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Die Stimme · 1964-11-01 · Heft 124 (November 1964) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1964
Issue
Heft 124 (November 1964)
Date
1964-11-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SEITE 4 DIE STIMME NUMMER 1 24 Jüdisches Schicksal im Unterricht dem die nationalsozialistische Rassenideoj logie wachsen konnte, sondern auch der j jenige, der sich solange passiv verhielt und j eine an sich alarmierende Entwicklung Kein Thema im Geschichtsunterricht an; chendem Maße gewürdigt. Auch die Schafhinnahm, bis es für eine erfolgreiche Eindeutschen und österreichischen Schulen; fung des Staates Israel mit seinen Entflußnahme zu spät war. So kann und muß wirft schwierigere pädagogische und di- Wicklungsschwierigkeiten sollte nach Aufdas Phänomen der Judenvernichtung aus daktische Probleme auf als der Mord an | fassung der Verfasser sicher zu Recht stärgroßem menschlichen Versagen erklärt sechs Millionen Juden durch die Nationalker behandelt werden. werden, was zu einer entscheidenden Einsozialisten. Der Lehrer muß bei der Dar- Wenn von sechs Büchern für die Volks-, sicht und damit zu einer starken erziehestellung dieses Stoffes einen Weg gehen, schule nur eines einige Ereignisse aus der rischen Wirkung zu führen vermag, der die Tatsachen rückhaltlos darstellt, die frühen jüdischen Geschichte erwähnt,! Wenn der Schüler erkennt, daß irgendhistorischen Wurzeln bloßlegt und eine wenn nur zwei Werke aus der Zeit des eine Diskriminierung irgendeiner Gruppe klare Grundlage für die Erkenntnis des Zweiten Tempels überhaupt die Entwick- Schülers schafft, der weder mit summalung des Urchristentums und die Tempeliiiiimmiiimimimiiiimiimimiimiimmiiimmimmtiimimtmm rischen Schuldbekenntnissen noch mit bil- Zerstörung streifen, ist das zweifellos sehrj ligen Entschuldigungen abgespeist werden ' dürftig. Bedenklich wird die dabei erkenn-1 er ABTII" I# * * darf. , bare Tendenz, das Judentum als schwarzen \ «wK 1 H “ VCfCiniQUIlQ In der Schriftenreihe des Internationa-i Hintergrund vor der leuchtenden Erschei- Wien XIX, Ruthgasse 21, Tel. 56 46 91 len Schulbuchinstituts wurde von zwei nung des Christentums zu zeichnen. Wenn j israelischen Pädagogen, Saul B. Robinsohn man in Betracht zieht, daß die Grundlagen s lernen Sie unentgeltlich Hebräisch, Englisch und Hairn Schatzker, eine Untersuchung des Christentums in der jüdischen Religion! une* außerdem viele manuelle Fächer in anüber „Jüdische Geschichte in Geschichtszu suchen ist, erscheint diese Tendenz als; genehmer Atmosphäre, lehrbüchern“ vorgelegt, die 25 deutsch-i Blasphemie, die in die Schule verpflanzt j 1,ll1imilt((fl(millttlltl1lll(ll((,l1l)nittltll,lllllll))limil,l)mmmim» sprachige Lehrbücher für die Volks- und, wird. , Oberschulen erfaßt. Dabei handelt es sich I Die Deutung des jüdischen Schicksals,! bereits der erste — unter Umständen: ausura eine objektive, in jeder Hinsicht undie es von der Außenseiterstellung der j schlaggebende — Schritt zu unmenschpolemische Abhandlung, die im wesent-; Juden in einer nicht jüdischen Gesellschaft j lichem Verhalten ihr gegenüber ist, wird liehen sachlich registriert, wie ausführlich; gruppen-psychologisch erklärt, läßt jedes j er schon den nicht aggressiven Antisemidie in fünf Epochen eingeteilte Geschichte | Glied dieser Gesellschaft mitschuldig er-1 tismus verwerfen müssen. Und wenn ihm der Juden in den einzelnen Unterrichtsj scheinen, das sich in Krisensituationen j klar wird, daß er die Freiheit, die er für werken berücksichtigt ist und welche Stel-; nicht auf die Seite der Juden gestellt und j sich in Anspruch nimmt und in Anspruch lungnahme die Art der Darstellung erken-1 sich notfalls auch gegen seine eigenen j nehmen soll, niemals gegen die Freiheit nen läßt. Damit werden Hinweise verbun-! Gruppenangehörigen entschieden hat. Miti eines anderen, also auf dessen Kosten, verden, die Schulbuchautoren und Lehrern j verantwortlich ist so nicht nur derjenige, j wirklichen darf, wird er seine Mitverantneue Wege für die Behandlung der jüdij der durch Engstirnigkeit und feindselige j wortung auch für die Bewahrung der sehen Geschichte zeigen können. Diese! Gesinnung den Nährboden bereitete, auf 1 Freiheit des anderen erkennen, sollte nicht nur wegen der Ereignisse im Dritten Reich ausführlich erfolgen, sondern auch wegen des großen, in vielem unschätzbaren Beitrags, den die Juden für die westliche Kultur geleistet haben. Besonders zu bedauern ist, daß in Büchern für die Oberschule das Weiterwirken jüdischen Gedankengutes in den staats- und sozialethischen Vorstellungen der westlichen Zivilisation nicht registriert wird, daß nur eine zufällige Auswahl jüdischer Geschichtsinhalte erfolgt, die beispielsweise oft die Darlehens- und Zinsgeschäfte der Juden nennen, aber kein Wort etwa für die bedeutende jüdische Beteiligung am Fernhandel im frühen Mittelalter haben. Kein Schulbuch verschweigt die Verfolgungen im Dritten Reich, die Zahl der angegebenen Opfer allerdings schwankt zwischen „Hunderttausenden“ und sechs Millionen. Und in kaum einem Buch wird das jüdische Leben und die Bedeutung des Judentums in der Neuzeit in ausrei- (2a (e DCo mlle das Familiencafe mit den tausend Zeitschriften Mit Caravelle-Jet nach ISRAEL 26. 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