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Die Stimme · 1965-09-01 · Heft 129 (September 1965) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1965
Issue
Heft 129 (September 1965)
Date
1965-09-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SEITE 4 DIE STI MME NUMMER 129 Funke der Hoffnung auf die Zukunft. Zeugnis dafür legt der Heroismus ab, der die Insassen der Todeslager und der Ghettos sowie die Freischärler in den Wäldern beseelte, aber auch das Ringen unseres Volkes um seine Unabhängigkeit in der Heimat. Mit Recht sagte unser Dichter Bialik: ,Ich 1 habe Gott gerettet, und Gott — mich.' 1 Die Überreichung dieses Beglaubigungs-1 Schreibens in Jerusalem, der Hauptstadt Isj raels, ist ein lebendiger Beweis dafür, daß I nicht auf Weltzeit das Chaos herrscht, und j daß auch am Ende der düstersten Nacht | schließlich ein neuer Morgen anbricht. Und 1 gerade die Lehre der bitteren Vergangen-' heit erlegt uns die Pflicht auf, uns auf den morgigen Tag zu konzentrieren, damit Säer | des Hasses ihre üblen Taten nicht fortsetzen können, und jene entsetzliche Periode niemals wieder auferstehen kann.“ Der Präsident schloß seine Ansprache, mit dem Versprechen, dem Botschafter bei der Erfüllung seiner Aufgabe zur Seite zu stehen. Letzterer hörte dann die englische über-j Setzung mit großer Aufmerksamkeit und i nickte beifällig, als der Präsident darauf! hin wies, daß auf eine düstere Nacht ein neuer Morgen folgt. Die israelische Botschaft kommt nach Bad Godesberg 1 auch ln" ' Jodenpolltih? Erfreuliche Nachrichten über die Lage der Judenheit, in der Sowjetunion sind selten. Um so größere Beachtung finden Meldungen, die in der gesamten jüdischen Welt ein positives Echo auszulösen geeignet sind, und die zumindest einen Schimmer von Hoffnung geben, daß das „Tauwetter“, das nach Stalins Tod im gesamten politischen und kulturellen Leben der Sowjetunion eingesetzt hatte, endlich nun auch den jüdischen Bereich erfaßt. Wäre es noch vor ei nigen Monaten auch nur denkbar erschienen, daß drei amerikanische Rabbis in der Moskauer Hauptsynagoge predigen? Daß sich die dort versammelten Beter offensichtlich ohne Furcht vor der Geheimpolizei um die Gäste aus der freien Welt drängen und sie zur Aufrechterhaltung und Verstärkung der angebahnten Kontakte ermutigen? Und kurz nach dieser in der jüdischen Welt als Sensation empfundenen Mitteilung die Presseinformation des Moskauer Oberrabdas Ausland. Die sowjetische Presse j schweigt sich vorerst darüber aus. Die Weit draußen, vor allem aber wohl die Juden in den kapitalistischen Ländern sollen beeindruckt werden. Das ist der ganz offensichtlich gezielte Propagandaeffekt. Zum anderen besteht vorerst keine Gewähr, daß auch die Juden anderer russischer Städte — außer Moskau — an den Vergünstigungen partizipieren werden, und daß der „Tau“ die Juden überall im Sowjetreich mit seiner belebenden Wirkung benetzen wird. Zum dritten schließlich handelt es sich im Grunde nur um die Wiederholung von alten Zusicherungen, die nicht eingehalten wurden, und die nunmehr zum Teil seltsam anmuten, wenn man sich vor Augen hält, daß die Mazzoth-Backerlaubnis nunmehr gerade rechtzeitig vor Rosch Haschanah erteilt wurde . . . Gleichwohl wollen wir weder die Anzeichen abwerten, die auf einen Sinneswandel JAKOB PASSWEG UND FAMILIE wünscht allen Freunden und Bekannten ein glückliches neues 3ahr Die israelische Botschaft in der Bundes- ‘ republik wird ihren Sitz in Bad Godesberg) haben. Das hat Außenminister Frau