Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1964
- Issue
- Heft 124 (November 1964)
- Date
- 1964-11-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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NUMMER 1 24 DIE STIMME SEITE 7 Her bewundernswerte Freund, der Juden Fritfi Lüth tritt in den Ruhestand Jung-Wizo-Razar in Wien ein Kiefernwald in Israel in der Nähe von Jerusalem trägt seinen Namen. Der äußerlich unauffällige Mann mit Brille und Baskenmütze hat seit 1946 als Leiter der staatlichen Pressestelle in Hamburg nicht nur Journalisten freimütig und objektiv über , Mit Liebe und Begeisterung für ihr schö- Profitstreben verankert. Lüth hatte mutig ne5 Werk hat die wizo-Aviv-Gruppe am zu einem Boykott der Nachkriegsfilme g t den 24, Oktober I964 im Palais Auersperg einen Bazar mit einem Candledes Jud-Süß-Regisseurs Veit Harlan auf-! gerufen und sich dafür eine Unterlassungslight-Cocktail eröffnet. Die Veranstaltung Nun tritt der dienstälteste Pressechef einer bundesdeutschen Landesregierung, der 62jährige Hamburger Journalist Erich Lüth, in den Ruhestand. Es gibt in Deutschland noch keine Erich-Luth-Straße, aber klage des Filmverleihs wegen Geschäfts-1 smn^'unmT'a^'Ehrenlchutz” d!7 GatUn Schädigung eingehandelt. Als höchste Ini des israeiischen Botschafters in Österreich, stanz entschied das Verfassungsgericht,, prau Hermona simon. unter bestimmten Voraussetzungen sei das Recht freier Meinungsäußerung auch dann j Man kennt auch in Wien bereits die behöher als das Recht freier wirtschaftlicher! liebten Veranstaltungen der Wizo-Aviv, die Betätigung einzustufen, wenn mit der Mei-1 kommunale Belange der Hansestadt inforj nungsäußerung Boykottaufruf und Gemiert, sondern als Politiker und Schriftj schäftsschädigung verbunden sind, steiler die Welt aufhorchen lassen. Lüth Schon in der Schule verschrieb sich Lüth ist Initiator der Aktion „Friede mit Isi dem Journalismus. Als Primaner gab er raei“ und nimmermüder Förderer Christeine Schülerzeitung heraus. In der NSlich-jüdischer Zusammenarbeit. Seiner Ak- 2eit zog er sich auf einen Posten in der tivität ist es in großem Ausmaß zuzuschrei- - - - ben, daß Israel trotz nicht vernarbter Wunden der Bevölkerung der Bundesrepublik wieder Vertrauen entgegenbringt. Für die deutsche Presse erstritt Lüth vor dem Bundesverfassungsgericht ein Grundsatzurteil, das ein Vorrecht der Mei- Zimmer gesucht für meinen 21jährigen argentinischen Neffen, der ein halbes lahr in Wien bleibt. Womöglich in Familie, die gleichaltrige Kinder hat. nungsfreiheit gegenüber geschäftlichem Lebenszweck bedeuten. Nähmaschinenindustrie zurück, weil sein j Nachrichten erbeten an Kar| und u Hand|er| Wort nichts mehr galt. Erich Lüths Ab- T , . .,nc n ,, CT schied aus dem Hamburger Rathaus bej deutet keinen Abschied vom Journalistenj beruf. Er hat jetzt mehr Zeit, sich seinen! Büchern, Schriften und den Israel-Proble-1in anderen Ländern sich seit Jahren großer men zu widmen, der Humanität, die ihm j Popularität erfreuen. Die Pest in Ziffern In Österreich sind nur die Statistiker j den 123 Gruppen umfassen 17.000 Mitglieder. Statistiker, beim bundesdeutschen Nachj Die restlichen 7000 sind in mehr als 100 barn ist es nach amerikanischem Muster \ Splittergruppen verteilt, jeder. Jede gewöhnliche, für den „Mann I je mehr jedoch die Mitgliedschaft dieauf der Straße“ bestimmte Tageszeitung j ser Organisationen fallt, desto fleißiger ist durchsetzt mit Tabellen und jedem; ist der Rest im Publizieren von neonazi- Problem des täglichen Lebens wird mit j stischen und judenhetzerischen Druckerdem Rechenschieber zu Leibe gerückt. Auch über den heutigen Stand der Neo- Naziorganisationen liegen genaue Ziffern vor, die der Innenminister Hoecherl selbst veröffentlicht hat. Wie der Minister berichtet, ist die Zahl dieser Organisationen im Rückgang begriffen, die ganze Bewegung ist so zersplittert und von inneren j Konflikten durchsetzt, daß ihre politischen Argumente „im Kreise herumgehen und keine größeren Gruppen in der Bevölkerung gewinnen können“. Und da sind die Ziffern, die er berichtet: Vor zehn Jahren wären es noch 78.000 bundesdeutsche Bürger gewesen, die in rechtsgerichteten Organisationen registriert waren, 1962 wäre diese Zahl auf 27.000 gesunken und jetzt wären es noch 24.000. Diese sind auf 123 Organisationen verteilt und zwar: 14 Parteien, 21 Jugendgruppen und 88 andere Organisationen. Vier von Zeugnissen, deren Einfluß jedoch — so sagt der Minister (möge er recht haben) — im Schwinden begriffen ist. i Die Erträgnisse dieses Bazars werden | an die „Wizo“ in Israel überwiesen, als j Beitrag zur Bestreitung der immensen Sozialleistungen, die die „Wizo“ dort vollbringt. In ihrer Ansprache gab die Vorsitzende der Aviv-Gruppe, Frau Dr. Dorothea Engelberg, einen kurzen überblick über die Arbeit und Ziele der Jung-Wizo und appellierte an die zahlreich erschienenen Gäste, die gebotenen schönen Stücke käuflich zu erwerben. Die Devise war: Wer hier Geschenke einkauft, schenkt doppelt: Dem Beschenkten die Sache und Israel den Nutzen. Es war ein wohlgelungener Abend, den wir alle in Wien in angenehmer Erinnerung behalten werden. Der ominöse „Dr. Klaus Ripkin“ Eine Nazi- und Antisemitengruppe legt i sonen, die politisch beteiligt sind, entfessich den fingierten Namen „Dr. Klaus Ripkin“ bei, dessen Domizil sie in die Brigittenau verlegt. Unter diesem Namen bekam das „Neue Österreich“ einen Leserbrief zur Frage Südtirol, worin dieser Zeitung der hetzerische Vorwurf gemacht wird, „zu der verjudeten Clique, die unser Zeitungswesen in der Hand hat“, zu gehören. Der Tenor der zahlreichen anderen objektiv gehaltenen Leserzuschriften nimmt den Standpunkt ein, daß die Nazis zum Zeitpunkt, als Hitler Mussolini Südtirol geschenkt hat, jubelten, während sie heute die demokratischen Möglichkeiten ausbeuten und eine Hetze nicht nur gegen Persein, sondern nach bewährter alter Nazimanier bei dieser, wie bei jeder Gelegenheit eine wüste Hetze gegen Juden entfachen, um die Öffentlichkeit irrezuführen und durch Schaffung einer Pogromstimmung den Boden für ihre verbrecherischen dunklen Zwecke vorzubereiten. iimimiiuiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiimiiiitiiiiiiiimiiHiiiimiiiimii Eine Haaskanfeier veranstalte! der „Keren Hajessod" am 29. November um 19 Uhr im Gewerkschaftshaus, Wien, IX., Maria« Theresien-Straße 11