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Die Stimme · 1960-09-01 · Heft 115 (September 1960) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1960
Issue
Heft 115 (September 1960)
Date
1960-09-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DIE STIMME 9 HEINI SCIO „Dez Sonnt nacU - nacU Iszael" Eindrücke von einer Reise durch das Land der Bibel. Modernster Fortschritt auf historischem Boden. „Der Sonne nach — nach Israel", das ist der Slogan des Israelischen Touristenamfes für seine Winterwerbung in Amerika und Europa. Dieser Werbespruch ist kurz, einprägsam und vor allem — was jeder gute Slogan sein sollte: wahr. Zur Zeit, da wir in Mitteleuropa fröstelnd die Mäntel aus den Schränken holen, ist an der israelischen Mittelmeerküste die Badesaison noch in vollem Gange und die Sonne lacht von einem strahlend blauen Kodachrome-Himmel. Neun Monate im Jahr kann man hier im Badeanzug verbringen. Wenn wir im Jänner durch den Schnee stapfen und der berühmt-berüchtigte Wiener Wind über die kahlen Ringstraßenbäume fegt, dann weist die Quecksilbersäule des Thermometers in Eilat am Golf von Akaba, der in das Rote Meer mündet, auf Temperaturen zwischen 11 und 22 Grad Celius. Selbst im Winter gibt es hier, nur wenige Flugstunden von Europa entfernt, kaum einmal Regen, denn die durchschnittliche jährliche Regenmenge erreicht nur 30 mm. Ähnlich sind die klimatischen Verhältnisse auch in Tiberias, Israels beliebtesten Winterkurort am See Genezareth; auch dort werde im Jänner Temperaturen zwischen 12 und 20 Grad Celsius gemessen, und es gibt nicht einmal sieben Regentage im Jahr. Wenn einer eine Reise tut . . . dann können ihn verschiedene Überlegungen dazu veranlassen. Mag es nun ein ausgeprägter Wissensdurst sein oder ganz einfach das Bedürfnis nach einer geruhsamen Erholung, mag es die Sehnsucht sein, ein fremdes Land kennenzulernen, oder der Wunsch, mit Menschen anderer Nationen Kontakt aufzunehmen —' Israel ist so vielfältig, daß kaum einer dieser Wünsche offenbleibt. Israel ist vielleicht das erregendste Reiseland unserer Zeit, denn es ist seit drei Jahrtausenden Schauplatz der Geschichte und in seiner gegenwärtigen Existenz wenigstens ebenso interessant wie in den Zeugen seiner wechselvollen Entwicklung. Israels Boden kann man nicht nur in Haifa, sondern auch schon in Marseille oder Neapel betreten. Von diesen beiden Häfen laufen die Schiffe der israelischen Schiffahrtslinie ZIM-Shoham aus zur Fahrt ins Heilige Land. Und auf dem Schiff beginnt auch schon der eigentliche Urlaub, denn die Fahrt auf den schnellen und eleganten, weißen Zehntausentonnern ist nicht nur Mittel zum Zweck (um nämlich die Entfernung zu überbrücken), sondern schon der erste Höhepunkt der ganzen Reise. Gibt es etwas Schöneres, als auf dem Bootsedck in bequemen Liegestühlen zu faulenzen und das Sonnenbad nur gelegentlich durch ein richtiges, erfrischendes Bad im Schwimmbecken zu unterbrechen? Zwischendurch geht’s zum Lunch und zum Dinner in den Speisesaal. Auf der „Theodor Herzl" heißt der Ober Jellinek, ist ein gebürtiger Wiener aus der Brigittenau und wird Sie so verwöhnen, daß Sie nur mit größten Anstrengungen alles das verzehren können, was er Ihnen servieren wird. ■ Schiff hat zwei Tanzkapellen und drei Bars, in ertfi«..ri+liche Einrichtungen sich die modernen Areiten ist^er Künstler harmonisch einfügen. Übrigens ist die Konsul,o jn den Bars _ vom Whisky bis zum französischen Kognak, von den amerikanischen Zigaretten bis zum unvergleichlichen israelischen Orangensaft —1 nicht von Zollspesen belastet und daher unwahrscheinlich billig. Auf der „Theodor Herzl", aber auch auf dem Schwesterschiff, der „Jerusalem", fühlt man sich auf der viertägigen Reise in den Nahen Osten richtig wohl. Besonders sympathisch ist, daß sich die Klasseneinteilung (erste Klasse und Touristenklasse) praktisch nur in der Lage der Kabinen und in der Reichhaltigkeit des Essens auswirkt. Alle Passagiere speisen im gleichen Seipesaal, und auch in den Gesellschaftsräumen und auf Deck gibt es keine „Klassenunterschiede". Israel ist eine Demokratie — nicht nur nach seiner Verfassung. Israel hat über zwei Millionen Einwohner, davon etwa 90 Juden. Genauere Zahlen anzugeben wäre völlig zwecklos, denn die Bevölkerung nimmt — teils durch natürliches Wachstum, teils und vor allem aber durch die Einwanderung — so rasch zu, daß die Statistiker mit ihren Tabellen immer beträchtlich nachhinken. Seit der Staatsgründung im Jahre 1943 hat sich die jüdische Bevölkerung bereits mehr als verdreifacht. Wenn man einen Vergleich ziehen wollte, könnte man feststellen, daß in Israel ungefähr ebenso viele Menschen wohnen wie in Wien, Graz und Linz zusammengenommen. Das Land erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 20.000 Quadratkilometer, ist also nur wenig größer als das Bundesland Niederösterreich. Dennoch hat es bereits jetzt beträchtlich mehr Einwohner als Niederösterreich — und die Einwanderung wird wohl noch lange Zeit nicht abgeschlossen sein. Dabei muß jeder Fußbreit Boden den steinigen Bergen oder der öden Wüste abgerungen werden. Zu den unzähligen Problemen des jungen Staates Israel gehören deshalb die Wiederaufforstung und die Bewässerung zu jenen, die besonders dringlich gelöst werden müssen. Was an diesen Arbeiten in wenigen Jahren schon geleistet wurde, grenzt an ein Wunder (aber wurden in diesem Lande nicht schon viele Wunder gewirkt?); was noch zu tun bleibt, ist gigantisch. Und wenn man nicht mit eigenen Augen sehen könnte, was schon geschaffen wurde, hielte man die großartigen Projekte für Phantastereien. Bei dem in Israel herrschenden Aufbautempo wird es aber sicher nur mehr wenige Jahre dauern, bis das Wasser aus dem See Genezareth die Wüste Negev in eine fruchtbare Landschaft verwandelt hat. Daß dabei das Wasser erst einmal aus dem 212 Meter unter dem Meeresspiegel liegenden See hoch- und dann noch 200 bis 400 Kilometer bis in die Wüste des südlichen Landesteiles weitergepumpt werden muß, scheint weder die israelischen Ingenieure noch ihre Arbeiter wesentlich zu beeindrucken. Die Bewässerung ist eine Existenzfrage des Landes, aber es ist gar keine Frage, daß das Problem bewältigt werden muß und wird. So manifestiert sich in den jungen Menschen des Landes ein Pioniergeist, für den es einfach keine unüberwindlichen Schwierigkeiten gibt. Aber an diese Schwierigkeiten denkt man nicht, wenn man im Sharon-Hotel — jedes Zimmer hat ein eigenes Bad und eine Loggia mit Ausblick auf die See, die meisten Zimmer haben eine Klimaanlage — erhebt sich stolz auf einer Klippe über dem Meer und über dem

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