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Die Stimme · 1966-09-01 · Heft 130 (September 1966) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1966
Issue
Heft 130 (September 1966)
Date
1966-09-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SEITE 4 DIE STIMME NUMMER 130 Kin nobles Beispiel dafür hat soeben der Botschafter Israels in Deutschland, Herr Ben Nathan, geliefert. Im Hintergrund allerdings wird es sieh auch dabei um den Reflex von Vorgängen handeln, die Herr van Dam vom Zentralrat der Juden in Deutschland kürzlich nüchtern und bündig angesprochen hat. Er sprach davon, daß aus der neuen deutsch-jüdischen Symbiose .eine deutsch-jüdische, mindestens aber eine deutsch-israelische Psychose geworden ist, die alle neurotischen Symptome übersteigerter Erwartung, ungesunder Liebe und ungesunden Hasses, kurz — eines aus dem Gleichgewicht gebrachten Verhältnisses zur Wirklichkeit trägt’. Die Gefahr, auf die van Dam hinweist, muß vor allem auch gesehen werden von den jungen Deutschen, die eine solche neue Golo Mann : Symbiose stürmisch anstreben. Es muß auch begriffen werden, daß der Antisemitismus nicht geheilt werden kann durch einen noch so eifrig bemühten Philosemi t'smus. Dazu braucht es mehr, nämlich eine sturmfeste Normalisierung. Sie kann nach meinem Verständnis nur auf dem erlauben gründen, daß der andere bei aller Ehrerbietung vor seiner Individualität und der geschichtlichen Besonderheit seiner Existenz doch schließlich ,ist wie Du'. Aber vielleicht überschreite ich damit schon die Grenze, die mir gesetzt ist. Uns Deutschen wird möglicherweise noch lange jene geduldige und respektvolle Distanz auferlegt sein, die der Unvergeßlichkeit der Katastrophe und der jüdischen Existenz wahrscheinlich noch immer am angemessensten ist.“ Trauer wird immer mit uns sein Prof. Golo Mann, der Sohn des Dichters Thomas Mann, gab eine Schilderung des Lebens der deutschen Juden von ihren produktivsten, besten Zeiten bis zum schleichenden Werden der Katastrophe, von der er sagte, daß sie jedes geschichtlichen Sinnes entbehrte. Das Fazit, das er zog, war schwarzseherisch und Bundestagspräsident Gerstenmaier versäumte nicht, ihm darin zu widersprechen. Nachstehend die Worte, die Prof. Golo Mann selbst als „Bekenntnis“ deklarierte: „Was immer wir noch tun und erstreben mögen, steht im Schatten von Auschwitz und Treblinka und dem Warschauer Ghetto; um überhaupt noch etwas tun und hoffen zu können, um noch an das Schöne und Gute glauben zu können, müssen wir uns geradezu zwingen, von diesen Dingen wegzusehen, so als ob es sie nicht gegeben hätte. So muß man ja wohl handeln, das Leben verlangt sein Recht. Es ist, als ob j man Früchte zöge am Fuße eines Vulkans,; der eben einen mörderischen Ausbruch! hatte. Aber Trauer wird immer mit uns! sein — und Furcht vor einem neuen Ausj bruch des Vulkans auch. Wo das möglich j war, da wird immer alles möglich sein. I Wer die dreißiger und vierziger Jahre als I Deutscher durchlebt hat, der kann seiner Nation nie mehr völlig trauen, der kann der Demokratie so wenig völlig trauen wie einer anderen Staatsform, der kann dem Menschen überhaupt nicht mehr völlig Die Israel-Abteilung des Österreichischen Verkehrsbüros, Internationales Reisebüro CITY Wien 1, Stephansplatz 10 (gegenüber dem Dom) Tel. 63 28 51 entbietet allen ihren Kunden ein glückliches Neues Jahr trauen und am wenigsten dem, was Optimisten früher den ,Sinn der Geschichte’ nannten. Der wird, wie sehr er sich auch Mühe geben mag und soll, in tiefster Seele traurig bleiben, bis er stirbt.“ CT WÜNSCHT ALLEN FREUNDEN fAjf* m ERFOLGREICHES NEUES JAHR! AB 13. SEPTEMBER 1966 WIEN — TEL AVIV — WIEN IM DIREKTFLUG MIT BOEING 720 1010 WIEN, OPERNRING 9 TEL. 57 12 25 Mueu Jokt 5?2? Von Dr. Israel Goldstein, Vorsitzender des Keren Hajessod — Vereij nigte Israel-Aktion Das sich jetzt seinem Ende nähernde Jahr 572ß markiert den Schluß eines weiteren Kapitels von Fortschritten in der! lk Jahre währenden Geschichte des Staates | Israel. I Der vitale Schaffensgeist, der so charaki tcristiseh für die vergangenen Jahre war, | zeigte auch in diesem Jahre die gleiche j Stärke und ermöglichte es Israel und sei- | nem Volke, neue Ziele auf wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Gebieten sowie auf dem Gebiet der Sicherheit zu erreichen. Es wäre angebracht, hier einen allgemeinen Überblick über dieses Jahr zu geben, doch aus Platzmangel beschränke ich mich auf die Gebiete, mit denen der Keren Hajessod durch seine Tätigkeit besonders eng verbunden ist: Einwanderung, Einordnung und landwirtschaftliche Siedlung. Seit Staatsgründung haben mehr als eineinviertel Millionen unserer Brüder, meist aus Ländern der Unterdrückung, die Tore Israels erreicht. Wäre es möglich, eine plastische Darstellung des gewaltigen Unternehmens der Einwanderung mit allen dazu gehörigen Problemen — Wohnbau, landwirtschaftliche Entwicklung, Produktion von Nahrungsmitteln, Ansiedlung — zu. geben, würde sich das Judentum der Welt bestimmt der unermeßlichen Wichtigkeit seiner direkten Teilnahme an der Ar- | beit des Keren Hajessod bewußt werden. Wir beginnen das neue Jahr mit dem I Gefühl, vieles erreicht zu haben, sind uns! aber auch unserer mannigfaltigen Proi bleme voll bewußt. Solange der Negev auf | Wiederbelebung wartet, solange der Galil I mehr schaffende jüdische Siedler sucht und | solange unser Absorbierungsvermögen nicht j mit den Bedürfnissen der Einwanderung j Schritt hält — solange müssen wir, das j Volk Israels und das mit uns in traditioneller Verbundenheit lebende Judentum der I Welt, vorwärts drängen, um diese Ziele zu ) erreichen. i Möge das neue Jahr die Erfüllung dieser | Pflicht für uns alle bringen! DIE ERSTEN MARANNEN IN ISRAEL Die ersten fünf Familien aus Spanien sind in Israel eingetroffen und haben sich im Lande angesiedelt. Mit der Einwanderung dieser Gruppe beginnt die Rückkehr der Marannen zum Judentum. NEUE ÖLRAFFINERIE Eine weitere Ölraffinerie soll in Aschdod gebaut und bis 1971 in Betrieb genommen werden. Die Kosten des Baus der Raffinerie werden mit 15 bis 20 Millionen Dollar beziffert.

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