solche Statistik nichts darüber, was diese „Kaufleute", Handwerker, Lohnarbeiter u. s. w. für Einkomineu haben, ob die Kaufleute das nöthige kleine Betriebseapital oder den nöthigen Credit, die Handwerker die nöthigen, der modernen Technik entsprechenden Werkzeuge nnd, worauf es besonders ankommt, hinreichende Beschäftigung haben. Kurz, alle die nöthigen Daten, auf die es bei einer Hilfsaction hauptsächlich ankommt, bietet uns diese Statistik nicht. Dies bemerkt übrigens auch der Verfasser besagter Artikelserie in der „Oesterr. Wocheilschr.", Herr Doctor S. R. Landau: war»»m er aber den»»och dem „Oesterr.-israel. Gemeindebu»»d" empfiehlt, für die Bearbeitung der Rubrik „Confeffion" aus den Volkszählungs-Tabellen 25.000 bis 30.000 fl. aufzuwenden, ist »»nerfindlich. Wer eine Hilfsaction für die galizischen Juden unternehmen will, und das dürfte doch nur zunächst der Zweck aller jüdischen Bernssstatistik in Oesterreich sein, der muss sich diese Stattstik selber anlegen. Der erste Schritt zur Abhilfe des jüdischen Elends in Galizien dürste kein anderer als der sein, einige gewandte, mit den Verhältnissen Galiziens nnd insbesondere mit denen der galizischen Juden vertraute Statistiker hinzuschicken, damit sie vorerst die nöthige statistische Grundlage schaffen, die schon zur Diskussion über die geeigneten Hilfsunternehmungen, gesch»veige denn zur Realisierung derselben unentbehrlich sind. Solange aber dieses statistische Material nicht herbeigeschafft ist, bleibt die Discussion oberflächlich, und dürfte deren Ergebnis zur »virklichen Inangriffnahme einer Hilfsaction kaum eine genügende Handhabe bieten. Allerdings befreit uns dies nicht von der Pflicht, in die Discussivl» über die Ursachen der galizisch-jüdischen Armut, »venigstens in allgemeinen Zügen, soweit dies eben ohne die nöthigen statistischen Daten möglich ist, einzugreifen. Wenn die „Oesterr.-israel. Union" den Mitgliedern der von ihr veranstalteten Enquete die Frage vorlegte, inwieferne der tiefe Culturstand des Gros' der galizischen Juden ihre Armut mitverursacht, und ob von der Hebung des culturellen Niveaus auch wirtschaftliche Bortheile zu erwarten sind, so hat sie die Frage gewiss von der richtigen Seite angefasst. Für Kenner der jüdischen Verhältnisse in Galizien unterliegt es keiner Frage, dass die jüdische Armut in Galizien nie diese erschreckenden Dimensionen angenommen hätte, wenn die große Masse nicht auf einer so niedrigen Culturstufe stünde. Es kann deshalb keinem Zweifel unterliegen, dass, vb»vohl es nicht gut angeht, den Hungernden statt Brot Cullur anzubieten, und eine rasche Hilfsaction noththut, alle jetzt möglichen Hilfsacttone»» dennoch nicht über die Bedeutung von Palliattvmitteln hinauskoinmen, wogegen eine radicale Abhilfe nur Hand in Ha»»d mit der culturellen Hebung vorbereitet »verden kann. Die Frage ist sornit von der Union gewiss richtig stilisiert, nur bürgt die wichtige Conceptton der Frage nicht für die Richtigkeit der Antwort. Auch der selige Baron Hirsch hat sich die Frage so vorgelegt, unb er glaubte auch 'die Form der äußeren Umgebung nichts von feinem eigenartigen Reize zu nehmen vermag. Die Oper hat fünf Acte; um 11 Uhr ist erst der zrveite abgespielt. Das Publicum scheint sich endlos zu amüsieren, denn mit jede»n Acte wächst das Animo und beim dritten spielt die Gallerte bereits mit. Der Director der Truppe, der den Vonderosen, den „Bürgerspolt" gibt, wird mit frenetischem Spectakel empfangen; der Enthusiasmus für den beliebten Darsteller wird so lärmend, dass der Gefeierte selbst mit einem energischen: „Seids stumm, me kenn doch nischt hör'»»!" das Publicum zur Ruhe verweisen »nuss. Und vom Olymp kommen die Antworten auf diese drastische Improvisation in allen Sprachen; sogar czechische Zurufe mischen sich in den Lärm. Wir haben des Kunstgenusses genug. Ehrfurchtsvoll geleitet uns der Director hinaus und ladet uns für morgen ein. „2 neie Opper", wie er empfehlend meint. Draußen quirlt und brüllt der Lärm der Bowry. Ein »virres Knäuel von Menschen, Pferde»», Wagen, Trambahn »md Elevated — die Großstadt in ihrer vorgeschrittensten Form, das Kind des Jahrhunderts, eigenartig, modern, seiner Zeit vorangeeilt. Und hinter dem flimmernden Thore liegt eine andere Wett, alt und grau, versunken und vergessen — für die moderne Welt, aber frisch im Kern und immer wieder grünend am alten Stamme, der Jahrtausende gesehen und überdauert hat. Sie steigt wieder auf die alte Welt und verjüngt sich nun an der Thatenlust des ewig jungen Volkes. Seine Kunst, durch die Tradition überführt in die neue Zeit — wirtt jugendkräftig auf die Söhne des Volkes, erzählt ihnen van der unverbrauchten Kraft der Nation. Wirke nur den Zauber durch Schlacken, Staub und Lumpen auf die Kinder des Volkes, das inmitten des modernen FlitterkramS feine Zukunft vorbereitet.... X.

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