Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1964
- Issue
- Heft 120 (Februar 1964)
- Date
- 1964-02-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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NUMMFR VA) DIE STIMME SEITE / NEUARTIGE METHODE ZUR BODEN¬ GEWINNUNG BEI EN GEDI ERPROBT Eine neuartige Methode, landwirtschaftlichen Boden zu gewinnen, wird gegenwärtig vom Keren Kayemeth Leisrael bei Fn Gedi am Toten Meer ausprobiert. Winterliche Flutwasser werden auf mehr oder weniger flache, aber völlig kahle Felsen gelenkt, wo sie mitgeschwemmten Boden ablagern. Dieser Versuch gründet sich auf ein System der Nabataeer, die im Altertum den Negev bewohnten. Bisher ist eine Fläche von 5 Dunam cingezäumt und mit Wasser einmal überflutet worden. Nachdem das Wasser ablief, blieb eine 15 cm dicke, fruchtbare Bodenschicht zurück. Experten glauben, daß der Boden eine Tiefe von mindestens einem halben Meter erreicht haben muß, damit auf ihm Gemüse angesät werden können. Jetzt bereitet der Keren Kayemeth die Wiederholung des Experiments auf einer 50 Dunam großen Fläche vor, die im Delta des Nachal Arugot, südlich von En Gedi, gelegen ist. Die Fachleute hoffen, daß auf diese Weise sich die Kosten der Urbarmachung an solchen Orten radikal senken lassen, wenn sowohl die Räumung schwerer Felsen von dem Gelände wie die Verhütung zerstörerischer Fluten überflüssig wird. ESBME& SEIFERT HERREN-, KNABEN- UND KINDERKLEIDER EN GROS Wiener Judenscboii 1964 WIEN II, DONAUSTRASSE 87 Der Präsident des Zionistischen Landesverbandes in Österreich, Dr. Ernst Brande, wurde in einer stattgehabten Konstituierenden Sitzung einhellig zum Vizepräsidenten des Bundesverbandes der Israelitischen Kultusgemoinden gewählt, während das Mandat des Präsidenten dieser Institution der jeweilige Präsident der Wiener Kultusgemeinde innehat. Ist es Zufall oder hat es einen andern j Grund. In den letzten Monaten interessiert;man siet) in den österreichischen Zeitungen lin Wien und in der Provinz, für die österreichischen Juden der Jetztzeit. In dev im allgemeinen auf hohem Niveau stehenden und sehr gut redigierten Wochenschrift „Die Furche1', die oft jüdische Themen wohlwollend behandelt hat, erschien in der Nummer 5 eine Reportage mit dem Titel ,.W i e n s J u d e n s e h a f t 1964“. Der flinke Reporter packte das Problem der 15.000? hier lebenden Exoten, — den Eindruck macht der Artikel — von einigen Punkten aus energisch an. Er sprach mit Vertretern der Israelitischen Kultusgemeinde, der Zionistischen Förderation, besuchte zwecks unmittelbarer Wahrnehmung das Restaurant Weihburg, den Jugendklub der „Misrachi“ und das Geschäftsviertel der Judengasse. Wir kennen ihn nicht, aber er scheint ein junger Mensch zu sein, der die Juden erst jetzt kennen lernen will. Über manches hat er direkt gestaunt. Daß es in einem jüdischen Restaurant so exotische Speisen gibt, wie Apfelstrudel, Fritattensuppe, Rindfleisch, Brathuhn, Plaumenkompott — die ganze Speisenkarte zählt er auf vor lauter Verwunderung. Was hat er denn vorher gedacht? Daß die Juden ausschließlich von Himmelsmannah leben? Naiv ist er auch in der Beschreibung der heutigen Judengasse. Die heutige Judengasse hat nämlich die Merkwürdigkeit, daß die meisten der Geschäftsleute gar keine Juden sind. Die heutige Judengasse lebt tatsächlich von dem alten Namen und die Geschäfte sind eigener Art. Erstens unterscheiden sie sich von denen der Vorkriegs-Judengasse dadurch, daß damals hier vorwiegend Gebrauchtwaren verkauft wurden, während es heute ausschließlich neue Sachen gibt. Auch die Läden sind zum größten Teil renoviert und modern. Aber eines ist unverändert wie früher: Die Waren sind hier billig. Modern und billig. Qualitativ, so wie mans trifft: manchmal auch ganz erstklassig. Daß am Samstag vormittags die Mopeds des halbwüchsigen Wiens hier knattern, wie er schreibt, kann durchaus stimmen, denn die Geschäfte führen größtenteils Sportkleidung. Der Reporter irrt aber nicht nur in dieser unerheblichen Sache, sondern in einer tiefgreifenden Frage: die Kultusgemeinden, nicht nur in Österreich, sondern >n der ganzen Welt, sind dazu geschaffen worden, um den Kultus, das heißt Religion und Prophetische | Lehren sowie sonstige jüdische Uberliefe-! rungen zu pflegen, zu betreuen und wohltätig zu wirken. Das ist das Wesen einer ' Kultusgemeinde. Die Behauptung, die Kultusgemeinde sei keine Institution wie die Kirche, kann bedingt gelten. Es ist absolut unverständlich, warum man dieses Problem, wenn es schon auf die Tagesordnung gebracht wurde, so aufzäumt — hie Kirche, hie Kultusgemeinde. Vollständig unverständlich ist die Behauptung, die Kultusgemeinde sein eine „Orts¬ ()(i{e DCßt'alle das Familiencafe mit den tausend Zeitschriften gebundene Institution, die die Interessen der Kultussteuerzahler vor den einzelnen Regierungen vertritt“. Das ist eine Verzerrung der tatsächlichen Situation. Die österreichischen Juden sind Staatsbürger, wie alle anderen Österreicher, genießen dieselben Rechte und tragen die gleichen Pflichten wie sie. Es würde uns zum Schaden gereichen, wenn wir, vom Gesetz abweichend, uns als gesonderte Gruppe erklären würden und unsere politischen Interessen ausschließlich von der Kultusgemeinde vertreten ließen. So einfach ist die Lage der Juden in Österreich denn doch nicht, wie sie der fragliche Artikel zeichnet. Das Ziel nach Israel zu gehen haben natürlich viele nationalbewußte Juden. Aber die Ansicht, daß die hier verbliebenen Juden die Wahrung ihrer politischen Interessen der Kultusstube überlassen, ist irrig, was evident ist. Nach unserer Katastrophe hat die Kultusgemeinde ohne Zweifel zwar gewisse wirtschaftspolitische Funktionen übernommen, denen sie obliegen muß und auch obliegt. Das Statut der Kultusgemeinde stipuliert diese Pflichten allerdings nicht. Zu verwundern ist, daß das Wiener Rabbinat, das als wichtige Instanz berufen wäre, hier seinen Standpunkt darzulegen, in der Reportage der „Furche“ vollkommen negligiert wird. Esriel Seifert. WIENER INTERNATIONALE MESSE WIENER INTERNATIONALE MESSE WIENER INTERNATIONALE MESSE WIENER INTERNATIONALE MESSE 15. - 22. März 1964