Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1961
- Issue
- Heft 117 (September 1961)
- Date
- 1961-09-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1)11 STIMMT September 1061 Erste Bilanz der Wahlen in Israel Der Schlachtenlänu de- Wahlkampfes ist verhallt. Tau um Tau verschwinden von ( (! u Plakatsaulen die Buchstaben. die un- ■ ser politisches Alphabet bilden. Langsam | beruhigen sieh die Gemüter. Hie Körperj sehaften der Parteien treten uisammm und analysieren die Ergebnisse. Die Diskussionen wenden sich der Frage 7.u: was nun weiter? Kurz, die Wahlen zur fünften Knesseth sind vorüber Was haben die Wahlen uns wirklich gebracht? Ben Gurion. kein Meister des un - oerstatements. explodierte sofort nach der ersten Nachricht: ..Eine nationale Katastrophe: Und ein glänzender Sieg für die Mapai:" Beide Feststellungen sind unberechtigt. Weit und breit ist keine nationale Katastrophe sichtbar, und wenn die Mapai 5 Prozent der Stimmen verloren hat, so kann dies gewiß nicht in einen Sieg umgedeutet werden. Noch niemals hat die Mapai in eitlem Wahlkampf so viele Kräfte und so viele Geldmittel eingesetzt, wie in diesem, noch niemals solchen Druck ausgeiibt. wie in diesem Wahlkampf. Sie woll- 3)r. flahum Ooldmann (Fortsetzung von Seite 1) wartete Stimmenzuwachs der Mapai zwar sehr günstig für diese, aber weniger gut für die Demokratie in Israel sei. weil er den Abstand zwischen der Mapai und ih- I rer unumstrittenen Macht einerseits und | den übrigen Gruppen andererseits vergrößert und das Entstehen einer Alternativpartc-i erschwert habe. Es mag naiv von mir gewesen sein, zu glauben, daß zum mindestens jene Mapai- Führer, die solche Anschauungen mir gegenüber geäußert haben, nicht mit solcher Bitterkeit und Feindschaft auf die Gründung der Liberalen Partei reagieren würden, wie sie es getan haben. Ich habe bestimmt nicht erwartet, daß die Männer der Mapai die Wähler beschwören würden, ihre Stimme den Liberalen zu geben und nicht der Mapai, aber es gibt schließlich Unterschiede zwischen Pnlem.k und Polemik. Es ist durchaus in Ordnung, daß ein Redner der Mapai erklärt, warum seiner Meinung nach die Mapai den Liberalen vorzuziehen sei; aber ich bedauere es aufs tiefste, wenn man in seinen Angriffen soweit geht, den liberalen Charakter der Partei in Abrede zu stellen, sie als reaktionäre Gruppe, die die Interessen des Großbürgertums vertritt, brandmarkt und ihre Bedeutung und ihren Einfluß bezweifelt. Das gereicht weder den Vertretern der i Mapai noch dieser selbst zur Ehre. Die Liberalen als eine Partei von Reaktionären hinzustellen, die deren eng: Interessen vertritt, ist unanständig und entbehrt jeder Grundlage. Ich hoffe, daß die israelische Oeffentlichkeit den Führern der Liberalen Partei das Vertrauen entgegenbringen wird, daß sie mit inrem Rekord an Diensten für das allgemein: Wohl und ihrem Verständnis für die gesellschaftlichen Probleme sie nicht plötzlich täuschen und sich in Verteidiger enger kapitalistischer Interessen verwandeln werden. Mapai, die sich gemäß ihrem Namen, ihrem Inhalt, und ihrer Vergangenheit als Arbeiterpartei deklariert hat — war durchaus berechtigt ist — sollte die letzte sein, solche Beschuldigungen gegen die Liberale Partei zu richten, die weder wünscht noch behauptet, irgend eine bestimmte Gruppe oder Schicht zu vertreten, sondern die allgemeinen Interessen des Landes. Ich bin überzeugt, daß die Liberale Partei neue Gedanken, einer starke Initiative und eine visionäre Außenpolitik fördern wird, während Mapai dem ,,Status quo“ und unfruchtbarem Konservatismus verhaftet ist.!.