Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1960
- Issue
- Heft 115 (September 1960)
- Date
- 1960-09-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 DIE STIMME und Kultur in der Diaspora" der Jewish Agency wies die Delegierten nachdrücklichst auf den Ernst der Lage in der Diaspora hin. Aus einem umfassenden Überblick über jüdische Erziehung geht hervor, daß nur ca. 40".. aller jüdischen Kinder in Amerika in irgendeiner Form jüdische Erziehung erhalten, während 60"u ohne;eden Kontakt mit jüdischer Kultur, jüdischen Werten und der jüdischen Welt aufwachsen. Von den vorerwähnten 40 ,n genießt ungefähr die Hälfte nur!'.> Stunden wöchentlich sogenannte jüdische Erziehung. Vom zionistischen Standpunkt aus, muß eine solche Erziehung als lächerlich angeselien werden. Sie dient nur dazu, die Eltern zu täuschen und ihr nationales Bewußtsein zu beruhigen. Ein mehr oder weniger ähnliches Bild jüdischer Erziehung zeigt sich auch in anderen Ländern der Diaspora. Jüdische Erziehung muß daher die Hauptaufgabe der zionistischen Bewegung sein, wenn sie sich mit dem Schicksal des jüdischen Volkes ernstlich befassen will. MAX NUROCK Israel urtd Afrika Noch bevor Quay d'Orsay oder Whitehall oder Brüssel die afrikanischen Staaten zu ihrer neugewonnenen Selbständigkeit beglückwünschte, waren israelische Ratgeber, Techniker und Unternehmer in jenem Kontinent gern gesehen. Mehr und mehr Afrikaner kamen nach Israel, überzeugt davon, daß sie uneigennützig in der Anwendung der richtigen Theorien und Praxis sowie in der Spezialisierung in lebenswichtigen Berufen unterrichtet werden, die ihre Landsleute noch auf altmodische Weise unrentabel betrieben. Es liegt etwas Eindruckvolles in diesem Planen und der Ausführung und etwas Gesundes in dem Geben und Nehmen, in dem gegenseitigen internationalen Austausch. Das letzte, was Israel will, ist, seinen Anteil ungebührlich zu verherrlichen oder sich magischer Tugenden zu rühmen. Ein Plus besteht darin, daß diese Politik Israel hilft, die feindliche Umklammerung des arabischen Boykotts und der arabischen Blockade zu überspringen und zu einem freundlicheren Band mit Völkern zu gelangen, die letzten Endes Israels Nachbarn zu einer Änderung ihrer Einstellung bewegen können. Ein zweifacher Weg der technischen Hilfe Der Prozeß ist parallel und zyklisch. Zu gleicher Zeit sind Israels Techniker damit befaßt, zu organisieren und in Afrika etwas zu schaffen, was in Israel mit Erfolg ausprobierf wurde, ein Hospital, eine Marine-Akademie, den Bau eines Dammes, während die afrikanischen Kandidaten, die Kenntnisse erwerben sollen, eine intensive ' Ausbildung in Israel erhalten. Wenn die neuen afrikanischen Ärzte, Ingenieure, Krankenschwestern oder Angehörige welcher Berufe auch immer, ihre Ausbildung vollendet haben, gehen sie in ihre Heimatländer zurück, um dann das Hilfspersonal in der'Leitung der Geschäfte zu ersetzen. Zum Beispiel gründete ein Professor für Augenheilkunde der Hebräischen Universität, mit einer Oberin seines Personals, eine Augenklinik in Monrovia, während liberisches medizinisches Personal und Krankenschwestern in Israel ausgebildet wurden, um die Augenklinik zu übernehmen. So werden auch Israels Technologen Afrika zur Verfügung gestellt, um Probleme des Ingenieurwesens zu lösen und Landwirtschaft, Bewässerung und Wasserprojekte zu prüfen. Gegenwärtig sind 300 solcher israelischer Pioniere in Ghana, Liberia und Nigeria, in Sierra Leone, Togo und Äthiopien, in Kenya, Tanganika und der Mali Föderation tätig, sei es als Berater für ein Ministerium oder Angestellte in israelischen Unternehmungen mit afrikanischen Firmen als Partner. Aufenthaltsdauer und Aufgaben eines Technikers, der dort zu Arbeiten entsandt ist, sind begrenzt. Er überbrückt nur eine Lücke, bis Afrikaner selbst für Übernahme des Postens befähigt sind. Gleichzeitig mit der Entsendung von Technikern nach Afrika richtet die Regierung Israels individuelle oder Gruppenkurse in Israel für afrikanische Studenten über wirtschaftliche Entwicklung ihrer Länder ein. Zu Beginn dieses Jahres waren 300 Afrikaner in Israel zu Studienzwecken, zu Forschungen im Weizmann - Institut, zum Weiterstudium in Mathematik, Medizin, Landwirtschaft und Volkswirtschaft an der Hebräischen Universität, und vor allem über landwirtschaftliche Ansiedlung und seine kooperativen Ursprünge. In Tel-Aviv besteht ein afrikanisch - asiatisches Institut für Arbeitsstudien und Kooperation zur Ausbildung für die Arbeiterführerschaft in Wirtschaft, Geschichte und Organisation von Gewerkschaften und Kooperativ - Unternehmungen. Da sich auf diesem Forum Gewerkschaftler und Mitarbeiter treffen, ist ein instruktiver und lehrreicher Austausch von Erfahrungen und Gedanken gesichert. 00 Studenten sind zu jedem Kurs zugelassen, zu ihrem Eintritt sind höhere Schulbildung und Kenntnis des Englischen und Französischen Vorbedingung. Unterrichtsgeld, Wohnung und Unterhalt sind frei. Jeden Tag sendet das israelische Radio Nachrichten, Kommentare, Abschnitte aus dem Koran und Musik in englischer und französischer Sprache. Partnerschaft Die Afrikaner ziehen eine Partnerschaft und gemeinsame Unternehmungen gegenüber „abstrakten" technischen Ratschlägen vor. Sie wollen sicher gehen, daß das Interesse des fremden Geldgebers dem Erfolg des Unternehmen gilt, und daß sein nationaler Charakter gewahrt bleibt. So wollen sie die Majorität als Aktienbesitzer bilden, gewöhnlich mit 60 zu 40" o, und Israel geht auf diese Bedingung gerne ein. Ghana ZIM steht weiter mit seinen Diensten der Ghana Black Star Line zur Verfügung, und die Ghanaer gewinnen Erfahrungen auf ihren Schiffen und in der Handhabung, aber ihr ursprüngliches Kapital hat ZIM zurückgezogen, sobald es ohne Gefahr geschehen konnte. In der gleichen Form geht auch Solei Boneh mit einer Ghanaer Firma bei der industriellen Entwicklung in der Errichtung von Bauten und Anlegung von Wegen vor. Sie stellt Ingenieure und Vormeister sowie Baumaterial zur Verfügung des „Konsortiums" und hat zehn Stipendien für Ghanaer ausgesetzt, die in Israel lernen. Städtische Wasserwerke in Akkra und anderen Zentren werden unter israelischer Leitung installiert. Israelis halten,.^ Vorträge im Technischen Institut, oder arbeiten im fach, bei der Hühneraufzucht und unterwer brauch von landwirtschaftlichen Maschinr^^r •5' der Schiffahrtsschule ist ein Israeli.