Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1959-10-01 · Heft 113 (Oktober 1959) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1959
Issue
Heft 113 (Oktober 1959)
Date
1959-10-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2431292-2431425-2431429--0880-2432537
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

6 DIE STIMME genommen und bedeutend erweitert. Nebst der 4-klassigen Volksschule (wie im Vorjahr) ist heuer sowohl der Kindercar fen, der im Vorjahr aus Raummangel nicht geführt werden konnte, wieder eröffnet worden und ein „Jüdisches Realgymnasium” mit der ersten Klasse der Volksschule angeschiossen. Das wachsende Interesse der jüdischen Öffentlichkeit kam auch durch zahlreiche Neuanmeldungen zum Ausdruck. Der Unterricht selbst findet im Schulgebäude, Wien 19, Ruihgasse 21 von 1 j9—13 Uhr von Montag bis Freitag statt. Au: Fünfte und Nachmeldungen in der Direktionskanzlei. Manus Diamant Das ehemalige Mitglied des Zionistischen Landesverbandes in Österreich und Leiter unserer Jugendg-uppe, lebt und wirkt jetzt in Israel. Chawer Diamant tritt am 29. September in den Ehestand, was uns veranlaßt, ihm freudig masal tow zu wünschen und der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß der, unserem gemeinsamen Ideal ergebene Freund, in Glück und Frohsinn im Bund mit seiner Gattin, , ein Leben führen wird, zu Nutz und Frommen unseres Volkes. Wiedergutmachung Wien (IPN). Der Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden und die Israelitische Kultusgemeinde in Wien teilen mit: Bei der vierten Vollversammlung des Jüdischen vVeli kongresses in Stockholm, wurde unter anderem auch eine Resolution betreffend die Wiedergutmachung in Österreich beschlossen. In der Resolution wird die Tatsache beklagt, daß sowohl Österreich als auch Deutschland den österreichischen Opfern der Naziverfolgung eine angemessene Entschädigung für ihre Verluste und Leiden bisher nicht l aben zuteil werden lassen. Die Resolution fordert die Regierungen Österreichs und der Bundesrepublik Deutschlands auf, ihre Verantwortlichkeit anzuerkennen, das den Opfern zugefügte Unrecht gutzumachen und deren berechtigte Forderungen ohne Verzug zu befriedigen. Fast alle österreichischen Zeitungen haben dieser Resolution des Jüdischen Weltkongresses Raum gegeben, zu gleicher Zeit aber eine wohl vom Finanzministerium und Außenministerium lancierte Erklärung veröffentlicht, wonach das betreffende Entschädigungsgesetz bereits ausgearbeitet, jedoch der legislatorischen Behandlung wegen der im Mai erfolgten Neuwahlen und der anschließenden Regierungsbildung nicht zugeführt werden konnte. Dieses Gesetz, so hieß es in der Aussendung, sähe einen „Fonds zur Abgeltung gewisser Vermögens-; j^icpolnisch Verfolgter" im Gegenwert /on sschs Millionen Dollar vor. In der Erklärung hieß es des weiteren, Außenminister Dr. Kreisky habe in einer Pressekonferenz am 24. Juli auf eine diesbezügliche Anfrage die Antwort gegeben, daß die Forderungen der geschädigten Juden von den westlichen Großmächten als den Parlnern des Staatsvertrages vertreten worden seien. In Frühjahr sei es bei den Verhandlungen in Wien zu einer Einigung gekommen. Die Verhandlungspartner (das sind aiso die westlichen Alliierten-, die Vereinigten Staaten von Amerika, England und Frankreich) hätten jedoch die Erklärung abgegeben, daß Forderungen, die über die erurwähnter: sechs AAillionen Dollar hinausgehsn, von ihnen nichi weiter vertreten würden. Hierzu ist folgendes festzustellen: Der projektierte Sechs-Millionen-Dollar-Fonds bezieht sich nur auf einen Teil der Forderungen und Verluste gemäß Artikel 26 des Staatsvertrages. Die durch die Nazi Verfolgten in Österreich und besonders die österreichischen Juden haben neben den Forderungen aus dem Titel von Verlusten alle'" Art gemäß Artikel 26 des Slaatsvei träges auch verschiedene andere Entschädigungsforderungen gegen die Republik Österreich. Es handelt sich hierbei vor allem um jenen Komplex der Entschädigungsforderungen, die in einer 12. Novelle zum Opferfürsorgegesefz zusammengefaßt werden sollen. Ausständig ist auch noch das 4. Rücksfellungsanspruchsgesefz, das den Auffangorganisationen (Scmmelstelle A und B) erst die Möglichkeit bieten wird, die erblosen und nicht in Anspruch genommenen, in der Zeir der nationalsozialistischen Verfolgung entzogenen Vc-rmögensschaften im Rückstellungswege geltend zu machen. Wenn Österreich seinen Ruf als Rechtsstaat in der Well wahren will, muß es der Forderung auf Entschädigung seiner Bürger und Söhne, die in den Jahren der Verfolgung so Unsägliches erlitten und erduldet und die den Baustein für die zweite Republik gelegt habm, noch in diesem Jahre entsprechen. Erinnerung an Sigmund Freud Vor 20 Jahren starb der Schöpfer der Psychoanalyse SIGMUND FREUD in London, wo er Schutz vor den Nazi fand. In Wien umgibt den großen Gelehrten ein Bann des Schweigens, obgleich er dieser Stadt den Ruhm verschaffte, daß sie einst einen der genialsten Bürger aller Zeiten beherbergte. Durch seine Lehre hat FREUD der Wiener Stadt ein unvergängliches Denkmal gesetzt und Österreich Ruhm verschafft. Wien, nicht zu sprechen vom übrigen Österreich, bekennt sich, bis zum heutigen Tag, nicht öffentlich zu ihrem einstigen berühmten Bürger Sigmund Freud und zollt ihm nicht Dank für seine epochalen Leistungen, die die Wissenschaft der ganzen Welf in überwältigem Maße befruchtet hat. Freud war es, der den erfahrungswissenschaftlichen Gehalt der Psychoanalyse gelehrt und der Welt bewiesen fiat, daß die ersten, längst vergessenen Beziehungen zum DU, sein späteres Verhalten zu den Mitmenschen bestimmen. Ehre dem Angedenken Sigmund Freuds. B. B. Aussteller der 70. Wiener Internationale Messe 6. — 13. September 1959 Die Gesamtzahl der an der Wiener Herbstmesse teilnehmenden Aussteller betrug über 3.700. Darunter sind 874 Aussteller, welche 1503 ausländische Firmen aus 20 Staaten vertreten. Darüber hinaus war das Ausland durch 12 offizielle Kollektivausstellungen vertreten, jnter welchen die erstmalige Beteiligung von Griechenland und Hongkong, sowie die abermalige Teilnahme der Volksi epublik China erwähnt werden muß. Eine beachtenswerte Steigerung wies die Zahl der Firmen aus den österreichischen Bundesländern außerhalb Wiens auf, die mit 486 eine bisher unerreichte Höhe zeigte. Aus dem Gebiet der Stadt Wien selbst kamen 2.371 Aussteller.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.