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Die Stimme · 1965-03-01 · Heft 127 (März 1965) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1965
Issue
Heft 127 (März 1965)
Date
1965-03-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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NUMMER 1 27 DIE STIMME SEITE 5 Amerika und Nasser eiern an die Leipziger Messe zu schicken oder einen mittleren DDR-Funktionär inof fiziell zu empfangen, um Bonn aus seiner Ruhe aufzuscheuchen und wieder einmal Nasser hat den Bogen überspannt, indem ebenfalls hoffnungslos in einer außenpoliein Manna von DM-Millionen aus dem er sich gegen eine direkte amerikanische I tischen Sackgasse, den Entwicklungsländern gegenüber, stecken. Mit der berühmten Hallstein-Doktrin, nach welcher die Bundesrepublik automatisch die diplomatischen Beziehungen mit einem Land abbrechen muß, welches die Ostzone anerkennt, hat Bonn den Entwicklungsländern die Butter, ja sogar das trockene Brot, muß ein phantastisches Erpressungsmittel in die , aus dem Westen kommen. Nicht einmal Hand gegeben. Es genügt jeweils, einen! de Gaulles resp. Edgar Faures Extratour höheren Regierungsbeamten aus jenen Län- J nach Kairo kann eine Alternative bieten. Seheel-Ministerium zu erhalten. Dies ist Nassers Kalkulation. Vielleicht, daß er sich diesmal verrechnet hat. Denn auch Ägyptens Manövrierfähigkeit ist, trotz den Russen, recht klein geworden. Wohl kommen die Kanonen aus Moskau, doch Aktion, zur Rettung der Stanleyville-Geiseln, gewendet hat. In einem Leitartikel, der zwar einige Jahre zu spät kam, schrieb die „New York Times“, daß Amerika seine Hilfe nicht gewähre, um damit den Weltfrieden zu unterminieren oder fremde Abenteurer in die Lage zu versetzen, in die Angelegenheiten ihrer Nachbarn mit militärischen oder anderen Mitteln einzugreifen. Die amerikanische Politik ist heute, was Nasser betrifft, in ihrer eigenen Absurdität verstrickt, und man sieht nicht recht, wie sie sich daraus befreien könnte. Zu lange hat Washington sich selbst und der Welt weisgemacht, daß Nasser ein echter Neutralist sei, ja es waren die Amerikaner, j Die Todesnachricht hat in allen Kreisen I-Iinscheiden auslöste, ist deshalb echt und Wre^h^-eS i^jmiiermöglic^ten’^n Dritten j der Bevölkerung, gleichgültig in welchem ungeheuchelt. An der Bahre dieses Toten tw politischen Lager sie stehen, tiefe und ehrverstummen die Meinungsverschiedenheiten liehe Trauer ausgelöst. Österreich hat mit und die Gegensätze, brechen sich die Wellen Adolf Schürf nicht nur einen weitschauen- { des politischen Tageskampfes, denn mit den Politiker und einen Staatsmann von J Adolf Schärf ist nicht nur der höchste Format verloren, sondern einen Vater, dem j Funktionär des Staates dahingegangen, sones oberste Verpflichtung war, für alle j dern auch eine Persönlichkeit, die den Adolf Schärf hat den Gipfel der Ehren erreicht Welt diese Rolle zu spielen. Das Kriterium für einen „echten Neutralen“ ist heute nicht mehr die eingeschlagene Politik, sondern von wem man Geld akzeptiert. Trotz flagranter antiwestlicher Politik betrachteten die Amerikaner Nasser als Neutralisten, da er gnädigerweise geruhte, neben den Rubeln auch ihre Dollars und ihr Getreide anzunehmen. Als Folge davon stieg das Prestige Nassers —, und alle Freunde Amerikas in der gemäßigten Dritten Welt von Südostasien bis nach Afrika versauerten und beklagten sich, daß Amerika glaube, sie bereits „in der Tasche zu haben“ und deshalb weniger in die Tasche greife als bei so offensichtlichen Feinden wie Nasser. Der Diktator am Nil ist seit dem Besuch Scheljepins mehr denn je an Rußland gekettet. Doch waren es nicht nur die neuen russischen Zusagen, welche Nassers Rücken stärkten und ihn zu seinem Angriff gegen Amerika ermutigten. Nasser ist nämlich ein geradezu brillanter politischer Taktiker. Er weiß, daß der Moment, Amerika eines auszuwischen, nicht hätte besser gewählt werden können als jetzt, da die Aktion von Stanleyville die Mehrheit der afrikanischen Staaten gegen Amerika aufgebracht hat. Reagiert nämlich die Johnson-Administration scharf, so kann sich Nasser als Champion der afrikanischen Unabhängigkeit hinstellen, der für den Schwarzen Kontinent gegen die bösen Imperialisten auf die Barrikaden gesprungen sei. Andererseits ist Ägypten praktisch bankrott und braucht dringend weitere wirtschaftliche Hilfe, welche nur aus dem Westen kommen kann. Nach bewährter Methode versuchte Ende Dezember Nasser die Deutsche Bundesrepublik zu vermehrten Leistungen anzuspornen, indem er sie wegen ihrer Hilfe an Israel kräftig angriff. Die Deutschen sind insofern in einer ähnlichen Lage wie die Amerikaner, als sie Staatsbürger zu wirken, welcher seine Gesundheit nicht schonte, um allen zu helfen. Das Wirken Dr. Adolf Schärfs darzustellen, ist auf so engem Raum nicht möglich. Ehrentitel „Staatsoberhaupt“ mit vollem Recht tragen konnte. Wir Juden preisen den Präsidenten Schärf, daß er uns wohlwollend gegenüberstand Er hat geholfen, das Rad der österreichi- I und daß er den Antisemitismus verabschen Geschichte um ein beträchtliches scheute. Stück weiterzudrehen. Die Trauer, die sein j Ehre seinem Angedenken! Flugpauschalreise mit DÜSENMASCHINEN NACH ISRAEL mit Badeaufenthalt in EILAT am Roten Meer (Garantiertes Badewetter) Ostern: 11.-22.4.1965 Besonders günstiger Pauschalpreis S 6330.— REISEBÜRO RENNER WIEN IX, WAHRINGER STRASSE 5—7 TELEFON 42 66 53 TELEX 07-5200 Geschäftsstunden: Montag—Freitag 9—18 Uhr durchgehend und Samstag 9—15 Uhr

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