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Die Stimme · 1960-03-01 · Heft 114 (März 1960) · page 13

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Journal
Die Stimme
Volume
1960
Issue
Heft 114 (März 1960)
Date
1960-03-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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DIE STIMME II gemeinsame Emigrcihionsvergangenheit haben und weil so etwas eine gewisse Bindung bedeutet. Was Du im letzten HEUTE veröffentlicht hast, richtet sich aber genau gegen diese Bindung. Es mag sehr wohl stimmen, daß der eine oder andere von den österreichisch-jüdischen Autoren, aus deren Werken die Schauspieler der Josefstadt zu dem gegebenen Anlaß neuer antisemitischer Aktionen etwas vorlesen, nicht als Jude bezeichnet sein wollte, wenigstens nicht von denen, die in dieser Bezeichnung ejnen Makel sahen. Aber das waren andere Zeifien, und damals bestimmte in Wien noch ein antisemitischer Bürgermeister, „wer ein Jud ist". Ich bin überzeugt, daß es sich heute kein einziger von ihnen verbitten würde, Jude genannt zu werden. Das blieb Dir Vorbehalten. Du bist zwar als Sohn mosaischer Eltern geboren., glaubst! aber, kein Jude zu sein, weil Du mit 24 Jahren aus der jüdischen Religionsgemeinschaft ausgetreten bist. Du empfindest offenbar auch keine Verwandtschaft mit dem Geist, der seit den Tagen der Bibel und bis zu Martin Buber den unverwechselbaren Charakter dieser Menschengruppe von andern unterschieden hat. Das ist Deine Sache. Aber die Juden haben außer ihrer Religion und ihren besonderen nationalen Eigenschften, wie etwa dem von Dir mit einigem Geschick geübten Witz, noch etwas Gemeinsames, nämlich ein Schicksal, und aus einer Schicksalsgemeinschafff kann man nicht austreten; als anständiger Mensch versucht man das auch gar nicht. Wenn es einmal keine sichtbaren Hakenkreuze an den Wänden und Grabsteinen, und keine unsichtbaren in den Augen, auf den Zungen, in den Herzen unserer nichtjüdischen Mitbürger mehr geben wird, soll Dir dieser Austritt geslattet sein. Dann wird man zum Beispiel die Herausgabe der Memoiren eines Schauspielers, der — mag er auch ein exzeptioneller Schauspieler gewesen sein —- als notorischer Antisemit und getreuer Diener des schmachvollsten Regimes aller Zeiten bekannt war, nicht mehr als eine unfaßbare Schmach und Charakterlosigkeit empfinden. So lange wirst Du es allerdings noch mit uns aushalten müssen und —* leider auch — wir mit Dir. Leopold Lindtberg Wiener Künstler lesen jüdische Autoren Am Sonntag, denn 14. Februar 19U0 veranstaltete das Theater in der Josefsiadt eine Matinee unter der Devise „Die Schauspieler des Theaters in der Josefstadt lesen aus Werken jüdischer Dichter aus Österreich". Es ist dies ein hochherziges, nobles und humanes Bekenntnis zum geistigen Schaffen österreichischer Dichter, jüdischer Abstammung. Direktor Prof. Stoss sprach einleitend folgende Worte, die F. Torberg verfaßte-. „Wir haben diese Veranstaltung geplant und angeseiizt, als die antisemitischen Schmieraktionen des vergangenen Monats auch nach Österreich Übergriffen, als auch auf Wiener Hausmauern jenes Hakenkreuzzeichen erschien, das für uns alle mit der Erinnerung an so unsäglich viel Leid und Schmach und Unheil verbunden ist. Und wir alle sind froh darüber, daß diese schmierigen Aktionen mittlerweile ein Ende gefunden haben. Aber selbst, wenn es zu solchen Aktionen gar nicht gekommen wäre, hätte eine Veranstaltung wie die heutige, ihren guten Sinn; sie soll uns an das große künstlerische Erbe erinnern, das wir heutigen Österreicher zu verwalten haben und es soll uns vor Augen führen, wie viel von diesem Erbe wir den jüdischen Dichtern Österreichs verdanken. Die Dichter, denen wir heute das Wort geben — und deren imposante Liste sich noch durch Namen wie Hermann Broch oder Franz Kafka vermehren ließe, sind weit über die Grenzen unseres Landes bekannt und berühmt, gehören zu den meistgelesenen und hochgeachteten Autoren der Gegenwart. Sie alle haben in der Welt für Österreich gezeugt, sie alle haben ihr Judentum mit ihrem österreichtum in schöpferischen Einklang gebracht —' manche von ihnen Kaffen das programmatisch, manche nebenbei, manche sogar unbewußt.. Aber keiner von ihnen hätte das, was er geschaffen hat so schaffen können, wenn er nicht zugleich Jude und Österreicher gewesen wäre. Diese reiche und fruchtbare Wechselbeziehung, diese doppelt gespeiste Symbiose, die bereite der Geschichte angehört, soll Ihnen jetzt an einigen ausgewählten Beispielen demonstriert werden." Die Dichter, aus deren Werken in der Josefstadt gelesen wurde, sind: Josef Roth, Arthur Schnitzler, Stefan Zweig, Peter Altenberg, Karl Kraus, Richard Beer-Hoffrnann und Franz Werfel; sie haben die Literatur der gesitteten Menschheit vorbildlich bereichert, aber die spezifisch jüdische Literatur in geringerem Maße befruchtet. Vilma Degischer trug das Gedicht von Beer-Hoffmann „In uns sind alle" mit stiller, zu Herzen gehenden Eindringlichkeit vor. In uns sind alle, sind Worte, die als unsichtbares Motto über der Veranstaltung standen. Die Auswahl der Werke war wohl gediegen, aber man vermißte einige bedeutende österreichische Dichter, die der Darbieteng der Josefstadt eine noch prägnantere Note gegeben hätten. Nach USA mit USL sicher — komfortabel — schnell i UNITED STATES (53 330 BRT) reisen Sie in bester internationaler Gesellschaft mit den Schnelldampferr und AMERICA (33 961 drtj. Koschere Mahlzeiten ab $322 in der luxuriösen 1. 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