Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1960
- Issue
- Heft 115 (September 1960)
- Date
- 1960-09-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STIMME 9 Kultussteuer Wir haben zum Problem Kultussleuer bis heule nicht Stellung genommen, v/eil es sich um eine heikle Angelegenheit handelt, die oft zu rhetorischen Verzerrungen führt. Die Entrichtung von Steuern im allgemeinen schafft, gelinde gesagt, ein undeutliches Gefühl und regt zu oppositioneller Haltung an. überall, wo Kultusgemeinden bestehen, wird die Kultussteuer eingehoben. Je nach Gesetz darf eine Religionsgemeinschaft ihrem Mitglied die Pflicht auferlegen, Steuer regelmäßig zu zahlen, selbstverständlich nach Maßgabe vorhandenen Vermögens, besonders auf Grund nachweisbaren ständigen Einkommens. Es gibt wohl Kultusgemeinden in Europa und Übersee, die keine gesetzliche Grundlage haben, Steuern einzuheben, weshalb sie auf freiwillige Selbstbesteuerung angewiesen sind. Auf Grund der uns vorliegenden Informationen, können wir unsere Leser dahingehend informieren, daß das Steueraufkommen in den Kultusgemeinden, denen das Gesetz kein Recht zur Steuereinhebung einräumt, nicht unbeträchtlich ist. Kultusgemeinden sind derart auf die Steuer angewiesen, daß sie ihre Pflichten gegenüber der Masse ihrer Mitglieder nicht erfüllen könnten, wenn die Gelder nicht regelmäßig und in angemessener Höhe eingingen. Wir weisen darauf hin, daß die Kultusgemeinde zu erhalten und zu betreuen hat: Spital, Altersheim, Friedhof, Matrikelamt, Steueramt, Bethäuser, Fürsorgestelle, Obdachlosenheime, technische Abteilung, Rabbinat und den Verwaltungsapparat. j j'»,’ Diese Einrichtung kann unsere jüdische Gemeinschaft nicht entbehren, da sie vom religiösen, sozialen und humanitären Gesichtspunkt aus, auf sie angewiesen ist. Daraus erhellt, daß wir der KG Gelder zuführen müssen, wodurch wir sie verhalten können, den in Rede stehenden Pflichten nach bestem Wissen und Gewissen Rechnung zu tragen. Die Einhebung der Steuergelder geschieht nicht von ungefähr, vielmehr wacht die satzungsgemäß bestellte Steuerschätzungskommission darüber, daß der Steuerzahler nicht auf das Gutdünken und auf die Laune einer einzelnen Person angewiesen ist und daß er nicht der falsch,en Einschätzung anheimfällt. Zur Information der Steuerzahler vermerken wir, daß die Steuerschätzungskommission sich aus Vertretern aller jüdischen Parteien zusammensetzt. Der Zionistische Landesverband ist selbstverstöndl ch in dieser Kommission vertreten. Kultussteuerzahler, welche glauben, daß ihnen bei der Steuerbemessung nicht Genüge getan wurde, haben die Möglichkeit, im Zionistischen Landesverband jeden Montag in der Zeit zwischen 18 und 19 Uhr vorzusprechen und ihre Beschwerden vorzutragen. Der Steuerzahler kann versichert sein, daß sein Fall einer gewissenhaften Prüfung unterzogen werden wird. Barmitzwawold in Jerusalem Kürzlich wurde der Barmjtzwa - Hain, in welchem jeder Knabe, der Barmitzwa wird, einen Baum eigenhändig pflanzen kann, eingeweiht. Dieser Hain liegt im Sanhedria Gebiet im Jerusalem Wald und die Feier wurde im Rahmen des Projektes „Pflanze einen Baum mit eigener Hand" abgehalten. Das Pflanzen von Bäumen im Namen von Barmitzwa- Knaben ist ein Geschenk des staatlichen Touristenamtes, weches dieses Projekt durchführt, um jüdische Jugend in der Diaspora anzueifern, nach Israel zu kommen und hier ihre Barmitzwa zu feiern. Wie QcaiüUecet* Dr. Wolf.Herzberg Der Ehrenpräsident des Zionistischen Landesverbandes Herr Dr. Wolf Herzberg feierte am 20. September in voller geistiger und köreprlicher Frische seinen 75. Geburtstag. Wir bewundern an dem Jubilar seine Gradlinnigkeit, Herzensgüte und Bescheidenheit. Seit seinem 15. Lebensjahr, also volle 00 Jahre, sieht Dr. Herzberg in der ersten Reihe der Streiter um die Schaffung und um das Gedeihen des Staates Israel. Der Zionistische Landesverband und die Redaktion der „Stimme" wünschen ihrem Ehrenpräsidenten alles Gute! Wolf Tischenkel Der Bunde^präsident verlieh dem Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes, Wolf Tischenkel die Goldene Medaille für Verdienste um die Republik Österreich. Diese wohlverdiente Auszeichnung erhie.t Herr Tischenkel für seine rastlose und selbstlose Tätigkeit als Kommissionsmitglied des Fonds für politisch Verfolgte, die ihren Wohnsitz im Ausland haben. Wir gratulieren herzlichst! Fritz Müller Sekretär des Zionistischen Landesverbandes und der Zionistischen Föderation, sowie Redakteur der „Stimme", versieht diese für den österreichischen Zionismus so wichtigen Funktionen seit 10 Jahren. Wir benützen die Gelegenheit unserem Chawer aus diesem Anlaß unseren Dank auszudrücken und unsere besten Wünsche darzubringen. Braver Manus Diamant Wir gratulieren Herrn Manus Diamant und seiner Frau zur Geburt ihres Sohnes! Masal towl Klare Worte Denjenigen Deutschen und Österreichern, die immer so tun, als ob sie an der politischen Entwicklung der Vergangenheit keine Schuld träfe, hat der katholische Bischof Hengsbach auf dem in München stattgefundenen Eucharistischen Kongreß eine klare Antwort erteilt, die wir im Interesse der Sauberkeit der Diskussion nur begrüßen können. Bei der Weihe einer Sühne - Kapelle im ehemaligen KZ Dachau sagte er: „Nicht nur die Henker von Dachau waren schuld. Wir wissen, klar oder dunkel, daß wir alle Anteil an der Sünde haben. Wir wissen um die besondere Schwere der Schuld der Deutschen, die hier an Mitmenschen aus anderen Nationen schuldig geworden sind. Wir haben nicht nur Gott um Verzeihung zu bitten. Darum bitten auch die Schuldigen unter uns die Opfer unter uns um Verzeihung für das, was ihnen hier .angetan wurde. Nicht nur als einzelne, sondern auch von Familie zu Familie, von Volk zu Volk." Damit machte der Bischof klar, daß auch, im Verschweigen, im mutlosen Zusehen oder Mithandeln Schuld begraben liegt. Dieser Schuld sollte man sich in Deutschland und in Österreich bewußt werden. Das ist es, was man mit der Forderung nach „Bewältigung der Vergangenheit" meint. Wir hoffen, daß das Wort aus Dachau weite Kreise ziehen und die Diskussion über die Hintergründe der deutschen Vergangenheit beleben wird. Und wir möchten bei der Autorität des Redners hoffen, daß manchem klar wird, daß das, wohinter er sich in den vergangenen Jahren, wenn die Vorwürfe sein Ohr trafen, verschanzte, keine Entschuldigung war, sondern nur ein Vorwand, hinter dem sich Feigheit verbarg.