Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1965
- Issue
- Heft 127 (März 1965)
- Date
- 1965-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2431292-2431403-2431404--1050-2432717- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
NUMMER 127 DIE STIMME SEITE 3 Das «Lied der Lieder” Neue Nachdichtung in deutscher Sprache von Leopold Marx Kaum ein Buch der Weltliteratur hat auf die Menschheit eine so tiefe und nachhaltige Wirkung ausgeübt wie unsere Bibel, das sogenannte Alte Testament, und dies, obwohl alle Übersetzungen hinter dem Original weit Zurückbleiben. Wie jedes Dichtwerk und auch die biblische Prosa weist unverkennbar poetischen Charakter auf — ist die Bibel schlechthin unübersetzbar. Es ist nicht allein so, daß Klang, Rhythmus und Wortstellung dieses erhabenen Dialogs zwischen Mensch und Mensch und zwischen Mensch und Gott nicht adäquat wiedergegeben werden können: Bei ihrem allgemein menschlichen und zeitlosen Gehalt, der zu den Menschen aller Zeiten spricht, entstammt die Bibel doch einer weit zurückliegenden Bewußtseinsstufe der Menschheit, und darum sind allen Versuchen, sich in sie einzufühlen, Schranken gesetzt, mag auch bei jüdischen Menschen aller Generationen das Bewußtsein der spirituellen Kontinuität, der inneren Verbundenheit mit Wort und Geist der Bibel und der glaubens- und lebensmäßigen Verpflichtung, die sie fortwirkend auferlegt, noch so mächtig gewesen sein. Das Wort der Bibel ist so schwer zu deuten, weil es seinem Wesen nach mehrdeutig ist. Hier fehlt die Konstanz des Begriffes, wie sie etwa die griechische Philosophie auf ihrem Höhepunkt erreicht hat. Hier ist nichts eindeutig Festes, alles ist ln ständigem Flusse, in ewigem Werden. Das biblische Wort ist inhaltsschwer und alle Deutung kann bloß Teildeutung sein, welche jeweils nur bestimmten Aspekten des Lebens gerecht wird. Da uns die innere Wesenheit des biblischen Menschen weit entrückt ist, können wir auch die Urbedeutung des biblischen Wortes nicht voll erfassen, das niemals klar umgrenzt ist. Heben seinem Grundton schwingen Obertöne mit, die unser inneres Ohr nur selten zu vernehmen vermag. Wie grundverschieden wird doch so oft der gleiche Text von unseren alten jüdischen Erklärem gedeutet! Die Vieldeutigkeit liegt im Texte selbst, ist wohl in ihm intendiert, und jeder Deuter erfährt und erlebt jeweils nur das ihm Gemäße. Wohl ergänzen einander die Deutungen meistens, aber es fehlt doch nicht auch am Widerstreit in der Auffassung der verschiedenen Kommentatoren. Darüber hinaus: die Laute der hebräischen Sprache selbst haben eine Urbedeutung, die uns meist kaum mehr deutlich gegenwärtig ist, und die Beziehung zwischen dem Laut und dem, was er ausdrückt, kann da und dort nur geahnt werden. Diese Sprache läßt sich nicht nur von außen her erklären; ihr Ursprung und ihr Wesen ist geistig-spiritueller Art. In uns Nachlebenden wirken, wenn überhaupt, nur abgeschwächt die Kräfte fort, die an ihrer Wiege gestanden haben. Die Übersetzung eines Dichtwerks kann sich ein doppeltes Ziel setzen: sie ist zu allererst Nachdichtung, umgestaltende Neuschöpfung eines schon Gestalteten, an dessen Stelle sie tritt, ohne es ersetzen zu können. Sie wendet sich an alle jene, denen das Original unzugänglich ist, und ist bemüht, ihnen eine Ahnung von Geist und Wesen dieses Originals zu vermitteln, was nur ganz unvollkommen gelingen kann. Alle Übertragung ist ein Abglanz des Originals, so wie es sich im Geist des Übersetzers spiegelt. Sie