Golda Meir entschieden. Ein im Bau befindliches Bürogebäude wird nach israelischen Wünschen fertiggestellt und gemietet. Es soll die politische und die Informationsabteilung aufnehmen. Das Konsulat und die Wirtschaftsabteilung hingegen bleiben im Gebäude der bisherigen Israel-Mission in Köln, j Die israelische Botschaft setzt sich wie folgt zusammen: Botschafter: Ascher Ben Nathan; Stellvertreter des Botschafters: Botschaftsrat Leo Savir; Presse-Attache: Dr. Moshe Tavor; dessen Assistent: Z. Slomrath; Wirtschafts- Attache: Joseph Canaar; Handels-Attache: Moshe Raz; Rechtsabteilung: H. Spindel. ORT, Wien XIX, Ruthgasse 21, richtet an Interessenten die Einladung, an kostenlosen Fachkursen, die in guter Atmosphäre sicher zur Berufsausbildung führen, teilzunehmen: Folgende Fächer kommen in Betracht: Damenschneiderei, Frisieren (Damen und Herren), Diätküche, Konditorei, Kosmetik (Maskenbilden), Heilmassage, Maniküren— Pediküren, Mechanisches Stricken, Photographie, Radio-Fernsehtechnik, Autogen- und Elektroschweißen, Technisches Zeichnen, Englische Sprache, Hebräisch, Buchhaltung, Maschinschreiben, Steno. Anmeldungen persönlich oder telefonisch unter der Nummer 36 46 91. ' biners mit der Ankündigung von behördlichen Zusicherungen für ganz erhebliche Erleichterungen der Gemeindearbeit, Seelsorge und der Erfüllung religiöser Forderungen: in der Frage des Mazzoth-Backens, der Druckerlaubnis für neue Gebetbücher, der Erweiterung der hauptstädtischen Jeschiwah und der Anlage eines neuen jüdischen Friedhofes, weil der alte bald wegen Überfüllung geschlossen werden muß. Allen diesen Zusagen oder, um genau zu sein: ihrer Aufzählung durch den Oberrab biner gegenüber amerikanischen Korrespondenten, stehen eine ganze Reihe von Wenn und Aber entgegen: Zunächst einmal die Tatsache, daß die Mitteilung über die Zugeständnisse gegenüber der jüdischen Gemeinschaft offenbar nicht für den „Hausgebrauch" bestimmt ist, sondern nur für Herbert Schelzer und Frau Irene Schelzer wünschen allen ihren Freunden im In- und Ausland ein glückliches neues Jahr und einen Umschwung der offiziellen Judenpolitik im Sowjetreich hindeuten, noch die nicht wegzuleugnende Tatsache der Erleichterung der Kontaktaufnahme mit den Ju den außerhalb der Sowjetgrenzen bagatel lisieren. In der jüdischen Welt ist seit Mo naten eine lebhafte und zuweilen an Heftig keit nichts zu wünschen übrig lassende Diskussion über die richtige Taktik im Gange, die man der Sowjetregierung gegenüber einschlagen müsse, will man die Lage der Juden im Sowjetreich wirklich erleichtern und ihnen mehr Atem- und Bewegungsfreiheit verschaffen. Dr. Goldmann und sein Anhang stehen auf dem Standpunkt, nur stille Diplomatie könne die gewünschten Erfolge zeitigen, und jeder andere Weg, vor allem aber haltlose, übertriebene Beschuldigungen an die Adresse der Sowjetbehörden seien nur geeignet, das Los der Juden zu verschlimmern. Dr. Goldmanns Gegner sind jedoch der Ansicht, mit Leisetreterei sei nichts zu erreichen; nur kräftige Parolen, unverblümte Anprangerung der Diskriminierungsmaßnahmen und offene Worte werden die Sowjetbehörden veranlassen, ihre Judenpolitik endlich einer Revision zu unterziehen und der theoretisch als nationale Minorität anerkannten Judenschaft im Sowjetreich die praktische Betätigungsmöglichkeit zur Wahrung ihres Eigencharakters und damit zur Erhaltung ihrer physischen Existenz sichern. Die Anhänger beider, so stark divergie- 544

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