Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1964
- Issue
- Heft 124 (November 1964)
- Date
- 1964-11-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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SEITE 8 DIE STIMME NUMMER 124 Eis kurzer RdchMIcK In die Hüle im An einem Morgen steckte unter der Post des Frankfurter Staatsanwalts Dr. Grossmann auch ein Brief, der keinen Absender trug. In dem Umschlag war ein bedrucktes Blatt. Darauf stand: „Die Wahrheit den Völkern! Keine Gaskammern. Dr. Benedikt Kautsky, führender österreichischer Sozialdemokrat, 1938 bis 1945 im KZ, davon drei Jahre in Auschwitz, schreibt in seinem Buch ,Teufel und Verdammte*, erschienen in der Schweiz 1946: Ich muß aber der Wahrheit gemäß feststellen, daß ich in keinem Lager jemals eine Einrichtung wie eine Vergasungskammer angetroffen habe." Unterschrieben war dieses „Antigreuer-Flugblatt von Einar Aberg, dem Anführer eines nazistischen Klüngels aus Norrvihen in Schweden. Der Chefankläger im Frankfurter Auschwitz-Prozeß, der seit hundert Verhandlungstagen Zeugen befragt und Angeklagte zur Rede stellt, schob das schwedische Pamphlet achtlos zur Seite. Solche Post, auch Drohbriefe darunter, ist seit Beginn dieses größten deutschen Prozesses der Nachkriegsgeschichte fast täglich auf seinen Tisch geflattert. Grossmann, der die Anklageschrift verfaßte, weiß, was in jenen schrecklichen Jahren von 1942 bis 1944 in dem größten Vernichtungslager der Nazis, was in Auschwitz geschah: Zwei bis drei Millionen Menschen, Juden aus Polen, Zigeuner, sowjetische Kriegsgefangene wurden dort umgebracht. Das Böse hat kein Gesicht mehr. Ein Schleier legt sich über das Unfaßbare, Unvorstellbare. Eine stumpfe Gleichgültigkeit macht sich breit, und ohne Antwort bleibt die Frage: Wie kann ein Mensch einem Menschen das antun? Der erste Leichenberg der Vergasten, war einen Meter hoch. Auf den Körpern lagen noch die kleinen grünen Körner, und es roch — „so ein bißchen wie Mandeln". Es war der Geruch vom Gas, „Körner“ waren das Zyklon B. Aber das war nur der Anfang. Später, als pausenlos die „Ungarn-Transporte“ ins Lager rollten, Tag und Nacht, als in dem Krematorium von Birkenau an einem einzigen Tag 25.000 Juden vergast und verbrannt wurden, war das Entsetzen kaum noch zu ertragen. Die Männer des Sonderkommandos stumpften ab. Sie „arbeiteten wie Roboter“, wie Tiere, die taten, was ihnen befohlen wurde, ohne zu denken, ohne zu wissen, was sie taten. Sie weinten nicht mehr. Jene, die zusammenbrachen, wurden erschossen, andere sprangen selber in die Verbrennungsgruben, weil sie es nicht länger aushalten konnten. Die Maschine des Todes, die Birkenauer! Mordfabrik, funktionierte. Bis die Trans- I porte zu groß wurden und die Öfen es J nicht mehr schafften. Da wurden die Leichen in die Gruben geworfen. Es ist das I Furchtbarste, das Im Gerichtssaal des 1 „Gallus“-Hauses bisher zur Sprache kam:! „Jede Grube war so 40 Meter lang, sechs j bis acht Meter breit, über zwei Meter tief, j An den Enden waren Gräben, die in Lö- : ehern endeten. Da floß das Menschenfett hinein.“ Mit Büchsen mußten die Sonderkommandos dieses Fett schöpfen und über die Leichen gießen — „damit sie besser brannten.“ Hatte die eine Leichenschicht richtig Feuer gefangen, wurde die andere drauf geworfen. Kindern wurden manchmal die Hände auf den Rücken gedreht, dann wurden sie in das kochende Fett geworfen. j Wie konnte es geschehen, daß Häftlinge! sich dazu hergaben, den Mördern zur! Hand zu gehen? Eine von vielen Erkläruni gen gab Staatsanwalt Kügler während des; Prozesses: „Es kann so weit kommen, daß i die Brutalität des Henkers auch dessen I Opfer brutalisiert.“! In Auschwitz war es die Bestialität des I Bösen, die durch nichts mehr ausgelöscht j werden mag. Oesterreichische Staatsdruckerei - Verlag Wiener Zeitung Das Österreich-Buch von Ernst Marboe Neue, verbesserte Auflage. 81.—100. Tausend. 592 Seiten, reich illustriert mit 470 zum Teil ganzseitigen Textbildern und Karten, alle in Vier- und Mehrfarben-Offsetdruck, und 16 Vollbildern. Vornehmer Ganzleinenband mit künstlerisch ausgeführter Goldprägung. Es erzählt unterhaltend, was Österreich war und ist, die Hauptepochen seiner Geschichte, Kunst, Musik, Dichtung und Wissenschaft, Volk und Landschaft. Preis S 145.— The book of Austria in der Übersetzung von Gordon Shepherd, Richard Rickett, Emmy Molles. Preis S 180.— Die französische Ausgabe Le iivre de l'Autriche in der Übersetzung von Roger de Craon-Pdussy. Preis S 230.— Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und durch die Verkaufsstelle der Staatsdruckerei — Wiener Zeitung, Wien I, Wollzeile 27 a. A-:D