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Die Stimme · 1964-03-01 · Heft 121 (März 1964) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1964
Issue
Heft 121 (März 1964)
Date
1964-03-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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MUMM! E 1/ DIE STIMME SEIH. DIE BRÜCKE Fine Zeitbriickc von nicht ganz 36 Jahren (rennt uns vorn dritten Jahrtausend neuer Zeitrechnung. Sensible Geister, denen der Flügelschlag der Zukunft schon jetzt vernehmbar wird, stellen sich in ihren Handlungen darauf ein. Im politischen Heben haben gerade diejenigen, die das Steuerrad der Geschichte in Händen halten, die Zeichen der Zeit richtig zu deuten gewußt und entsprechend reagiert: So Präsident Kennedy mit Errichtung seines Friedenskorps, Ministerpräsident Chruschtschow durch seinen Abrüstungsvorschlag und Bundeskanzler Erhard durch sein Bemühen zur Befreiung des politischen Primats vom Fluch der Opportunität. Ähnlich ist die Reaktion auf rein geistigen Gebieten: zum Beispiel im Bereich des Religiösen: Papst Johannes XXIII. begann mit der geänderten Geisteshaltung j und Papst Paul VI. setzte die eingeschlagene Richtung fort. Man mag der Kirche atheistisch oder gläubig gegenüberstehen. In einem muß man I ihr zustimmen: Die Religion als Moral-] schule anzuerkennen, die erst den Menschen aus der Primitivität des Lebens herausi hebt. Die eingeleiteten Kontakte mit den j Ländern des Ostens sind die sichtbaren,' kirchenpolitischen Folgen des geänderten,; geistigen Standpunktes. Nun dringt aus Amerika eine jüdische Stimme in die Welt, die von unserem Standpunkt aus, zu diesem weltumspannenden Richtungswechsel Stellung nimmt: Oberrabbiner Eisendraht, als Präsident der amerikanischen Union hebräischer Gemeinden, hat auf dem Unions-Kongreß seine Stimme erhoben und erklärt, auch die Juden müßten ihre Einstellung Jesus gegenüber ändern. Eine derartige Änderung ist Sache jedes einzelnen Juden (nicht nur der amerikanischen), der an eine geistige zukünftige Neuordnung glaubt, deshalb seien hiezu einige Bemerkungen von jüdischer Sicht eines Österreichers erlaubt. Die fundamentalen, begrifflichen Unterschiede in den bisherigen religiösen Überlegungen von Juden und Christen lageh in zwei, scheinbar unversöhnlichen, Standpunkten: Bei den Juden war es das Axiom „Auserwähltheit des jüdischen Volkes“, bei den Christen die „menschliche Inkarnation Gottes in Jesus Christus“. Bei analytischer, den logischen Denkgesetzen vollkommen entsprechender Betrachtung gelangen wir zu folgenden Erwägungen: Gab es vor fünf Jahrtausenden ein anderes, bekanntes Volk, das geistig aufgeschlossen genug war, die Lehre vom einzigen Gott und seiner zehn Gebote aufzimehmen? Damit wäre die damals ausgesprochene Auserwähltheit zu begründen. 3000 Jahre später wird nun ein neuer jüdischer Prophet vom Gedanken erleuchtet. auch die übrige Welt könne der religiösen Moralsehule eingegliedert werden. Dies widersprach jedoch dem Gesetz von der Auserwähltheit des jüdischen Volkes und so mußte ein neuer Weg beschritten werden, jener der Taufe. Es war damals ein abenteuerlicher Weg, den wahrlich nur ein gottgesandter Prophet zu Ende gehen konnte, der jedoch schließlich auch dem jüdischen Volke angehörte. War es nun den damaligen Wortführern und Priestern der Juden zu verargen, daß sie in der Loslösung von der Jahrtausende alten Lehre einen religiösen Verstoß erblickten? Jesus nahm dies wohl bewußt auf sich, in Würdigung der Prophezeiung Jesaias: in einem Deiner Söhne wird ein. von der ganzen Welt Geheiligter erstehen! So wird uns folgende Sicht offenbar: auf der einen Seite ein kleines, in seinem Glauben glückliches und vom höheren Wert der eigenen Religion überzeugtes Volk, das sich innerhalb seines orthodoxen Sektors im Scheine immerwährender Auserwähltheit sonnt, auf der anderen Seite die Bemühung zum Erlösertum auch für die übrige Welt, ungeachtet der sich nun zwangsläufig auftuenden, tragischen Gegensätze. So gesehen, bleibt heute wenig Raum für ein unüberbrückbares Mißtrauen oder gar Haß; die Grundsätze beider Religionen schon schließen dies für jeden echten Gläubigen aus. I Ein verheißungsvolles Zeichen bot auch die . brüderliche Geste des orthodoxen Kirchenfürsten Athanagoras, der ungeachtet aller Widerstände in eigenen Reihen, den stör- ] rischen Priestern vor zweitausend Jahren ) vergleichbar, den Bruder in Christo Papst I Paul VI. auf dem Heiligen Boden der Bibel j küßte.! Wenn es aber auch noch einen klaren! Ausschlag der Bedeutung Jesus für das | Judentum zu beweisen gibt, so sei jene an- [ dere Alternative zur Schau gestellt, die zu I erwarten war, wenn es die christliche Lehre i durch ihn nicht gegeben hätte: j Inmitten einer Welt von Heiden aller Hautfarben, ein kleines, der Thora treues Volk, schon deswegen aller Gehässigkeit und Feindschaft unterworfen und. wohl jenem Martyrium ausgesetzt, das schließlich von einem seiner Söhne getragen werden! mußte. Ing. Albert Welt Isead-AfoHd Kürzlich strahlte der österreichische Rundfunk über alle österreichischen Sender ein Programm unter dem Titel „Israel- Abend“ aus. Wir verzeichnen dies als österreichischen Beitrag zur nationalen Kultur Israels und zollen dem österreichischen Rundfunk Anerkennung. BANK K. G. WINTER & CO Simon Moskovics Durchführung sämtlicher Bankgeschäfte WIEN I, Singerstraße 2 Telefon 52 22 64 - 52 19 22 Telex 2462 - Cable: Simone

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