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Die Stimme · 1964-03-01 · Heft 121 (März 1964) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1964
Issue
Heft 121 (März 1964)
Date
1964-03-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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'-mt I. ) I F S I I M M I NIJMMI k’ Was birgt ein Archiv? ,V«>r einiger Zeit gab Minister OLAH in einem Fernsehinterview der österreichischen Bevölkerung bekannt. daß es eine Staatspolizei liehe Abteilung im Innenministerium gibt, die ein Aktenmaterial verwahrt, das sehr bedenklieh ist. Es handelt sich um sogenannte Erfassungsakte. Die Art. wie. was und wer erfaßt worden ist. kann nicht als sauber bezeichnet werden, dies umsoweniger, als es den Anschein erweckt. daß Konfidenten am Werke waren, die ihre Ausbildung im Nazireich erhielten, und sieh der Methoden des betrügerischen Antisemitismus bedient haben. Wir wissen nicht, welche „Schätze“ der Niedertracht im staatspolizeilichen Archiv ruhen, deshalb vermögen wir nur auf einen Fall hinzuweisen. der aber ausgibt: Der ehemalige Stadtrat und Innenminister AFRITSCH wird beschuldigt. an JUDEN falsche Pässe verkauft zu haben!! Wohlgemerkt: Ein österreichischer Politiker läßt sich mit Juden ein, fälscht Pässe und läßt sich mit Geld, mit jüdischem Geld bestechen!!! erfüllt habe. Galt es doch Menschen zu hellten. die ohne diese' Hilfe jahrelang in Kerlkern oder Konzentrationslagern hätten ver- | bringen müssen, oder, wie wir heute wissen, j gepeinigt. geschunden, geschlagen, ausgesogen und in der nazistischen Gaskammer elend zugrunde gegangen wären." Was hat der elende Konfident. der | Afritseh besudeln w'ollte, während der Nazizeit getrieben?? Es müßte doch eine Mög- 1 liehkeit geben, diesen Konfidenten ausfindig zu machen und ihn zu zwingen, Rede zu,! stehen!! Auf jeden Fall erwarten wir, daß : Herr Afritseh gegen bekannte oder noch un- | bekannte Verleumder die Strafanzeige cr-; statten wird. Es ist nicht uninteressant zu erfahren, was das Bundeskanzleramt und das Innenministerium an Akten verwahren, einen Beamtenapparat hiefiir beschäftigen und Steuergelder aufwenden: Über rund ein Viertel bis ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung Österreichs sind in etwa (500.()()() sogenannten ..Erfassungsakten". in (500.000 NSDAP-Oau-Akten, in einigen hunderttausend NSDAP - Gau- Schatzakten. in 00.000 KZler- und in Akten aus der Zeit zwischen 1004 und 1038 Angaben festgehalten. Die Akten aus der Zeit zwischen 1904 und 1908 befinden sich im Bundeskanzleramt. Was in dieser Sache weiter geschehen wird, w’eiß noch niemand, aber wir wissen, daß Herr AFRITSCH gegen OE AH wegen Veröffentlichung dieses Aktenmaterials Stellung nimmt! Dies hatte Innenminister Olah in einer Sitzung der sozialistischen Parlamentsfraktion mitgeteilt. Was sagt Afritseh dazu? Josei Schmidt - der Unvergessene Karl und Gertrud Ney-Nowotny, die Wah- Die erlesene Tenorstimme Joseph I rer des Angedenkens Joseph Schmidts, , Schmidts verschaffte einer unermeßlich! des gottbegnadeten Sängers und des auf- ’ großen Zahl von Menschen hohen künstln einer Sitzung der SP-Parlamentsfrak-! rechten Menschen, legten der öffentlichtion stellt er fest: „Ich habe im Jahre 1934 | keit dessen Biographie vor, die imEuropa- und auch im Jahre 1938. tausendneunhun- ' **•*’ Wien’ erschienen ist. o , , i- Welch wunderbare Erinnerungen ruft dertdreißigacht, den von den damaligen , , . ... T ,! Joseph Schmidt wach, wenn wir uns über Gewaltregimen Bedrängten und Verfolgten , jhn mjt Kar] Ney.Nowotny unterhalten geholfen, indem ich ihnen bei der Erlangung; und Details er£ahrenj die Joseph Schmidt von Pässen behilflich war, selbstverständnicht nur als Sänger von hoher Qualität lieh, ohne einen Groschen dafür zu verlancharakterisieren, sondern ihn auch als gen oder zu nehmen, was für mich eine Menschen, der in seiner Art den Göttern Ehrenpflicht war, die ich mit Befriedigung i nahe war, legitimieren. Leo-Baeck-Preis 1964 TEILNAHMEBEDINGUNGEN! 1956 stiftete der Zentralrat der Juden in Deutschland und die Zentralwohlfahrtsstelle zu Ehren des in jenem Jahre verstorbenen Rabbiners Dr. Leo Baeck, der jahrzehntelang geistiger und menschlicher Führer des deutschen Judentums gewesen ist, den waltungsrat des Zentralrates berufen, »*?« »ab' dr ne Die Entscheidung des Preisrichterkolle- LtU-n/ltcK-rKlilB, giums ist endgültig und erfolgt unter Ausder am 2. November 1964, dem Todestag > schluß des Rechtsweges. Dr. Baecks, wiederum zur Verteilung gelan- Bewerbungen bzw. Empfehlungen sollen gen soll. Im Jahre 1964 werden DM 3000.— jeweils mit einem Lebenslauf (beruflichem zur Verteilung gelangen. Werdegang) des Bewerbers, ferner mit Be- Als Kandidaten für den Leo-Baeck-Preis legen für bisherige oder geplante wissenkommen Personen in Frage, deren Forschaftliche Arbeit sowie mindestens mit drei schungsabsichten und Gesamtpersönlichj Referenzen versehen werden, keiten zu der Hoffnung berechtigen, daß sie Einsendungen mit dem Kennwort „Leo- Baecks Religiosität, Begeisterung und Gei-; Baeck-Preis“ sind mit eingeschriebenem steswissenschaft, Wohltätigkeit und Humani- Brief vor dem 15. Juli 1964 zu richten an den tat weitertragen. Der Preis soll der Ermutij Schriftführer des Preisrichterkollegiums für gung der Arbeit im Sinne von Leo Baeck j den Leo-Baeck-Preis Dr. Hans Lamm, dienen und ist vor allem als Mittel der | Zentralrat der Juden in Deutschland, 4 Düs- Studien- oder Forschungsförderung gedacht. seldorf-Nord, Fischerstraße 49. lerischen Genuß, wofür sein Name von vielen Kunstbeflissenen Europas und Amerikas bis heute in Ehren gehalten wird. Noch heute entzückt uns die Stimme Schmidts, die auf Platten gebannt, uns freudig erstrahlt: „Ein Lied geht um die Welt“, „Wenn du jung bist, gehört dir die Welt“, „Ein Stern fällt vom Himmel“, „Heute ist der schönste Tag meines Lebens“. Schmidt, der nun weltbekannte Sänger, ging oft auch auf Tournee ins Ausland, nach Übersee, wo er große Erfolge ernten konnte. Aber es zog ihn immer wieder I nach Rumänien, wo seine Mutter gelebt Ohne Rücksicht auf Bekenntnis oder! hat. Als die nazistische Nacht über Europa Nationalität können sich Personen um den | hereinbrach, geriet Joseph Schmidt in Not Leo-Baeck-Preis bewerben oder für ihn vor- 1 geschlagen werden und griff zum Wanderstab. Das Preisrichterkollegium wird vom Veri Auf seiner Wanderung erreichte der Sänger die neutrale Schweiz, wo er sich künstlerisch zu entfalten gedachte. Das Schicksal entschied gegen ihn und in der Schweiz fand sich niemand, der Schmidt die rettende Hand zu reichen in der Lage gewesen wäre. Den einst gefeierten Sänger steckten Schweizer Bürokraten in ein Flüchtlingslager, in dem Joseph Schmidt von Krankheit erfaßt, in Elend geriet und im Jahre 1942 im achtunddreißigsten Lebensjahr einem Herzschlag erlag. Bernhard Braver

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