Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1960
- Issue
- Heft 114 (März 1960)
- Date
- 1960-03-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STIMME 9 Wie bedeuten aus Wien . . . Israels Sozialminister in Wien Der israelische Minister für Soziale Verwaltung, Dr. Joseph Burg, weilt auf seiner Durchreise in Wien und wird aus Anlaß der Eröffnung der Aktion für Israel — Magbitli Meuchedeth am Montag, den 2f). Februar, um M).30 Uhr im Brahmssaal des Musikvereines zum Thema „Israel — Jahre des Schicksals" sprechen. Die einleiten den Worten spricht Minister Yeheskjel Sahar, Botschafter des Staates Israel. Der Magbith Meuchedeth ladet alle seine Freunde ein, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Kommerzialrat Moriz Leitner Die Wiener orthodoxe Gemeinde hat einen groBen Verlust erlitten; Kom.-Rat Moriz Leitner ist im 75). Lebensjahr nach längerer Krankheit verschieden. Schon vor 10315 war der Verstorbene durch fünf Turnusse der Vertreter der Orthodoxie in der Wiener Kulfusgemeinde und hatte in dieser Eigenschaft Ersprießliches geleistet, war 20 Jahre hindurch Vorstandsmitglied der Adass Israel (Schiffschul). In schwerer Zeit wurde der allseits Verehrte zum Befriedungs-Regierungskommissär seiner Heimatgemeinde Mattersburg ernannt. An seiner Bahre sprachen die Rabbiner Gewürz und Grünfeld, der Vjzipräsident der I.K.G. Dr. Ernst Feldsberg und der Bruder des Verstorbenen Dir. Gustav Leitner Unsere innigste Teilnahme wendet sich der Witwe, seinen Kindern und der Familie zu. Seminar über „Die Propheten" Im Rahmen der von der Zionistischen Föderation veranstalteten Kulturvorträgen, hält Herr Oberrabbiner Dr. Akiba Eisenberg ein Seminar über „Die Propheten" ab. Der nächste Vortrag findet am Dienstag, den 15. März, um 10 Uhr im Vortragssaal der I.K.G.,, I, Seifenstetfengasse 4/11, statt. Gäste willkommen! Keine Teilnehmergebühr! Bar-Mizwah Arnold Berger Am 20. Februar fand im Stadttempel die Bar-Mizwah- Feier für Arnold, Sohn unserer Freunde Samuel und Selma Berger, statt. Der Bar-Miswah-Bachur ist besonders talentiert, gehört unserer Jugendgruppe „Hanoar Hazioni" an und verspricht, vermöge seiner Intelligenz, das Beste für die Zukunft, Seine Eitern gehören dem Zionistischen Landesverband an und werden als wertvolle Zionisten geschätzt. Masal-Tow! Kardinal Dr. König verunglückt Der schwere Autounfall des Kardinals Erzbischof Dr. König veranlaßte die Wiener Kultusgemeinde an Erzbischof Koadjutor Dr. Jachym folgendes Telegramm zu senden: „Israelitische Kultusgemeinde Wien und jüdische Bevölkerung fühlen mit ihren christlichen Mitbürgern anläßlich schweren Unfalles Kardinal Erzbischof Dr. König mit. Unsere Erschütterung umso größer, als wir noch Donnerstag, 11. Februar, vom Kardinal empfangen und hiebei seine Herzensgute und Menschenliebe kennenlernten. Erbitten Gottes Segen für baldigste vollkommene Wiederherstellung und Genesung." sich auf die Garderobe. Kinder kleiden sich in Träume. Gewiß ist, daß kein Schauspieler überhaupt in seinem Beruf sein würde, wenn es ihm nicht gelungen wäre, auf irgend eine Weise den Prozeß des völligen Erwachsenwerdens zu vermeiden. Oder, um etwas netter auszudrücken, wir alle haben uns ein wenig vom goldenen Königreich der Kindheit bewahrt. Das soll natürlich nicht heißen, daß Schauspieler nun etwa frei sind von Zahnarztrechnungen und Bürgerpflichten. Uns Märchenfiguren haften sogar die meisten Kopfschmerzen des Politikers an, und sogar ein wenig von seiner Verantwortung. Die Abendkasse ist unsere Wahlurne. Jede Eintrittskarte ist ein Stimmzettel. Aber manchmal ist es noch komplizierter. Wir müssen uns nicht nur das Wohlwollen des Publikums erhalten, wir müssen auch Treu und Glauben wahren. Ich weiß, das klingt aufgeblasen, und ich bitte deshalb um Entschuldigung. Aber es ist wahr. Den Menschen ins Auge sehen, und zwar allen Menschen als große Familie —1 nicht nur einer Gruppe oder Klasse oder Rasse von Menschen —ist ganz einfach die letzte Hoffnung, unseren dichtbevölkerten Planeten als erträglichen Wohnort zu erhalten. Nun gebe ich keinen Augenblick lang vor, daß ich einen tapferen Schwertstreich für die Freiheit tue, wenn ich meinen Auftritt als „Kaufmann von Venedig" absage. Es ist kein tapferer Schwertstreich, es ist nicht einmal ein winziger Streich mit der flachen Hand. Aber es ist nun einmal so, daß ich eines von jenen sonderbaren Lebewesen bin, die man Filmstars nennt. Das bedeutet, daß Zeitungen und Illustrierte so ziemlich überall in der Welt Bilder veröffentlichen, wenn ich in London Theater spiele —' ganz gleich, wie furchtbar ich damit durchfaile. in diesem Falle gäbe es Bilder, auf denen ich in der Maske des Shylocks zu sehen bin — Bilder also von einem Gsttojuden. Gettos gehören der Vergangenheit an. Die meisten von uns danken Gott dafür. Aber es scheint, daß es immer noch einige Leute gibt, die gern wieder mit dem Bau der Gettos beginnen möchten —1 es sind AAenschen mit Stacheldraht im Herzen. Nun ist ein Schauspieler, der als Gettojude zurechtgemacht ist, keineswegs die Sorte Mensch, die in der Nacht Häßlichkeiten kritzelt, aber das Bild des Gettojuden war ja geradezu Hitlers Handelsmarke. Nein, ehe nicht alle Kirchenmauern wieder sauber sind — und mit Sicherheit sauber bleiben —, sollte meiner Meinung nach Shylock mit» seinem jüdischen Gabardinegewand, seinen Golddukafen und seinem Pfund Fleisch im Bücherschrank bleiben. Dort ist er gut aufgehoben, bis eine Ära der größeren Sicherheit kommt. Vor nicht allzu langer Zeit sind sechs Millionen Juden ermordet worden. Ich glaube zu wissen, was Shakespeare empfunden hätte. Ich wünsche, er würde noch leben, um diese Geschichte zu schreiben. „Neues Österreich"