Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1965
- Issue
- Heft 129 (September 1965)
- Date
- 1965-09-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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NUMMER 129 DIE STIMME SEITE 3 mehr in der Diaspora, die in die ganze Well verstreut ist, und der wir zentrale Aufgaben zmnessen. Und da wir uns einig sind, dal.’> diese Arbeit eine Organisation und spezielle Medien benötigt, stelle ieh fest, daß wir einen dringenden Bedarf haben an irgendeiner Form von Weltplattform, von der aus den gegenseitigen Beziehungen zwischen dem jüdischen Volk und dem Staat Israel Ausdruck gegeben weiden kann, und auf welcher der Staat Israel erscheinen kann, um sich mit, seiner Botschaft an das jüdische Volk in der Zerstreuung zu wenden. Gäbe es keine solche Plattform, so würde von uns verlangt, daß wir sie schaffen. Aber da es eine gibt, ist es unsere Pflicht, dafür zu sorgen, daß sie funktioniert, wir müssen sie vergrößern, wir müssen sie konsolidieren und nicht sie zu liquidieren suchen. Wir haben vor uns eine einfache primäre j Tatsache, daß ein solches Instrument be-' steht — die Zionistische Organisation. Wir j haben eine Plattform — den Zionistischen j Kongreß. Trotz all ihrer Nachteile und Bej grenzungen gibt es zur Zeit kein anderes i Instrument in universellem Rahmen und I keine andere Weltplattform. Bevor wir das i Instrument und die Plattform verurteilen; oder liquidieren, muß sorgfältig überlegt werden, was ihre Mängel sind, und ob es unmöglich ist, diese zu beheben.“ Der deutsche ~ ' in Israel Überreichte sein BegiaubiDunDsschreiben Die Rede des ersten Botschafters der Bundesrepublik Deutschland Dr. Rolf Pauls bei der Überreichung seines Beglaubigungsschreibens an Staatspräsident Salman Schasar und die Antwortansprache des Präsidenten standen im Zeichen der Trauer um die Opfer der grauenvollen Verbrechen des Naziregimes und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Stimmung bei dem Staatsakt war ausgesprochen ernst und schwer. Botschafter Pauls betrat den Saal mit gemessenen Schritten, gefolgt von dreien seiner Mitarbeiter und nahm dem Präsidenten gegenüber Aufstellung, flankiert von Protokollchef J. Golan und dem Flügeladjutanten des Präsidenten. Der Staatspräsident war im Halbkreise von hohen Beamten umgeben, mit Außenminister Frau Golda Meir an der Spitze. Nach formeller Überreichung des Beglaubigungsschreibens, das von Präsident Doktor Heinrich Lübke unterzeichnet, war, hielt der Botschafter eine Ansprache, und erklärte u. a.: „Der Aufnahme diplomatischer Beziehun- (Hazut, Band V) gen zwischen unseren beiden Ländern wird Botschaft zu Rösch Hasthanah 5726 Von Dr. Israel G o I d s t e i n, Vorsitzender, Keren Hajessod — Vereinigte Israel Aktion, Jerusalem Jedes neue Jahr im Kalender unseres alt-neuen Volkes beendet ein Kapitel und eröffnet ein neues. Dieses Ereignis kann bedeutungsvoll oder routinemäßig sein; es hängt davon ab, wie wir es ansehen. Nach einem Jahr, in dem es den Großmächten nicht gelang, die Gefahren zu beseitigen, die den Weltfrieden bedrohen, wenden wir uns dem neuen Jahr zu mit der Hoffnung, daß das neue Jahr erfolgreich sein werde. Nach einem Jahr, in dem die Landkarte der Juden in der Diaspora beschattet wurde durch hier und dort auftretenden Antisemitismus, muß das Haus Israel für eine größere Erleuchtung dermenschlichen Familie beten. Nach einem Jahr kulturellen, geistigen und wirtschaftlichen Fortschrittes