Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1965
- Issue
- Heft 128 (April 1965)
- Date
- 1965-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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NUMMER 128 Dl E STIMME SEITE 3 Geistige Prostitution Vergegenwärtigen wir uns: Eine Zugehörige des ältesten Gewerbes der Welt verkündet öffentlich, „ich bin seit meinem 14. Lebensjahr eine Hure!“ Die Reaktion wird, je nach Moralgefühl, Temperament und Charakter der weiblichen Gesellschaftsangehörigen unterschiedlich sein; die feinfühlige Familienmutter wird sich voller Abscheu abwenden, zumindest eine strenge gesundheitliche Kontrolle der Entgleisten verlangen, die Temperamentvolle auf Einweisung der Sünderin in ein öffentliches Haus bestehen, wo die Adeptin der käuflichen Liebe, unter behördlicher Aufsicht und ohne Belästigung der Gesellschaft, ihren körperlichen Ausverkauf bis zur Selbstzerstörung fortsetzen kann, während Angehörige einer dritten, anfälligen Gruppe sich auf seltsame Weise angesprochen fühlen und nur durch familiäre und gesellschaftliche Erziehungsmaßnahmen davor behütet werden können, verderblichen, emotionellen Einflüssen zu unterliegen. Streifen wir nun die geistige Parallele. Wer heute 20 bis 22 Jahre zählt und eine Hochschule besucht, um dort Wissen zu erwerben, das im Leben weiterhilft, wurde in jenen Jahren gezeugt und in die Welt gesetzt, die den Traum eines tausendjährigen Reiches zu voller Blüte entfalteten. Berauscht von augenblicklichen Führererfolgen, träufelten die Eltern des hoffnungsvollen Sprößlings schon mit der Muttermilch oder als Flaschennahrungszusatz ihrem, hohen Zwecken zugedachten Kinde das braune Gift ein. Eine Saite im Kindescharakter sollte gespannt werden, die später vom Erzieher und Lehrer im Zuge zur Weltherrschaft, zum klingen gebracht werden könnte. Die Wirklichkeit lehrt uns, daß gerade zwiespältige Persönlichkeiten, primitiven Kulturkreisen entstammend, und jener Feldwebel-Amme gleichend, die in blinder Ergebenheit ihrem Soldatenoberst anhängt, wie sie Werfel in „Jakobowski und der Oberst“ so treffend charakterisiert, oft durch ein protektionistisches Wort ihres Idols, aus dem Bauernstand in den kleinen Landadel berufen wurden. Damit war eine respektable Grundlage geschaffen für die Berufung, der Jugend Lehren zu erteilen. Schlagen aber solche Lehren der Wirklichkeit ins Gesicht, wie z. B.beim Versuchten Mitbürgern ihre Nationalität abzusprechen, trotzdem staatsrechtlich bekannt ist, daß in der Schweiz drei unterschiedliche Sprachgruppen eine Nationalität bilden, deren jede freiheits- und heimatliebend, es weit von sich weisen würde, statt als Schweizer als Angehörige einer außerhalb der Vaterlandsgrenzen liegenden Nation bezeichnet zu werden, weiters, daß kein Amerikaner damit einverstanden wäre, als Angehöriger der englischen Nation angesehen zu werden, so ergibt sich — akademisch gesehen — folgende Wirklichkeit: Entweder der Lehrer beherrscht nicht aus reichend die staatswissenschaftlichen Zusammenhänge und ist daher als Bildungsfaktor für unsere Jugend untragbar, oder aber er verschweigt wissentlich Zusammenhänge, um eine traurige Vergangenheit wiederzubeleben. Kommen wir zum moralischen Teil. Wenn hier versucht wird, Moralbegriffe zu verfälschen, das Andenken an die Leiden und den Tod von Millionen Menschen zu schänden, dann gelten hiefür nur zwei Er- Israel pumpt seit einem Jahr Jordanwasser aus dem Genezareth-See (Kinereth), bringt es