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Die Stimme · 1965-09-01 · Heft 129 (September 1965) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1965
Issue
Heft 129 (September 1965)
Date
1965-09-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SEITE 6 DIE STIMME NUMMER 1 29 stimmen heute clie sogenannten Liberalen leider zu. Ein wirklich liberaler Mensch wird dem nie zustimmen können. Für mich ist der Liberalismus unteilbar und muß sich aut' alle Gebiete des Lebens erstrecken. Was ist Liberalismus? Befragen wir das Lexikon: Liberalismus tvon lat. liber, frei), geistige und politische Bewegung, deren Hauptanliegen die Freiheit des Individuums ist; oberster politischer Programmpunkt des Liberalismus ist die Sicherung der Men schenrechte (Grundrechte) durch Verwirklichung des verfassungsmäßig (konstitutionell > verankerten Rechtsstaates; Erziehung des Untertanen zum Staatsbürger. So steht es im Lexikon und so wurde der politische Liberalismus auch in den letzten 150 Jahren immer verstanden. Nun gibt es bei uns Leute, die sagen, daß dies alles richtig und gut sei — nur nicht bei uns. Sie sind z. B. für die Trennung von Religion und Staat, nur nicht bei uns. Sie sind für die Gleichberechtigung aller Bürger vor dem Gesetz — nur nicht bei; uns. Sie treten gegen Rassenvorurteile wakker ein — nur nicht bei uns. Das nenne ich einen „Liberalismus mit doppeltem Boden“, der auf dem Boden Israels nur eine äußerst eingeschränkte Geltung hat. Diese Art „Liberalismus“ halte ich für eine Karikatur des Liberalismus, denn auch Liberalismus beginnt zu Hause. Es gibt aber auch Mitbürger unter uns,; die allen diesen Grundsätzen des Liberalismus zustimmen und ihre Anwendung auch in Israel selbst erstreben, aber sie sind fasziniert vom Begriff der Größe und meinen, daß nur große Parteien Aussicht auf Einfluß haben. Stimmen, die nicht einer großen Partei gegeben werden, gehen, nach Ansicht dieser Bürger, verloren. Unser parlamentarisches Mosaik wird ganz neu zusammengesetzt — nach allem, was sich in den letzten Monaten und Wo chen an Umgruppierungen ereignet hat. Niemand kann wissen, wie das wirkliche Kräfteverhältnis sein wird. Der Bürger soll also gemäß seiner eigenen Erkenntnis und seinem eigenen Gewissen Entscheidungen treffen. Das Gespenst der kleinen Gruppe ist so unwirklich, wie Gespenster nun einmal sind. Ich habe mich für die Unabhängigen Liberalen entschieden, weil ich mein ganzes Leben hindurch bemüht war und bemüht blieb, ein unabhängiger und liberaler Mensch zu sein. Der Mut zur eigenen Entscheidung — das ist es, was ich von meinen Mitbürgern erwarte.; Wir dürfen in diesem Zusammenhang un-' serer Überzeugung Ausdruck geben, daß ■’ jene Bewegung, die überzeugend darlegt, ' daß wir in der Galuth uns mit den politi- > sehen Parteien in Israel nicht identifizieren j können, den richtigen Weg einschiägt, der; den Problemen voll Rechnung trägt (Die Red.). Enthüllungen im „Jewish Chronicle": Geheimverhandlungen Schareth - Nasser scheiterten wegen des Bagdad-Paktes Die Schaffung des Bagdad-Paktes auf Initiative Großbritanniens brachte Geheimver-; handlangen zum Scheitern, die der britische! Labour-Abgeordnete Maurice Orbach im! Jahre 1954 mit dem damaligen israelischen; Ministerpräsidenten Schareth und dein! ägyptischen Präsidenten Nasser führte. Dies erklärte