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Die Stimme · 1961-09-01 · Heft 117 (September 1961) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1961
Issue
Heft 117 (September 1961)
Date
1961-09-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis 2 Schilling timme ÖtqAH <Uc Ml$&neme*t ÜohUUh Ut ÖstecwicU Zionistischer Landesverband Wien □^rn □‘ov^n nnrotm Sie lesen unter anderem: Rosch Haschanah 5722 * Dr. Nahum Goldmann * Erste Bilanz der Wahlen in Israel * Wolf Tischenkel zum Gedenken * Israels Jugend und ihr Staat * Sechs Millionen Kläger treten auf Nr. 117 — September 1961 Rosch-Haschanah 5722 Wir Juden treten nun in das NEUE JAHR 5722 ein, das für uns ein Meilenstein bedeutet. Wir besinnen uns da auf den neuen Lebensabschnitt, auf das Axiom des Lebens. Es ist uns gegenwärtig, daß unsere Lehre den Weg zeigt, den die Gemeinschaft zu einer Lebensform in Recht und Gerechtigkeit einzuschlagen hat und schöpfen die Kraft zur inneren Sammlung, um die Bedeutung der Jamin Noraim, der ehrfurchtgebietenden Tage, in ihren hellen Strahlen zu erfassen. Weise Juden haben Licht als helles Geisteszeichen über die ganze Erde gespannt, indem sie auf Gesetzestafeln den ersten vergeistigten Text der sittlichen Weltentwicklung, die ersten zehn Gebote der Moral aufzeichneten. Das bedeutet, daß wir unsere Stimme vor der Welt erheben können, die Stimme, welche zu allen Zeiten der Wahrheit, dem Recht, der Ethik und der Menschlichkeit galt. Dies sind Gebote, die unsere Propheten erhoben haben, deren Ideenwelt in der ganzen Menschheitsgeschichte nicht von anderen Erkenntnissen und Lehren überragt worden sind. Nun, was ist unser Anliegen? Wahrheit, Gerechtigkeit, Menschenliebe und Frieden auf Erden, darum beten wir zu Gott. Die Jamim Noraim erfüllen uns mit Innigkeit und führen uns zur -göttlichen Quelle des Lichts und der Wahrheit, woraus die Hoffnung geschöpft wird, daß das Erhabene, das Prachtvolle und das Gute, das Böse verdrängen wird. In unseren Gebeten ragt immer die Hoffnung auf Frieden (Schalom) und Gerechtigkeit (Joscher) hervor und das Licht als helles Geisteszeichen scheint uns Juden auf unserem Lebensweg. Wir beten zu Gott, er möge die Menschheit erleuchten und ihr die Erkenntnis geben, daß die Welt um uns, nach einer Ordnung durch sittliche Kräfte zu verlangen hat, die endlich dazu führen soll, daß das jüdische Volk der Ruhe und des Friedens teilhaftig werde, was schließlich der gesamten Menschheit nottut. Wir Juden wollen keine Ausnahmsstellung in der Völkerfamilie, wir wünschen vielmehr als Gleiche unter Gleichen zu leben, daß der Haß, der uns besonders in deutschen Landen umbrandete, verdammt wird und es nicht mehr dazu führen soll, daß eine Gemeinschaft, die sich das Volk der Dichter und Denker bezeichnet, sich nicht mehr für Untaten mißbrauchen läßt, für deren Brandmarkung der menschliche Geist noch kein adäquates Wort zu prägen vermochte. Wir dürfen es bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen darauf hinzuweisen, daß der beste Teil des deutschen Volkes das Werk der Versöhnung mit dem jüdischen Volk bereits eingeleitet hat und wir sind davon überzeugt, daß die Gesetze des unendlichen Geistes des Guten in Deutschland und in Oesterreich zu Offenbarungen reifen, die den Volkskörper ethisch erneuern, verjüngen und kräftigen werden. Wir Juden werden dann in Ruhe leben, unsere Fähigkeiten entfalten und der Gesellschaft Nutzen bringen können, was wir, bis zu unserer Katastrophe, überall wo wir siedelten vollbracht haben. Hievon lieferten unsere Wissenschaftler und viele unserer Fähigen in reichem Maße Beweise die unauslöschlich sind. Zu unseren heiligen Festen lösen wir uns vom Alltag, von den Sorgen, die uns Ich möchte einige Erklärungen dafür geben, warum ich der Liberalen Partei meine volle Unterstützung zuteil werden lasse und warum ich ihre Gründung mit Freuden begrüßt habe. Ich will auch sagen, warum ich jenen, die meinen Ratschlägen eine gewisse Autorität zubilligen, empfohlen habe, für die Liberale Partei zu stimmen. Zunächst ist der Zusammenschluß zweier Parteien, die einander auf Grund ihrer Programme nahestehen, zu einer gewichtigen Gruppe an sich eine Wohltat für den Staat Israel. Es ist bekannt, daß ich schon vor Jahren sowohl die Progressiven als auch die Allgemeinen Zionisten gedrängt habe, diesen Schritt zu tun. Ich behaupte, daß dadurch die gesamte Struktur des politischen Lebens in Israel eine grundlegende Aenderung erfährt, und ich wünsche, daß andere Parteien den gleichen Weg beschreiten würden. Während ich nicht überzeugt bin, daß es für Israel richtig wäre, unvermittelt zu dem System des Bezirkswahlrechtes nach englischem Muster überzugehen, halte ich eine Verringerung der Zahl der Parteien für unerläßlich; ich glaube ferner, daß eine Reform des Wahlrechtes, die die Splitterparteien ausmerzen und einen stärkeren Zusammenschluß in der politischen Arena mit sich bringen würde, erwünscht das ganze Jahr hindurch bedrücken, richten