- m durch einen Mauzenden Sieg den inneren Biß um die Affäre Laven verkleistern und vergC'Sen machen. Wir legen uns die Frage vor. was geschehen wäre, wenn die Mapai nicht ihre letztem Kräfte eingesetzt hätte. Sich r hätte sie dann schwerere Wunden davongetragen. Zu Unrecht wurde in den bisherigen Analysen Uheruth als die Siegerin des Wahlkampfes bezeichnet. Wir sehen keinerlei Grund dafür. Die Partei hat ihren Besitzstand behauptet, obwohl sie von keiner ihr r Konkurrenten angegriffen worden ist. Sowohl rlie Mapai als die Liberalen haben sich nicht mit Cheruth auseinandergesetzt, während umgekehrt diese Partei die anderen Parteien schärfstens angegriffen hat. Wahrscheinlich war dies ein schwerer taktischer Fehler, der Cheruth zugute gekommen ist. Wie haben wir. die Liberalen, den schweren Wahlkampf überstanden? Die Partei, die wenige Monate zuvor gegründet worden ist. ist mit einem erheblichen Kräftezuwachs aus dem schweren Ringen hervorgegangen. Die Partei hatte ja zwei Aufgaben zugleich zu erfüllen: aus zwei alten politischen Gruppen eine neue politische Kraft zu schaffen und zugleich damit einen Wahlkampf, einen der schwersten in der Geschichte unseres neuen Staates zu führen. Sie hatte daher nicht den Vorteil der anderen Parteien, im Besitze eines einheitlichen Beamtenapparates zu sein. Der Zeitpunkt der Wahlen war denkbar ungünstig. Ein Wahlkampf am 15. August kann ohne Zögern als ein Angriff auf die Volksgesundheit bezeichnet werden. Der General Sommer in Israel ist ein schlimmerer Feind, als selbst der General Winter in Rußland, der schon viele Diktaturen besiegt hat. Nach den Worten von Dr. Rimalt hat General Sommer viele Tausende von Israelis in die Flucht geschlagen. Ganze Mandate, die der Liberalen Partei gehören, liegen auf den grünen Matten der Schweiz, fahren auf den Grachten von Amsterdam und auf dsn Wassern der Themse. Wenn es die Möglichkeit gegeben hat, die Wahlen auch im Herbst abzuhalten, so haben diejenigen geirrt, die den 15. August vorgezogen haben. Die Affäre La von war auch so nicht ganz vergessen, wie die Wahlergebnisse zeigen, und der Wahlkampf auch im Herbst hätte sie in Erinnerung bringen können. So gesehen, hat die neue Partei einen beträchtlichen Erfolg davongetragen. Sie hat ihre parlamentarische Stärke vermehrt, wenn wir von dem politischen Besitzstand ihrer beiden Vorgängerinnen ausgehen. Sie hat in dem Ringen der Wahlen sich ein neues politisches Programm geschaffen, eine eigene politische, wirtschaftspolitische, sozialpolitische Ideologie, und das ist ein wichtiges Gut für eine zukunftreiche politische Gruppe. Es gibt nicht wenig Liberale, die einen gewaltigen Zuwachs an liberalen Mandaten erwartet hatten. Wer so dachte und träumte, der kennt nicht die Bewegung- und Entwicklungsgesetze von politischem! Parteien. Ein neues politisches Lager, das an die Stärkt' der Mapai heranreicht, wird nicht in wenigen Monaten aufgebaut. Es ist vielmehr die Frucht einer mühseligen politischen Arbeit, meistens Kleinarbeit, von viel n Jahren. Es gilt nicht nur. den organisatorischen Rahmen zu schaffen, sondern ihn mit Inhalt, mit politischem Inhalt zu füllen. Es gilt, sich eine große Klientel zu schaffen, soziale und berufliche Gruppen zu gewinnen und einzugliedern; einen Stab von fähigen Mitarbeitern horanzuziehen. Es gilt, eine hochstehende politische Diskussion in Gang zu setzen und ständig zu nähren, deren Niveau geeignet ist. neue Kräfte anzuziehen. Dies ist nicht eine Aufgabe für wenige Monate, sondern ist auf Jahre berechnet und ausgerichtet. Gehen wir jetzt mit neuen Kräften und geldlichen Mitteln an diese Aufgabe heran, so haben diejenigen, die eine viel größere Mandatsziffer erwarteten, alle Aussicht, bei kommenden Wahlen ihre Erwartungen erfüllt zu sehen. Die Reaktion der Massen auf den Wahlausgang ist instinktsicher. Sofort nach dem Abschluß der Wahlen ist. die Leitung der Cheruth-Partei mit der Parteileitung der Liberalen in Verbindung getreten, um die Schaffung eines parlamentarischen Blocks der beiden Parteien zu erörtern. Mit Recht hat die Parteileitung der Liberalen jede Erörterung hierüber zurückgewiesen, solange nicht die amtlichen Wahlergebnisse vorliegen und Parteikörperschaften die Wahlergebnisse geprüft und analysiert haben. Uns scheint aber, daß der Gedanke keine Aussicht für eine Realisierung hat. Die beiden Parteien sind aus völlig verschiedenen Wurzeln erwachsen, aus gänzlich anderen Ideenkreisen und haben so verschiedene Werte, daß eine Aktionsgemeinschaft uns nicht möglich zu sein scheint. Es ist zu früh, um heute schon die Frage der Koalition und