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Die Stimme · 1964-03-01 · Heft 121 (März 1964) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1964
Issue
Heft 121 (März 1964)
Date
1964-03-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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EHE 4 i> I h SUMM! NUMMLR! Zur innenpolilisehen Lage Als loyale Österreicher wollen wir es nicht versäumen, zu den gegenwärtigen innenpolitischen Problemen unsere Stimme vernehmbar werden zu lassen. Kurz, herausgesagt: von einer sogenannten kleinen Koalition halten wir nichts; wenn es eine Partei nicht zuwege bringt, sich unmißverständlich von den Verbrechen der Vergangenheit des Dritten Reiches zu distanzieren, können wir in ihr keinen Partner für eine der beiden Großparteien erblicken. Auch für taktische Manöver scheint uns nicht Raum vorhanden. der sich moralisch rechtfertigen ließe. Man sagt uns Rachegelüste nach: wir haben sie nicht. Was wir aber nicht verheimlichen wollen sind: Reuegelüste (bei den anderen). Die Habsburgfrage konnte nur dadurch ihre große politische Bedeutung erlangen, daß in ihr große finanzielle Interessen verborgen liegen. So dürfte die Sehnsucht Ottos weniger seiner politischen Betätigung in Österreich gelten, als den großen Vermögenswerten der Habsburgerdynastie. Bei einigem guten Willen auf beiden Seiten hätte hingst eine Lösung gefunden werden müssen. statt durch umkreisen des heißen Breies, der doch einmal ausgelöffelt werden muß. die gesamte österreichische Wirtschaft durch Aufrechterhaltung einer latenten Krise dauernd zu schädigen. In Amerika fordern jüdische Organisationen eine Verlängerung der Verjährungsfrist für Naziverbrechen um weitere JO Jahre. Eine derartige Initiative sollte eigentlich von jenen ausgehen, die gezwungen sind, mit diesen Verbrechern zusammenzuleben und ihnen vielleicht täglich die Hand zu reichen. Zum Schluß ein ernstes Problem: Wie können wir uns bei Neuwahlen verhalten, wenn eben jene eingangs erwähnte neue Koalition zur Debatte stünde? Gibt es überhaupt für loyale österreichische Juden bei den bestehenden Parteiverhältnissen eine geeignete Ausweichmöglichkeit? Wir befürchten, daß dadurch viele unserer Leser eine wichtige staatsbürgerliche Pflicht, die Wahl, vernachlässigen könnten. DER BEGRIFF ÖSTERREICH? Es ist bemerkenswert, daß einige Vortragende der Urania-Reihe von deutschnationalistischen (in Österreich erscheinenden) (rJ(i(e DCoraHe Presseorganen angeflegelt und als „Retortenösterreicher" bezeichnet wurden, weil sie cs unternommen hatten. ..den nach 194 ä künstlich geschaffenen Begriff Österreich'' (wörtlich zitiert, die Red.) zu verteidigen. Der Direktion der Urania wurde von den gleichen Organen vorgeworfen, daß ihr Boden mißbraucht worden sei. Vertreter der gleichen, den tschnationalisti.sehen Richtung meldeten sich übrigens auch bei mehreren Vorträgen zu Wort und machten aus ihrer kaltschnäuzigen Verachtung für Österreich und für die Demokratie kein Hehl. Ilm Tiraden blieben allerdings nicht unwidersprochen. Mit Recht wies der Diskussionleitendarauf hin. daß manche der Diskmsionsteilnehmer mit einer begrüßensvertei Offenheit ihre Meinung geäußert hätten was allerdings eine Freiheit voraussetze, die ihren Gegnern, den Anhängern und Verteidigern Österreichs, von 1938 bis 1943 niehl zugestanden worden war. als das Regime dem die Deulsehnationalen nun naelnveinen an der Macht gewesen ist. Zum Auschwitz-Prozeß Tiiiieiicole mit dr, Ze,; schritten Es geht hier nicht um ..unbewältigle Vergangenheit“ und nicht; um unproduktiven Haß. Es geht um das Gedenken an die Millionen von Naziopfern und es geht um die Gerechtigkeit. Es geht darum, daß der Gerechtigkeit Genüge geschehe. Bloß darum, daß diejenigen, welche beispiellose Verbrechen begingen, niehl aus diesem Grunde straflos ausgehen. weil es ihnen 19 Jahre hindurch gelungen ist, sich zu verbergen oder weil sie die unvollkommene Rechtspflege der in den Kriegsjahren verübten Verbrechen wegen nicht verfolgte. Wir empfinden nicht deshalb Genugtuung, daß sich die Verbrecher auf der Anklagebank cinl'anden. Bei diesem Unmaß der von ihnen verübten Joseph Rosen s. A. Aus New York kam die traurige Nachricht, daß unser Gesinnungsgenosse Joseph Rosen im 7'2. Lebensjahr gestorben ist. Joseph Rosen hat es nicht allein bei der Begeisterung für den Zionismus bewenden lassen, sondern brachte für die Idee Opfer an Geld und Zeit. Als der Keren Kayemeth mit der Verbreitung seiner Sammelbüchsen begann, war Rosen Lehrling in einer Buchhandlung . Er vernachlässigte seine Lehrlingsstelle und widmete sich der Aufgabe, die Sammelbüchsen in jüdischen Wohnungen und Institutionen unterzubringen, womit er großen Erfolg hatte. Diese Mentalität. die er schon als Jugendlicher hatte, behielt er durch sein ganzes Leben. Bis zu seinem Tod war Rosen treu dem Allgemeinen Zionismus ergeben und hing mit allen Fasern seines Lebens an Israel. Ehre seinem Angedenken. Verbrechen ist solch eine Genugtuung unmöglich. Hier geht es um etwas anderes, es geht um die erzieherische Bedeutung dieser Aburteilung der Mensehenmörder. Es geht darum, der jungen Generation zum Bewußtsein zu bringen, daß kein Verbrechen straflos bleiben dürfe, es gehl darum, die Well noch einmal daran zu erinnern, was I Auschwitz war. wohin der Nazismus, woj hin der Krieg geführt hafte. j Durch die Angeklagtengruppe im Frank-; l'urter Prozeß sind alle Ableilungen der; SS-Verwaltung in Auschwitz vertreten. Der | Prozeß kann es an den Tag bringen, auf I welche Weise der menschenmörderische : Apparat des Nazismus in seiner Gesamtheit . und in einzelnen Fragmenten gewirkt halle. Er soll dies beweisen. Er soll ein Bild der objektiven, unverfälschten Wahrheit über! das KZ Auschwitz vermitteln. Er soll es nicht nur für die Geschichte vermitteln, sondern auch für die derzeit lebende Generation. In dieser Hinsicht kann das ubjek- | tive Gerichtsverfahren in dem viele Monate , dauernden Frankfurter Prozeß ebenfalls der Sache des Friedens dienen. KURAUFENTHALTE IN UNGARN Heilbäder qegen Her/krankheiton (oü'.n'.on fuiecl) qeejen Rheumatismus (Hovis) Fhcni'üibücler in Budapest (St Gellerlbad) Billige Hochsaison und Grupponpieiso Zahlreiche jüdische Gedenkstätten REISEBÜRO „IBUSZ", WIEN I, KÄRNTNER STRASSE 26 Telefon 52 42 08, 52 48 70

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