des Staates Israel, der sich trotz sozialer-, politischer und wirtschaftlicher Probleme entwickelt, hofft Israel, mit Hilfe der jüdischen Gemeinschaften in der ganzen Welt im Jahre 5726 eine Leistung zu verzeichnen, welche die Errungenschaften1 des letzten Jahres übersteigen wird. An-! haltende Einwanderung erfordert anhaltende Einordnung der Olim-Wohnungen, landwirtschaftliche und industrielle Entwicklung, Lehranstalten und Gesundheitsfürsorge ist das Gebot der Zeit. Von Jerusalem, der Wiege des Judentums, dem geistigen Zentrum des jüdischen Volkes sendet der Keren Hajessod — Vereinigte Israel Aktion seine Rosc.h Haschanah Grüße an alle jüdischen Gemeinschaften mit seinem Dank für ihre Teilnahme am Hilfswerk für Einwanderung und Einordnung in dem zu Ende gehenden Jahr. iiiiiiiiiiiiiiimmiiimiiimiiiiiiiiiiiimmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiimiiiiiiii BERNHARD BRAVER UND FRAU wünschen allen Freunden ein glückliches neues Jahr ... vom ganzen deutschen Volke große Bedeutung boigemessen. Das neue Deutschland sieht mit, Trauer und Abscheu auf die grauenvollen Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes zurück, die vor allem den jüdischen Menschen so schwere Leiden auferlegt haben. Seitdem haben viele Menschen guten Willens auf beiden Seiten geduldig daran gearbeitet, den Weg zu diesem neuen Anfang der Beziehungen unserer beiden Völker zu bereiten. Ich bin mir darüber im klaren, daß ich als erster Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Ihrem Lande von einer schwierigen und wichtigen Aufgabe stehe, j Wenn ich bei meinen Bemühungen um die! Gestaltung unserer beiderseitigen Beziehun-! gen auf die wohlwollende Unterstützung Eurer Exzellenz und Ihrer Mitarbeiter rechnen darf, so würde dies eine sehr große Ermutigung für mich sein.“ Sichtlich ergriffen schwieg Dr. Pauls, um | dann den Worten in der ihm vorläufig noch! recht fremden hebräischen Fassung aus dem Munde des Protokollchefs zu lauschen. Der Adjutant reichte dem Präsidenten den großen Aktendeckel mit seiner Antwortrede. Die Spuren einer schlaflosen Nacht, während derer er noch an seiner Rede feilte, waren dem Präsidenten sehr wrnhl anzumerken, und seine Stimme zitterte von dem verhaltenen Pathos einer großen, schweren Stunde, als er sagte: „Wir alle sind uns der besonderen Bedeutung dieses politischen Ereignisses bewußt. Der Vorschlag der Regierung der Bundesrepublik Deutschland, diplomatische Beziej hungen zwischen unseren beiden Staaten I anzuknüpfen, und die Bereitschaft, welche die Regierung Israels zum Ausdruck ge- I bracht hat, diesen Vorschlag anzunehmen, beweisen zur Genüge die tiefe Wandlung, I die in unserer Geschichte seit den Tagen jener grauenvollen Verbrechen eingetreten I ist, die Sie in Ihrer Rede so treffend gekennzeichnet haben. Erst in den letzten Monaten sind zwanzig Jahre vergangen, seit | die überlebenden unter den Angehörigen! meines Volkes aus den Konzentrationsla- 1 gern und Feueröfen befreit wurden, welche das Naziregime in allen von ihm eroberten Ländern zur Vernichtung von Juden errichtet hatte. Das Andenken an die Opfer und Schrecknisse der Katastrophe lebt im Herzer unserer Generation fort und wird nicht aus dem Gewissen der Besten der Menschheit ausgelöscht werden, solange noch ein Mensch Hochachtung vor dem Leben und der Gerechtigkeit hat. Selbst während des Tiefpunktes der Schreckenstage erlosch im Herzen meines Volkes aber trotzdem nicht das menschliche Ehrgefühl und der