Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1961
- Issue
- Heft 116 (Mai 1961)
- Date
- 1961-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Mai 1961 D I E S T I M M I;. Seite 3 Dr. Israel Goldstein: Israel und die Zionistische Weltorganisation Die Beziehungen /wischen Israel und der Zionistischen Weltorganisation befinden sich noch int Anfangsstadiurn und werden wohl noch viele Jahre hindurch andauern. Da diese Beziehungen erst seit relativ kurzer Zeit bestehen — 13 Jahre sind keine lange Zeitspanne in der Geschichte einer nunmehr schon über 60 Jahre bestehenden organisierten Bewegung — bedürfen sie verständlicherweisc einer zusätzlichen Periode beiderseitiger Anpassung. Die schwierigsten Jahre dieses Anpassungsprozesses, Jahre des anfänglichen Zögerns und der Unsicherheit, der Unklarheit und der Mißverständnisse, sind glücklicherweise bereits hinter uns. Die israelische Regierung hat vor einiger Zeit den Status der Zionistischen Organisation offiziell definiert und das Abkommen (Amana), das zwischen der Regierung und der Zionistischen Organisation unterzeichnet wurde, legt die gegenseitigen Verpflichtungen fest. Von seiten der Zionistischen Organisation liegt die von dem 24. Zionistenkongreß gutgeheißene Definition der zionistischen Aufgaben vor. Aber diese offiziellen Deklarationen sind nicht genug. Sie müssen durch tägliche Zusammenarbeit in einer Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens und guten Willens zu einer allgegenwärtigen Realität werden. Wenn das nicht gelingt, laufen sie Gefahr, meinungslos zu werden. Die Beziehungen zwischen den beiden Institutionen waren oft durch Zögern, Ungewißheit und Mißverständnisse gekennzeichnet, aber die allgemeine Entwicklung ging in Richtung praktischer Zusammenarbeit, zum Nutzen der Regierung als auch der Zionistischen Organisation. Der 25. Zionistenkongreß, der vor kurzem tagte, ist ein wichtiger Faktor in diesem Prozeß. Er war in mehr als einer Hinsicht ein Wegweiser in der gewünschten Richtung. Drei wichtige Themen machen diesen Kongreß bemerkenswert; das wichtigste Thema war das der idealistischen Alija aus den Ländern der freien Welt. Bei früheren Gelegenheiten gab dies Thema zu Anschuldigungen der Israelis Anlaß, während viele Delegierte der Diasporaländer ihr Unbehagen dieser Frage gegenüber nicht verheimlichten. Die Vorwürfe von israelischer Seite erreichten einen Höhepunkt durch die Erklärung des Ministerpräsidenten Ben Gurion, daß Mitglieder der Zionistischen Organisation, die selber keine Absichten der Einwanderung hegten, kein Recht hätten, sich Zionisten zu nennen. Aber auf dem letzten Kongreß enthielten sich beide Seiten der Anschuldigungen und Selbstbezichtigungen und sandten statt dessen einen einmütigen Aufruf für idealistische Alija aus den westlichen Ländern aus. Ebenso stimmten beide Seiten überein, daß in Israel besondere Bedingungen für die erfolgreiche Absorbierung dieser Einwanderung geschaffen werden müssen. Ein anderes wichtiges Thema dieses Kongresses war die dringende Notwendigkeit zionistischer Erziehung in der Diaspora. Man war sich klar, daß das jüdische Erziehungswesen nicht nur erweitert, sondern auch inhaltlich vertieft werden müsse, indem es in zunehmendem Maße hehraisiert, auf Israel orientiert wird und jeder Assimilation vorbeugt. Eine Neuerung des 25. Zionistenkongresises war die Zulassung jüdischer Organisationen, die bisher keinerlei Beziehungen mit der Zionistischen Organisation unterhielten. Diese Körperschaften sind von nun an nicht nur ergebene Freunde Israels, sondern auch zionistisch beeiflußbar, besonders bezüglich Erziehung und Alija. Im günstigsten Fall können sie in Zukunft der Zionistischen Organisation neue unverbrauchte Kräfte zuführen. Um ein allgemeines Bild von dem Charakter des 25. Zionistenkongresscs zu erhalten, genügt es, die Beschlüsse dieses Kongresses z.ur Kenntnis zu nehmen. Wenn wir nun die Pflichten der Zionistischen Organisationen gegenüber Israel, diejenigen Israels gegenüber der Zionistischen Organisation und diejenigen beider gegenüber dem jüdischen Volk fcstlegcn wollen, so kommen wir zu folgenden Schlüssen: Es ist die Aufgabe der Zionistischen Organisation, Israel politisch und wirtschaftlich zu stärken und ihm neue Arbeitskräfte zuzuführen. Wir leben in einer Zeit, in der bedeutend mächtigere Nationen als Israel es für unbedingt notwendig erachten, sich fremde Hilfe zu sichern. Kleine Nationen können sich nicht sicher fühlen ohne die Gewißheit, daß andere große oder kleine Völker bereit sind, ihnen zu Hilfe zu eilen, wenn sie angegriffen werden. Jedes Volk, selbst das mächtigste, bedarf der Unterstützung befreundeter Staaten in den Vereinten Nationen. Israel ist in einer viel heikleren Lage als alle anderen Völker, da cs von feindlichen Nachbarn umgeben ist, die noch dazu von zwei großen Machten unterstützt werden. Was hat Israel den großen Mächten und den kleineren Nationen zu bieten? In einer Welt, die nach moralischen Prinzipien regiert würde, hätte Israel viel zu Die Menschen neigen dazu, erlittenes Leid, Schweres und Unangenehmes zu vergessen. Wir Juden der ganzen Welt werden durch den Eichmann-Prozeß an die schwerste Zeit des jüdischen Volkes wieder erinnert. Wir vergessen aber leider, daß es auch heute noch hunderttausende gefährdeter jüdischer Brüder und Schwestern gibt, die in ihren Wohnländern in Unfreiheit leben! Diese Juden wollen und müssen ihre Wcvhnländer verlassen; ihnen müssen wir beistehen. Gibt es ein anderes Land auf der Welt, das bedingungslos jeden Juden zu jeder Zeit aufzunehmen bereit wäre, außer Israel? Gibt es ein Land, in dem die Juden ihr Schicksal, ihr Volksleben, ihre Kultur, auf Grund ihrer Fähigkeiten und mit eigener Kraft gestalten können, außer Israel? Es ist Pflicht der Juden der ganzen Welt, dafür zu sorgen, daß sie geholt und nach Israel gebracht, dort untergebracht und eingeordnet werden. Diese Aufgabe kann nicht allein durch Israel bewältigt, sondern vom Gesamtjudentum erfüllt werden. In den letzten 12 Jahren hat sich die Bevölkerung Israels mehr als verdreifacht, eine in der Geschichte beispiellose Leistung. Wir, der KEREN HAYESOD-Vereinigte Aktion für Israel, wenden uns an die Juden Oesterreichs, ihre unabdingbare, moralische Verpflichtung Israels und den in Not befindlichen, zur Einwanderung bereiten Juden gegenüber, zu erfüllen. Der Keren Hayesod-Vereinigte Aktion für Israel ist das Finanzinstitut der Jewish Agency, deren Aufgabe es ist, für die Heimbringung der neuen Olim und deren wirtschaftliche Einordnung zu sorgen. Es ist leicht zu erfassen, daß der Transport nach Israel und die Einordnung enorme Summen verschlingen muß. Der Negev und Teile des Galils müssen bieten, ln einer nüchternen Welt der praktischen Politik hat dieses kleine Land verschiedene Vorteile in die Waagschale politischer Berechnungen zu werfen, aber nicht genügend, um gegen die Vorteile einer Freundschaft mit den arabischen Nationen mit ihrem Mcnschenrcichtum, ihren weiten Gebieten und ihren Bodenschätzen aufzukommen. Israel muß sich vorläufig mit der Freundschaft junger Nationen in Afrika und Asien begnügen, aber auch diese Länder werden schließlich ihre außenpolitischen Beziehungen ihren praktischen Interessen anpassen. Glücklicherweise hat Israel einen Freund und Bundesgenossen, auf den es sich jederzeit verlassen kann: das jüdische Volk. Dieses in der ganzen Welt zerstreute Volk, dessen Angehörige ergebene Bürger ihrer jeweiligen Länder sind, fühlt sich stark mit Israel verbunden. Es besteht aus vielen großen und einflußreichen Gemeinschaften in verschiedenen Ländern, besonders in den Vereinigten Staaten, aber auch in kleinerem Maßstab in Europa, im Britischen Commonwealth und in Südamerika, d. h. in Ländern, die eine wichtige Rolle in den Vereinten Nationen spielen, die z. T. wirtschaftliche Hilfe leisten können und mit denen es sich lohnt, Handelsbeziehungen zu unterhalten. Das jüdische Volk ist jederzeit bereit, Israel zu unterstützen, seine kulturellen und moralischen Werte zu propagieren und zu vererschlossen werden und ehe eine Siedlung gebaut und beziehbar ist, müssen Straßen gebaut, Wasser und Licht herangeführt werden. Erst dann kann der Bau der Wohnungen beginnen. Es ist daher Pflicht der Juden der ganzen Welt, durch