Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1964
- Issue
- Heft 120 (Februar 1964)
- Date
- 1964-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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SEITE 4 DIE STIMME NUMMER 1SI) Milliardenkonti der Naziraffer in die moralische Untiefe gezogen hat." Das Stück beinhaltet noch anderes, als die Stellung des Vatikans in der Nazizeit. Es zeigt die Hitlerschergen im ..Betrieb". Mit grauenhafter Realistik - wie konnte der dreiunddreißig.jährige Hochhuth. der aus der nächsten Generation stammt, das nur nachkonstruieren sehen wir die Aushebung einer jüdischen Familie sowie die ..Formalitäten" bei ihrer Verschickung, wobei Theresienstadt noch eine „Bevorzugung" iur Kriegsteilnehmer aus dem ersten Weltkrieg ist. Diese Bevorzugung bedeutete Lüge, Betrug. Seuchen und Tod! Auch das Privatleben der Hülle wird vor uns aufgerollt. Im zweiten Bild. dem Jägerkeller, sehen wir die Teufel unter sich, ihre Freizeitgestaltung. ihren ins Wahnsinnige gesteigerten Zynismus, ihre Obszönität. Sie werden dargestell't, wie sie alle Tage leben und sieh unterhalten zu der Zeit, da sie lachend Menschen vergasten, erschlugen und Europa in den Abgrund trieben. Im März werden die Schweizer Banken auf Grund eines Gesetzes genötigt sein, das Geheimnis jener Konten in Höhe von etwa 25 Milliarden Schilling zu lüften, die Nazi vor und während des Krieges angelegt haben. Es handelt sich um Bargeld, Gold und Wertpapiere. Die Schweizer Konten spielten eine große Rolle in der Toplitzseeaffäre. Es hieß, daß die Beträge unter Decknamen und verschiedenen Kennworten für Nazigrößen eingelegt wurden. Es seien jeweils zwei oder drei bestimmte Abheber nötig, um die Beträge frei zu machen. Die Liste dieser Zweier -und Dreiergruppen sei auf dem Grund des Toplitzsee verborgen. ■ Der Run auf den Toplitzsee im Sommer j vorigen Jahres begann unter anderem 1 deshalb, weil die Frist für die Konten im Frühjahr 1964 abläuft. : Nach einer anderen Version soll es sich um Vermögen handeln, die von Nazigrößen in den letzten Tagen des Nazi- Weltkrieges in die Schweiz verschoben wurden. Inzwischen hat sich auch der Schweizer Bundesrat mit den herrenlosen Konten beschäftigt. Er nahm ein Gesetz an, das den Banken vom September 1963 an gerechnet sechs Monate Zeit gibt, die Namen der Depositäre der fraglichen Vermögenswerte bekanntzugeben. Diese Frist läuft nun am 29. Februar ab. Die Erben werden innerhalb von zwei Jahren Gelegenheit haben, ihre Rechte geltend zu machen, und die Schweizer Bundesregierung hat ihrerseits angeordnet, daß die Suche nach Anspruchsberechtigten von Amts wegen aufgenommen wird. Das nicht reklamierte Vermögen soll einem Sonderfonds tiberwiesen werden, der für politische und rassische Flüchtlinge bestimmt ist. ÖSTERREICHISCHE NOTENBANK IST OPTIMISTISCH Heuß: Die Zierde des deutschen Volkes AN UND ÜBER JUDEN — Aus den Schriften und Reden, zusammengestellt und herausgegeben von Hans Lamm — Mit einer Einleitung von Karl Marx, Verleger und Chefredakteur der „Allgemeinen" in Düsseldorf. (Econ-Verlag GmbH., Düsseldorf-Wien, 4000, Düsseldorf, Postf. 1102.) Dieser — als Gabe zum 80. Geburtstag von Theodor Heuß gedachte und nun zur Gedenkschrift gewordene — Band ist eine Zusammenstellung der schriftlichen und mündlichen Äußerungen des verstorbenen deutschen Altbundespräsidenten an und über Juden von 1906 bis 1963. Er bringt Beiträge über Heinrich Heine, über Marx und Rathenau, die er bewunderte, Preuß und Liebermann, die er schätzte, Ludwig Frank, Ludwig Haas und Otto Hirsch, die er liebte. Über sie äußerte er sich oft und gerne. Er beschäftigte sich mit ihnen, weil sie ihn als Persönlichkeiten interessierten. So schrieb er