Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1959
- Issue
- Heft 113 (Oktober 1959)
- Date
- 1959-10-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 DIE STIMME geschichtliche Prozeß der jüdischen Staatswerdung eine gesunde und noch raschere Entwicklung nehmen wird. In biblischer Zeit war das jüdische Volk Lehrer der Menschheit und die Zeichen dieser Sendung reichen noch bis in unsere Tage, hat doch unsere Religion ethische Bedeutung, die keine andere in gleichem Maße zu beanspruchen vermag. Daraus erwächst den Kulturvölkern der Welt die Pflicht, die geschichtliche und nationale Entfaltung des jüdischen Volkes zu fördern und den Geist der Verfechter des Wohls der Menschheit zu heiligen. Das Schicksal unseres Volkes in Vergangenheit und Gegenwart hängt vom Schicksal der ganzen Menschheit ab. Der sehnlichste Wunsch der wahren Menschheit ist Frieden. Möge im Jahre 5720 der Frieden der Welt erhalten bleiben. Möge es Israel den Frieden mit seinen Nachbarn bringen, auf daß es den Aufbau des Landes fortsetzen könne und in die Lage versetzt werde, alle Juden, die in feindlicher Umgebung leben, aufzunehmen. Das Jahr 5720 möge allen Menschen des Erdballs Glück und Segen bedeuten, Versöhnung, Verständnis und Verständigung unter den Völkern bringen. Sicherheit, Frieden, Wohlstand und frohe Zukunft wünscht der Zion. Landesverband in Österreich der Medinath Israel, dem Präsidenten Israels Ben Zwi, dem Ministerpräsidenten Ben Gurion, der israelischen Regierung, der Knesseth, dem israel. Jischuw, der Sochnuth, unseren Freunden und Gesinnungsgenossen und allen Juden der Welt! Leschanah towa tikatewu! Bernhard Braver Konferenz der Welt>Konföderation der Allgem. Zionisten Vom 2. bis 12. August tagte in Stockholm der jüdische Weltkongreß, parallel hiezu fand die Konferenz der Konföderation der Allgemeinen Zionisten statt. Im prachtvollen Saal des Hotels „Apolonia" in Stockholm eröffnete der Ko - Präsident der Allgemeinen Zionisttischen Konföoeration Herr Dr. Israel Goldstein die Konferenz, an der sich Delegierte aus der ganzen Welt beteiligten. Aus Europa und Nordafrika erschien eine imposante Delegation. Der Zionistische Landesverband in Österreich entsandte seinen Präsidenten Herrn Wolf Tischenkel. Zur Begrüßung der Konferenz ergriff Dr. Nahum Goidmann das Wort und begann seine Darlegungen mit folgenden Worten: „Ihr, meine Freunde, Ihr seid die wahren Dolmetscher des allgemeinen Zionismus" und setzte fort. Wir stehen knapp vor dem Zionistischen Kongreß, ein Kongreß, der, ohne Zweifel, historische Bedeutung für den Bestand und Zukunft der Zionistischen Organisation haben wird. Die Ideologie und die Diskussion darüber, ob eine zionistische Organisation notwendig ist, scheint wenn nicht verschwunden, so doch abgeschwächt zu sein, denn jene Kreise, die sich einen Tausch unserer Bewegung mit irgend einer anderen illusorisch vorgestellt haben, sind zur Erkenntnis gekommen, daß dieses Gebilde nicht den mindesten Druck von Umwandlungen, wovor das jüdische Volk und Israel stehen, zu ertragen vermöchte. Die Zionistische Organisation muß der führende Faktor im jüdischem Leben werden u. z. nicht nur in Fragen, die Israel betreffen, sondern auf allen Gebieten, die das jüdische Leben umfassen. Wir müssen unsere Bewegung vital gestalten, damit sie den Forderungen der Stunde Rechnung tragen können. Dr. Israel Goldstein führte in seiner Rede u. a. aus: