Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1959
- Issue
- Heft 112 (April 1959)
- Date
- 1959-04-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 DIE STIMME Nicht Josef Gabriel, der nach einer vorbildlichen Pro?eßführung zu lebenslangem Kerker verurteilt worden ist, zwingt, uns zu dieser wnkla,,:;. \\ i'- wissen, was er und seinesgleichen getan haben F;in anderes Ereignis ist es, das uns zu einem Aufschrei des Entsetzens zwingt. Denn aus der Vethandbing gegen Gabriel haben wir erst erfahren, wie mit den Mördern an Juden in einer ganz eigenartigen Weise verfahren wird. Während des Prozesses trat der Cb.’stapomaun Mita?, der wegen des gleichen blutigen Handwerks, das Gabriel ausgeiibt hatte, im Jahre 105b zu lebenslangem Kerker verurteilt worden war, vor die Richter. Er kannte Gabriel und sollte als Zeuge aussagen. Er trat als freier Mann vor die Zeugenbarre und man erfuhr, daß er nach Verbüßung von zweieinhalb Jahren Kerker begnadigt worden war. Was war geschehen? Wie war das möglich1' Jeder von uns mußte sich diese Fragen stellen und eine Antwort darauf finden. Und diese Antwort ist erschütternder als die ganze Vergangenheit, die wir durchleben mußten. Die Gleichgültigkeit gegenüber dieser grauenvollen Vergangenheit, welche der Prozeß nochmals beleuchtete, ist schon so weit gediehen, daß ein solcher Gnadenakt möglich ist. Uns kam zum Bewußtsein, daß wir dieser sich aufdrängenden Erkenntnis zwar mit blutendem Herzen, aber mit einer leidgewohnten Nüchternheit entgegentreten müssen. Sprechen wir es nur offen aus: Die Juden sind gestorben und verdorben; sie sind unter unvorstellbaren Martern abgeknallt worden; sie sind nun einmal tot! Und Tote kann man nicht lebendig machen. Das ist die Mentalität großer Gesellschafts schichten, die durch den Gnadenakt offenbar wurde. Die anderen, die gemordet und geraubt haben, die Teilhaber und Nutznießer der großen Mordorganisationen, sie leben, sie wirken, sie schaffen, sie verdienen und ihre Stimmen vernehmen gewisse Kreise hörbarer als die Klagen der Toten. Der Gnadenakt gegenüber Mitas hat nicht den Schrei des Entsetzens, den Sturm der Empörung zur Folge gehabt. Man hat in den Zeitungen schwach reagiert und registriert. Die Gerechtigkeit ist jum zweiten und zum dritten Male mit Füßen getreten worden. Man hat Erwägungen, Überlegungen, Motivierungen angeführt. Aber die Herzen haben nicht gesprochen. Das Erbarmen ist nicht zu vVorte gekommen. Es hat sich nicht den Opfern zu-t gewendet. Es hat sich für einen Mitas entschieden! Man täusche sich aber nicht. Die Mentalität der Gleichgültigkeit gegenüber vergossenem Blut, die Abkehr von der Gerechtigkeit, die das nationalsozialistische Regime zum Untergang verurteilt ha;. sie wuchern auch in unserer Gesellschaft weiter. Und sie sind ein noch größeres Verbrechen als die hitlerische Okkupation gegen die Zukunft unseres Landes. Wenn schon die Alten rechnen und Stimmen zählen und auf Beziehungen achten und Erwägungen anstelien, die Jugend sieht dem Leben mit offenen Augen und Ohren gegenüber. Und sie merkt eher als die Händler, daß die Gerechtigkeit mit Eüßen getreten wird. Und sie geht mit dem ihr eigenen wachen Sinn über das alte Gebot, daß man nicht, töten dürfe, hinweg, wenn solche Gnade möglich ist. Welche Verheerungen das Geschehen der letzten Wochen im und um den Prozeß Gabriel in jungen Menschen unseres Landes hervorgerufen haben mag, kann man sich lebhaft vorstellen. In einem Staat, in dem die* Achtung vor dem Leben des anderen in der vorgeschi Iderten Weise mit Füßen getreten wird, ist das Leien nicht lehenswert, Ls wird nicht lange dauern und die Saat solcher Gesinnung wird aufgehen. Wenn opportunistisch'.? Kurzsichtigkeit den Glauben an die Gerechtigkeit bei den Menschen zerstört, sie gnadenweise für ein Linsengericht verkauft, dann ist die Geselllschcilt, ist der Staat in Gefahr. Wir klagen mit unseren Toten, daß sie wieder einmal geschändet worden sind. Das Präsidium des Zionistischen Landesverbandes in Österreich Für Euch junge Juden - Shnat Sheruth Die Institution Shnat Sheruth bietet Jugendlichen zwischen dem 18. und 30. Lebensjahr einen Aufenthalt in Israel auf die Dauer eines Jahres und soll den jungen Menschen die Möglichkeit gelen, sich mit den Lebensgewohnheiten und Eigenheiten des Landes vertraut zu machen. Durch diesen Aufenthalt im Lande Israel lernt der Jugendliche, sich den dortigen Gegebenheiten anzupassen, wodurch die unvorhergesehen auftretenden Schwierigkeiten, überwunden werden können. Während seines Aufenthaltes in Israel lernt der Jugendliche Ivrith, bereist das Land von Dan Eilath und lernt das Leben der Bevölkerung, ihre Sitten und ihre Bräuche kennen. Die gesammelten Eindrücke, vermitteln dem jungen Menschen ein klares Bild, woraus er sich ein Urteil zu bilden und eine Entscheidung zu treffen vermag, ob er in Israel dauernd Aufenthalt nehmen soll. Sollte sich der junge Mensch für die Rückkehr und nicht für den Verbleib in Israel entscheiden, bleiben ihrr. die schönen Erlebnisse, dje ihm der Aufenthalt in der Medinah geboten hat, und er wird in seinei Heimat der Sache Israels mit Überzeugung dienen. Die bisherigen Resultate der Studienreisen fanden, darin Ausdruck, daß ein Großteil der Jugendlichen, die durch den Shnat Sheruth nach Israel kamen, den Wunsch äußerte, sich für immer dort anzusiedeln. Vie.e haben diesen Wunsch schon in die Tat umgesetzt, viele haben diezweckdienlichen Vorbereitungen, die eine Auswanderung erfordert, bereits getroffen. Der Shnat Sheruth Einrichtung kommt daher die vermutlich wichtigste Aufgabe zu, der jüdischen Jugend ihre eigentliche Heimat „Israel" näherzubringen. JUNGE MENSCHEN (Mädchen und Burschen) Wollt Ihr ein Jahr lang, unter idealen Bedingungen in Israel verbringen? Wendet .*Euch an Schnat Sherut im Zionistischen Landesverband, Wien IX, Universitätsstraße 4 4. Amtsstunden von 14 bis 18 Uhr. Präsident Tischenkel steht mit Rat und Hilfe zur Verfügung.