Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1959
- Issue
- Heft 112 (April 1959)
- Date
- 1959-04-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STIMME 7 M. KILAI Zionistische Einheitsorganisation oder Anarchie Am 20. rcbruar 1041 erschien im „llaolrim" ein Artikel üler die Wichtigkeit einer zionistischen Einheitsorganisation, die besonders nach Beendigung des Weltkrieges große Wichtigkeit erlangen könne. Ich habe in diesem Artikel den Unterschied des Niveaus zionistischer Erziehung und Arbeit beleuchtet, zwischen Ländern mit. einer einheitli-l chen zionistischen Organisation und Ländern mit zionistischen Parteien ohne oder mit einer machtlosen zionistischen Organisation. Wenn man heute diesen Artikel liest, kommt man zu dem Schluß, daß sich nichts geändert hat. Ls fehlten zwar Länder, wie Deutschland, Tschechoslowakei, Jugosla-, wien, wo eine zionistische musterhafte Einheits- Organisation existierte, es fehlen Polen, Rumänien und andere Länder, wo zionistische Parteien wirtschafteten, dafür gibt es solche oder noch schlimmere Parteien - Wirtschaft in „Ländern”, wie Österreich, Belgien, Frankreich, Latejnamerika, und es gibt ganz wenige Länder, wo die letzten Spuren einer Einheitsorganisation bestehen, so wie DR. EMIL MAURER - 75 JAHRE Am 11. April 1959 feierte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien Herr Dr. Emil Maurer seinen 75. Geburtstag. Aus diesem Anlaß veranstaltete der Vorstand der Kultusgea meinde Wien in den Festsälen des Hauses einen solennen Empfang, dem hervorragende Persönlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens, Spitzen der österreichischen Behörden, sowie Abordnungen der Kultusgemeinden in den Bundesländern, jüdische Verbände und der jüdischen Presse beiwohnten. Diese Feierlichkeit erhielt durch die Anwesenheit des Staatsoberhauptes Dr. Schärf, des Bürgermeisters der Stadt Wien Jonas und des Ge-, schäftst'rägers des Staates Israel Dr. Dak beaon-, deren Glanz. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, daß der Ehrung ihres Präsidenten, das Staatsoberhaupt persönlich beiwohnt und dadurch sein Interesse für die Gemeinschaft der Juden in seinem Lande öffentlich manifestiert. Der Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde Dr. Feldsberg würdigte in einer formvollendeten Rede die Persönlichkeit des Dr. Maurer, wies darauf hin, daß der Jubilar sein Leben lang für Recht und Wahrheit einstieht, hob markant die Verdienste Maurers um die Weiterentwicklung der Kehila hervor, erinnerte daran, daß die Kul-j tusgemeinde in Wien derzeit eine weitaus breiteie Basis für die Entfaltung ihrer Tätigkeit hat als es früher, vor unserer Katastrophe, der Fall war und erinnerte mit Stolz daran, daß Dr. Maurer in einem Elternheim das Licht der Welt erblickte, in dem Talmud gelernt und gelehrt und die Gebote unserer Religion streng befolgt wurden. Der Jubilar bedankte sich für die Ehrung, die ihm zu-, teil wurde und versprach, weiterhin der Sache des Judentums und der fortschrittlichen Menschheit treu zu dienen. Holland, die Länder des britischen Dominions, mit der musterhaften zionistischen Organisation in England an der Spitze. Man hätte sich vorsteUen. können, daß es heute nicht sehr schwer sein müß-. te, zionistisc he Einheitsorganisationen in der ganzen Welt zu organisieren bzw. ru reorganisieren. Es würde zu weit führen, die altneue IJ>i s-f kussion, wer ein guter Zionist ist und ob es in der Go,Iah überhaupt solche gibt, ausführlich in diesem Rahmen zu behandeln. Aber sicher ist es, daß die Bedeutung eines guten Zionisten nicht darin 'liegt, daß er in der Golah ein treuer Parteimann dieser oder jener israelischen Partei ist. Noch weniger ist verständlich, daß Parteien, die in Israel für eine Verkleinerung der Zahl der Parteien eintreten, im Ausland sich damit beschäftigen, ihre alten Par-* leien mit ajler Macht aufrechtzuerhalten, wie die Mapai und die Kialiim, wobei die letzteren sogar so weit gehen, einen weiteren Riß in die zionistisehen Reihen mancher Länder zu bringen, indem sie kleine Gruppen neu gründen. In dem sehr dezimierten jüdischen Österreich mit einer lahmen Beieitwilligkeit, existierte eine einzige zionistische Gruppe, die innerhalb dieser kleinen Gemeinschaft etwas Ansehen genoß. Der große israelische Kämpfer Wolfgang von Weisel hatte nichts besseies zu tun, als Machtgelüste in Österreich zu zeigen (U.nd bereitete in Wien den zionistischen Boden vor, um die allgemein-zionistische Landesorganisation auf seine eng-parteiliche Linie der Allgemeinen Zionisten festzulegen. Als mehr als 90"n der Mitglieder sich für diese Gunst bedankten und nicht mitmachen wollten, veranlaßte von Weisel das knappe Minjan der zionistischen Dissidenten, eine eigene neue zionistische Partei in Österreich zu gründen. Dadurch ist das zionistische Wien nicht stärker und größer geworden, einzig und allein haben sich die Parteischilder um eins vermehrt. Wenn so eine Parteigründung wie diese, dem zionistischen Leben in der Welt wenig Ehre und Ruhm einbringt, so gilt eine analog zionistische Tätigkeit von Dr. Weisel in London schon als Grerizfall von Schädigung zionistischer Interessen. Wäre Dr. von Weisel heute noch Revisionist (sicher ist er überzeugt, daß die Cheruth nicht die wahren Revisionisten sind, sondern daß er innerhalb der Allgemeinen Zionisten der wahre Revisionist geblieben ist), würde ich dafür Verständnis finden, daß er ein rabiater Parteimann ist, wenn, auch dies im Widerspruch stünde zu seiner Tätigkeit als B. B., wo man gewöhnlich für Einigkeit und gegen Spaltung predigt. Aber Dr. von Weisel ist heute Allgemeiner Zionist, und die Allgemeinen Zionisten waren von jeher die Kämpfer für eine zionistische Einheitsorganisation. Sie haben ihre vornehmste Aufgabe darin gesehen, Opfer zu bringen, große Konzessionen zu machen, um eine Einheitsorganisation zu stärken und zu ennög,li-| chen. Nun gibt es in einem Land eine zionistische Einheitsorganisation, die ein Muster für andere Länder sein könnte. Diese zionistische Einheitsov-