Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1964
- Issue
- Heft 123 (August 1964)
- Date
- 1964-08-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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NUMMER 123 DIE STIMME SEITE 11 des Fortschritts sein. Ein geteiltes Amerika kann seine Versprechen nicht erl'üllen. Aul' jedem von uns ruht eine große Verantwortung. Überall in der Welt blicken die Menschen, die die Freiheit lieben, auf unser Land und erwarten von ihm den Willen, die Schlacht für die Freiheit in diesem Jahrhundert siegreich zu schlagen. Wenn wir dies Vertrauen rechtfertigen sollen, müssen wir unseren Kurs beibehalten. Unsere Vorfahren kamen hierher, weil ihr Ruf nach Gerechtigkeit auf taube Ohren stieß, ihr Ruf nach Frieden auf verschlossene. Sinne und ihr Ruf nach der Möglichkeit, ihr Leben glücklich zu erfüllen, aut versteinte Herzen. Wirwollen nicht in eine Zeit zurückkehren, die wir hinter uns ließen. WTir müssen für die Einheit unserer Gesellschaft arbeiten, um das große Versprechen amerikanischer Geschichte in dieser Schicksalsstunde zu erfüllen. Der Autor Siegmund Last, dessen wehj heiter sein. Wir bringen nachfolgend mütige „Gedanken zur Entrümpelung“ eine Auslese aus seinem jüngst erschiewir an anderer Stelle bringen, kann auch | nenen Büchlein mit dem Titel „Heiteres aüs Israel" AMTSSCHIMMEL ' solchen Polizistin eingedrungen war und Bei einer Büroinspektion fragte der die friedlich Schlafende so schön fand, Inspizierende den Bürochef, wie es daß er sie küssen luollte, verhaftete diese komme, daß nur drei Beamte im Verden Frechling und führte ihn zur Polizeizeichnis aufscheinen, während hier vier j Station, säßen. Darauf erklärte der Bürochef: I „Der vierte zählt nicht, der tut doch. AUF METNEN EHEGATTEN IST KEIN nix“ VERLASS Eine energische junge Frau, die mit- DIENS F IST DIENST ' tellos ins Land gekommen war, konnte Bekanntlich gibt es in Israel sehr \ durch ihren Fleiß und ihre besondere stramme und hübsche Polizistinnen. Als j Wendigkeit in nicht langer Zeit eine ein Einbrecher in die Wohnung einer1 kleine, hübsche Wohnung und sogar ein Geschäftslokal erwerben, während ihr Gatte auf „Wunder“ zu warten schien. Einer neuen Einwanderin, die nicht genug die Tüchtigkeit dieser jungen Frau bewundern konnte, erklärte die Energische: „Wenn ich mich auf meinen Mann verlassen hätte, dann hätte ich mein kleines Mäderl auch nicht bekommen.“ EINE PFLICHTVERGESSENE HAUSFRAU Zur Zeit der Lebensmittelknappheit in Israel war Zucker Mangelware, deshalb wurde der Verkauf rayoniert. Man mußte oft genug Schlange stehen, um seine Ration zu erhalten. Ein guter Ehegatte sah eines Tages von seinem Bürofenster aus, daß gerade Zucker verteilt wurde. Er rannte nach Hause und fand seine Frau in einer verfänglichen Situation mit dem Nachbarn vor. Entrüstet sagte er zu seiner Gattin: „Im Makolet (Greißlerei) wird Zucker verteilt, und du hast Dummheiten im Sinn!“!GELERNT IST GELERNT Zwei Häftlinge spielten im Gefängnis Karten. So oft der Inspektor in die Zelle kam, fand er trotz eifrigen Suchens die Spielkarten nicht vor. Er versprach den Häftlingen, ihnen die Karten weiter zu belassen, wenn sie ihm das Geheimnis verrieten. Darauf erzählte einer von \ ihnen, daß er in dem Augenblick, wo der feste teilzunehmen das große Glück hatten. Der Junge, der in den Bund Israels aufgenommen wird, wie er dasteht, der große Held des Tages, und freudestrahlend seine überglücklichen Eltern und Großeltern, und die anderen Verwandten und Freunde des Hauses. Dieses für die Beteiligten so kostbare Bild wanderte, als die Kinder Israels ihre „letzte Wanderung“ anzutreten bemüßigt waren, wegen des kostbaren Rahmens zu jener Hausbesorgerin, die stets besorgt war, wie man dieses unmögliche Photo loswerden konnte. Nun hat die behördlich angeordnete Entrümpelung ihr den richtigen Weg hiezu gewiesen. Endlich losgeworden diesen Schmarrn. Ein alter Band von „Graetz — Geschichte der Juden“ und eine vergessene Nummer der Zeitung „Die Welt“ haben Glück gehabt, zwischen alten Zeitschriften „Die Gartenlaube“ und einem roten Engelhorn-Roman bis heute sich durchgeschwindelt zu haben. Aber jetzt kommt auch für diese Deserteure die Endlösung. Wer hat noch heute Interesse an solcher Lektüre, wer braucht das alte, unverwendbare Papier? Ein altgedienter, geflochtener Korb, der wahrscheinlich überhaupt nicht mehr von den „Nachfolgern“ gebraucht werden konnte, wird von keinem Passanten eines Blickes mehr gewürdigt. Und doch hatte diese Reliquie einst so treu und ehrlich ihren Dienst erfüllt. Das Ostergeschirr wurde Jahr für Jahr in diesem Behälter aufbewahrt und alljährlich immer wieder, wenn die Zeit des Osterfestes kam, so freudigst begrüßt. Es war für mich, als ich schon groß und erwachsen war, noch immer der freudigste Tag im Jahre, meiner Mutter beim Transport des Osterkorbes zu helfen. Dieser Korb ist nun ein elendes, nichtsnutziges Strohgeflecht geworden, das man nicht einmal zum Verheizen mitnehmen will. Schließlich hat man doch auch Millionen von Menschen verbrannt. Und . . .? Unweit von diesem liegt auch ein farbiges, kleines Weingläschen, das heißt, ein Scherben davon. Wie oft hat dieses Gläschen am Sederabend zur Hebung der feierlichen Stimmung im Kreise der festlich versammelten Familie beigetragen. Es war das große Glück, immer wieder das im Festlichte hell glitzernde „Kos“ mit Wein gefüllt in Händen zu haben, wenn man so jung und hoffnungsvoll in die Zukunft blickte. Zerbrochen das so kostbare Gläschen, verschwunden der Zauber jener Feiertagsabende, und mit ihnen die begeisterten Teilnehmer! Alles entrümpelt. Auch ein verblichenes, zerfetztes Plüschsäckchen liegt da unten, das schon viele Passanten gemustert, aber enttäuscht weggeworfen haben. Sie haben es zwar in die Hand genommen, aber ebenso rasch weggeworfen. Das war einst die Hülle eines Gebettuches (Tales) und sollte dessen Besitzer nach hundertzwanzig Jahren auf seinen letzten Weg begleiten. Aber es kam doch ganz anders! Man ging „damals“ von zu Hause fort oder besser gesagt, man wurde gejagt und hatte keine Zeit mehr, daran zu denken. Der Tales kam nicht mehr dazu, seine Mission zu erfüllen, da unsere Feinde es anders wollten. Denn es kam das, was wir alle leider wissen . . . Und all diese leblosen Dinge, die damals ihre Besitzer überlebten, auch sie werden entrümpelt . . .