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Die Stimme · 1961-05-01 · Heft 116 (Mai 1961) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
1961
Issue
Heft 116 (Mai 1961)
Date
1961-05-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Mai 1961 Seite 7 D i E S T I M M e EICHMANN Jüdischer Journalistenkongreß Wolf Tischenkel sehen, daß in diesem Prozeß die volle Wahrheit ans Licht kommt und daß Gerechtigkeit gcüln wird. Nach dem Zusammenbruch Deutschlands waren alle, die an die Arbeit gingen, Deutschland wieder aufzubauen, erfüllt von Scham, weil nunmehr zum ersten Male, dem deutschen Volke, der furchtbare Abgrund des Nazismus zum Bewußtsein kam“. Diese Worte werden vielleicht zur Geschichtsschreibung beitragen. Wir wissen, daß Deutsche uns alle Stufen des Elends und der Not du.rchmachen ließen, ehe sie unsere Brüder und Schwestern in ihre Todesfabriken trieben, hoffen aber, daß im heurigen Deutschland nunmehr das Bewußtsein wach ist, daß das tausendjährige Reich, der Satane und der bösen Geister ein Unglück war, woraus den Deutschen eine Sündenlast erwuchs, die sie werden abtragen können, durch Fülle der Moral, durch Menschlichkeit und durch die Einsicht, daß der Begriff ,,Herrenmensch“ übel angebracht ist und zu Leiden und Not führt. Bernhard Braver Beziehungen und Kooperation zwischen den jüdischen Journalisten, die in 78 Ländern ihre Tätigkeit entfalten, zu stärken und zu vertiefen. Das Bild hier zeigt unseren Freund Braver, den der Präsident des Staates Israel Ben Zwi als einen der Repräsentanten der Journalistenkonferenz empfangen hat. Die Unzulänglichkeit der Sprache offenbart sich im Prozeß gegen Eichmann, wo der Gcneralstaatsanwalt Hausner seine kunstvolle rhetorische Anklage erhob und des Angeklagten Verbrechen gegen die Menschheit, im besonderen gegen uns Juden schilderte. Die diabolische Dämonie, von der Eichmann besessen war, seine absolut mörderische Amoralität, Mordtaten, die seine Phantasie beflügelten, die makabren nazistischen Gestalten, die die Weltkatastrophc herbeiführten in Worte zu fassen, vermag auch nicht Hausner, der kluge, gebildete vernunftbegabte Jurist, weil des normalen Menschen Vernunft nicht die grauenhafte nazistische Art, Menschen zu morden, und sie zu schänden, fassen kann. Auch die Worte Goethes „Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, gab mir ein Gott zu sagen, wie ich leide“, finden in diesem Fall nicht volle Erfüllung. Die Zeitungen berichten, daß der Prozeß in Jerusalem mit betonter Sachlichkeit und Objektivität vor sich geht. Der Eindruck auf alle Anwesenden über die faire Prozeßführung ist stark und nachhaltig. Das ungeheuerliche Geschehen, das im israelischen Gcrichtssaal zur Sprache kommt, läßt das Blut in den Adern gerinnen, so daß das Auditorium in Schrecken darüber geriet, wozu Menschen, die für sich in Anspruch nahmen, Kultur zu besitzen, fähig waren. Allein die Erinnerung an das vergangene nazistische Entsetzen, erschüttert die Menschen, denen Menschlichkeit noch etwas bedeutet. Vor den Richtern in Israel steht nicht Eichmann allein, sondern alle, die zum Hitlcrismus ja sagten, ihm die Macht überantworteten, die brüllten „Führer befiehl, wir folgen Dir“, die den gepeinigten Mitmenschen nicht sehen, nicht helfen wollten den Juden, in dessen geschichtlicher Heimat die Urwiege der Welt stand, und jene, die im geistigen Dämmerzustand verharrten und Werkzeuge des Nazismus waren. Mit Erleichterung vermerken wir die Worte des Generalstaatsanwalts Hausner, daß cs auch andere Deutsche gab, die mutige Taten vollbracht haben. Hausner sprach von der Verhaftung und Deportierung von hunderten christlichen Priestern, die wegen Unterstützung von Juden festgenommen wurden. Es gab auch deutsche Militärs, die durch persönliche Interventionen das Massaker zu verhindern suchten. Aber es handelt sich hier nur um eine winzige Minderheit. Die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes hat sich unglücklicherweise zumindest passiv auf die Seite der schrecklichsten Verbrechen