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Die Stimme · 1960-09-01 · Heft 115 (September 1960) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1960
Issue
Heft 115 (September 1960)
Date
1960-09-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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4 DIE STIMME .SPATE REUEI Die Redaktion der Halbmonatsschrift „Das Echo”, welches In La Paz (Bolivien) In deutscher Sprache erscheint, die Interessen der bolivianischen Juden wnhrnimmt und den Zionismus hochhält, stellt uns folgenden Aufsatz zur Verfügung, dem wir gerne Raum geben. Robert Ley gehörte zu den Spitzen der nazistischen Unholde und trug mit dazu bei, daß die Nazis aus Deutschland ein Tollhaus machten! Wir veröffentlichen ein Dokument, welches Hitlerfreunde und Antisemiten zum Nachdenken anregen sollte: Das Testament des führenden Nazi Dr. Robert Ley, der durch Selbstmord endete und diese Zeilen in seiner Zelle in Nürnberg im November 1945 schrieb. Es wäre gut, wenn diese Veröffentlichung weitgehende Verbreitung fände. Das Testament, das Dr. Ley vor seinem Selbstmord „An mein deutsches Volk" hinterlassen hat, lautet folgendermaßen: „Habe ich ein Recht, mich an das deutsche Volk zu wenden, nach einer einzigartigen Katastrophe? Ich war einer der verantwortlichen Männer, ich stand bei Hitler in den guten Tagen, während der Erfüllung unserer Pläne und Hoffnungen, und ich will auch jetzt in den düsteren Tagen bei ihm sein. Ich habe gelernt, in allem die Hand der Vorsehung zu sehen. Gott lenkte mich in allem, was ich tat, er hat mich zur Höhe geführt und läßt mich jetzt fallen. Ich zerquäle mich, um den Grund für diesen Absturz zu finden. Und dies ist das Ergebnis meiner Betrachtungen. Wir haben Gott verlassen und deshalb sind wir jetzt von Gott verlassen. Wir haben unser menschliches Wollen an die Stelle seiner göttlichen Gnade gesetzt. Durch den Antisemitismus verletzten wir eines der Grundgebote seiner Schöpfung. Der Antisemitismus hat unseren Blick getrübt und wir haben schwere Irrtümer begangen. Es fällt schwer, Fehler einzugestehen, aber der Bestand unseres ganzes Volkes steht auf dem Spiel; wir Nationalsozialisten müssen den Mut haben, uns vom Antisemitismus freizumachen. Wir müssen der Jugend erklären, daß es ein Fehler war. Die Jugend wird unseren Feinden nicht glauben. Männer können fallen. Parteien und Systeme verschwinden, aber das Volk muß bestehen bleiben und leben. Zunächst müssen wir alle den gleichen Weg gehen und das Neue dulden. Aber das ist nicht genug. Wir müssen das Mißtrauen ausrotten. Wir müssen den Juden offenherzig und auf einer klaren Grundlage entgecjentreten. Wir müssen unsere gegenseitigen Beziehungen klarstellen. Man muß eine volle Versöhnung finden und einen neuen Modus vivendi. Diese weltanschauliche Klärung muß jedem wirtschaftlichen oder kulturellen Wiederaufbau vorangehen. Wir müssen den Mut haben, das zu tun. „GOTT HAT GESPROCHEN" Mangels eines anderen Ideals wird sich die Jugend an den Nationalsozialismus halten. Die vertriebenen Juden können nicht sorglos zurückkehren, sie werden sich einem Wall von Abwehr und Haß gegenübersehen. Die Besatzungstruppen werden eines Tages abrücken, neue politische Konstellationen können Deutschland neue Möglichkeiten geben. Nichts ist weniger haltbar als Friedensvereinbarungen. Dann wird der Antisemitismus wieder aufflammen und schlimmer wüten als je zuvor. Es ist unklug zu glauben, das der Antisemitismus mit theatralischen Prozessen ausgerottet werden kann, wie geschickt sie auch aufgezogen sind. Man wird dadurch nur das Gegenteil erreichen, man wird die Aufmerksamkeit der Welt auf ein Problem lenken, das nur im Dunkeln bestehen kann, wenn man nicht den Mut hat, das jüidsche Problem durch öffentliche Diskussion und Aufklärung zu lösen. Man kann das erregte Meer nicht auf einmal glätten, sondern muß es sich langsam beruhigen lassen. Sonst sind fürchterliche Rückschläge sicher. Die deutschen Antisemiten haben den ersten Schritt getan. Sie müssen auch den zweiten tun. Das Judentum muß s ch mit Deutschland versöhnen und umgekehrt, um des Friedens und des Wohlergehens der Welf willen. Kein Waffenstillstand, sondern ein Friede tut not, der auf Logik, Wissen, klaren Rechten und Pflichten aufgebciut ist. Der Jude muß sich Deutschland zum Freund machen und Deutschland sich mit dem Juden befreunden. Wenn die Menschheit nicht imstande ist, die aufgewühlten Leidenschaften zu beherrschen, wird sie durch sie untergehen. Die Leidenschaften müssen am Ausgangspunkt unterdrückt werden, von Deutschland aus. Sie müssen beruhigt werden. Hier müssen die ausgesprochenen Antisemiten die ersten Streiter werden für die neue und doch so H/erfraute Idee. Sie müssen den Mut finden, sich selber zu überwinden, sie müssen ihrem Volk den Weg weisen. Gott hat mich das in meiner Zelle in Nürnberg gelehrt und dies ist mein Plan: A. Erstens die Schaffung eines Ausschusses von Juden und Antisemiten, die ehrlich bereit sind, den Weg zu bahnen und die Bedingungen zu finden, unter denen Ju den und Deutsche Zusammenleben können. B. Ein Exekutivkomitee, wieder Juden und Deutsche gemeinsam, das die Abmachungen durchführt. C. Eine Organisation für Neuerziehung und Propaganda, die diese Ideen bis ins kleinste Dorf verbreitet. Vorerst habe ich nicht mehr zu sagen, sonst wird mein Plan unklar. Zweifellos wird noch vieles zu besprechen sein. Deutsches Volk: viele von euch werden mich für verrückt halten oder als Verräter betrachten. Sie versahen nicht, daß ich nicht einen Fehler eingestehe, sondern nur zu einem logischen Schluß gelangt bin. Sie können begreifen, daß man Antisemit gewesen sein muß, um diesen letzten Schritt der Erkenntnis zu tun. Deshalb kannst nur Du, mein deutshcss Volk, es wagen, die Juden aufzufordern, ihre künftige Heimstatt bei Dir zu errichten. Ist es nicht seltsam, daß fast alle Juden in aller Welt deutsch verstehen? Haß und Liebe liegen nah beieinander. Wer wird Dir helfen, wiederaufzubauen, mein deutsches Volk? Es ist eine Frage des Vertrauens. Voraussetzung ist und bleibt die Lösung des Judenproblems in Deutschland. Deutsches Volk: sei ein guter Familienvater; mache eine ehrliche Bilanz. Du bist vollkommen besiegt, aber Du besitzt wundervolle Logik, Ideenreichtum und bist ein großes Volk. Gott weist Dir den Weg. Lerne aus Deinem Sturz. Versöhne Dich mit dem Juden. Lade ihn ein, sein Heim bei Dir aufzuschlagen.

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