Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1959
- Issue
- Heft 112 (April 1959)
- Date
- 1959-04-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 DIF STIMME lo!n Jerusalems wurden Drahtverhaue und Bebmsjjenen oirichiet und an den wichtigsten Straßen-' kreu/ungen hielten Haganah-iMitglieder Tag und Nach! Wache. So widerhallten in den Nächten die stockfinsteren Gassen und Gäßchen Jerusalems von geheim°n Signalen und Kommandorul'en pa-j troullierender Juden, wobei mitunter die Salven arabischer Scharfschützen aus der Altstadt die. briedhotsstille dieser Jerusalemer Nächte; durchbrachen. De'- englische 1 ligh-Commissionär Sir Cunningham versprach wohl den Juden seinen Schulz, da das ,,Ru b'-brilannia" in diesem firdenwinkei erst Mitte Mai zu Finde gehen sollte, doch kümmerte sich Glüh Pascha, sein Alterego in Transjordanien blutwenig um politische Winkelzüge, da zu jener Stunde nur Mohamed sein Prophet und König Abdullah sein Gebieter war. Auch die in Jerusalem akkreditierten Konsuln Fcretcn vergebens über eine Atempause durch einen Waffenstillstand, wobei aus Lake Success nur leere Parolen herströmten. Indessen wurde ein wehrloses Volk durch die Invasion von 7 ara-< bischen Staaten einer völligen Ausrottung preisgegeben. So schwebten die 120.000 jüdischen Einwohner Jerusalems Wochen hindurch in Lebensgefah •. Ohne Panik, ohne Waffengeklirr bereitete man sich in heroischer Aufopferung zum letzten Kampt. Da die Wasserreservoire, die im arabischen Geriet lagen, gesprengt wurden, griff man auf die uralten Zisternen zurück. Da Hungersnot drohte, wurden die vorhandenen Lebensmittel auf die Kleinsten Mengen rationiert. Schließlich wurde die gesamte waffenfähige Jugend mobilisiert und die Waffen aus den Verstecken und aus dem Kiistengebete herangeschleppt. ,,Den jüdischen Mördern werde ich den Weg nach Jerusalem um jeden Preis absperren," — prahlte vor den Vertretern der Weltpresse knapp vor den Pessach-,fragen der arabische Häuptling Emil Guri. Er wußte nur zu gut: Von drei Seiten war die Stadt von der Welt abgeriegelt. Ganze Stadtteile wie Talpioth, Katamon und der Scopusberg befanden sich in arabischen Händen. An die 1500 Juden kämpften ihren letzten Kampf in der Altstadt, vollständig vom jüdischen Nachschub aligeschnitten. Es verblieb nur ein einziger Engpaß um Latrun auf dem Wege vom Küstengebiet nach Jerusalem, durch den man Hilfe bringen konnte. Noch einmal gelang es den Engpaß zwischen haushohen Felsen und Wäldern, trotz gewaltiger Übermacht arabischer Freischärler, zu bezwingen. Auch die Juden Jerusalems wußten zu dieser Stunde nur zu gut, daß diesmal der Durchzug des jüdischen Konvois, bestehend aus über 200 Panzer und Lastwagen vor den Pessach-Tagen die Stadt, vor Hunger und Vernichtung retten müsse. Unvergeßlich dieser heiße Frühlingstag, erfüllt voll Sorge und schwärender Angst. Tausende strömten von den Bunkern und Unterständen in die Straßen, aufgewühlt durch die Gerüchte über einen sich soeben ahspielenden Kampf am Engpaß von Latrun. fm Nu formierten sich Hilfsbataillone, die von allen Stadtteilen in die westlich gelegenen Vorstädte Romema und Bet.h-'ha-Kerern hinströmten und von hier aus auf offenen Wagen und Autobussen an die Kampffront dirigiert wurden. Vom frühen Morgen bis zur Dämmerung wütete dieaer Kamp!, ln den Straßen staute sich trotz unaufhörlicher Salven aus der Altstadt Menschenscharen, die die Jaffastraße bis /.um Stacheldraht in der Nähe des als ,,Bevingrad" verrufenen Hauptquartiers der Engländer besetzt hatten. Erst spät abend rollten die ersten Wagen und Panzerin die Stadt, die die Toten und Verwundeten heimbrachten. In regelmäßigen Abständen folgten die restlichen Wagen, an denen man Spuren eines soeben überstandenen Kampfes wahrnahm. Stürmische „Hedad" - Rufe der wartenden Menge begrüßten diesen letzten Transport, dem auch der Panzerwagen mit Ben Gurjon sich anßchloß. Voll Zuversicht verbrachten die Juden Jerusalems in ihren Wohnungen und größtenteils Unterständen den Pessacbabend. Nur in den von den Engländern bewohnten Stadtteilen gab es elektrisches Licht. Doch trotz Dunkelheit und Knappheit lauschte man dem ewigen Singsang der Hagadah und frohlockte, als man gerade in der ersten Sedernacht durch den Geheimsender der Haganah die Kunde von der Eroberung Haifas durch eine jüdische Kampfschar vernahm. Nur ein Blitzlicht im bevorstehenden blutigen Ringen um das Sein oder Nichtsein eines Volkes. Bald erfand man die Geheimwaffe die „Davidka", und bald gab es zur Verblüffung der ganzen Welt einer- „Burmaweq" durch Felsen und Schluchten, der Jerusalem den Zugang zur Küstenebene eröffnet e. Noch wochenlang durchbrauste ein Eeuersturm diese ewige Stadt, wie in den Urzeiten von Nebukadnezar bis Titus und in weiterer Folge von Gottfried bis Salllach Ad-Din. Doch ari diesem PesS3ch-Abend in der belagerten Stadt lautete der Hagadah-Spruch: ,,lm kommenden Jahre im befreiten Jerusalem." Wie ein Mene Tekel der jüdischen Geschichte . . . Erweitertes Flugnetz " ~ ~... ". Verbilligte Reisen Wien-Tel Aviv 6 wöchentliche Anschlüsse nach New York EL AL Israel Airlines, Wien I, Stefansplatz 10/11