Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1964
- Issue
- Heft 120 (Februar 1964)
- Date
- 1964-02-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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NUMMER 120 DIE STIMME SEITE 3 Die Dlsiuisslon um den „Stelluenreter" ,Was wäre gewesen wenn . . .?" für „Heilige“, nicht nur für Ausnahmsmenschen! 9) Sie fragen nach Persönlichkeiten, welche zur jüdisch-christlichen Verständigung beigetragen haben. Ich möchte auf katholischer Seite vor allem den „Freiburger Rundbrief zur Förderung der Freundschaft zwischen dem Alten und dem Neuen Gottesvolk“ erwähnen, den Frau Dr. Gertrud Luckner nun schon im 15. Jahrgang herausgibt, auf protestantischer Seite die ökumenischen Marienschwestern in Darmstadt und Jerusalem und deren „Mutter“ Basilea Schiink, die Verfasserin des großartigen Büchleins „Die Stunde des Messias“. In Israel will ich keine Namen nennen, sondern Institutionen. Zunächst negativ: Der unselige Konflikt mit der Mission im letzten Herbst hat gezeigt, wie sehr das Wirken der christlichen Missionen in Israel dem Verständigungswillen abträglich ist. - Und nun positiv: Ich nenne die Zeitschrift für Vertiefung des religiösen Denkens „Prosdor“ (Tel-Aviv) und die religiöse Vereinigung „Amana“ (Jerusalem). Sie bezeichnet sich so im Anschluß an Nehemia, Kap. 10, Vers. 1. Diese Institutionen treten für eine Verständigung zwischen den Religionen ein. Von größter Bedeutung ist auch die religionswissenschaftliche Abteilung der Hebräischen Universität, in welcher die Geschichte des Christentums gelehrt und das Neue Testament, unter Heranziehung seiner jüdischen Quellen, ohne kleinliche Apologetik unterrichtet wird. Am Unterricht, der naturgemäß in hebräischer Sprache stattfindet, nehmen auch christliche Theologen und Nonnen teil. Der israelische Student ist offen für ein neues Verständnis des Christentums, ohne Mission, die ihn nur abstößt. Die Errichtung des Staates Israel eröffnet auch unter diesem Gesichtspunkt neue Horizonte. HUGO BERGMANN BOTSCHAFTER ENGLANDS UND DER USSR BEI AUSSENMINISTER MEIR Außenminister Frau Golda Meir empfing die Botschafter Großbritanniens, Sir John Beith und der Sowjetunion Michael Bodrow. Mit jedem der Botschafter konferierte Außenminister Meir etwa eine Stunde lang. Man nimmt in Jerusalem an, daß sie mit den beiden Botschaftern über die israelische Landes-Wasserleitung und die gegen dieses Werk gerichtete arabische Propaganda sprach und den israelischen Standpunkt klarmachte. Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Zionistischer Landesverband in Österreich, Wien IX, Universitätsstraße 4/4. Chefredakteur: Bernhard Braver. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Hansi Berger. Beide Wien IX, Universitätsstraße 4/4. Druck: A. Luigard, Wien VIII, Pfeilgasse 35. Die dritte Vorstellung des vieldiskutierten Dramas zeigte schon ein anderes Bild. Diejenigen, die lautstark protestieren wollten, haben das in den ersten beiden Vorstellungen getan. Bei der dritten Vorstellung, die ebenfalls vollständig ausverkauft war, wurden zwar draußen vor Beginn noch die bekannten Flugblätter jedem Besucher in die Hand gedrückt, drinnen aber saß ein Publikum, das sich fühlbar der Schwere der Probleme bewußt war, welche, man mag mit der Tendenz des Stückes übereinstimmen oder nicht, auf keinen Fall durch Radau zu lösen sind. Die Frage: „Was wäre gewesen wenn?“ ist im nachhinein nicht beweisbar zu beantworten, außerdem soll die Debatte nicht das Ziel haben, die millionenfache Blutschuld des Naziregimes an den Juden auf ein Nebengeleise abzuschieben, was der Autor auch bestimmt nicht wollte. Das Volkstheater in Wien aber hat, indem es Hochhuts „Stellvertreter“ auf die Bühne brachte, in fast alle Kreise einen Funken getragen, der Gemüter entzündete, Diskussionen auslöste, das Gewissen wachrief und organisierte Demonstrationen vor dem und im Theater auflodern ließ. Beschämend, daß Nazi, programmgemäß, antisemitische Briefe an den Direktor L. Epp richteten, obgleich die Drahtzieher der Demonstration dem katholischen Kreis angehören und nicht die Absicht hegten, einen Betrug durch Judenhetze zu begehen. Wer waren die Radaubrüder, die gegen den „Stellvertreter“ im Volkstheater randalierten? Nazi, die sich im Geiste Hitlers auf Dschungelpfaden bewegen, Verbrechen aus Leidenschaft begehen und darauf bedacht sind, eine beklemmende soziale Atmosphäre zu schaffen. Nazi suchen überall Gelegenheit den Juden zu besudeln. Was ist eigentlich die Tendenz des Dramas „Der Stellvertreter“? Es zeigt auf, daß in der grauenhaften Zeit der nazistischen Verbrechen nicht nur ein Großteil der Menschen, sondern auch alle Instanzen politischer und religiöser Natur ihrer humanen Pflicht nicht entsprachen. Hochhuth wählt den Pontifex maximus Pius XII., dem es auferlegt war, in jener finsteren Zeit Stellvertreter Christi auf Erden zu sein. Hochhuth wählt Pius XII. als Stellvertreter aller derer, die aus vielen Gründen, in der Zeit der größten Not der Juden, versagt haben. Es ist der Sinn dieses Dramas, das Versagen vieler, vieler Menschen aufzuzeigen, zu brandmarken, auf die Bühne zu stellen und eine weltweite Diskussion über dieses Thema zu eröffnen. Hochhuth verknüpft das verbrecherische Prinzip mit dem entsetzlichen Mordgeschehen und lüftet den Vorhang, hinter dem die nazistische Bestie auf Profit, zu Lasten ihrer Sklaven, lauert. Es tauchen in unserer Erinnerung die Worte Karl Kraus’ auf, die er schrieb, als die Nazi in Deutschland zur Macht kamen: „Ich verzeichne den Verlust BANK K. G. WINTER & (0 Simon Moskovics Durchführung sämtlicher Bankgeschäfte WIEN I, Singerstraße 2 Telefon 52 22 64 - 52 19 22 Telex 2462 - Cable: Simone