Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1966
- Issue
- Heft 130 (September 1966)
- Date
- 1966-09-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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NUMMER 130 DIE STIMME SEITE 5 Grolle In Israel Die ersten Versuche, wirtschaftliche Prognosen auf Basis von Statistiken zu erarbeiten, reichen bis zum Beginn unseres Jahrhunderts zurück. Leider litten alle diese Versuche später während der großen Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre Schiffbruch. Nach der großen Weltwirtschaftskrise herrschte daher ein allgemeines Mißtrauen gegenüber solchen „Konjunkturbarometern.“ Aber die Volkswirtschaftler ließen sich nicht absehrecken, sie bauten ihre Statistiken weiter aus und fanden seit den fünfziger Jahren neue Wege zur Konjunkturdiagnose — und Wirtschaftsprognose. langsamtem Tempo. Immerhin glaubt sich die Bank Israel auf Grund der vorgenom-! menen Untersuchungen berechtigt, auch für i das Jahr 1906 mit einer Produktionsstei-! gerung von sieben bis zehn Prozent rcch-! nen zu dürfen. j Auch der Export konnte im ersten Halb j jahr 1966 nicht unbeträchtlich anziehen, | die Zuwachsrate von rund zwölf Prozent | hat sogar unsere Optimisten überrascht j und stand in Kontrast zu den bitteren Proi pbezeiungen einer Reihe von Industriellen Arbeitsminister Jigal Alon will einen Ge- : setzesvorschlag einbringen, nach dem jeder; Bürger des Staates Israel das „Recht auf Arbeit“ hat und wenn ihm keine entsprechende Arbeit zugewiesen werden kann, er Anspruch auf staatliche Hilfe besäße. Trotz des Mangels an Betriebs- und In vestitionskapital, der sich in Israel, wie in den übrigen Industrieländern stärker spürbar macht, zeigt es sich, daß trotz des Konjunkturrückschlags ausländisches Interesse an Investitionen in Israel erneut gestiegen ist. Der Leiter des Investitionszentrums im Finanzministerium, Uzi Steinberg, konnte der Presse berichten, daß Israel 1966 mit Neuinvestitionen in Höhe von IL. 550 Millionen werde rechnen können, gegenüber nur IL. 430 Millionen im Jahre 1965 und IL. 360 Millionen 1963. Wir sehen also, daß, wenn man von gewissen Konjunkturerscheinungen absieht, der bisherige allgemeine „Trend" zur Wirtschaftserweiterung weiter anhält. Von der Konjunkturprognose ging man nun in den letzten zehn Jahren über zu einer „Wachstumsprognose“. Wirtschaftspolitiker und Unternehmer stehen heute mehr unter dem Eindruck des anhaltenden Wachstums, als daß sie sich von Konjunkturphänomenen stark würden beeinflussen lassen. Sowohl Finanzminister Pinchas Sapir, als auch der Gouverneur der Bank Israel, David Ilorovitz, sind begreiflicherweise Anhänger der Wirtschaftslehre und weisen mit berechtigtem Stolz darauf hin, daß Israel zu den Ländern mit der höchsten Wirtschaftswachstumsrate gehört. Die Quote für das Steigen der Wirischaftswachstumsrate belief sich in den letzten Jahren zwischen zehn und zwölf Prozent und auch im Jahre 1965 betrug sie, trotz der einsetzenden Verlangsamung im Anstieg, immer noch sieben Prozent. Auch in den ersten Monaten 1966 hielt dieser Trend weiter an, wenn auch in ver- HUGO GOLD: Geschichte der Der Reihe von Sammelbänden und Gc-; denkbüchern an vernichtete Judengemeinj den in Mitteleuropa schließt sich nun j dieses großzügig ausgestattete Werk an, j das die Erinnerung an das einst so blii-j hende Judentum Wiens lebendig erhalten j soll. An Hand umfangreichen Quellenmate-; rials berichtet der Verfasser über das wechselvolle Schicksal und die Entwicklung der Wiener Judengemeinde vom Beginn der i Ansiedlung, über das Leben in der Juden- ' gasse, den Ghettos, die Zeiten der Vertreibung und Wiederansiedlung, der Hof juden,j der Emanzipation, der Revolution und j Kriege, bis zu jener kurzen Periode der j Blüte vor dem Einbruch der Hitlerschergen 1 und der fast vollständigen Ausrottung des | Wiener Judentums. j Juden in Wien Der riesenhafte Stoff ist in wohiabgewogener Scheidung des Wichtigen und Unwichtigen souverän gemeistert. Der Nachdruck wird natürlich auf die Zeit der Vertreibung und Vernichtung der Wiener Juden in den Jahren 1938—1945 ge legt, die in solch zusammengefaßter Form bisher nicht behandelt wurde. Hierbei war es Gold gelungen, eine Fülle zum Teil nur schwer erreichbaren Materials zusammenzutragen und mehr oder weniger bekannte Tatsachen wohlfundiert darzustellen. Wenn es dennoch hier und da Lücken gibt, sind diese angesichts des verhältnismäßig kurzen geschichtlichen Abstandes und des Bemühens der Nazis, die Spuren ihrer Verbrechen weitgehend zu verwischen, verständlich. BANK K. G. WINTER & C0 SIMON M0SK0VICS wünscht allen Kunden, Freunden und Bekannten ein glückliches Neues 3ahr! Stets gerne zu Ihren Diensten — Prompte Durchführung sämtlicher Bankgeschäfte WIEN I, Singerstraße 2 Telefon 52 22 64 — 52 19 22 / Telex 24 62 / Cable: Simone Von besonderem Interesse ist das im Anhang aufgeführte detaillierte Verzeichnis jüdischer Institutionen, Verbände, Denkmäler und Wirkungsstätten in Wien bis 1938, da diese ein beredtes Zeugnis von dem regen Leben dieser Gemeinschaft ablegt. Statistische Angaben über Auswanderung und Deportierung sowie ein ausführliches „Who’s Who der Wiener Juden“, das Kurzbiographien einer Reihe lebender jüdischer Personen beinhaltet, die in Wien geboren sind, studiert oder gewirkt haben, vervollständigen diesen Band. Professor Dr. Manfred Papo, der früher als Rabbiner und Lehrer in Salzburg, Wien, St. Pölten, in Jugoslawien und in Manchester (England) wirkte und von 1944 an 20 Jahre lang das geistliche Oberhaupt der sefardischen Gemeinde in Salisbury (Rho desien) war, ist in Wien, wo er 1898 zur Welt kam, gestorben. Den Verblichenen zeichnete Edelmut, geistige Größe und ethische Lebensart aus. 18^59648250634^9