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Die Stimme · 1959-10-01 · Heft 113 (Oktober 1959) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1959
Issue
Heft 113 (Oktober 1959)
Date
1959-10-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE STIMME 5 Gustav Leitner — 60 Jahre über einen Wiener führenden Menschen zu schreiben isl es recht einfach. Dies betrifff nicht Wien allein. Alle Gemeinschof len, d;e nach dem Nazikrieg eni star ideri, sind /uscimmengewüi feif. Als in Belgien ein Kollege, der in hcilbarnl lieber Mission dort weilte, einen Artikel über den belgischen Jischuw schrieb, nahm man es ihm übel, daß er nicht alle Mitglieder, alle Organisationen und besonders ihre Vorstandsmitglieder gelobt hatte, sondern erwähnte nur einige, die nach seiner Meinung, Lob verdienlen. Der größte Teil des heutigen belgischen Jischuw sind Menschen, die schon vor dem Kriege in Belgien gelebt haben. Anders gestaltet ist der österreichische Jischuw. Deshalb ist es ein Wagnis, einen Menschen dieses österreichischen Jischuw zu charakterisieren, und ich habe Angst, daß ich nur halbe Arbeit mache. Aber ich hoffe, mit Gustav Leitner zusammen, daß wenn er ins hohe Alter kommen wird, werde eine andere Athmospliäre im österreichischen Jischuw herrsdien. in Wien schleppen wir die Zore mit, die es schon oft in unserem gesellschaftlichen Leben gegeben hat. Als in der zionistischen Weltorganisation Sokolow und Weitzmann die Frage aufrollten, ob zwei Präsidenten gewählt werden seilten, sagte damals Nahun Sokolow: „Ich komme mir vor, wie bei uns im Städtchen; da sagte man, daß jeder zwei Päckel hatte. Die Beweisführung lag in der Frage, wo hast Du dein Päckel? worauf der Gefragte immer zurückgab, welches Päckel? So wird das in der Zukunft mit den zwei Präsidenten in unserer Organisation werden, meinte Sokolow. Auch in Wien gab es das Problem von zwei Präsidenten. Als wir im Jahre 1949 die damalige chaotische Arbeit in den DP-Lagern den Ortsansässigen überantworten wollten, tauchte in Wien das Problem auf, einen Menschen zu finden, der Verantwortung zu tragen vermochle und einen einwandfreien Namen und Ansehen hätte Nach eingehender Beratung unter den damals in Wien anwesenden Schlichim aus Erez, hielt man Ausschau nach einer geeigneten Persönlichkeit, aber man konnte sie schwer finden. Damals war noch eine Zeit, da sowohl Freiwillige sich zum Wirken für Erez gemeldet haben, als auch manche, die Posten und Ehren einheimsen wollten. Gustav Leitner hat immer seine Pflicht erfüllt, hat sich aber nie in die erste Reihe gedrängt. Als wir ihn damals mit etwas zarter Gewalt, und Mahnung zur Pflichterfüllung so weit hatten, daß er zustimmte, sich an die Spitze des Keren Hayessod zu stellen, waren wir alle darüber sehr glücklich. Es stellte sich heraus, daß nicht die Schwierigkeit der Aufgabe ihn störte, sondern vielmehr war die größte Störung des zweiten Päckels, das man ihm anhängte. Man gönnte Gustav Leitner nicht die alleinige Präsidentschaft. Man hängt ihm ein Päckl an, das der große Angeber im KH sein wollte, und es ergab sich die absurde Situation, folgender Arbeitseinteilung: Proforma standen zwei Direktoren an der Spitze. Während bei internationalen Empfängen und Kongressen sich der Eine als der Direktor des „KH" ausgab, Ehren und Komplimente einheimste, stand Gustav Leitner als der schwarze Arbeiter da, der unter großen Schwierigkeiten die KH- und Magbitarbeif verrichtete. Dies