Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1964
- Issue
- Heft 122 (Mai 1964)
- Date
- 1964-05-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SEIH:? DIE STIMM L NUMMER \Tt. Und immer wieder: Unsere Jugend neuen dynamischen Zionismus, dem Willen der Juden, den Interessen der Bewegung und denen der Medinath Israel angepaßl. Die verdienstvolle und opferfreudige Präsidentin der Weltkonföderation Ros Halperin hat in ihrer Rede stolz erklärt: „Diese Konferenz verleiht mir Mut, den penibel gewählten zionistischen Weg der Konföderation sicher und zuversichtlich zu gehen. Die Diskussionen um die praktischen Vorschläge der zahlreichen Delegierten aus ganz Frankreich inspirieren mich, an die zionistische Weltleitung die Forderung zu richten, radikale Änderungen in der Struktur und in den Arbeitsmethoden der Bewegung herbeizuführen und sie den modernen Notwendigkeiten und Bedingungen anzupassen. Der Zionismus muß auf breiter Basis eine jüdische Volksbewegung werden, sein Tun und Wollen der ehrlichen Überzeugung und dem anständigen Handeln entsprechen. Es darf nicht dazu kommen, daß der zionistische Wille des Volkes einschlummere, deshalb ist die unerschütterliche Losung: Unverzüglich darangehen, die Beschlüsse der Konferenz in die Tat umzusetzen.“ Der unparteiische Charakter unserer Konföderation bietet Gewähr für unseren Erfolg und ist die Basis dafür, daß Juden sich uns mit Zuversicht anschließen werden. Bernhard Braver Ein dramatisches, intensives Ringen findig seit Jahren in der Diaspora um die Rettung des jüdischen Bewußtseins und des Bekenntnisses zum Judentum statt, ein Ringen, das für die Zukunft unseres Volkes entscheidend ist. Die Erfolge sind nicht sehr ermutigend, die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die überhaupt noch irgendeine Art von jüdischem Unterricht genießen, ist verschwindend klein und auch bei den letzten endet dieser Unterricht meist mit der Erreichung des dreizehnten Lebensjahres, so daß praktisch nach der Barmizwahfeier die Pflege jüdischen und nationalen Geisteslebens im allgemeinen aufhört. Eine Anregung, diese Situation zu ändern, gibt uns die USA, deren Gemeindeverbände versuchen, die ganze Einstellung zu den Barmizwahfeiern, wie sie jetzt das Bild beherrscht, umzugestalten. Bisher pflegen die Familien, die überhaupt noch Gewicht darauf legen, prunkvolle Bankette zu veranstalten, die Geschenke werden zur Ansicht aller Gäste ausgestellt, so daß sich Freunde und Bekannte bemühen, attraktive Geschenke zu bringen, aber mit der Annahme dieser Geschenke ist für das Kind im allgemeinen sein Kontakt mit der jüdischen Lehre abgeschlossen. Nun hat die Erziehungsabteilung der Jewish Agency den Gemeindeverbänden vorgeschlagen, für Knaben und Mädchen Biir-Mizwii-Klubs zu gründen, denen die Kinder drei Jahre angehören müssen. Die Mitglieder sollen neben ständigen Kursen über Judentumskunde auch Abzeichen und anderes Informationsmaterial, Bücher und Zeitschriften erhalten und vom 13. bis zum 16. Lebensjahr ständig in eine Sparkasse einzahlen, so daß den 16jährigen Jugendlichen 750 Dollar für eine Israel-Gruppenreise zur Verfügung stehen. Bis dahin soll den Kindern genügend Hebräisch und Kenntnis über Israel und die Bedeutung des Staates für das jüdische Volk beigebracht werden. Die Israel-Reise würde den Kindern dann bereits von ihrer Bar Mizwa an als Ziel vorschweben und sie würden sich ständig auch für jüdische Belange interessieren. Der Bar-Mizwa-Klub würde die Heranwachsenden mit dem jüdischen Gedankengut in Verbindung halten, bis sie am College dann in den Hillel-Klubs, die vom Bnej Brit Orden erhalten werden, in einen Kreis jüdisch-bewußter Studenten kämen, der sie weiterhin betreuen kann. Zum Gedenken eines Helden-Märtyrers * Dr. Emil Maurer - 80 Jahre Zwanzig Jahre sind ins Land gegangen, seit unser Märtyrer Dr. Emanuel Ringelblum, einer der wichtigsten Anführer der Untergrundbewegung im Warschauer Getto, von den Nazi schändlich ermordet wurde. Dr. Ringelblum, der schon vor dem deutschen Überfall auf Polen ein anerkannter Historiker war und im gesellschaftlichen Leben Polens eine hervorragende Rolle spielte, hatte auch während der Nazibesetzung seine wissenschaftlichen Forschungen unter unfaßbar schweren Bedingungen fortgesetzt und hatte sich außerdem an die Spitze der illegalen Kulturtätigkeit in Polen gestellt. Er war auch einer der heroischen Organisatoren der jüdischen Selbsthilfe, welche den Warschauer Gettoaufstand gegen die Peiniger vorbereitete. Darüber hinaus erwarb sich Ringelblum die Unsterblichkeit seines Andenkens dadurch, daß er ein unterirdisches Archiv im Warschauer Getto unter der konspirativen Bezeichnung „Oneg Schabbath“ schuf. Dieses Archiv, welchem nichts adäquates in dem von den Nazi besetzten Europa gegenüberstand, gedieh unter der Betreuung Ringelblums in einem Maße, daß es die Gestalt eines regelrechten Instituts für i Dokumentation und historische Forschung i annahm und ein außerordentlich wichti- | ges Instrument in den Händen der jüdischen unterirdischen Kampforganisation wurde. Dr. Ringelblum, der im Warschauer Getto von den Nazis ermordet wurde, dachte zu seinen Lebzeiten daran, daß sein monui mentales Werk der Nachwelt erhalten bleiben muß und vergrub, nach getaner Arbeit, sicheren Orts seine geistigen j Schätze. Nachdem die Menschheit von der Naziherrschaft befreit war, wurde das Ringelblum-Archiv ausgegraben und das ein-; malige Material den Forschern und Interessenten an die Hand gegeben. Heiligen wir das Andenken Dr. Ringeli blums, des Helden, der bis zu seinem letz- ‘ ten Atemzug in unbeugsamer Treue zu seinem Volk den heiligen Auftrag erfüllt hat, gleich einem Auftrag Gottes, als Ankläger derjenigen des deutschen Volkes, die Juden in Massen gepeinigt und gemordet haben. Braver Im Namen von Jad W'schem in Israel. Am 11. April feierte Dr. Emil Maurer, cier ehemalige Präsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, seinen achtzigsten Geburtstag. Die Stadt Wien hat Dr. Emil Maurer aus diesem Anlaß die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold verliehen. Wir übermitteln dem Jubilar Glückwünsche aus ganzem Herzen. DEN TREUDEUTSCHEN IST LESSING UNBEKANNT Das Burgtheater in Wien haben Nazi zum Schauplatz antisemitischen Radaus gemacht. Anläßlich der Aufführung von Lessings „Nathan der Weise“ gerieten gewisse Besucher in Taumel und klatschten Beifall, als auf der Bühne der Satz gesprochen wurde: „Der Jude wird verbrannt.“ Ein nicht geringer Teil der Zuhörer allerdings nahm dagegen Stellung. Es ist bedauerlich, daß derartige Elemente 20 Jahre nach der Katastrophe das österreichische Kulturinstitut schänden konnten.