Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1961
- Issue
- Heft 116 (Mai 1961)
- Date
- 1961-05-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 I > I I. S T I M M E Mai 1%I Stellungnahme Unserem Freund und Chaver Meleeh Topiol, Paris, eröffnet „Die Stimme“ ihre Spalten /u nachstehenden Darlegungen, die seine Stellungnahme zu der neu ins Leben gerufenen Liberalen Partei in Israel betreffen: Die Liberale Partei ist das Resultat der Vereinigung der Progressiven Partei mit den Zionim Klaliim, eine Tatsache, die schon deshalb der Aufklärung bedarf, weil das Gerücht verbreitet wurde, daß in der letzten Plenarsession unserer Konföderation in Puropa konkrete Beschlüsse gefaßt worden wären. Im Interesse der Wahrheit muß vermerkt werden, daß es sich in diesem Fall lediglich um Berichte handelt, die jeder Grundlage entbehren, da sveder Beschlüsse gefaßt, noch einschlägige Anträge eingebracht wurden. Nun wie liegt die Sache? Bis zum letzten Kongreß hat uns die Mehrheit unserer Gegner insinuiert, daß unsere Konföderation sich mit keiner Partei in Israel formell identifiziert, aber in der Tatsache wären wir von der israelischen Progressiven Partei beherrscht. Ungeachtet aller anderen Erklärungen und Klarstellungen, die wir nach Gründung der Medinath Israel dahingehend formuliert haben, daß den Zionisten außerhalb Israels kein Recht zusteht, in die inneren politischen Angelegenheiten des Staates Israel mit hineinzureden, natürlich solange sie nicht die Alija antreten, habe man uns, dem Scheine nach, nicht glauben wollen und uns nach wie vor beschuldigt, daß wir als Expositur der progressiven Partei Israels anzusehen seien. Wir halten dafür, daß die Zionisten in den verschiedenen Ländern die unabdingbare Pflicht haben, ihre Mission fortzusetzen, das jüdische Leben in den Ländern, Erstklassige Stoffe und Zugehör, so beste Verarbeitung' bilden die Grundlage der b e w ä h TELLER-KLEIDUNG ///. Haüphtratre. 88- 90 U16 2 <P6 in denen sie wohnen, zu festigen, ihm Heiligung widerfahren zu lassen, die Assimilation zu bekämpfen und Vorbereitung für die Alijah und Einordnung der neuen Olim zu treffen und sich so zu identifizieren mit der Medinah Israel, ohne Rücksicht auf das dort herrschende Regime. Es darf aber auch das Recht jedes Zionisten anerkannt werden, seine Sympathie derjenigen Partei gegenüber in Israel zu bekunden, die ihm philosophisch, ideologisch und sozial nahesteht. Verständlich, daß eine nicht genügende Anzahl unserer Chaverim außerhalb Israels der Progressiven Partei in Israel mit Sympathie begegnet ist. Tatsächlich war dies nicht die Sympathie schlechterdings, sondern etwas mehr. Sind wir doch im Ideal des Allgemeinen Zionismus linker Prägung erzogen worden. Gleichzeitig waren wir mit dem produktiven chaluzischen Element in Israel ständig verbunden, dem es zu danken ist, daß der israelische Jischuw sich entwickeln und die Medinah entstehen konnte, was ohne die chaluzische Pionierarbeit unmöglich gewesen wäre. Nun, wie vermag die Lage ihre Entwicklung zu nehmen? Wenn die neu entstandene Liberale Partei ihre Pinzipien auf der Basis, die wir „Zionismus Weizmanns“ nennen, bauen wird, werden wir die Möglichkeit haben, mit ihr zusammenzuarbeiten, genau so, wie | wir es bis jetzt mit der Progressiven Partei geübt haben, d. h. daß wir zu ihr freu ndsehaf11 iehe Bez ieh