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Die Stimme · 1960-09-01 · Heft 115 (September 1960) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1960
Issue
Heft 115 (September 1960)
Date
1960-09-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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10 DIE STIMME wunderbaren, langen Sandstrand. Viele erstklassige Hotels strahlen eine gewisse unpersönliche Kühle aus, nicht so das Sharon, denn der Manager des Hauses, Harry Levy, dessen Familie früher einmal ein Hotel in Norderney geführt hat, sieht sehr auf Gemütlichkeit. Das Geheimnis seines Erfolges ist außer dem erstklassigen Service eine umfangreiche Gästekartothek. Alle Angestellten des Hauses haben den strikten Auftrag, besonders auf die kleinen Eigenheiten und die speziellen Wünsche der Gäste zu achten, etwa daß Mister X aus New York vor dem Schlafengehen immer noch etwas Obst auf seinem Zimmer haben möchte oder daß Madame Y aus Paris die Suppe nur ißt, wenn sie heiß auf den Tisch kommt. Alle diese Besonderheiten werden gewissenhaft in der Kartothek registriert. Wenn diese Gäste dann vielleicht nach einigen Jahren wieder einmal im Sharon-Hotel absteigen, wird Mister X Obst auf seinem Zimmer finden und Madame Y eine brennheiße Suppe serviert bekommen. Und so kann sich Hotelier Levy als Vater einer großen Familie von Gästen fühlen, die immer wieder in sein Haus zurückkommen. EINE WELT IM KLEINEN Israel ist eine Welt im kleinen. Die Juden sind zwar im Verlaufe ihrer Geschichte in alle Welt zerstreut worden, wo immer sie aber leben mochten, haben sie die Hoffnung nie aufgegeben, eines Tages nach Zion zurückzukehren. Die Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel öffnete erstmals die Grenzen für eine unbeschränkte Einwanderung, und im Heimkehrgesetz von 1950 wurde dekretiert: „Jeder Jude hat das Recht, nach Israel einzuwandern." Ministerpräsident Ben Gurion hat zur Bedeutung der Einwanderung einmal erklärt: „Der Staat wurde mit dem Zweck einer Masseneinwanderung, um die im Exil Lebenden zusammenzuführen, gegründet, und nur in dieser Idee ist er lebensfähig." Die Verkündigung der Unabhängigkeit Israels war der Beginn einer Einwanderung von unvorstellbarem Ausmaß: Aus 74 verschiedenen Ländern und aus allen fünf Kontinenten kamen Juden nach Israel. Kein Staat der Welt hat eine so bunt zusammengewürfelte Bevölkerung; aber heute fühlen sich alle — mögen sie aus Polen oder Marokko, aus den USA oder aus Jemen, aus Österreich oder Südafrika, aus der Sowjetunion oder aus Indien gekommen sein — als Staatsbürger eines Landes, ihrer Heimat Israel. Der Israeli ist freundlich und gastfrei und unerhört aufgeschlossen. Verständigungsschwierigkeiien gibt es so gut wie keine. Zwar ist die Landessprache Hebräisch, es ist aber fast unmöglich, jemanden zu finden, der nicht auch Deutsch, Englisch oder Französisch spricht. Es ist also kein Problem, mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen, überdies hat das staatliche Touristenamt auch hier Vorsorge getroffen und vermittelt den Besuchern des Landes Kontakte mit der Bevölkerung. Man sollte diese freundliche Einladung unbedingt annehmen und wird dann an einem Abend mehr über Land und Menschen erfahren können, als sonst in einer Woche. VIELFALT AN SEHENSWÜRDIGKEITEN Was sollte der Reisende in Israel unbedingt sehen? Diese Frage kann leider nur in einem Buch, nicht aber in einem kurzen Zeitungsbericht beantwortet werden. Israel ist so reich an historischen Stätten, daß die Auswahl ungeheuer schwer fällt und man sich von vornherein, je nach der Verfügung stehenden Zeit, gewisse Beschränkungen auferlegen muß. Immerhin gibt es aber natürlich einige besondere Sehenswürdigkeiten, die im Programm eines Israelbesuches nicht fehlen sollten. Wichtige Anregungen für die Programmzusammenstellung kann man den Prospekten und Informationsheftchen des Fremdenverkehrsbüros der israelischen Regierung entnehmen, auf jeden Fall aber empfiehlt es sich, sich schon vor der Reise an Hand eines Reiseführers über Geschichte und Gegebenheiten des Landes zu orientieren. Die Verkehrsmittel Israels (Eisenbahn, Autobusse, Sammeltaxis, Privatwagen, zwischen Tel Aviv und Eilat auch eine Flugverbindung) sind gut und billig. Außerdem veranstalten die Reisebüros in den großen Städten auch immer Ausflüge und Führungen zu den bekanntesten und schönsren Punkten des Landes. Um nun wirklich einiges herauszugreifen: Man sollte den herrlichen Ausblick vom ehrwürdigen Berg Karmel auf die Bucht von Haifa genießen, man sollte einmal durch die Boulevards von Tel Aviv, der größten Stadt und dem Geschäftszentrum Israels, und durch die schmalen Gäßchen der Nachbarstadt Jaffa schlendern und man sollte in Beersheba an einem Donnerstag das buntbewegte, orientalische Leben und Treiben auf dem Beduinenmarkt beobachten. Man sollte Caesarea besuchen, die ehemalige römische Hauptstadt Judäas, die alte Hafenstadt Akko mit ihrer Kreuzfahrerfestung und der berühmten Jazzarmoschee, Safed mit seinen alten Synagogen und der fröhlichen Künstlerkolonie und schließlich Sodom, den am tiefsten gelegenen Ort der Erde (394 m unter dem Meeresspiegel), die Stadt am Toten Meer, in dem man bekanntlich nicht untergehen kann. Man wird eine Fahrt zu den heiligen Stätten nach Nazareth unternehmen und nach Kapernaum, in jene einzigartige Landschaft am See Genezareth, in der Jesus viele seiner Wunder vollbrachte. Man sollte sich in Tiberias die schon aus der Römerzeit bekannten heißen Quellen zeigen lassen und man sollte im Golf von Eilat durch den Glasboden der Boote die Korallen und die vielfarbigen Fische des Roten Meeres bewundern. („Wiener Zeitung") NEUJAHRSAUFRUF DES MATAN B‘SZESZER Das Bewußtsein der so schönen Tatsache, daß unsere jüdischen Brüder und Schwestern bisher keinen Hilferuf, unsere Armen und Kranken betreffend, ungehört ließen, gibt uns auch heute wieder den Mut, an unsere edlen Spender den Appell zu richten, anläßlich des Neujahrsfestes i hre Hilfeleistungen auf unser Konto bei der Creditanstalt - Bankverein, Zweigstelle Kärntner Ring, Wien, Postsparkassenkonto 90.485, unter Bezugnahme auf unser Konto 3742 zu überweisen. Selbst alle Bemühungen, die seitens unserer leider so klein gewordenen Gemeinschaft fortgesetzt unternommen werden, um die Not unter unseren Bedürftigen einigermaßen zu bannen, hat bisher nicht ausgereicht, sodaß noch immer eine große Anzahl von jüdischen Menschen übrig bleibt, die heute noch, im Zeichen des sogenannten österreichischen Wirtschaftswunders ein erbarmungswürdiges Dasein führen. Ihr finanzielles Opfer dient daher einem <- y <s menschlichen Zweck und wir danken lhne>^ Q? Herzen schon heute für Ihre freundlich' *l9-

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