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Die Stimme · 1966-09-01 · Heft 130 (September 1966) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1966
Issue
Heft 130 (September 1966)
Date
1966-09-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SEITE 6 DIE STIMME NUMMER 130 .Wie österreichitdi ist der R. F. S. V feindlichen und reaktionären Haltung? Wir verstehen auch in diesem Zusammenhang die Bezeichnung „national-liberales Lager" In der „Furche“ erschien ein Artikel über studentische Vertretungsinstitutionen, den wir nachstehend auszugsweise wiedergeben: „Mehr als 28 Prozent der ordentlichen Hörer der österreichischen Hochschulen haben bei den vergangenen Wahlen in die | studentischen Vertretungsinstitutionen die; Mandate des „Rings freiheitlicher Studenten“ gewählt und seit vielen Jahren tun j dies wechselnde Generationen von Studen-! ten. Zwar gilt es als abgemachte Sache, j diesen „Ring freiheitlicher Studenten“ als! Neo-Naziorganisation abzutun, umsomehr.; als wiederholt Angehörige dieser Organi-1 sation einschlägig aufgefallen sind." Dies sind einleitende Worte eines Artii kels von Manfred Lerb in der „Furche“ unter der Überschrift „Wie österreichisch ist der R. F. S.?“ und fährt fort: „Es bedarf nur geringer Phantasie, um sich eine mögliche j Entwicklung vorzustellen; diese jungen : Menschen, die aus was für Gründen immer, zum national-liberalen Lager gesto-j ßen sind, erleben sich als politisch Ausge-j stoßene, Mißbrauchte und sogar mancher; Verbrechen dringend Verdächtigte. Meist i fehlt ihnen der persönliche Bezug zu jener! Zeit, die ihnen zum Vorwurf gemacht wird.; Sie sehen sich nur mittels wenig bedeutsamer Vokabeln immer wieder provoziert! und sich in ihrem eigenen Vaterland teils; fremd und teils verfemt.“! Einen Trennungsstrich zu ziehen zwischen der studentischen Jugend des „Rings; freiheitlicher Studenten“, die sich im Drit-! ten Reich tatsächlich schuldig gemacht hat, | und einer Jugend, die davon unbelastet heute ' heranwächst, ist logischerweise deshalb unmöglich, weil die gesamten Angehörigen j des RFS in einem Alter stehen, das völlig I ausschließt, daß sie physisch und geistig in der „Ostmark" des Dritten Reiches als j Faktor in Betracht gekommen wären (Anm.; d. Red.).! 2. Norbert Burger, Organisator von Terroranschlägen in Südtirol und Mitarbeiter der wegen nazistischer Wiederbetätigung verurteilten .Deutschen National- und Soldatenzeitung’, war früher Spitzenfunktionär des RFS; Rainer Mauritz und Helmut Wintersberger, wegen eines Sprengstotfanschlages verurteilt, kommen vom RFS; Kuno Schraffl und Klaus Peter Porsche, wegen Schändung eines jüdischen Friedhofs verurteilt, waren Burschenschafter des RFS. (Diese Liste kann noch fortgesetzt werden.) 3. Die Burschenschaft .Olympia’ mußte von den Sicherheitsbehörden wegen rechtsextremistischer Tätigkeit aufgelöst werden. 4. Die Rufe .Hoch Auschwitz’ in beiden Demonstrationen von 29. und 31. März 1965 werden wohl nur schwer Wahlblockstudenten zugeschrieben werden können.“ Die „Furche“ legt also ihrem Leserpublikum eine Betrachtungsweise von zwei verschiedenen Standpunkten aus vor. Die Ansichten des ersten, des Autors Manfred Lerb, sind klarerweise mehr als problematisch. Er bedauert diese jungen Österreicher, die sich nun als politisch Ausgestoßene, Mißbrauchte und sogar mancher Verbrechen dringend Verdächtige erleben, das alles wegen ihrer Zugehörigkeit zu der angefeindeten Verbindung. Wir fragen: Wie vereinbart sich ihre Klage, daß sie ausgestoßen sind mit ihrem Gehaben, das sie in der Öffentlichkeit zeigen, namentlich mit der Tatsache, daß sie sich an Aktionen beteiligen, wie der zweite Autor Anton Pelinka sie schildert, z. B. die erwähnten Borodajkewicz-Demonstrationen mit ihrem Mordopfer und den Rufen „Hoch Ausch-! witz“, mit ihrem Teilanhang bei den Südtiroler Terroraktionen — Namen sind bekannt — und mit ihrer ganzen demokratienicht. Und vor allem: Wer zwingt »der drängt