Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1965
- Issue
- Heft 129 (September 1965)
- Date
- 1965-09-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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NUMMER 129 DIE STIMME SEITE 5 Warum ich mich für die Unabhängigen Liberalen entschlossen habe Von Schalom Ben-Chorin Für die Unabhängigen Liberalen habe ich ■ tionen gegen Vernunft und Notwendigkeit, render Anschauungen werden die neuesten Meldungen aus Moskau ihrem Konto gut schreiben. Jeder wird von sich behaupten: „Ich habe es ja immer wieder gesagt, nur mit meiner Methode gelangt man dem Ziele näher.“ Die Wahrheit liegt, wie so oft, vermutlich auch hier in der Mitte. Die sowjetische Judenpolitik mit der Judenpolitik! mich entschlossen, weil ich mir selbst treu; geschichtliches Pathos gegen die Forderung der Nazis auf eine Stufe zu stellen, ist nicht j bleiben wollte und damit den Grundsätzen, der Stunde auszuspielen. Die abhängigen nur eine Unverschämtheit sondern_poli-' die mein politisches Denken seit eh und je Liberalen mußten in Begins Chor der Ratisch viel schlimmer - ein unverzeihlicher! bestimmt haben. I che mitmurmeln, während die Unabhängi- Fehler. Damit nützt man den Juden im So- Es waren dieselben Leitgedanken, die , gen Liberalen gemäß ihrer politischen Erwjetreich gar nicht, sondern schadet ihnen, mich zur Progressiven Partei, dann zur Li-1 kenntnis, in klarer Abschätzung der Staatswomöglich nur. beralen und nunmehr schließlich zu den j raison, für die Aufnahme diplomatischer Unabhängigen geführt haben. : Beziehungen mit der Bundesrepublik stim- Insofern hat Dr. Goldmann recht. Ande- Es gibt heute in unserer politischen Are i men konnten. rerseits haben die Juden der freien Welt na Unabhängige Liberale und — abhängige Nur eine unabhängige Gruppe in unsenicht nur das Recht, sondern auch die ) Liberale. Abhängige Liberale sind eigentlich j rem Staate kann wirklich liberal sein, wäh- Pflicht, nicht zu schweigen, sich gegen die ein Widerspruch in sich selbst, denn Libe-: rend der Zusammenschluß mit heterogenen Diskriminierung jeder jüdischen Gemeinralismus meint Freiheit. Allerdings ist die Elementen auf Kosten der Liberalität geht, schaft, wo immer sie lebt, mit aller Entj Übersetzung des Wortes „Cheruth“, dem Es gibt neuerdings bei uns ein Zauberschiedenheit zu wenden und sich nicht j Namen der Gruppe, von denen die abhänj wort, das „Maarach heißt, Blockbildung, durch Überängstlichkeit und ein Übermaß 1 gigen Liberalen nun abhängen, ebenfalls; Viele Bürger meinen, daß Heil aus solchen an „Diplomatie“ einschüchtern zu lassen.1 „Freiheit“, aber nicht die Freiheit, die ich j Zusammenfassungen von Parteien sprieße, Auch die Sowjetregierung nimmt heute i meine. 1 da man eine berechtigte Furcht vor zu vie- Rücksicht auf die öffentliche Meinung in | Das möchte ich an zwei Beispielen klar i *en Parteien, Gruppen und Grüppchen hat. der gesamten Welt, und es ist ihr gar nicht! machen: als vor dem Unabhängigkeitstage j Aber andererseits kann man nicht Teile an gleichgültig, daß und wenn der Eindruck | in der Knesseth die Frage der Parade in , einander fügen, die einfach nicht zueinanentsteht, die Angehörigen des Volkes oder j Jerusalem diskutiert wurde, setzten sich j der passen, übrigens hat sich gezeigt, daß Stammes werden diskriminiert, den Hitler! die Vertreter der Cheruth dafür ein, daß j der so feierlich besiegelte Maarach zwiauszurotten bestrebt war. Tausende von! wir alle Bestimmungen des Waffenstill-| schen derMapei und der Achduth Avoda zu Touristen aus der freien Welt besuchen jetzt die Länder des Ostblocks. Die Tore haben sich weit geöffnet, Kontakte sind angebahnt. Unter diesen Umständen kann man auch die jüdische Gemeinschaft nicht mehr hermetisch von der Außenwelt abriegeln. Es weht ein neuer Wind, und wenn auch nicht Standsabkommens mißachten sollen und j einem heillosen Bruch innerhalb der Mapei schwere Tanks und Kampfflieger im Raum! geführt hat. von Jerusalem demonstrativ zu zeigen hai Ebenso hat die widernatürliche Blockbilben. Nur um eine nationale Kraftprobe zu!düng der rechtsradikalen Elemente der Chegeben, waren diese Glücks- oder Unglücksj ruth mit Vertretern einer bürgerlichen ritter bereit, den an sich so schwachen Frie- Mitte der ehemaligen Liberalen Partei zu den noch mehr zu gefährden. Dieser unverimmer damit zugleich auch ein neuer Geist, antwortlichen Haltung mußten die in den so deutet dieser Witterungsumschlag in das | Block geschmiedeten Liberalen zustimmen. Tauwetter doch einen Sinneswandel an, von | In der Deutschland-Frage nahm Begin dem wir hoffen, daß er anhalten möge. die Gelegenheit wahr, Atavismen und Emo- BANK K. G. WINTER & CO SIMON MOSKOVICS wünscht allen Kunden, Freunden und Bekannten ein glückliches neues Jahr! Stets gerne zu Ihren Diensten — Prompte Durchführung sämtlicher Bankgeschäfte WIEN I, Singerstraße 2 Telefon 52 22 64 — 52 19 22 / Telex 24 62 / Cable: Simone einer Zwittergruppe geführt, die politisch nicht widerstandsfähig sein kann. Wo Radikale und Liberale sich vereinigen, geben die Radikalen den Ausschlag und die Liberalen geben . . . nach, weil sie eben liberal sind. Das wird sich sehr bald auf allen Gebieten der Politik zeigen, nicht zuletzt auch auf dem Gebiete der Innen- und Kulturpolitik, in Fragen der Beziehung zwi schen Religion und Staat. Die Religiös-Nationale Parten (und die noch extremeren Aggudisten) haben ihre Forderungen gegen die Gewissensfreiheit bereits deutlich angemeldet und haben bei Cheruth dafür ein williges Ohr gefunden. Während bei den Orthodoxen die Forde rungen nach Einschränkung der persönlichen Freiheit zugunsten jahrtausendealter Traditionen wohl doch aus einem echten religiösen Gefühl kommen, akzeptiert Cheruth solche Forderungen, ohne sie vom Glauben her zu vertreten, einfach aus politischen Erwägungen heraus unter Mißachtung der Freiheit des Individuums. Dem Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Zionistischer Landesverband in Österreich, Wien IX, Universitätsstraße 4/4. Chefredakteur und für den Inhalt verantwortlich: Bernhard Braver, Wien IX, Universitätsstraße 4'4. Druck: A. Luigard, Wien VIII, Pfeilgasse 35.