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Die Stimme · 1960-09-01 · Heft 115 (September 1960) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1960
Issue
Heft 115 (September 1960)
Date
1960-09-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2 DIE STIMME eschatologische Frevel, der es tatsächlich war und die Menschheit schändete, sondern auch als Ungeheuer, das seine Gewalttaten ins Unermeßliche trieb. Durch den Zusammenbruch des Nazismus, fand der Großteil des deutschen Volkes wieder den Weg aus dem Zustand der Sünde in den humanitären Zustand, was hoffentlich von Dauer sein, und niemals mehr zum Ausbruch des Hasses kommen wird. Nun, da die Gefahr von der Menschheit im allgemeinen und von uns Juden im besonderen abgewendet ist, dürfen wir rückschauend feststellen, daß wir Juden, allen Schwierigkeiten zum Trotz, unser Dasein in Österreich recht und schlecht gestaltet haben, doch ist unsere Hoffnung auf Israel gerichtet, das der Garant ist für unsere nationale und kulturelle Sicherheit. Ein normal geführter Staat bietet seinen Bürgern volle Sicherheit und Schutz vor Gewalttätigkeiten. Mit Anerkennung heben wir hervor, daß, als der österreichische Nazismus vor kurzer Zeit, sein mit Schande bedecktes Haupt gegen uns Juden wieder zu erheben versuchte und abscheuliche Drohungen ausstieß, die Exekutive uns ihren Schutz angedeihen ließ. Der Talmud lehrt uns, daß demjenigen, der eine Sünde im Bewußtsein begeht, daß sie ihm einmal vergeben werden wird, keine Sühne erreicht. Verbrechen gegen die Menschheit findet bei Gott dann Vergebung, wenn ehrliche Einkehr und die Bereitschaft besteht, den Weg guter Taten zu betreten. Das Schicksal aller Völker jetzt und in Zukunft hängt vom Schicksal der gesamten Menschheit ab. Eingedenk dieses Axioms werden jene Länder, wo der Antisemitismus latent ist, sich Mühe geben müssen, der Unmenschlichkeit Einhalt zu gebieten, um dem glücklichen Schicksal nicht zu entgehen. Gesunder und wahrer Schicksalsglaube, krönt den Menschenl Durch den gesunden und wahren Schicksalsglauben, gewann das Judentum große Bedeutung als ethische Religion und konnte sich als Volk behaupten. Die erste und kardinale Sehnsucht des Juden ist Frieden (Schalom). Frieden allen Menschen des Erdballs, Frieden der Medinath Israel. Mit dem Frieden kehrt Glück auf Erden ein. Frieden sei der Menschen erstes Geläute. Frieden bringt Versöhnung und Verständigung den Völkern. In diesem Geiste wird Israel leben und als Glied der menschlichen Gemeinschaft den ehernen Gesetzen dienen. Möge im Jahr 57 21 der Medinath Israel beschieden sein, den Aufbau des Landes intensiv fortzusetzen, eine große Alijah wieder aufzunehmen und Kraft zu sammeln für eine segensreiche Zukunft. Bernhard Braver. Neues Material gegen Eichmann Er organisierte Feldzug gegen Freimaurer — Diskussion um die Todesstrafe. Die israelische Polizei wartet auf die Einreisevisa in Länder des Ostblocks, darunter auch in die Sowjetunion. Beamte sollen dort Material über die Tätigkeit des ehemaligen SS - Obersturmbannführers Eichmann suchen, nachdem in westlichen Ländern bereits erfolgreiche Ermittlungen angestellt worden sind. In Jerusalem wird erwartet, daß die Länder des Ostblocks die beantragten Visa erteilen werden. Es wird darauf verwiesen, daß die Nachricht über die Verhaftung Eichmanns in Israel positive Kommentare in der Sowjetunion und deren Satellitenländern ausgelöst hat. Der Leiter des „Tschechoslowakischen Komitees der antifaschistischen Kämpfer", Jaroslav Weinik, der sich schon seit Jahren mit Ermittlungen über Naziverbrechen befaßt, konzentriert seine Forschungen ganz auf die Vergangenheit Eichmanns. Er hat alle seine Landsleute aufgefordert, ihm belastendes Material über Eichmann zu überlassen. Die Entscheidung, ob das Ergebnis dieser Arbeit den israelischen Behörden überlassen wird, hat die tschechoslowakische Regierung allerdings noch zu treffen. Wie in Jerusalem bekannt wurde, hat Weinik bereits Material über .'150 ehemalige Nationalsozialisten zusammengetragen, die Eichmann bei dessen Taten geholfen haben, darunter Leopold Gleim, der jetzt unter dem Namen Ali Naher in Kairo leben soll. Der israelische Polizeiinspektor Selinger äußerie sich inzwischen sehr zufrieden über die Ermittlungen, die er in mehreren westeuropäischen Ländern angestellt hat. Besonders wertvolles Material habe er im Pariser Büro für jüdische Dokumentation gefunden. Die französischen Behörden haben sich ebenso entgegenkommend gezeigt wie Beamte des britischen Außenministeriums. Die israelische Öffentlichkeit, die immer noch ständig über Einzelheiten des „Falles Eichmann" unterrichtet wird, hat ihr Interesse jetzt schon dem Prozeß gegen den früheren SS-Obersturmbannführer zugewandt, der im kommenden Frühjahr beginnen soll. Der Direktor der israelischen Gerichtshöfe, J. Eisenberg, hat den Brief eines Deutschen erhalten, in dem dieser anbietet, Eichmanns Exekution zu vollziehen, falls Kriegsverbrechen — ausgesprochen werden kann. Aber wenn ein israelisches Gericht nun ein Todesurteil aussprechen würde, so würde es vergeblich nach irgendwelchen Bestimmungen suchen, in denen die Art der Vollstreckung festgelegt ist. Der Organisator des Vernichtungsfeldzuges der Nazi gegen die Freimaurer war Adolf Eichmann. Wie die „Freimaurer-Korrespondenz" mitteilt, hafte Eichmann im Sicherheitshauptamt der SS eine Freimaurer-Kartei angelegt. Schon 1933 wurden auf Grund dieser Kartei die ersten Logen geschlossen. Die letzte wurde am 17. August 1935 von der Gestapo verboten. Aus Anlaß des 25. Jahrestages des Verbotes weist die „Freimaurer-Korrespondenz" darauf hin, daß von den 80.000 deutschen Freimaurern, die es Anfang 1938 in fast tausend Logen gab, nach dem Krieg nur noch 5000 am Leben waren. Zahlreiche Freimaurer wurden verhaftet, in Konzentrationslager verschleppt oder auf Grund des „Heimtückegesetzes" abgeurteilt. Hohe Beamte, Ärzle, Anwälte und Wirtschaftsführer mußten ihre Zugehörigkeit zu dem Humanitätsbund im Zuchthaus büßen. Die materiellen Verluste werden auf 80 Millionen Goldmark beziffert, darunter Haus- und Grundvermögen, Bibliotheken, Kunstwerke sowie Bar- und Wertpapiervermögen. Eichmann soll auch dafür verantwortlich sein, daß argentinische Juden in das Konzentrationslager Bergen- Belsen deportiert wurden. Die „Deutsche Bunte Illustrierte" belegte dies in ihrer neuesten Ausgabe mit einem im Faksimile abgedruckten Dokument, demzufolge Eichmann am 28. Jänner 1944 telegrafisch befahl, daß sämtliche Juden argentinischer Staatsangehörigkeit im deutschen Machtbereich festzunehmen und nach Bergen-Belsen zu transportieren.

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