Orbach selbst, der in einem Interview mit dem Londoner „Jewish Chronicle“ zum erstenmal die Einzelheiten dieser Geheimverhandlungen darstellte. Orbach berichtete, daß er auf Initiative ( von Schareth und mit Wissen der britischen , Regierung Verhandlungen mit Nasser auf-1 genommen hatte, die eine friedliche Koexij stenz zwischen Ägypten und Israel sicherstellen solle. Orbach kam mehrmals mit Abdel Nasser zusammen und veranlaßte diesen, einen Brief zu schreiben, der begann; „Mein Bruder Schareth“ und in die-1 sem Brief drückte Nasser seine Bereitschaft; zu Verhandlungen aus. j Orbach besuchte 1954 mehrmals Kairo und in Gesprächen mit Nasser, an denen auch Ali Sabri teilnahm, wurden die Grundlagen für ein Abkommen vorbereitet. Unter anderem sah dieses Abkommen Einstellung i aller feindseligen Propaganda, Passage j durch den Suez-Kanal von Waren für Israel | auf nichtisraelischen Schiffen und techni : sehe Hilfe Israels für ägyptische Industrie j Projekte vor. Der Vertreter des „Jewish Chronicle“ j fragte Orbach, warum dieses Abkommen i nicht abgeschlossen werden konnte. Orbach1 erklärte, Anfang 1955 habe Nasser cs plötzlich abgelehnt:, ihn zu weiteren Bespreehun gen zu empfangen. Er habe später erfahren, daß Nasser seine Stellung geändert habe, PRÄSIDIUM UND VORSTAND DES ZIONISTISCHEN LANDESVER¬ BANDES und DIE REDAKTION DER „STIMME" wünschen allen Gesinnungsfreunden Glück und Segen zum Jahreswechsel weil Großbritannien inzwischen mit anderen mittelöstlichen Staaten den Bagdad- Pakt abschloß, in dem Nasser einen Schlag gegen sein Prestige sah. Orbach bat dann den damaligen Ministerpräsidenten von Malta, Dom Mintoff, von sich aus weitere Friedensbemühungen einzuleiten. Auf Fragen sagte Orbach, daß Nasser ein sehr kluger Mann und der einzige Politiker sei, der die Mauer der Feindschaft im Mittleren Osten durchbrechen könnte. CHEFREDAKTEUR GEORG KüSTLINGER AUSGEZEICHNET Bundespräsident Franz Jonas hat dem Chefredakteur der „Neuen Welt“, Georg Künstlinger, das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ver liehen. Die Ehrung erfolgte in Anerkennung der Verdienste, die sich Chefredakteur Künstlinger durch seine jahrelange publizistische Tätigkeit im Interesse Österreichs erworben hat. Die Überreichung der Aus- ZIVIUNGENIEUR UND STADTBAUMEISTER DIPL.-ING. SIEGFRIED DRILL allen Verwandten, Freunden und Kunden ein glückliches neues Jahr Zeichnung erfolgte durch Bundesminister Otto Probst in dessen Amtsräumen am 30. Juli d. J. Der Minister würdigte in einer kurzen Ansprache Leben und Arbeit des Ausgezeichneten. Er erklärte, daß Künstlinger durch seine Tätigkeit zur Festigung und Hebung des Prestiges Österreichs beigetragen habe. Künstlinger hat nach schweren Verfolgungen während der NS-Zeit bereits im Jahre 1948 in Wien die „Neue Welt“ gegründet, die sich hauptsächlich jüdischen Problemen widmet. Als Herausgeber und Chefredakteur dieser angesehenen Zeitung hat Künstlinger mutig und unbeirrbar für die Wiedergutmachung der materiellen Schäden österreichischer Juden gearbeitet. Seine Leitartikel im Stadium der ersten österreichischen Gesetzentwürfe für Wiedergutmachung haben mit dazu beigetragen, daß schließlich ein Gesetzwerk angenommen j wurde, das als allgemein befriedigend ani gesehen werden darf.

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