z. B. über Marx und Liebermann noch nach der „Machtergreifung" der Nazi ganz so. als ob diese nicht gewesen wären. Offiziell hat Theodor Heuß bis 1945 fast nie zu jüdischen Themen Stellung genommen. Nach dem Hitler-Verbrechen, als er als höchster Repräsentant des freien Deutschlands zum beredten Gewissen dieses Landes wurde, empfand er die moralische Verpflichtung, über jüdische Dinge und über .jüdische Menschen zu sprechen. Laut und kompromißlos äußerte er sich damals über die NS-Verbrechen an Millionen Juden, sei es 1952 in seiner programmatischen Rede zu Wiesbaden oder als er in Bergen-Belsen die Last der Kollektivscham auf seine Schultern nahm. Er tat dies aber weniger als Staatsoberhaupt, eher aus dem Wunsche heraus, gegen das Vergessen und für den ,.M u t zur Liebe" seine Stimme zu erheben. Nicht als Präzeptor Germaniae sprach , er zu Juden und Christen, sondern als einer, dessen Liberalismus von 1848 herkam und dessen Humanismus noch weiter zurück 'reichte. Neben diesen großen Reden, die im gesamten Ausland beachtet und als Beweis i für einen wahrhaftigen Willen der deutschen -Einkehr anerkannt wurden, bringt der Band j auch viele, bisher noch unveröffentlichte Aufsätze, Grußworte, Interviews und perisünliche Briefe an jüdische Organisationen und Privatleute. i Aus allem, was Theodor Heuß zum Thc-! menkreis Juden, Judentum und Israel zu! sagen hatte, klingt die Bejahung des Menj sehen und Mitmenschen. Denn für ihn waren die Juden nie Fremde. i Die erhabene Größe dieses Menschen, der; der Nachwelt nicht verloren gehen wird, | darf mit Worten Goethes charakterisiert i werden: „Die Stätte, die ein guter Mensch j betrat, ist eingeweiht“. Bei der Weihe des Gedächtnismahnmals für die Opfer des Ver-! nichtungslagers von Bergen-Belsen, sprach iHeuß: „Wer hier als Deutscher spricht, muß J sich die innere Freiheit Zutrauen, die volle | Grausamkeit der Verbrechen, die hier von | Deutschen begangen wurden, zu erkennen. Wer sie beschönigen oder bagatellisieren wollte oder gar mit der Berufung auf den irregegungenen Gebrauch der sogenannten „Staatsraison“ begründen wollte, der würde nur frech sein." Braver. Recht optimistisch beurteilt die österreichische Nationalbank die wirtschaftlichen Aussichten des Landes für 1964. Das österreichische Noteninstitut hält die Ausgangspositionen Österreichs für die in diesem Jahr in ein konkretes Stadium tretenden Gespräche über ein Arrangement mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) für gut. Die durch die anhaltende Vollbeschäftigung und den hohen Stand der Masseneinkommen genährte Konsumgüternachfrage übt nach wie vor kräftige Impulse aus und überdeckt die bei manchen Grundstoff- und Investitionsgüterindustrien anhaltenden Schwächen. Im Bereich der Außenwirtschaft wirkte sich die durch den kräftigen Herbstaufschwung in einigen Industriestaaten hervorgerufene Belebung der Fixporte vorteilhaft aus. Die Nationalbank stellt ferner fest, daß gegen Jahresende zwar die Preisauftriebstendenzen infolge der Hinaufsetzung einiger geregelter Preise stärker geworden sind, jedoch sei mit stärkeren Preisregulierungen in der nächsten Zeit nicht mehr zu rechnen. Von der Einkommensseite, bei der die Aktivität im Jahre 1963 später als sonst zur Ruhe kam, sind nach Ansicht des Instituts in der nächsten Zeit gleichfalls keine besonderen Störungen zu befürchten, so daß eine Beruhigung der Preis-Lohn-Bewegung zu erwarten sei. Die währungspolitische Entwicklung Österreichs war gegen Jahresende durch eine saisonmäßige Abschwächung bei den Einlagen sowie durch eine neuerlich wieder kräftige Kreditexpansion gekennzeichnet. Trotzdem sind die Liquiditätsüberschüsse bei den Kreditinstituten insgesamt noch sehr hoch.