der Geschichte gestellt. Der Gcneralstaatsanwalt führte weiter aus: „Die Geschichte des jüdischen Volkes war oft in Blut und Tränen gebadet. Seit den Zeiten der Pharaonen in Aegypten bis in die neueste Zeit mit ihren Pogromen. Aber auf diesem Schmerzensweg waren niemals Gewaltakte so ungeheuren Ausmaßes zu verzeichnen, wie sie unter dem Nazismus durch Eichmann und Konsorten begangen worden sind. Die Gewalttaten Attilas und Dschingis Khans flößen Abscheu ein. Es hat aber des 20. Jahrhunderts bedurft, um diese neue Form von Massenschlächterei hervorzubringen, wo eine unvorstellbar grauenvolle Maschinerie mit aller technischer Vollkommenheit kaltblütig gegen ein ganzes Volk in Aktion gesetzt wurde.“ Nicht die SS allein, sondern deutsche Feldmarschälle und Reichswehr traten zur Mordaktion an. Noch im Jahre 1944, als das Nazi-Reich Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Zionistischer Landesverband In Oesterreich, Wien IX, Universitätsstraße 4/4. Chefredakteur: Bernhard Braver. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Müller. Beide Wien IX, Universilälsstraße 4/4. Druck: ,,Norbertus'', Wien III, Kollergasse 7. schon in Agonie lag, sei cs Eichmann gelungen, Deportierungen von Juden zu organisieren und er sorgte dafür, daß ihr Weg in den Tod führte. Dieser pedantc Bürokrat Eichmann, der weder in der Schule, noch in seinem Privathorufc Befriedigung fand, war von der Idee besessen, zu Macht und Wohlleben auf Kosten der Mitmenschen zu kommen, über Leibeigene zu herrschen, die Gesetze der gesellschaftlichen Moral zu mißachten, und sich den Kranz des Ruhmes um die Stirne zu winden. Die tolle Zeit des Nazismus gab ihm die Chance, sich als Herrenmensch hervorzutun und eitlen Ruhm zu genießen, dermaßen, daß er sich der Technik der Judenvernichtung mit allen Fasern seines Herzens verschrieb. Das fluchwürdige nazistische Regime nahm ein schmähliches Ende, Eichmann steht nun vor seinen Richtern in [srael und hat sich für seine Untaten zu verantworten. Ein Schauer lief den Rücken entlang, als man vornahm, mit welcher Feigheit und Verlogenheit der makabre Eichmann, der Organisator des Todes, der in zwanzig europäischen Ländern schreckliche Morde verschuldet hat, sich verantwortete. Eichmann: „Waren irgendwelche Unzuträglichkeiten anderer Natur, flugs nahm man die Judenfrage her, und schon war die Ablenkung geschaffen. Das machte nicht Himmler allein, das machten nicht nur die Gauleiter, das praktizierte jeder der sogenannten Ho'heitsführer.“ Das sind die Worte des abartig veranlagten Menschen, der Juden hetzte, sie in die Todesfabriken bringen ließ und rastlos durch Länder jagte, um Juden aufzuspüren. Hier tut sich ein Abgrund von Verzweiflung und Scham auf und läßt erkennen, daß der Nazismus eine Weltgefabr war, deren Folgen für die Menschheit nicht abzusehen gewesen wären, hätten die depravierten Teutonen den Sieg davongetragen. Es ist falsch die historischen Grausamkeiten der nazistsischen „Endlösung“ als eine jüdische Frage zu behandeln, sie ist vielmehr ein deutsches Problem. Viele von den Deutschen und Oesterroichcrn wehren sich dagegen, zu den nazistischen Verbrechen Stellung zu nehmen; sie lehnen zwar die Untaten, wenn man davon überhaupt spricht, ab, aber sie gestehen sich nicht ein, daß all das in ihrem Namen getan worden ist, ohne daß sie alles aufboten, um das Ungeheuerliche irgendwie zu verhindern. Sie fühlen nicht die Last der Vergangenheit, den unabweisbaren Zwang, heute als Völker den Geist der totalitären Vergangenheit, deren verwerflicher Ableger der Rassenhaß war, gründlich zu überwinden und mit der ambarmherzigen Lüge aufzuräumen, daß der Jude an allem Bösen, das Barbaren und Volksvcnräter aller Zeiten inszenierten, schuld sei. In Oesterreich leben Nazi, die noch nicht von der rassischen Haßpropaganda ablassen; in letzter Zeit verübten sie Attentate auf das Wiener Denkmal der Republik und das Haus des Fernsehens, wo sie einen Juden aufzuspüren vermeinten. Man macht leider keine Anstalten, die Anhänger des