die jungen Studenten, sich in der „national-liberalen“ Verbindung zusammenzuschließen, um dann der Öffentlichkeit gegenüber zu behaupten, man sei deswegen ausgestoßen? Sie haben sich ihre Zugehörigkeit zum RFS frei gewählt. Wenn der RFS nun wirklich national-liberal ist, könnten seine Aktionen nicht das öffentliche Ärgernis hervorrufen! Kürzlich haben verderbensschwangere Elemente, die jede Scheu beiseite ließen, in tückischer Gesinnung und im Trieb des Naziwahns zur Waffe der Zerstörung gegriffen und die Niederlassung der italienischen Fluggesellschaft „Alitalia“ in Wien mit selbstkonstruierten Bomben in die Luft, gesprengt. Es ist nicht anzunehmen, daß Kubart und Falk sich allein Rechenschaft von ihrem Tun gaben, vielmehr steht außer Zweifel, daß ein straff organisierter Nazikral seit langem Verbrechen und Verderben plant und diese von jungen Männern, die ein parasitäres Leben führen wollen, in Szene setzen läßt, wofür die Burschen mit reichlichen Geldmitteln versorgt werden. Die eigentlichen Initiatoren dieser Verbrechen haben ihr Netz über Schweden, Deutschland, Österreich, England und Südamerika ausgebreitet. Nach den Direktiven der Zentralstellen werden Wände besudelt, Denkmäler beschädigt, Friedhöfe geschändet und wenn den finsteren Geistern die Gelegenheit günstig zu sein scheint, Bomben gezündet, die Straße unsicher gemacht. Wie soll die Zukunft eines Kulturvolkes sich gestalten, deren Jugend ständig der Gefahr ausgesetzt ist, in den Sog dieser einzig auf Zerstörung hinzielenden Kreise zu geraten! Hierauf repliziert Anton Pelinka in der; gleichen Nummer der „Furche“ folgender-! U11MiSflhsfe MB maßen, was wir auszugsweise wieder geben: i %ßm ^SIllCSv ■■ vllllCHll vCil v „Selbstverständlich ist der Ring freiheit-: lieber Studenten als Ganzes keine Organisation von Neonazis, selbstverständlich würi de man den Corps, den Burschenschaften j und den anderen im RFS zusammenge-! schlossenen Verbänden Unrecht tun, würde j man sie in ihrer Gesamtheit als Rechts-; extremisten und Antiösterreicher stem-; peln. Aber genügen solche Feststellungen! wirklich, um die Vorwürfe gegen die im j RFS vereinigten Studentenverbindungen zu j entkräften? Rufen wir uns einige der nur j zu gut bekannten Fakten ins Gedächtnis: j 1. Es gibt .schlagende’ Verbindungen, die : auch heute noch — mehr als zwei Jahr- ' zehnte nach Auschwitz — den Arierpara- ■ graphen führen bzw. sich rühmen, juden-; rein zu sein. „Groß waren vor dem Jahre 1938 die Beiträge von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Wiens zu Kultur, Wissenschaft und darstellender Kunst. An den Früchten die-, ser Tätigkeit hatten nicht nur alle Wiener j teil, es partizipierte daran die ganze Welt, j Diese 180.000 Juden sind zum Teil emi-1 griert, zum Großteil wurden sie ermordet, i Wien ist verarmt an kulturellen Gütern.; Aber 1945 haben wir Wien aufzubauen1 begonnen zu einer Stadt der Menschen- | würde, der Toleranz und der Demokratie, j Der Judenhaß ist virulent. Man soll dies nicht verschweigen. So kam es, daß in den . Jahren 1938 bis 1945 Menschen erbarinungs-1 los getötet wurden. Man sollte meinen, daß nunmehr Beschimpfungen der Juden einer; Vergangenheit angehören, deren man sich < zu schämen hat. Und es ist tief beschämend, daß heute noch derartige Entgleisungen durch Judenhaß verursacht werden. Wir haben die moralische Verpflichtung, diesem Haß mit allen Mitteln entgegenzuwirken; wir dürfen es nicht zulassen, daß die Sumpfpflanze des Judenhasses unser Leben vergiftet. Auch die Wiener Schulbehörden werden dahin wirken, daß schon die jüngsten Schulkinder ihre Mitmenschen respektieren lernen. Toleranz und Humanität müssen die Grundlagen unseres Staates sein!“ (Rede von Bruno Marek, Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien, bei der am 24. April I960 erfolgten Eröffnung eines „Hauses der Jugend“ durch die Israelitische Kultusgemeinde Wien.)

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