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Die Stimme · 1959-10-01 · Heft 113 (Oktober 1959) · page 10

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Journal
Die Stimme
Volume
1959
Issue
Heft 113 (Oktober 1959)
Date
1959-10-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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V) DIE STIMME Dr. Max Brod Herzliche und dankbare' Gefühle bewegen uns, die mit Ehrfurcht gepacti t :,ind, schicken wir uns an, Max Brod zu seinem 7h. Geburtstage nachträglich zj gratulieren. Wie kaum einer hat er durch die Vielfalt seines Werkes, seiner Interpretation, seiner genialen Erkenntniskraff und seines Entdecker und Vermitflungsrnutes unser Leben, unser geistiges Werden und Vermögen bereichert. Wir neigen uns in Ehrfurcht vor dem Dichter, dem Komponisten, dem Philosophen, dem Kafka - Freund und -Herausgeber, der eine solch außerordentliche, die Geisfesgeschichfe für immer bewegende Leistung vollbracht hat. über Max Brod ist viel geschrieben worden. Sein Werk ist vorhanden, liegt offen, sein Name, beinahe ein Begriff, kann nicht vergessen werden; und doch, scheint uns, sollte man immer wieder mahnen, seine Lehre zu beherzigen, sich um ihre Ver-Lebbarkeit zu bemühen, so ernst zu nehmen, daß sie nicht nur eine theoretische Gültigkeit, sondern ihre im Leben verwirklichte Akiual; tat erfährt. Diese Lehre ist ohne Zweifel das UrfLema, die Grunderkenntnis, von der Brod ausgeht, — sein ganzes großes, vielschichtiges, vielfältiges, alle Gattungen literarischer Kunst in sich hereinreissendes Werk, all seine dichterische Phantasie, wie sie in seinen Romanen, seinen Novellen, seiner Lyrik zum Ausdruck kommt, seine sozial- und religionsphilosophischen Werke, seine Essays und deutenden Abhandlungen sind Variationen zu dem einen großen Thema des Dualismus in der Welt. „„Und" ist das wichtigste Wort der Welf", sagt er in seinem Roman „Stefan Rott" oder „Das Jahr der Entscheidung" (1931), der der „Zweigleisigkeit" des menschlichen Schicksals durch positive Erkenntnis des Und und zu verwii klichencle, lebbare Harmonie ihre Schrecknisse .nehmen will. Die Lehre Max Broa's war von stärkerem und tiefdringenderem Einfluß als man gemeinhin anzunehmen geneigt ist. Der vor einigen Jahren verstorbene, hochbebegabte und ungewöhnlich klarsichtige Literaturkritiker Felix Stössinger hat schon einmal darauf hingewiesen, daß z. B. der große Roman „Der Stern der Ungeborenen" von Franz Werfel (der auch von Max Brod entdeckt wurde), nicht denkbar wäre ohne diese Lehre Brods, ja, daß die Brodsche Philosophie geradezu die Grundlage darstellt, von der aus dieser Roman überhaupt erdacht und Wirklichkeit werden konnte. Wir grüßen Max Brod und wünschen ihm und uns, daß er noch viele geruhsame Jahre ungeschwächter Schaffenskraft haben möge! Alexander Teich - 70 Jahre alt ln einem entlegenen Dorf Englands feiert ein hochverdienter Wiener Zionist seinen 70. Geburtstag. Einst opferte er seine ganze Tatkraft für die Organisation und jüdisch - na: iooale Erziehung der jüdischen Hochschüler Wiens. Dank Teichs organisatorischen Talent erstand in der Vorkriegszeit Wiens eine Reihe von Institutionen wie die Mensa academica und allen voran der Jüdische Hochschulousschuß, der eine führende Rolle im jüaischon Hochschulwesen Wiens spieße. Teich leitete bis zum Ausbruch des nczisli -m1 en Kraters, alle diese Institutionen und war deren nimmermüde, treibende Kraft. Wiener, zerstreut in der ganzen Well, werden sich wohl an diesen opfei veilen Zionisten, an seinem Geburtstag