Unserer Konferenz sind mehrere Ziele gesteckt: Mittel zu suchen, um unsere Organisation stark zu beleben, sie zu kräftigen und zu verbreitern. Der Zionismus als Bewegung, kann definiert werden als Verpflichtung für den schöpferischen Bestand des jüdischen Volkes und der Medinath Israel. Das Maß der Erfolge des Zionismus, bei Realisierung der Verpflichtung, wird durch das Maß der Identifikation mit Israel in corpore, bestimmt werden und nicht die Identifikation mit irgend einer Partei in Israel. Zum Schluß hob Dr. Goldstein die Notwendigkeit hervor, den Zionistischen Kongreß mit einer starken Delegation zu beschicken, damit dieser Kongreß seine Tätigkeit wirksamer und erfolgreicher gestalten könne. 4. Vollversammlung d. jüd. Weltkongresses Anfang August tagte in Stockholm die vierte Vollversammlung des Jüdischen Weltkongresses, an der auch der Präsident des Zion. Landesverbandes in Österreich, Herr Wolf Tischenkel, als Gast teilnahm. Der Jüdische Weltkongreß ist eine Vollversammlung der Vertreter des Judentums in allen freien Ländern. Repräsentanten der kommunistischen Länder, wo die Masse der Juden lebt, sind leider nicht erschienen, trotzdem an sie eine offizielle Einladung ergangen ist. Lediglich aus Polen sind Vertreter erschienen, worüber große Genugtuung herrschte. Auf dem Kongreß wurden allgemeine Fragen des Judentums, die Beziehungen zu Israel, aber vor allem, die weltpolitische Lage in der jüdischen Perspektive erörtert. Der Kongreß hat sehr wesentlich dazu beigetragen, daß der derzeitige jüdische Standpunkt zur Weltlage klar zum Ausdruck kam und hat Appelle an die Mächtigen dieser Welt gerichtet, die strittigen Fragen nicht durch Krieg, sondern mit friedlichen Mitteln zu lösen. Juden sind traditionell gegen die Gewalt und für möglichst friedliche Lösungen aller Probleme, denn sie haben im Verlauf der Geschichte unendlich viel gelitten. Ein sehr wichtiger Appell des Kongresses, war (der an die Völker und Regierungen der kommunistischen Staaten, endlich jüdischen Menschen die Freiheit zu gewähren, sich religiös zu betätigen und ihnen, vor allem, den Auswanderungsweg nach ISRAEL freizugeben. Weiters hat der Kongreß dazu beigetragen, das Verständnis der jüdischen Gemeinschaften in der Welt für einander zu festigen. Der Eröffnungsabend brachte den ersten Höhepunkt durch den Empfang im Rathaus von Stockholm im Goldenen Saal, und anschließend in der Blauen Halle. Hier richteten der schwedische Premierminister Erlander und der Justizminister Israels, Rosen, Grußadressen an die Delegierten. Unter den weiteren Sprechern war der Vertreter der Jüdischen Gemeinschaft in Schweden, Hillel Storch, der besonders die hilfreiche Rolle der skandinavischen Länder in der brutalen Nazizeit hervorhob. Die Auswahl des Tagungsortes war kein Zufall, sondern eine Ehrung für den Slaat Schweden, der einen Großteil der Juden aus dem von den nazistischen Peinigern besetzten Dänemark aufnahm und ihnen die hilfreiche Hand bot. Ein bemerkenswerter Höhepunkt war das Referat Dr. Nahum Goldmanns, der betonte, daß Juden sich nicht zum Instrument des Kalten Krieges machen lassen dürfen. Die Debatte über „Der Jüdische Staat und das Jüdische Volk" war von großem Interesse begleitet. An der Debatte nahmen u .a. der ehemalige Ministerpräsident Israels Moshe Scharett und der amerikanische Professor von der Columbia-Universitätt Dr. Salo Baron teil. Sehr Fortsetzung Seite 15