unsere Blicke zum ewigen Gott und beten: Allmächtiger! richte uns auf, schütze uns vor dem Bösen, beglücke uns mit Deiner Gnade und segne die ganze Menschheit! Mit tiefer Bewegung richten wir heute unsere Augen nach Israel und dankbar gedenken wir des großen Werkes, das dort unaufhörlich im Entstehen begriffen ist. Ehre dem israelischen Jischuw, Ehre den Juden in der Diaspora, die zum Werke, das Israel heißt, beitragen, Ruhm bedecke die Häupter der Pioniere des jüdischen Landes, Freude allen Menschen, die das altneue Land Israel mit ihrer Liebe umgeben. Schanah Towa dem israelischen Präsidenten Ben Zwi, dem Ministerpräsidenten Ben Gurion, seinem Kabinett und den Mitgliedern der Knesseth. Bernhard Braver ist. Die Führer anderer Parteien und besonders der Mapai, die immer wieder gegen die Fülle der Parteien in Israel zu Felde ziehen, müßten eigentlich die Schaffung der Liberalen Partei begrüßen. Der zweite und wichtige Grund, warum ich die Partei bejahe, ist die ungesunde parlamentarische Struktur Israels. Es gibt hier eine starke, maßgebende Partei, die Mapai, und daneben eine ganze Anzahl kleiner Parteien, von denen nicht eine einzige hoffen kann, heute oder in der Zukunft an die Stelle der Mapgi zu treten. Dieser Zustand herrschte bis zur Entstehung der Liberalen Partei. Unter solchen Umständen kann keine wirkliche Demokratie existieren. Die starke und mächtige Partei wird zum Alleinherrscher auf der politischen Bühne, mit dem es keine Diskussion und für den es keinen Ersatz gibt. Das muß sich sogar zum Schaden der Partei selbst auswirken, die seit mehr als zehn Jahren an der Macht ist und nicht befürchten muß, daß jemand sie von ihrem Thron stürzen könnte, denn, wie das bekannte Sprichwort sagt: „Herrschaft verdirbt und absolute Herrschaft verdirbt absolut“. Zu lange Zeit zu herrschen, besonders, wenn es sich um einen ununterbrochenen Zeitraum handelt, ist für jeden einzelnen schädlich, um wieviel mehr also für eine Partei. Es müßte schon jemand ein Heiliger sein, wenn er nicht der Gefahr erliegen soll, in der Prüfung einer dauernden und unumstrittenen Herrschaft zu versagen. Jede Partei basiert auf Ideen und auf Interessen und je länger sie an der Herrschaft ist, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß das Gewicht der Interessen den Sieg über den Einfluß der Ideen davon trägt. Dieses Gesetz gilt für jede Partei, und in Israel gilt es besonders für die Mapai, weil sie als einzige seit Jahren an der Macht ist. Dadurch, daß sie ihren Anspruch auf Popularität und ihre Werbung in so starkem Maße auf den Kult einer einzigen Führerpersönlichkeit abstellt, macht sie die Dinge noch schlimmer. Eine solche Struktur ist vielmehr in sieh selbst ein U.ebel, und viele Ereignisse, die diesen Wahlen vorausgingen und sie verursacht haben, sind ein deutliches Symptom dieses krankhaften Zustandes. Demokratie beruht auf einem Gleichgewicht der Kräfte, auf der Entfaltung einer wirksamen Opposition, die hoffen und fordern kann, eines Tages die herrschende Partei abzulösen. Nur die Existenz einer solchen Alternative gewährleistet eine echte und wachsame Kontrolle über den Gebrauch der Macht durch die herrschende Partei. Andernfalls kann diese nach Belieben schalten, ohne von einer anderen Partei bedroht zu sein, und so glaubt sie allmählich selbst, daß ihre Interessen mit denen des Staates identisch sind. Wenn diese herrschende Partei auch noch offiziell und tatsächlich den Arbeiterstand Israels vertritt, der auf so ungeheure Leistungen zuriickblicken kann, so wird die Gefahr doppelt deutlich und fühlbar. Bevor die Liberale Partei ins Leben gerufen wurde, gab es tatsächlich keine einzige Gruppe, die — mindestens in naher und voraussehbarer Zukunft — eine Alternative der Mapai bilden konnte. Jetzt, das möchte ich in aller Bescheidenheit behaupten, besteht eine solche Möglichkeit, und aus diesem Grunde begrüße ioh die Entstehung der Liberalen Partei. Ich hoffe keine Indiskretion zu begehen, wenn ich sage, daß führende Persönlichkeiten der Mapai, deren Namen ich nicht nenne, weil es sich um vertrauliche Gespräche handelte, seit Jahren mir gegenüber die Notwendigkeit einer solchen Alternativpartei für Israel betont und mich dringend gebeten haben, ihre Schaffung zu fördern. Ich erinnere mich gut, daß einer dieser Parteiführer mir nach den letzten Wahlen sagte, daß der uner- 3)r. nahum Goldmann Oie Botsdiaft des Staates Israel in (Dien wünscht dem Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinde in Österreich, der Zionistischen Föderation, den zionistischen Parteien, dem Bund Werktätiger Juden, dem Herzl-Klub, der Wizo, allen jüdischen Institutionen und jedem Mitglied der jüdischen Gemeinschaft in Österreich The Jewish Agency for Israel Die Jewish Agency for Israel in Österreich wünscht der Medinath Israel und ihren Bürgern sowie dem ganzen jüdischen Volke ein glückliches und gesegnetes neues Jahr L'

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