u ngen unterhalten werden, ohne Identifikation und gleich unserer hinstellung der Progressiven Partei gegenüber, mit der wir uns niemals ausdrücklich identifiziert hatten. Ich erachte es als meine Pflicht, daran zu erinnern, daß zur Zeit, als die Vereinigte Konföderation existiert hat, tauchten Meinungsverschiedenheiten auf zwischen den Progressiven und den Klaliim, die ständig die Frage der Identifikation betrafen. Die Progressive Partei stellte niemals die Forderung danach, daß die Allgemeine Zionistische Organisation außerhalb Israels sich mit ihr identifiziere. Dieserart Forderung stellten unausgesetzt die israelischen Klaliim, was die eigentliche Ursache der Spaltung innerhalb der Konföderation bildete. Ich weiß nicht, ob die Klaliim es schon verstanden haben, daß im Fall, wenn sie wieder die Identifizierung seitens ihrer Chaverim in den Ländern fordern werden, die alten Schwierigkeiten auftauchen würden. Jedenfalls hoffe ich, daß unsere progressiven Freunde ihrem Prinzip treu bleiben werden, die Freundschaft mit Chaverim außerhalb Israels zu halten, ohne Rücksicht auf Identifikation. Empfang beim Botschafter Peled Donnerstag, den 11. Mai, empfing der Botschafter der Staates Israel, Nathan P e- 1 e d die Exekutive der Zionistischen Föderation in Oesterreich. Präsident Gustav Leitner stellte die Vertreter der Heruth, des Herzlklubs, der Mapai, Mapam, Misrachi, Wizo sowie des Zionistischen Landesverbandes vor. Präsident Leitner richtete an den Botschafter die Bitte, der Föderation seine Sympathien entgegenzubringen. In prägnanten Worten sagte Botschafter Peled zu, die Zionistische Föderation in jeglicher Weise zu fördern. Jom Haatzmauth-Feier In einem besonders schönen Rahmen — im Hörndlwald — begünstigt von strahlendem Wetter, fand am 4. Mai die von der Israelitischen Kultusgemeinde veranstaltete Jom Haatzmauth-Feier statt. Nach den Ansprachen des Botschafters des Staates Israel Nathan Peled und des Kultuspräsidenten Dr. Emil Maurer — beide Redner betonten die wünschenswerte Verbundenheit zwischen Israel und dem übrigen Judentum — folgten Darbietungen der Vereinigung Jüdischer Hochschüler: israelische Volkstänze und Gesänge, die reichen Beifall fanden. Den Teilnehmern wird diese Feier sicherlich in guter Erinnerung bleiben. Sportfest der Jüdischen Jugend Unter guter Beteiligung der jüdischen Jugend Wiens wurde am 23. April, veranstaltet von der Zionistischen Föderation, ein großes Sportfest abgchalten. Nach der Eröffnung durch den Präsidenten Gustav Leitner, der auf die Notwendigkeit der körperlichen Ertüchtigung der jüdischen Jugend hinwies, hielt der Botschafter des Staates Israel Nathan Peled eine Ansprache, in welcher er seiner Freude Ausdruck verlieh, gleich zu Beginn seiner Tätigkeit in Wien die Jugend kennenzulernen und wünschte dem Sportfest ein gutes Gelingen. Nach Absingen der „Hatikwah“ begannen die Wettkämpfe, an denen sich die Jugendverbände: „Bne Akiba“, „Gordonia“ und „Haschomer Hazair“ beteiligten. Kommerzialrat Josef Leitner ■ 50 Jahre Der in jüdischen und industriellen Kreisen wohlbekannte Kommerzialrat Joset Leitner leierte seinen 30. Geburtstag. Der Zionistische Landesverband und die Redaktion der „Stimme“ wünschen dem Jubilar „bis 120“ im Kreise seiner Familie glückliches Lehen. Jewish Agency Vor Israel Achtes Europäisches Sonimerseminar 1961 vom