Rassenwahns zu stellen, um es ihnen unmöglich zu machen, Schaden anzurichten, oder wieder die Welt in Blut zu tauchen. In amseren Schulen und in unserem öffentlichen Leben wird der Erörterung der Rassenfrage geflissentlich ausgewichen. Eine relativ kleine Schar von Klardenkenden und Gutgesinnten steht einer großen Zahl von Braunen, Indifferenten und Trägen gegenüber und man hört nichts davon, daß etwas unternommen werde, aim die Wahrheit ans Licht zu fördern, wie unmenschlich der Rassenhaß ist, wieviel Unglück er schon gestiftet habe. Es gilt, psychologisch und politisch auf den Antisemitismus ein/ugehen, das Problem der Zeitgeschichte eingehend zu erörtern, cs staatsbürgerlich ernst zu nehmen und sich des Moralischen voll bewußt zu sein. Doktor Nahum Goldmann hat in einem in Deutschland gehaltenen Vortrag die Deutschen gewarnt, vor der schändlichen Periode der Vergangenheit die Augen zu schließen und ihr Gewissen einzuschläfern. Der Stachel in der Seele allein garantiert die echte Umkehr, die Bekehrung. Wenn Zeitgenossen des Nazismus sagen, ich habe cs nicht gewußt, dann Schani über ihre Feigheit und Gleichgültigkeit. Eichmann steht nicht allein vor seinen Richtern, mit ihm stehen alle, alle, die Hitler zur Macht verholfen und es nicht verwehrt haben, daß er in ihrem Namen, Mord und Schande zu verbreiten wagte. Den Juden geht es hier um die Gerechtigkeit, die der Schwur ihrer Märtyrer „niemals vergessen“ gebietet, im Gedenken an unsere Toten. Zum Eichmann- Prozeß erklärte Ben Gurion: „Wir wiin- Arn 25. und 26. Dezember 1960 fand in Jerusalem, im Gebäude der Universität, eine Konferenz, der jüdischen Journalisten der ganzen Welt statt. An dieser Konferenz nahm unser Chefredakteur Herr Bernard Braver, im Namen unserer Redaktion, teil. Die Delegierten gaben ihrer Begeisterung darüber Ausdruck, daß Anstrengungen gemacht wurden, um die gegenseitigen Dr. Viktor E. Pordes - 80 Jahre In geistiger und körperlicher Frische vollendete der zionistische Askan, Rechtsanwalt Dr. Viktor Pordes, am 22. April 1961 sein 80. Lebensjahr. Die in unserem jüdischen Kreis populäre Persönlichkeit wird besonders seiner Verläßlichkeit, seines gesunden Menschenverstandes und seines Sinnes für den Umgang mit Menschen wegen geschätzt. Man höre seine Reden, lese seine Bücher und erkennt seine kristallklare Denkungsweise. Mit Befriedigung stellt man die erhabene Haltung Dr. Pordes’ zum Leben, zum jüdischen und zionistischen Dasein fest. Zu Beginn dieses Jahrhunderts, der heroischen Epoche des Zionismus, trat unser Jubilar aktiv in die jüdische Oeffentlichkeit. Damals erschienen in der Zeitung „Wschod“ und im Jahrbuch „Rocznik zydowski“, beide herausgegeben von dem berühmten Adolf Stand, weiter in der Zeitschrift „Moriah“, herausgegeben von Berkelhammer und schließlich im „Almanach Zydowski“, herausgegeben von Leon Reich, Dr. Pordes’ Essays, Gedichte und das Poem „Kol Nid re“. In diese Zeit fällt auch seine ausgedehnte Vortragstätigkeit vor breiten Foren in allen Städten von Krakau bis Czernowitz. Bei Kriegsbeginn des Jahres 1914 verlegte Dr. Pordes sein Tätigkeitsgebiet nach Wien, wo er auf journalistischem und literarischem Gebiet bemerkenswerte Erfolge erzielt hatte. Seine Artikel erschienen im „Neuen Wiener Journal“, in der „Neuen Freien Presse“, im „Wiener Tagblatt“, in der „Wiener Morgenzeitung“, in der „Waage“ und im „Pester Lloyd“. Doktor Pordes mit seinen positiven Qualitäten mit hohem Ethos dient gern der Gesellschaft, drängt sich aber unter keinen Umständen vor. So ist es verständlich, daß unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg Schreiber dieser Zeilen Dr. Pordes einlud, sich als Mandatar in der Wiener Kultusgemeinde zu betätigen, wozu er seine Zustimmung gab und als Mitglied des Kultusvorstandes hervorragende Leistungen vollbrachte und der Sache des Zionismus in besonderer Weise diente. Hiefür sei er im Namen des Zionismus aufrichtig bedankt und gesegnet Ad mea w’essrim Schanah. Braver r

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