unserer Beteiligung an ihr gründlich zu erörtern. Unsere prinzipielle Einstellung steht fest: nur dann werden wir in eine Koalitionsregierung eintreten, wenn uns das erforderliche Maß an Einfluß gesichert ist. Wir denken an einen doppelten Einfluß: auf die Gestaltung des Regierungsprogrammes und auf die Art der Regierungsämter, deren Verwaltung uns anvertraut werden soll. Beides ist gleich wichtig. Auf beiden Gebieten werden wir Mindestbedingungen zu stellen haben, ohne deren Erfüllung wir nicht zur Mitarbeit bereit sind. Die Liberale Partei würde also einen katastrophalen Fehler begehen, wenn sie in eine Regierung eintritt, in welcher ihr kein maßgebender Einfluß auf den Gang der Dinge gesichert ist. Sie würde damit sehr viele Anhänger verlieren, die ihr diesmal Kredit gegeben haben. Mit großer Genugtuung erfüllt uns die Tatsache, daß viele Zehntausende uns bei diesen Wahlen ihre Stimme gegeben haben. Die Wahlen sind zwar geheim, der Ursprung der Stimmzettel daher unbekannt, aller trotzdem kann man aus geographischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten seine Schlüsse ziehen. Besonders erfreulich erscheint es uns, daß dieses Mal unsere junge Generation für die neue Partei gestimmt hat. Der alte Kampf zwischen Vätern und Söhnen hat in diesem Wahlkampf zum Glück nicht stattgefunden. Sehr erfreulich ist auch unser beträchtlicher E*'ßhg in den Gemeinschaftsdörfern, in denen wir gute' Resultate erzielt haben. HAGBITH Wir lenken die Aufmerksamkeit auf die Vereinigte Aktion für Israel (Keren Hayessod) auf diejenige Institution, die für den Bestand Israels von Bedeutung ist. Juden, erfüllet Eure Pflicht gegenüber Israel, besteuert Euch nach Euren' wirtschaftlichen Kräften und denkt daran, daß der jüdische Staat leben muß, zu unser und aller Wohl! Auch in der Arbeiterkolonisation haben wir mite Erfolge gehabt. Ein beträchtlicher Sektor unseres Volkes hat uns am 15. August politischen Kredit gegeben. An uns ist es. ihn zu nutzen und fruchtbar zu machen. Benno Föhn ginein Pretind seum €}ebnristag! Bernhard Braver siebzig Jahre alt? Bernhard Braver siebzig Jahre alt! Wahr, aber unglaublich. Denn an der Fülle seiner Leistung gemessen, müßte er schon hundert, seinem Temperament, seiner geistigen Regsamkeit, um! seiner jugendlichen Frische gemäß, dürfte er jünger sein. Bravers Leben für das .Judentum und seine Tätigkeit sind mehr als tausend Jahre alt. Sie gehen über das Tausendjährige Reich hinweg, obwohl der Mensch und .Jude Braveiin dieser schwersten aller Zeiten tausendfach geprüft und abertausendfach erprobt wurde. Er hat sie überlebt, weil er an das jüdische Volk glaubte und wußte, daß dieses von ihm noch viele schwere Aufgaben zu fordern hatte. War Braver bis 1938 — zwar der ersten und besten Elite angehörend — immerhin einer von vielen einer schaffensfreudigen und segensreichen Judengemeinde, so war er nach 1945 fast der einzige. Was er tat, war reinstes Pionierwerk und die Zahl seiner Taten ist Legion. Kaum eine jüdische Einrichtung, die nicht ihm ihre Wiedergeburt verdanken würde, kaum eine zionistische Organisation, deren Regenration nicht sein Werk gewesen wäre, kaum eine produktive Tätigkeit für Israel vor und nach seiner Gründung ohne Braver als Mentor und Vorkämpfe!-. Auch heute noch steht Freund Braver im vordersten Vordergrund des jüdischen Geschehens, hält leitend, schützend unu belehrend seine Hand über wichtigste Institutionen, wie den ORT, den Keren Kayerneth Leisrael und last but not least unseren Landesverband und die Stimme. An Alter und Ruhe denkt er noch lange nicht. Warum denn auch? Wir brauchen ihn und sind sicher, ihn noch viele Jahre in unserer Mitte zu behalten, damit wir genügend Zeit haben, ihm den Dank abzustatten, den wir alle schulden! Den vielen Gratulanten aus aller Welt schließen sich an: der Zionistische Landesverband und die Redaktion „Die Stim- Fritz Müller Außerstande, die zahlreichen Zuschriften, die mir anläßlich meines Geburtstages zugekommen sind, einzeln zu beantworten, danke ich auf diesem Wege allen Freunden für ihre Verbundenheit innig. Bernhard Braver