Montag, 31. Juli 1961 bis Montag, 28. August 1961 in Bedfordshire (England) Die Seminare wurden von früheren Teilnehmern sehr geschätzt. Sie bieten den Teilnehmern eine gute Gelegenheit während einiger Wochen in einer jüdischen Atmosphäre zu leben, in welcher Shabat und die jüdischen Feiertage gehalten werden und wo sie auch Juden verschiedenen Alters und aus verschiedenen Ländern kennen lernen können. Das Seminar bietet außerdem Gelegenheit Vorlesungen von Gelehrten, Schriftstellern und bekannten Persönlichkeiten aus Israel und Europa anzuhören und Ideen über jüdische Probleme auszutauschen. Fa. CtROBE_ Antike Möbel Haus für stilvolles Wohnen WIEN I, TRATTNERHOF 2 (3. Stock) Telefon 52 58 55 Die Lehrfächer sind folgende: Ta nach, Hebräisch, hebräische Literatur, jüdische Gedanken, die Geschichte Israels und des jüdischen Volkes usw. Fs werden ebenfalls Vorlesungen über das Kulturleben, Politik und Oekonomic in Israel und deren Platz im jüdischen Leben der Diaspora gehalten werden. Zwei Lehrgänge Der erste findet Montag nachmittag, 31. Juli 1961 bis Montag, 14. August 1961 statt. Der zweite findet Montag nachmittag, 14. August 1961 bis Montag 28. August 1961 statt. Verlangen Sie einen ausführlichen Prospekt durch Herrn R. Stein, Jewish Agency, I, Stubenring 6. Murer endlich verhaftet Der durch Beweismittel im Eichmann- Prozeß schwer belastete ehemalige SS-Judenreferent von Wilna, Franz Murer, ist auf Grund eines Beschlusses der Ratskammer des Grazer Landesgerichtes verhaftet worden. Das 1955 eingestellte Strafverfahren gegen Murer wurde wiederaufgenommen. Murer wurde in seiner Wohnung in Gaishorn in der Steiermark festgenommen und dem landesgerichtlichen Gefangenenhaus in Graz eingeliefert. Murer war stellvertretender Gebietskommissar in Wilna. Im Gebiet von Wilna sind in der Zeit, in der Murer die Veranwortung trug, 80.000 Juden ermordet worden. Wegen Mitschuld an den Massenmorden wurde sehr bald nach dem Krieg ein Verfahren gegen Murer eingelcitet. Er wurde als Kriegsverbrecher von 'den Russen verurteilt und in ein Lager gesteckt. Als er 1955 aus der Gefangenschaft zurückkam, stellte das österreichische Gericht das Verfahren ein. Murer wurde in der Zwischenzeit Obmann der Bezirksbauernkammer Liczen. Nach einer Welle von Protesten legte er vor einigen Wochen dieses Amt vorläufig zurück. In der Zwischenzeit beschafften sich die Justizbehörden Beweismaterial aus Israel. Dieses ist offenbar so schwerwiegend, daß die Wiederaufnahme des Verfahrens erfolgte. Eine klare Entscheidung des Obersten Gerichtshofes Auch eine scheinbar objektive Darstellung historischer Tatsachen kann der Deckmantel für verbotene nationalsozialistische Propaganda sein und damit den Tatbestand eines Verbrechens nach dem Verbotsgesetz bilden, stellt der Oberste Gerichtshof in seiner Entscheidung über die Nichtigkeitsbeschwerde gegen ein Urteil fest, in dem auf Verfall des Buches „Waffen-SS im Einsatz“ erkannt wurde. Das Buch „Waffen-SS im Einsatz“ wurde von Paul Hauser verfaßt und ist 1953 im Plesse-Verlag, Göttingen, erschienen. Es wurde am 18. September 1959 durch ein Urteil des Landesgerichtes für Strafsachen in Wien als Schöffengericht für verfallen erklärt. Eine den wahren Tatsachen widersprechende, verniedlichende und verharmlosende Darstellung der politischen Ziele des Nationalsozialismus ist