Selbstbesteuerung an diesem Werk teilzuhaben. Das Aktionskomitee der Vereinigten Aktion Wien, wendet sich an Euch, Juden Oesterreichs, mit der Bitte, zu helfen, unsere Verpflichtungen Volk und Staat Israel gegenüber zu erfüllen. Die Aktion 1961 hat begonnen — wir bitten Sie, die nur aus Askanim (ehrenamtliche Mitarbeiter) bestehenden Mitglieder des Aktionskomitees, freundlich aufzunehmen, bzw. ihnen .die schwere Arbeit, die sie auf sich nahmen, leicht zu machen. Nicht Spenden wollen wir, sondern eine freiwillige Besteuerung und Aufbaubeiträge. Das Arbeitskomitee hat es, ebenso wie im vorigen Jahr abgelehnt, mit bezahlten Kräften zu arbeiten, um Spesen zu ersparen. Das Arbeitskomitee bittet Sie weiters noch: Helfen Sie mit an der Arbeit, werben Sie in Ihrem Freundeskreis, geben Sie uns Adressen, um die Aktion möglichst in die Breite zu tragen! Ein Geschäftsträger des Staates Israel in Oesterreich sagte: „In Wien gibt es genug Geber, jedoch zuwenig Nehmer!“ Er hat sicher recht. Das Arbeitskomitee ist überzeugt, daß bei einigem guten Willen die Aktion 1961 zu gutem Erfolg führen wird. Die nichtjüdische Welt versteht die Aufgabe Israels und fördert sie. Um wieviel mehr ist es Pflicht der Juden der ganzen Welt, an diesem Werk mitzuhelfen. KEREN HAYESOD Vereinigte Aktion für Israel breiten und neue Freunde für Israels Sache zu gewinnen. Dies bedeutet fiir den jungen Staat eine mächtige Hilfe in seinem Existenzkampf, ohne die es vielleicht nicht imstande wäre, zu bestehen. Eine der größten Taten Theodor Herzls war die Schaffung der Zionistischen Weltorganisation, der es gelang, die Mehrheit des jüdischen Volkes für die Errichtung eines jüdischen Staates zu gewinnen. Heute, da der jüdische Staat Wirklichkeit ist, ist das Bestehen einer zentralen Gruppe, die aus dem Staate Israel unbedingt ergebenen Menschen besteht, ebenso notwendig, wie zuvor. Die Zionistische Organisation hat heute viele Aufgaben im Dienste des jüdischen Staates zu erfüllen, aber außerdem eröffnen sich ihr noch einige spezielle Arbeitsgebiete, die vor einigen Jahren noch nicht bestanden. So muß heute die Zionistische Organisation junge und ältere idealistische Arbeitskräfte für Israel gewinnen, die eine gute berufliche Ausbildung haben, industrielle und kommerzielle Unternehmen gründen können, im Besitze finanzieller Mittel und bereit sind, aus den freien Ländern nach Israel zu kommen und ihre Fähigkeiten dem jungen Staat zur Verfügung zu stellen. Die Aufgabe der Zionistischen Organisation ist weiterhin, die jüdische Erziehung der Jugend so zu gestalten, daß sie nicht nur fundamentale jüdische Werte vermittelt, sondern in den jungen Menschen eine tiefe Liebe für Zion erweckt und sie mit dem Wunsch beseelt, Israel zu sehen und womöglich sich dauernd mit ihm zu verbinden. Auch muß diese Erziehung das Studium der hebräischen Sprache und Kultur einschließen. Diese zionistische Erziehung soll in den verschiedenen Ländern intensiv beginnen, aber nicht dort enden. Die Zionistische Organisation ist nicht zu ersetzen; würde sie nicht bestehen, so müßte sie geschaffen werden. Doch ist es selbstverständlich, daß die Beziehungen zwischen Israel und der Zionistischen Organisation auf Gegenseitigkeit beruhen müssen. Israel ist der Zionistischen Organisation verantwortlich, nicht nur, weil es verpflichtet ist, alles zu tun, um es dieser Organisation zu ermöglichen, dem Staate nützlich zu sein, sondern weil es Israel obliegt, eine Situation zu schaffen, in der sowohl der Staat als auch die Zionistische Organisation dem jüdischen Volke dienen können. Die Zionistische Organisation muß auoh die einzige, von der israelischen Regierung ermächtigte Körperschaft bleiben, die berechtigt ist, alle mit Schulung, Aufklärung, Einwanderung und Besiedlung zusammenhängenden Tätigkeiten durchzuführen. Die Beziehungen auf diesen Gebie- (Fortsetzung auf Seite 4) INTERNATIONALES REISEBÜRO PRIMUS besorgt Ihnen alle Bahn- und Schlafwagentickets, Flug- und Schiffspassagen zu Originalpreisen. Erholungsu. Urlaubsaufenthalte im In- und Ausland; Eigenes TheaterkartenbUro. 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