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Die Stimme · 1964-08-01 · Heft 123 (August 1964) · page 10

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Journal
Die Stimme
Volume
1964
Issue
Heft 123 (August 1964)
Date
1964-08-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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NUMMER 1 23 DIE STIMME SEITE 9 Die neonazisilsche inienona e Sie existiert und sie zeichnet sich immer klarer ab. Sie wird einerseits von den aus Deutschland exilierten Nazis und andererseits von den über die Länder der Erde verstreuten Zweigstellen der Arabischen Liga organisatorisch und finanziell gefördert. Es sind meist kleine Gruppen und ihr Vorhandensein hat nichts mit der Haltung von Regierung und Volk des betreffenden Landes zu tun. Sie haben sich eingenistet, wie Ratten im Keller eines Hauses. Hier einige Beispiele ohne Anspruch auf Vollständigkeit: In Westdeutschland gab Innenminister Hoecherl selbst einen Überblick über ihr sogenanntes Schrifttum. Es handelt sich um 52 periodische Druckschriften mit einem Leserkreis von ungefähr einer Million. Außerdem werden noch ca. 60 verschiedene Zeitschriften und Flugblätter aus anderen Ländern, so aus Belgien, England, Frankreich, Italien, Schweden und den Vereinigten Staaten hereingebracht. Arabien hat er nicht erwähnt. Nicht anzunehmen, daß er es vergessen hat, aber wahrscheinlich schickt Nasser seine Heilslehren auf einem Umweg. Die „Deutsche Nationalzeitung und Soldatenzeitung“, die auch hier von manchen Zeitungsständen lächelt, nicht von vielen, wahrscheinlich kauft sie niemand, brachte jüngst auf der ersten Seite ein Interview mit dem ägyptischen Regierungschef, in dem dieser erklärte, „der Krieg mit Israel ist unvermeidlich“ und außerdem kundtat: „Unsere Sympathien waren mit Deutschland während des zweiten Weltkrieges.“ Das Bureau der Arabischen Liga in Bonn brachte ein Pamphlet in Umlauf, betitelt „Problem der palästinensischen Flüchtlinge“. Darin ist zu lesen: „Die letzte große Judenverfolgung fand unter dem Hitlerregime statt, nachdem die zionistische Organisation, die ihre politischen Marionetten einsetzte, wie den Zionisten Winston Churchill und den Zionisten Franklin D. Roosevelt, Erfolg hatte, nach Deutschland den Krieg zu bringen. (Klingt diese Mentalität östlich, arabisch, orientalisch oder haben wir diese Art von Stumpfsinn schon anderswo gehört?) „FURCHTLOS ARBEITEN ORGANISIERTE NAZIS In Amerika hält man sich an die Studenten. Dieser politisch noch unbebaute geistige Boden ist scheinbar für die Drachensaat leicht empfänglich und aufnahmsfähig. Die Studentenzeitung „The Daily Californian“, die in Berkeley erscheint, bringt fortgesetzt nazifreundliche Artikel und Berichte auch in Inseratenform. Ein großes, mit Hakenkreuz geziertes Inserat verkündet der Mitwelt: „Wir sind zurückgekehrt! Dieses Mai die Welt!“ Und anschließend leisten sie ein Stück Polizeiarbeit für den ganzen Globus, denn es heißt weiter: „Die Weltunion der Nationalsozialisten (,Nazis1 steht als Erklärung in Klammer im englischen Text), hat folgende Mitglieder: die amerikanische Nazipartei, die britische Nationalsozialistische Bewegung, die Europäische Ostföderation in Paris, die Nationalsozialistische Front in Argentinien (Buenos Aires), die Nationalsozialistische Partei von Australien und viele andere. Furchtlos arbeiten organisierte Nazis in Italien, Kanada, Spanien, Dänemark, Irland, Belgien.“ In Argentinien sah man bei einem Treffen der Arabischen Liga in Buenos Aires deutlich die deutsch-arabische Zusammenarbeit. Viele Mitglieder der „Tacuara“, der verbotenen neonazistischen Jugendorganisation grüßten mit dem Hitlergruß und verkündeten in Wort und Schrift: „Lang lebe Hitler!“, „Juden ins Krematorium!“, „Lang lebe Nasser und Peron!“. Hitler lebt zwar nicht mehr, dafür lebt aber Adolf Eichmann junior, der Sohn des gerichteten Endlösers, der sich den „Führer der argentinischen Nazipartei“ nennt und jüngst in entsprechender Uniform mit Hakenkreuzbinde am Arm eine Pressekonferenz abhielt. In Brasilien wurde eine Neuauflage von „Mein Kampf“ bewerkstelligt. Die dortigen jüdischen Gemeinden er-1 reichten die behördliche Einstellung. Dafür werden aber die bekannten „Protokolle der Weisen von Zion“ im Lande verbreitet. Und zurück nach Europa, nämlich nach Frankreich. Dort soll die Bewegung emen Kreis von ungefähr 100 Personen umfassen, der aber systematisch über ganz Frankreich verteilt ist. Bei einer Aktion der französischen Polizei gegen Mitglieder und Anhänger der „Weltunion der Nationalsozialisten“ wurden in mehreren französischen Städten bisher zehn bis zwölf Personen festgenommen und Propagandamaterial sichergestellt. Unter den Festgenommenen befindet sich der Leiter der Union in Frankreich, der 43 Jahre alte Angestellte Yves Jeane, in dessen Haus in der Nähe von Lepuys Hakenkreuzarmbinden, Mitgliedsanträge, Stempel, Dolche und andere Beweisstücke beschlagnahmt worden sind. Die Aktion geschah auf Veranlassung des Gerichtshofes für Staatssicherheit und erstreckte sich vor allem auf die Städte Paris, Reims, Lyon, Marseille, Clermont-Ferrand und Lepuys. Die neonazistische Bewegung in Frankreich, die in enger Verbindung mit der von Lincoln Rockwell geführten amerikanischen Nazipartei und der unter der Leitung des Engländers Collin Jordan stehenden sogenannten westeuropäischen Verbandes der Nationalsozialisten steht, verfügte bisher über keinen nennenswerten Einfluß. In den Wohnungen von zwei Neonazisten, die in Lyon festgenommen wurden, entdeckte die Polizei eine umfangreiche Korrespondenz und zahlreiche Exemplare eines Mitteilungsblattes der englischen Nationalsozialisten mit heftigen antisemitischen Angriffen. Einige Briefe trugen als Kopf einen schwarzen Adler mit einem Hakenkreuz. Die französische Sicherheitspolizei beobachtet die neonazistischen Umtriebe schon seit etwa sechs Monaten. Die verdächtige und teils sehr auffällige Tätigkeit einer Reihe von jungen Leuten veranlaßte den Untersuchungsrichter, beim Gerichtshof für die Staatssicherheit durch die Polizei, eine Verhöraktion wegen Komplotts gegen die Staatssicherheit einzuleiten. MESSE 13. - 20. September 1964 C212C

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