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Die Stimme · 1964-08-01 · Heft 123 (August 1964) · page 11

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Journal
Die Stimme
Volume
1964
Issue
Heft 123 (August 1964)
Date
1964-08-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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SEITE 10 DIE STIMME NUMMER 123 Verlassene jüdische Gräber in Eisenstadt Von den heutigen österreichischen Juden lebt der überwiegende Teil in Wien, kleinere Gemeinden sind noch in Linz und Salzburg. Von den vielen, vor 1938 bestehenden, blühenden Landgemeinden ist nichts mehr übrig. Nazi haben sie vernichtet! Wer unter den heutigen hiesigen Juden — auch solche, die im Ausland leben und nur besuchsweise da sind — aus so einer Landgemeinde stammt und die Stätte seiner Kindheit und Jugend aufsucht. der findet die Gefährten von einst, die Eltern und Angehörigen bestenfalls am Friedhof und auch da s n u r, falls ein e r vorhanden i s 1. Ich besuchte mit meiner aus Amerika hier weilenden Familie den jüdischen ' Friedhof in Eisenstadt, das heißt, ich wollte ihn besuchen. Doch statt eines Friedhofs fand man nur eine Wüste, absolut verwahrlost. ln Eisenstadt, das einmal eine berühmte Gemeinde hatte, wohnen heute zwei jüdische Familien, darunter eine Familie Gabriel. Herr Gabriel zeigt den Fremden, die sich interessieren, den einstigen jüdischen Tempel und die verwüstete Stätle, wo die Toten begraben sind. Mehr kann er für die Besucher 1 nicht tun, auch nicht, wenn sie ihn noch so enttäuscht ansehen. Das Grundstück mit dem Tempel gehört heute dem roten Kreuz, das den Tempel aber als Erinnerung stehen läßt. Esriel Seifert Präsident Johnson bei einer Konferenz an Amerikas fremdsprachige Presse: „Einigkeit ist der Geist und Kern unserer Größe" Es ist eine große Ehre für mich, Sie 30 fremden Sprachen veröffentlicht — hier begrüßen zu können — als freie werden in 5 Millionen amerikanischen Männer und Mitbürger. Ihre Zeitungen Heimen gelesen, und Zeitschriften sind eine der amerikanischsten Institutionen unter unseren Sie und Ihre Vorgänger haben viel amerikanischen Institutionen. getan, um uns zu einigen und zusammen- 400 Zeitungen und Zeitschriften — in . zubringen — als ein Volk und eine Nation. Deshalb habe ich Sie heute hierher gebeten. Wir leben in einer großen Schicksalsstunde unserer nationalen Geschichte. Wir haben die Möglichkeit, weit vorwärts zu kommen. Diese Möglichkeit darf nicht verpaß! werden. Das ist Ihre Aufgabe sowohl als meine. Amerikas Führerschaft auf jedem Gebiet muß heute für Amerikas Einheit und gegen jede Aufspaltung Amerikas arbeiten. Diese Arbeit muß an erster Stelle stehen, wenn wir denen, die einst aus Übersee hierhergekommen sind, die Treue halten wollen. 43 Millionen aus 70 Ländern sind hier gelandet. Sie haben uns viel gebracht und viel für sich selbst und ihre Kindeskinder erhalten. Einigkeit hat mit der Ausbeutung der i Einwanderer ein Ende gemacht und ihnen j die Tore zu einem besseren Leben ge- | öffnet. Einigkeit hat die Slums des Jahr- | hundertbeginns geschlossen und ihre Bei wohner ins Freie geführt. Einigkeit hat | jede zweitklassige Bürgerschaft beseitigt! und nur eine Bürgerschaft für alle von | uns geschaffen, ohne Rücksicht auf Ur- 1 sprung und Ahnenschaft, Fahne oder Glauben, Religion oder Rasse. Einigkeit ist und Einigkeit wird immer der Geist und Kern unserer Größe sein. : Deswegen müssen wir unsere Einigkeit und Einheit vollkommen machen. Ein geteiltes Amerika kann kein Amerika des Wohlstands oder ein Amerika zur Entrllmpeluni Von Siegmund Last Im heurigen Frühjahr führte die städtische Müllabfuhr einen kostenlosen Abtransport unbrauchbarer Gegenstände aus Wohnungen, Dachböden und Kellern durch. Das zur Abfuhr vorgesehene Gerümpel war bis 8 Uhr vormittags am Gehsteigrand vor dem Hause bereitzustellen. So mancher Bewohner der Stadt, der „seinerzeit" eine verlassene Wohnung mit den darin befindlichen Gegenständen aller Art, zu übernehmen das Glück hatte, war schon seit langem in arger Verlegenheit, wie er doch das so überflüssig gewordene Gerümpel los werden sollte. Denn was brauchbar war und ist, wird und wurde selten verkauft. Nun brachte der Magistrat der Stadt Wien die glückliche Lösung, die von vielen Bewohnern mit großer Freude begrüßt wurde. Schließlich gab es darunter auch Dinge, die an eine Zeit erinnerten, die vergessen sein wollte. So war die befreiende Losung des Tages und der Nacht gekommen, altes wegzubringen. Das war die allgemeine Entrümpelung des Jahres 1964. So sieht man auf den Gehsteigrändern der Stadt Wien lange und hohe Haufen von Dingen liegen, in Erwartung ihrer Abfuhr, und ihrer endgültigen Vernichtung, wenn nicht in letzter Minute noch ein Passant oder guter Nachbar seine letzte Auswahl im Gemenge trifft. Wenn man diese Gegenstände, letzte Spuren einstigerhäuslicher Ordnung betrachtet, kommen einem gewisse Gedanken, die das traurige Einst so kraß hervorkehren. Alter Hausrat, längst „zerlesene“ Zeitungen und Zeitschriften, vom Zahn der Zeit zerfressene alte Bücher mit ihren zernagten und verschimmelten Einbänden, Photos, Briefe und dergleichen inhaltlos gewordenes Zeug. Nichts! Wirklich nichts? Wer seinen Schritt dann verlangsamt, weil ihn der Augenblick fesselt, sieht gar bald in manchem Abfall Dinge, die Sprechern und erzählen, auch wenn sie leblos sind und den letzten Weg zur Müllabfuhr antreten. So sehe ich da unten, verschämt unter anderem Gerümpel, eine alte, zerbrochene Menorah liegen, die einst in einem jüdischen Hause, ihrer Bestimmung gemäß, Licht, spendete und Hoffnung brachte all jenen, die die Bedeutung dieses Symbols kannten und verstanden. Wer weiß es, wo all jene heute sind oder nicht mehrsind, die sich einst an diesem siebenarmigen Lichtspender erfreuten und so begeistert waren. Wer kennt heute den Ernst und die Aufrichtigkeit jener, die mit Andacht dem Scheine dieser Lichter entgegensahen. Wer weiß, durch welche Finsternis, Not und Entbehrung diese Gläubigen dann gegangen sind, bis sie ein Opfer der Wut und der rohen Gewalt ihrer Mitmenschen geworden sind. Ihr Lichtspender hat sie überlebt, jetzt geht auch er! Im Winkel liegt ein zerfetztes Familienbild — den noch brauchbaren Rahmen haben „Optimisten“ sich angeeignet — das eine Barmizwah-Feier darstellt. Wer vermag heute die Freude jener Beteiligten zu schildern und zu erfassen, die damals an diesem solennen Familien- 19

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