geeignet, heißt es in der Entscheidung, unbefangene Leser über die wahren Ziele der nationalsozialistischen Machpolitik hinwegzutäusdien. Damit ist der objektive Tatbestand der „Betätigung im nationalsozialistischen Sinno“ nach dem Verbotsgesetz gegeben. ÖSTERREICHISCHE ORT VEREINIGUNG ln der ORT-Schule in Wien XIX, Rutligasse 21, wurden folgende Kurse abgehalten: Damenschneidorei: mit 38 Schülern, 4 Lehrerinnen. Lehrstoff: Angelertigt wurden: 6 Blusen, 12 Schoßen, 15 Kleider, mit Däckchen, 3 Manteländerungen, 5 Kleideränderungen. Werkstofllehre: Flachs; Naturgeschichtliches, Gewinnung, Eigenschalten, Spinnerei. Schnittzeichnen: Auswertung eines Blusenschnittes. Frisieren: mit 13 Schülern, 1 Lehrer. Lehrstoff: Wasserwellen: Wellenlegen mittels Finger und Kamin. Haarschneiden: Demonstration eines modernen Damenhaarschnittes, Erklärung von Handhabung, sowie Haltung der Werkzeuge und Behelfe zum Huarschneiden (Schere, Schaber und Rasiermesser). Kaltdauerwelle: Kaltdauerwelle aul blondiertem Haar, richtiges Mischen des Präparates. Haarfarben: Demonsiration einer Hellerlärbung In Verbindung des Saunagerätes. Mechanisches Stricken: mit 33 Schülern, 2 Lehrerinnen. Lehrstoff: Stricken von Stolen, Kinderkleidern, Herrenurid Damenwesten, Herren- und Damenpullovern, Kostümen, Röcken, Shawls, Mützen und Kleidern in Perllang. Fang, Fang versetzt, Rechts-rechts, Schlauch, Rundschlauch. Ausfertigung: Zuschneiden und nähen der oben angegebenen Gegenstände. Arbeiten am Musterbuch. Radiotechnik: mit 7 Schülern, 1 Lehrer. Lehrstoff: Regelspannung-Fadingautomatik, Verzögerte Regelspannung, mit einer oder mit zwei Dioden, Wechselstromnetze (Drei-, V ierleite 0, Drehfeld. Messungen an Rundfunkgeräten. Technisches Zeichnen: mit 22 Schülern, 1 Lehrer. Lehrstoff: Darstellen von Verschneidungen, von quadratischen und rechteckigen prismatischen Körpern. Kosmetik: mit 13 Schülern, 2 Lehrer. Lehrstoff: Manuelle Massage, die Entfernung von Anomalien, Wimpern- und Augenbrauenlärben, Masken und Packungen. Anatomie: Zelle, Haut, Chemie: Elemente, Ausgangsmaterial zur Herstellung kosmetischer Präparate. Kosmetische Theorie: Ftauldiagnose, Arten der Haut. Die Behandlung von verschiedenen Hauttypen. Automechanik: mit 10 Schülern, 1 Lehrer, 1 Leiter. Lehrstoff: Feilen, Anreißen, Hinterachse, Fehlerquellen, Kardangetriebe, Hardyscheibe. Theorie: Werkzeichnung in der Werkstätte, Eisen, Stahl, Grauguß, Prüfen von Stahl, WarmbehanOlung des Stahls, senken und träsen. Praxis: Fahrgestell, Karosserie, Wartung, Einstellung, Toleranzen, Bohrmaschine, bohren und senken, Getrieberepaiaturen, Reparaturen an Türen und Fenstern. Photographie: mit 10 Schülern, 1 Professor, 1 Leiter. Lehrstoff: Reproduktionen von Halbtonbildern. Einführung in die Porträtphotographie. Vergrößern und kopieren. Porträtnegativ-Retusche. Positiv- Retusche. Zusammen: 146 Schüler, 13 Lehrer, 2 Leiter Flüchtlingslager Asten Damenschneiderei . 24 Schüler, 1 Lehrer Buchbinder . 15 Schüler, 1 Lehrer Mechanisches Stricken .. 18 Schüler, 2 Lehrer Zusammen 57 Schüler, 4 Lehrer Die Gesamtzahl der Schüler betrug 203. In Wien 146. 43 Männer, 103 Frauen, davon sind 68 Mitglieder der I. K. G., die restlichen Schüler sind Alt- und Neuflüchtlinge. — In Asten 57. 30 Männer, 27 Frauen. STRUMPFFABRIK «HE GA" MAX GELBERT BÜRO: WIEN I, GONZAGAGASSE 1 TELEFON 72 46 20