erinnern und ihm noch. Jahre von Glück und Zufriedenheit auch in seinem entlegenen Tusculum wünschen. Atomreaktor in Israel Das Interesse unserer Öffentlichkeit wurde auf den im Bau befindlichen Atom - Reaktor in der Nähe von Rischon Lezion gelenkt. Es handelt sich dabei um einen Forschungs-Reaktor, der wissenschaftlichen Zwecken und der Ausbildung von wissenschaftlichem Personal dienen soll. Verbunden damit sind in die Zukunft weisende Pläne über die Anwendung der Atomkraft für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Damit schickt sich Israel an, aktiv in das Atom-Zeitalter einzutreten. Es ist ihm möglich geworden, nachdem im Lande selbst eine Anzahl hochqualifizierter Wissenschaftler herangebildet worden sind, die sich der Erforschung und Verwendung der Atom-Energie widmen können. Dazu kam die materielle Flilfe der Vereinigten Staaten, die die Schaffung dieses Versuchs - Reaktors ermöglicht. Kein Zweifel, daß jedes Land mit wissenschaftlichen und industriellen Aspirationen heute darüber nachdenken muß, wie es sich in den großen Prozeß der Umgestaltung der Technik durch Einbeziehung der Atomkraft einschalten kann. Es ist eine der wichtigsten Auswirkungen internationaler Zusammenarbeit, daß die Vereinigten Staaten in dieser Hinsicht ihre Hilfe Völkern und Staaten zukommen lassen, die aus eigener Kraft nicht ohne weiteres dazu in der Lage wären. Dies führt dazu, daß Atom - Forschung und Atom - Anwendung in der Welf sich rasch ausbreiten, wobei ja auch nicht zu übersehen ist, daß eine ähnliche Hilfsstellung von Seiten Rußlands den mit ihm verbundenen Ländern gewährt wird. Wer Geschichte und Gegenwart der Atom - Physik überschaut, kennt den außerordentlicheen Anteil, den jüdische Forscher an ihrer theoretischen Grundlegung und Entwicklung genommen haben und nehmen — in West wie in Ost. Man hat gelegentlich geradezu behauptet, daß die dieser Forschung zugrunde liegende geistige Haltung spezifischen jüdischen Impulsen entstamme. Das mag übertrieben sein. Aber es ist nur natürlich und logisch, daß in unserem eigensten Bezirke, in Israel, dieser Forschung und der Anwendung ihrer Resultate ein würdiger Platz geschaffen wird. Bei all dem sind wir uns der Problematik der Dinge wohl bewußt. Die Entwicklung ist nicht in luftdichten Kammern zu begrenzen. Wir wissen uin die Gefahren, die mit jedem Fortschritt der wissenschaftlichen Erkenntnis und ihrer technischen Verwertung auf diesem Gebiete verbunden sind. Segen und Fluch liegen hier dicht nebeneinander, und die Früchte des Denkens und Forscheris wie die Erfindungen des Technikers können sehr rasch aus „Pflugscharen zu Schwertern" werden — in einem Umfange, wie wohl noch niemals in der Geschichte des menschlichen Denkens und Erfindens eine solche Mutation möglich gewesen ist. Es ist uns klar, daß in dem Maße, in welchem wir selbst Anteil an dieser Entwicklung nehmen, die beiden Wege vor uns liegen, wenn nicht heute, dann in naher Zukunft, die dem Menschen in dieser Hinsicht gegeben sind. Das belastet uns mit einer großen und zweifelsohne wachsenden Verantwortung. Wir können ihr in der Welf von heute nicht entgehen. Aber wir müssen sie von vornherein in Klarheit des Bewußtseins auf uns nehmen. Die Gabe, die wir in die Hand bekommen werden, soll uns zum Segen werden und, soweit es an uns liegt, zum Segen der Menschen überhaupt. Daher sollten wir alle Barrieren errichten, die möglich sind, um nicht in jenen Hexentanz hineinzugeraten, der auch kleinen Völkern droht, wenn sie

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