will dem Original näherbringen, führt aber von ihm weg, da sie es gewissermaßen entbehrlich macht. Oder, und das ist ihre zweite Funktion, sie führt zu ihm hin, indem sie es deutet. Jede gute Übersetzung eines Dichtwerks ist ein Kommentar, der es gerade durch das Umgießen in eine andere Sprache dem Leser zugänglicher macht. Wer etwa Dantes „Göttliche Komödie“ an der Hand der Übersetzung von Philalethes oder von Karl Vossler liest, dem erhellen sich viele dunkle Stellen dieser geheimnisreichen Dichtung. Ähnlich hat Martin Bubers Verdeutschung der Bibel neben ihrem hohen sprachlichen Eigenwert auch eine besondere Bedeutung als Kommentar, der uns den tieferen Sinn des Bibelworts oft dort erschließt, wo wir seiner Deutung besonders bedürftig sind, und der sein Verständnis auch dort vertieft, wo wir es zu erfassen glauben. Armee Israels wird neue Waffen vorführen „Wir sind ständig auf Verstärkung unseres Potentials bedacht. Ihr werdet sicher manche neuen Waffen auf der nächsten Unabhängigkeits-Parade sehen, aber wie üblich ist das nur der Scheitel des Eisberges, der über das Wasser hinausragt. Der größte Teil muß aus verständlichen Gründen bescheiden unter Wasser bleiben“ — erklärte Ministerpräsident und Sicherheitsminister Eschkol auf der Eröffnungssitzung der Landeskonferenz des Makkabi. Der Ministerpräsident widmete einen großen Teil seiner Ausführungen Sicherheitsproblemen und betonte, daß die Armee Israels ihre Stärke wahren und alle Anschläge vereiteln werde. Die Regierung tat alles und wird weiter alles tun, um die Rüstung unseres Heeres zu stärken. Jordanwasser Evakuierung syrischer Grenzdörfer vorgesehen Zwei Versionen wurden nach dem denkwürdigen Beschluß des libanesischen Parlaments über die Beteiligung an der Jordanableitung verbreitet. Die gewöhnlich gutinformierte und zur Vorsicht mahnende Zeitung „Al Hayat“ berichtete, die Genehmigung zur Anteilnahme an den Ableitungsarbeiten sei nur bedingungsweise erteilt worden. Der Libanon würde — laut „Al Hayat“ mit dem Bau der * umstrittenen Pumpstation in der unmittelbaren Nähe der israelischen Grenze erst beginnen, wenn Syrien und Jordanien wesentliche Teile ihrer eigenen Ableitungsvorhaben durchgeführt haben würden. Eschkol würdigte die Bedeutung des Sports. Beim Fußball bestehe der Nachteil, daß die sportliche Anstrengung auf die 22 Spielteilnehmer beschränkt ist, während das Publikum als passiver Zuschauer dem Spiel beiwohnt. Diese passive Beteiligung ist nach Meinung Eschkols für manche der heute auftretenden negativen Erscheinungen verantwortlich und der Ministerpräsident rief zur Förderung derjenigen Sportarten auf, an denen sich große Mengen Sportler aktiv beteiligen müssen. Auf der Eröffnungssitzung sprachen ferner Vertreter der Leitung des Makkabi, der Knesseth-Abgeordnete J. Saphir, der Bürgermeister von Ramat Gan, sowie Delegierte des Makkabi-Weltverbandes, des Hapoel und des Betar. Im März wird die Ableitungskommission der Arabischen Liga unter Leitung des Vizegeneralsekretärs Said Nofal, der als Radikaler bekannt ist, in Beirut eintreffen, und auf der Sitzung der Kommission sollen Einzelheiten der Ableitung festgelegt werden. Auf der Geheimsitzung des Parlaments in Beirut, auf der Beteiligung an den Arbeiten beschlossen wurde, berichtete Ministerpräsident Oweini dem Abgeordnetenhaus zum erstenmal über Vorarbeiten eines Unterausschusses. Der Ausschuß hat die baldige Evakuierung gewisser Grenzdörfer vorgesehen, die in unmittelbarer Nähe Israels liegen.