durch offene Kanäle, Tunnels und Druckröhren bis in den trockenen Süden des Landes, wo es zur Urbarmachung der Negev-Wüste, von der letzten Endes die Existenzfähigkeit des jüdischen Staates abhängen wird, verwendet werden soll. Die gegenwärtige Leistung der Wasseranlage beläuft sich auf knapp 150 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich, soll aber, bei Abschluß der zweiten Bauetappe des Unternehmens bis zu 320 Millionen Kubikmeter erreichen. Die israelischen Wasserprojekte stießen von Anfang an (Arbeitsbeginn 1958) auf schärfsten Widerstand bei den arabischen Staaten. Obwohl die Araber die Möglichkeit des Rechtsweges, des Appells an ein internationales Schiedsgericht, hatten — da die Nutzbarmachung von Grenzflüssen im allgemeinen vertragliche Abmachungen der Anliegerstaaten vorsieht — zogen sie es vor, sich mit Drohungen und Warnungen zu begnügen. Ihre Abneigung gegen jede juristische Schlichtung des Konfliktes liegt darin, daß die arabischen Staaten befürchten, daß ein etwaiger Schlichtungsantrag als eine de-facto-Anerkennung des jüdischen Staates betrachtet werden könnte. Wohlgemerkt, Israel hält sich bei seinen Wasserprojekten strikt an die Quote, welche im internationalen Johnston-Programm (1955)* für den Judenstaat vorgesehen war. Es liegt aber nicht im Charakter der arabischen Völker und Staatsmänner, sich mit Realitäten abzufinden, und so trieb die klärungen: Entweder der Erzieher ist sich seines verbrecherischen Tuns bewußt, dann ist er als Lehrer für die Jugend nicht nur unmöglich, sondern muß so schnell als denkbar eliminiert werden und mit ihm alle jene, die trotz logischer Belehrung unverbesserlich sind und sich weiter als Neo- Nazi um den Erz-Nazi scharen oder aber ein Lehrer, der sich selbst einer anderen Nation anbiedert, verfolgt bewußt und rücksichtslos seinen Karriereweg, mit der Absicht ihn, notfalls in einem anderen Land fortzusetzen, dann wird die geistige Prostitution offenbar! In jedem Falle gleich unrühmlich für Lehrer und Schüler. Ingaw Vollendung des israelischen Jordan-Unternehmens die Araber nochmals zur Flucht nach vorne, das heißt zu dem Beschluß, die arabischen Quellflüsse des Jordan, das heißt den Beniyas und den auf libanesischem Gebiet gelegenen Hatzbani, ihrerseits abzugraben, um 0 die Wassermenge, die Israel jährlich aus dem Jordan pumpen kann, zu verj mindern; 0 durch Unterbindung des Zuflusses von Süßwasser eine etappenweise Versalzung der Wasser des Jordans und des Genezareth-Sees herbeizuführen. Sinnlos und gefährlich Obwohl weder Syrien noch Libanon Verwendung für die abzuleitenden Wasser haben, obwohl das geplante Unternehmen mindestens 150 Millionen Pfund Sterling kosten soll und, last but not least, obwohl die Araber sich der Tatsache bewußt sind, daß Israel, zur Verteidigung seiner Wasserrechte, auch vor einem Militärkonflikt nicht *) Im Jahre 1952 sandte der damalige Präsident der USA, Eisenhower, den Film- Magnaten Eric Johnston in den Nahen Osten, mit einem regionalen Jordan-Wasser- Plan, der neben seiner wirtschaftlichen Bedeutung auch ein erster Schritt zur Entspannung der arabisch-israelischen Beziehungen hätte werden können. Nach drei Jahren und einem halben Dutzend Nahost- Reisen konnte Johnston Israel, Jordanien, Libanon und Syrien zur Billigung eines Johnston-Bewässerungspro j ektes überreden, doch wurde es Anfang 1952, aus politischen Gründen, von der Arabischen Liga bei einer Sondersitzung in Kairo torpediert. Quellen des Jordans