ging leider so weit, daß einer unserer Diplomaten, den orgatorisch kraftlosen Direktor, unter Zurücksetzung Leitners, als die erste Figur des Wiener Jischuw propagierte. Der unverständlichen Situation, die damals entstand trotzend, hat Guslav Leitner weiler seine Pflicht erfüllt und sich weder von der Geschmacklosigkeit der Bevorzugung der „ersten Figur" stören lassen, noch von dem rnüssigen „Direktor". Es ist kein Zufall, da Leitner jetzt der alleinige Präsident des Magbit ist, daß im letzten Jahr Wien in der Lage war, ohne einen „Schelicich" erfolgreich die Magbit-Aktion durchzuführen. Wäre dies allein das Verdienst Gustav Leitners gewesen, darf ich annehmen, daß jeder, der den österreichischen Jischuw kennt, zum Ergebnis käme, daß Leitnei sich große Verdienste um den Magbit erworben hat, dies besonders deshalb, weil er seit zehn Jahren ohne Unterbrechung, die sehr schwierige Arbeit leitet. Aber ebenso könnte man vielleicht in noch mehr inniger Form üh>er Gustav Leitner dem Präsidenten der Föderation eine große Abhandlung geben. Es ist gar nicht übertrieben zu sagen, daß ohne Gustav Leitner eine Föderation in Wien undenkbar sei, denn es gibt in Wien keine zweite Persönlichkeit die dermassen bereit wäre, den Gegner zu verstehen. Die Stärke Leitners besteht darin, Kompromisse nicht mit Verzicht zu kaschieren. Er ist bereit, mit dem Gegner ein Kompromiß einzugehen, solange er von der Anständigkeit des Gegners überzeugt ist. Dies ist auch vielleicht der tiefere Grund, warum Gustav Leitner von den „Werktätigen" innerhalb der Gemeinde geachtet wird. Sie sind bereit, seine Forderungen ernst zu nehmen. Wenn es Leitner gelungen isl, eine beträchtliche Subvention für den „Haschomer Hazair" und „Bne Akiva-Jugend" zu erlangen, so ist es nur deshalb, weil auch Leitners weltanschauliche Gegner ihm mit Respekt begegnen. Erreichte dies ein anderer Repräsentant von der KG, würde er von diesem Ruhm lange zehren. Gustav Leitner hat auch dies bescheiden und ruhig getan, wie er alles gesellschaftliche in einer sehr vornehmen Form wirkungsvoll arrangiert und durchführt. Es ist erfreulich zu sehen, saß seine Lebensgefährtin, die für die Etablierung und Durchführung der Jugencl- Aliyah-Aktionen in Österreich verantwortlich ist, niciit nur vom selben Geist beseelt ist, sondern auch in derselben bescheidenen Art und Weise, ihre Pflicht erfüllt. Daher riskiert man, einen Artikel über Gustav Leitner zu schreiben, mit dem Wunsch, das Schicksal möge es fügen, Gustav Leitner noch viele Jahrzehnte erfolgreich an der Spitze unserer Institutionen zu sehen. M. Kilai Generalversammlung der Misrachi Am 13. September fand die Generalversammlung der Misrachi statt. Zum Präsidenten wurde der allseits geschätzte Zionist Obmann Herr Isidor Neugröschl gewählt. „Theodor Herzl-Hof" in Wien Eine große städtische Wohnhausanlage im zweiten Wiener Gemeindebezirk wird den Namen Theodor Herzls tragen und „Theodor Herzl-Hof" heißen. Diesen Beschluß faßte ein Ausschuß des Gemeinderates der Stadt Wien in einer Sitzung vom 2. September 1959. Es handelt sich um einen großen Wohnhausblock, der im Februar des Jahres 1958 ferl iggestellt wuide und über drei Straßenfronten geht, nämlich Leopoldsgasse 13 — 15, Malzgasse 7 und Miesbachgasse 8. Jüdische Schule Die Jüdische Schule in Wien hat mit Beginn des neuen Schuljahres (1959/60) seine Tätigkeil wieder auf-

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